Ausgabe 
15.12.1900
 
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bedeutend an, während zu anderen Jahreszeiten 'ein gewisser Mangel an Arbeitsgelegenheit herrscht. Sobald nämlich das Weihnachtsfest vorbei ist, beginnen Fabri­kanten und Großhändler sich bereits mit dem Entwurf der Spielwaren für das nächste Christfest zu befassen, da die ausländischen Kommissionäre schon zeitig im Früh­jahr erscheinen, um unter den aufgestellten Mustern zu wählen und ihre Bestellungen zu machen, lieber den inländischen Bedarf wird auf der Leipziger Ostermesse entschieden. Dann wird vom Fabrikanten der eigentliche Feldzugsplan entworfen, d. h. die ganze Herstellung auf dem Wege der Arbeitsteilung in so viel einzelne Akte zerlegt, als verschiedene Arbeiter zur Fertigstellung des betreffenden Gegenstandes erforderlich sind, und nun be­ginnt die eigentliche Ausführung. Zu Hunderten kommen die Lieferfrauen und Liefermädchen dann tagtäglich mit schwer beladenen, auf dem Kopfe getragenen Körben von den Bergen und Hügeln herab, um die einzelnen Teile in Tausenden von Exemplaren beim Fabrikanten abzu- liesern, der nur noch die Fertigstellung und Verpackung zu besorgen hat.

Der Wert der gesamten Spielwaren- Fabrikation Deutschlands dürfte gegenwärtig 60 Millionen Mark nicht unerheblich übersteigen, von diesen Beträgen gehen für 45 Millionen Mark ins Ausland, während Deutsch­land von fremden Staaten noch nicht für 1 Million Mark Spielzeug bezieht. Der beste Abnehmer ist England mit 19 Millionen Mark, und an zweiter Stelle kommt die nordamerikanische Union, die für derartige Artikel drei­zehn Millionen Mark an Deutschland bezahlt. Von allen diesen Summen entfällt auf die thüringische Industrie, namentlich in Sonneberg und Umgegend etwa die Hälfte. Dutzende von volksreichen Ortschaften leben dort fast aus­schließlich von der Herstellung von Spielsachen und wären dem Elend preisgegeben, wenn der Absatz einmal ernstlich stockte.

Davon ist zurzeit allerdings keine Rede; aber obwohl die deutsche Spielwaren-Jndustrie einzig in der Welt dasteht, ist die Lage der Arbeiter keineswegs glänzend, und selten ahnt jemand, der in einem großstädtischen Spielwarengeschäft eine Schachtel mit Soldaten, Häusern oder anderem niedlichen Kindertrödel ersteht, wie fleißig deren Hersteller ihre Hände rühren müssen, um ihr ein­faches Leben zu fristen.

Christbaumschmuck.

E i ch e l s ch m u ck für den Weih nachtsbanin. Man nimmt langgestielte große Eicheln, die gut getrocknet sind, und leimt bann mit gutem Fischleim die heraus- gesalleneu Früchte in die Untersätze ein. Ist der Leim gut trocken, so überziehe man die ganze Eichel oder nur den Untersatz mit Goldbronee und die eigentliche Frucht mit Silberbronee oder auch umgekehrt. Namentlich, wähle man solche Eicheln, wo zwei oder drei Früchte an einem Stiele sitzen. Am Stiele wird der Faden zum Aufhängen befestigt. So bildet die Eichel eine schöne Zierde am Weihnachtsbaum und läßt sich viele Jahre lang auf­bewahren.

Weihnachlsbäckerei.

Schokoladen-Herzchen. Man schlage ein großes recht frisches Eiweiß zu festem Schnee, füge 60 Gramm feingeriebene Vanille-Schokolade und 125 Gramm fein ge­siebten Zucker dazu und knete es zusammen, besiebe das Backbrett mit Zucker, rolle den Teich, fingerdick aus, steche ihn mit Herzförmchen ober in deren Ermangelung mit einem Likörgläschen aus und backe die Bonbons bei mäßiger Hitze. Ebenso bereitet man Zuckernüsse. Ein halbes Kilogramm Zucker und 4 Eier rührt man eine halbe Stunde, thut ein halbes Kilogramm Weizenmehl, 3 Gramm aufgelöste Potasche, 40 Gramm Citronate, eine gehackte Citronenschale, etwas Zimmt und gestoßene Nelken hinzu, dreht Klößchen von der Größe einer kleinen Nuß und backt sie auf geschmierten Blechen.

Zuckernüsse. 250 Gramm gestoßener Zucker wird mit drei Eiern eine Viertelstunde gerührt, dann mit 50

Gramm feingeschnittenem Citronat, 250 Gramm seinem Mehl mit einen halben Messerspitze Hirschhornsalz ver­setzt, gut zusammengearbeitet. Nun formt man kleine Kügelchen, zieht sie nach oben spitz und bäckt sie auf einem mit Wachs bestrichenen Blech schön gelb.

Iür die Küche.

Den thr anigen Geschmack der Wildente n kann man aus eine sehr einfache Art entfernen. Man füllt die betreffenden Tiere, bevor sie gebraten werden, mit Erbsen an. Diese ziehen den Geschmack an sich, so daß der, natürlich von beit Erbsen wieder befreite Braten nichts mehr von seinem ehedem so unangenehmen Geschmack an sich hat. (Praktischer Wegweiser", Würzburg.)

Am sausenden Webstuhl der Zeit. Ucbersicht der Wirkungen der Entwicklung der Naturwissenschaften und der Technik. Bon Launhardt, Geh. Reg.-Rat, Prof. a. d. Tech. Hochschule zu Hannover. Mit vielen Abbild. Geh. Mk.. 90, geschmackvoll geb. Mk. 1.15. (Aus Natur und Geistcswclt." Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Ge­bieten des Wissens. 23. Bändchen.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig.

Heute, wo wir in den Naturwissenschaften und der Technik einen alle vergangenen Zeiten weit überragenden Standpunkt einnehmen, ist ein Rückblick auf ihre Entwicklung, wie sie das vorliegende Bändchen in geistreichen Ausführungen giebt, gewiß vielen willkommen. Inden» er sic den Weltwundern der Alten gegenübcrstellt, weiß der Ver­fasser treffend das Wesen der Wunder unserer Zeit klar zu stellen, die im wesentlichen der Vervollkommnung des Verkehrs dienen. Vor­bereitet wurden sie, wie der Verfasser im einzelnen schildert, durch natur­wissenschaftliche Entdeckungen, die die Sinne verschärfen und ver­vollkommnen. In gleicher Weise geschieht dies dann mit den Er­findungen, die unsere Herrschaft über den Raum in ungeahnter Weife ausgebreitet haben, den modernen Schußwaffen wie den Fern­rohren, den Eisenbahnen wie den Dampfschiffen und den Luftschiffen. Eine eingehende Darstellung erfährt insbesondere die Entwicklung des Eisenbahnwesens, in der die für die Beherrschung der Raumes wesentlichen Einführung der Zwangsläufigkeit der Bewegung, wie sic durch das Gleis, die Röhre, den Draht und das Getriebe erreicht wird, den bedeutendsten Erfolg erzielt. Im letzten der Vorträge werden die meistens zu entgegengesetzten Erscheinungen führenden Wirkungen der Berkehrsvervollkommnnng dargcstcllt, die in vielseitiger Weise aus wirtschaftlichem, sozialem und politischem Gebiete im gesamten Kultur­leben sich geäußert haben.

Zeit ist Geld. Diesen Grundsatz muß mau sich "jetzt mehr denn je vor Augen halten; denn es gilt keine Minute verlieren, um mit den Vorbereitungen zum Weihnachtsfeste zeitig genug fertig zu werden. Das soeben erschiene Hcst 6 deS vierzehnten Jahrganges derWiener Mode" erleichtert diese Aufgabe insofern, als cs in ungemein praktischer Wcise alle erdenklichen Weihnachtsgeschenke zeigt und ihren Leserinnen die Mühe des Grübelns nach zweckmäßigen Geschenken erspart. Daneben ist auch reizender Abendgesellschafts- und Besuchstoiletten gedacht und der neue, so kleidsame Miederrock in mehreren Arten veranschaulicht. Preis vierteljährlich 2 Mk. 50 Pf. Abonnementsbestcllungen nehmen alle Buch­handlungen, Postanstalten, sowie der Verlag derWiener Mode" in Wien, VI., Wicnstraßc 19, entgegen^

Auflösung folgt in nächster Nummer.

Bilderrätsel.

(Nachbildung verboten;.

Auflösung des Abstrichratsels in vor. Nr. : Hunger ist der beste Koch.

Redaktion: ®. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«,