Ausgabe 
15.11.1900
 
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Dicke Schweißtropfen perlten auf Felix' Etirn. Gr wollte fliehen, um nichts weiter zu vernehmen, um sich! wenigstens noch; die Möglichkeit eines letzten leisen Zweifels zu wahren. Doch die leiseste Bewegung würde seine An­wesenheit verraten. Er muhte ausharren.

Aber warum hast Du ihn denn genommen?" fragte Lilly.

Weil er in Gold gefaßt war."

Ein kühler Wind hatte sich erhoben. Die leicht ge­kleidete Tilly erschauerte.Komm", sagte sie,es wird kühl, wir wollen' ins Haus zurückkehren."

Sie erhoben sich und eilten den mondschimmernden Kiesweg hinunter, dem Hause zu.

Mit Augen, düster wie die Nacht, starrte Felix ihnen «ach,

Die Elende!" knirschte er, sobald sie außer Hörweite waren,o, diese Elende!"

Ottokar hätte viel darum gegeben, seinen Freund trösten zu können, doch angesichts dieses Schmerzes fand er die rechten Worte, den rechten Ausdruck nicht. Ihm war, als habe er einen Keulenschlag erhalten.

Und Dir. . . Dir habe ich das zu verdanken!" wandte Felix sich! .fetzt erbittert gegen den Freund.

Mir. . .?"

Jawohl, Dir . . . Deiner Poeten-Einfalt. Du Hast Dich! von der Komödie, die sie gespielt, fangen lassen, und ihr obenein noch znr Erreichung ihres Zweckes ver­halfen. Und wenn ich! bedenke, daß ich so blödsinnig gewesen, mich! ebenfalls sangen zu lassen! . . . Wenn ich mir ihre Antwort auf meine Liebeserklärung vergegen­wärtige:Wie gut, daß Sie nicht um mich geworben, bevor Sie Ihr Vermögen verloren; denn nun kann ich! freudigen HerzensJa" sagen . . ." O, diese elende Heuchf- lerin! . .-. Nur um meines Mammons, um meinergol­denen Fassung" halber ift- sie mein Weib geworden!"

Felix, ich! bitte Dich, beruhige Dich!"

Mich! beruhigen? . . . Wie sollte das wohl möglich sein? Wenn ich; sie wenigstens nicht so liebte oder hoffen könnte, sie eines Tages nickst mehr zu lieben ! Aber sie ist mir so unendlich^ ans Herz gewachsen, daß ich mich nie mehr von ihr loszureißen vermag. O, es ist, entsetzlich!, Ottokar, über alles Denken fürchterlich! ... Zu wissen, daß sie, die man anbetet, unserer Liebe unwert ist!"

Und auf der Bank niedersinkend, auf der seine Frau zuvor gesessen, brach! Felix in leidenschaftliches Schluchzen aus.

Wenn ich denke, wieviel Anwartschaft auf ein glück­liches Dasein ich gehabt! "stöhnte er.O, und wie glücklich hätte ich irgend ein braves, ehrenwertes Weib machen können, das mir dafür erkenntlich gewesen wäre! . . . O, dieses Elend, diese Qual!"

DaS Leid des Freundes schmerzte Ottokar in tiefster Seele.Vergieb mir, Felix, vergieb mir!" bat er innig. Ich bin trostlos, die Ursache Deines Unglücks gewesen zu sein. Doch mein Glück ist ebenfalls dahin; denn so sehr ich! die Freundin Deiner Frau lieb gewonnen, vermag ich jetzt nicht mehr, an eine Vermählung mit ihr zu denken. Ich habe kein Vertrauen mehr zu den Weibern ' und will mich nicht der Gefahr einer ähnlichen Entdeckung «uSsetzen, wie sie Dir soeben befchieden worden."

III.

Schließlich mußten die Freunde wieder daran denken, ms Haus zurückzukehren.

Welche Qual liegt in dem Gedanken, diesem Weibe wieder gegenübertreten, sich unwissend stellen, von gleich- gütigen Dingen mit ihr reden zu müssen!" rief Felix ver­zweifelt.

Allerdings. . . denn daß wir uns versteckt hatten, um sie zu belauschen, können wir ihnen nicht sagen. Durch­trieben, wie Deine Frau ist, würde sie Dir dann erwidern, daß ihre Aeußerungen lediglich bezweckten, Dich für Deine Neugier zu strafen."

Wenige Minuten später betraten die beiden Herren den Salon.

Wie lange Ihr draußen geblieben seid!" wandte Gerda sich mit sanftem Vorwurf an den Gatten.Das

ist unrecht von Mr, Felix; Du weißt doch, tote leicht Du Dich erkältest."

Pah, was thut das?" versetzte er voll inner«« Grimmes.

Was es thut? Nun, wenn es Dir nichts thut, ist es doch für Deine Frau sehr betrübend, den geliebten Herrn und Gemahl leiden zu sehen", lächelte Gerda, während sie, auf Felix zutretend, zärtlich! seine Wange tätschelte.

Es bedurfte des Aufwandes all seiner Willenskraft, um angesichts dieser schändlichen Heuchelei einen Aus­bruch innerer Empörung zu unterdrücken und seine Ruhe zu wahren.

Sag', lieber Schatz", ging Gerda dann ziemlich un­vermittelt auf ein anderes Thema über,gedachtest Du nicht morgen nach Wien zu reisen?"

Warum diese Frage?"

Ich wollte Dich in diesem Falle bitten, mir diesen Fächer umzutauschen, den ich in voriger Woche unter dieser Bedingung gekauft habe. Anfangs gefiel er mir, aber ich bin seiner sehr bald überdrüssig geworden. . ."

Wie ein Blitzstrahl durchzuckte es Felix.Wie kommt denn das?" fragte er sich, zur Ruhe zwingend, in halb ersticktem Tone.Das ist doch sonst nicht Deine Art?" Ich! weiß nicht. . . vielleicht weil er allzu sehr ins Auge fällt."

Aber warum hast Du ihn denn genommen?"

Woeil er in Gold gefaßt ist... Das ift jetzt das Modernste."

Eine Bergeslast fiel ihm von der Seele, während Gerda harmlos fortfuhr:

Wer Du weißt ja, ich bin mehr für das Einfache, Unauffällige. Du wirst mir etwas recht Hübsches aus­suchen, nicht wahr, Männchen? Ich verlasse mich auf Deinen guten Geschmack."

Ja, mein Lieb, ja; ich werde mein möglichstes thun. Doch halt, erst' gieb mir einen Kuß!"

Und leidenschaftlich preßte er sein junges Weib in die Arme.

Wer Felix, ich bitte Dich!, sei doch vernünftig! . . . Was muß Herr Ottokar denken?"

Ach was! Er wird denken, daß ich Dich liebe und ein glücklicher Mensch bin. . . und das wird er sehr begreiflich finden."

Gemeinnütziges

Neue Apfelsorten. Seit der Einbürgerung des Bismarckapfels legen sich unsere -Obstzüchter immer mehr auf die Anzucht frühtragender und großfrüchtiger Apfel­sorten. Es ist erstaunlich, was hierin schon geleistet wird. In der neuesten Nummer des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau werden zwei dieser Sorten in Wort und Bild vorgeführt. Es sind dies Fießcrs Erstling und Großherzog Friedrich von Baden. Schon ganz kleine Bäumchen, wie sie eins der Bilder veranschaulicht, ja sogar einjährige Veredlungen, hängen schon voll präch­tiger, sonnenwärts leicht geröteter, dem weißen Winter- Calvill ähnlicher, wundervoll duftender und in der Lagerreife goldgelb werdender Früchte. Da die Sorten auch kräftig treiben, wird der Gartenliebhaber gewiß große Freude an denselben erleben. Die betreffende Nummer, in welcher diese schönen neuen Sorten be­sprochen und abgebildet sind, wird auf Verlangen vom Geschäftsamt des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau in Frankfurt a. Oder frei zugesandt.

Gilbenversteckrätsel.

Nachdruck verboten.

Gleiwitz, Wochenblatt, Brühsuppe. Wunderkind, Ringlein, Scheune, Kapitän, Pendel.

Es ist ein Sprichwort zu suchen, befielt einzelne Silben der Reihe nach versteckt sind in vorstehenden Wörtern ohne Rücksicht auf bereu Silbenteilung.

Auflösung folgt in nächster Nummer.

Auflösung der Gleichung in voriger Nummer:

Hnnbstage. (a Hund; b Stange; c Neid; d Eid.)

Redaktion: ®. Burkhardt. Druck und Berlaz der Briihl'schen UniverfitätS-Buch- und Steindruckern (Pietsch Erben) in Gießen.