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ie Freundschaft, die der Wein gemacht, Wirkt, wie der Wein, nur eine Nacht.
(Nachdruck verboten.)
Unter dem Schwerte der Themis.
Roman von Reinhold Ort mann.
(Fortsetzung.)
Sie sprach, ganz ruhig, aber ihre Stimme hatte einen Klang wie von erstickten Thränen als sie fortsuhr: „Und gestern habe ich auch das letzte, das schrecklichste erfahren. Seit gestern erst toeiß ich, alles — alles!"
Eine große Bestürzung Chatte sich plötzlich, seiner bemächtigt. „Alles?" fragte er unsicher. „Das heißt, Ihre Mutter hat Ihnen gesagt —"
„Nein, meine Mutter hat mir nichts gesagt. Aber sie war so unvorsichtig, einen Brief in meine Hände fallen zu lassen, den dieser Sandory, dieser Schurke, an sie geschrieben."
„Nennen Sie ihn nicht so, Fräulein Elli!" wandte Sigismund bittend ein. „Er hat mir erst kürzlich einen überzeugenden Beweis seiner hochherzigen und uneigennützigen Gesinnung gegeben."
„So kennen Sie ihn eben nicht; denn er ist nicht hochherzig und uneigennützig. Wie wäre er sonst dazu 'gekommen, meiner Mutter nach Brünn zu schreiben, daß —"
„Ah, er kannte also Ihren Aufenthalt? Er wußte, daß Sie nicht nach, Amerika gegangen seien?"
„Er wußte es sehr genau; denn er war der einzige, den meine Mutter vorher in ihr Vertrauen gezogen hatte."
Sigismund griff sich verständnislos an die Stirn. „Wie ist das nur möglich! Welchen Grund könnte er gehabt haben, eine unwürdige Komödio mit mir aufzuführen. Was hat er also Ihrer Mutter geschrieben?"
„Er fürchtete, daß ich. den Wunsch, haben könnte, Ihnen ein Lebenszeichen zu geben, und er ermahnte sie deshalb auf das Eindringlichste, mich, daran zu verhindern. Wegen der Rückgabe des Darlehens, das sie von Ihnen empfangen, solle sie sich nicht die geringste Sorge machen; denn en habe Ihnen den Betrag vorläufig aus seiner eigenen Tasche erstattet, und es sei ihm daran gelegen. Sie bis auf weiteres ganz in der Hand zu behalten."
„Mich in der Hand zu behalten?" wiederholte er ungläubig. „Und Sie sind ganz sicher, daß da nicht irgend ein Mißverständnis obwalten kann?"
„Ich habe den unglückseligen Brief wohl zehnmal
gelesen, und meine Mutter hat mir auf meine dringenden Bitten schließlich alles bestätigt."
„Was konnte sie Ihnen bestätigen, Fräulein Pollnitz?"
„Daß sie sich nur auf Sandorys Veranlassung gerade an Sie mit der Bitte um das Darlehen gewendet hatte."
„Aber wenn ich für dies alles nur eine Erklärung finden könnte! Wodurch sollte dieser Mann bestimmt worden sein, ein falsches Spiel mit mir zu treiben! Ich habe ihn niemals gekränkt oder beleidigt, und er war es, der mir seine Freundschaft aufgedrängt hat, nicht iäx, der sie suchte."
„Sie werden ihn selbst darum befragen müssen, Herr Ruthardt; denn ich glaube wohl, daß seine eigentlichen Beweggründe auch meiner Mutter unbekannt geblieben sind. Bor allein aber bitte ich Sie, dies Geld zurück- zunehmen, das mir seit heute früh wie Feuer in den Händen brennt. Nehmen Sie an, daß meine Mutter es Ihnen dnrch mich überschicke."
Sie reichte ihm einen geschlossenen Briefumschlag, aber Sigismund zauderte, danach zu greifen.
„Sie wissen, daß ich um Liesen Betrag nicht mehr in dringender Verlegenheit bin, seitdem Herr Sandory sich aus freien Stücken erbot, ihn mir einstweilen leihweise zur Verfügung zu stellen."
„Aber Sie waren doch in dringender Verlegenheit durch unsere Schuld — nicht wahr? Und Sie haben uns für verächtliche Geschöpfe gehalten?"
„Nein, Fräulein Elli — wie soll ich Sie nur davon überzeugen, daß ich in Bezug auf Sie nie einen häßlichen Gedanken gehegt."
Sie schob mit einemmale den Schleier, empor und schlug die schönen, glänzenden Augen voll zu ihm auf.
„Ich danke Ihnen, Herr Ruthardt", sagte sie. „Glauben Sie mir, daß ich, niemals aufhören werde. Ihnen dafür zu danken. Aber nun befreien Sie mich auch von dieser schrecklichen Bürde. Sie können nicht ahnen, wie ich mich seit vierundzwanzig Stunden nach dem Augenblick gesehnt habe, wo das unglückselige Geld endlich wieder in Ihren Händen sein würde."
„Muß ich denn aber nicht fürchten, daß es Sie schwere Opfer kostet, es gerade jetzt zurückzuzahlen? Und es hätte nun wirklich keine Eile."
„Doch, es hat Eile — große Eile!" beharrte sie mit Nachdruck. „Sie müssen sich, von diesem schlechten Menschen freimachen, der es gewiß nicht freundlich mit Ihnen meint — Sie müssen es auf der Stelle thuu. Ich habe Angst genug ausgestanden, daß es vielleicht schon zu spät sein könnte. Und ich verstehe überdies gar niü;t, wie Sie sich sträuben können, Ihr Eigentum zurückzunehmen. Es ist doch sicherlich nicht Ihre Absicht, mich zu kränken — nicht wahr?"


