Ausgabe 
15.11.1900
 
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Araurii w, um sie in Versen zu besingen; ich, um mir eine Augenweide zu bereiten, Michi zu zerstreuen bis . .

Bis. . .?"

. . . Ich! die Gesuchte gefunden habe."

Und Du suchst natürlich ein Ideal an Schönheit und Liebreiz, in jeder Beziehung erster Güte?"

Bewahre, ich suche einfach ein Weib, das mich um meiner selbst willen liebt und fähig ist, mir das Leben angenehm zu machen."

Ottokar lachte unwillkürlich auf.

Kindskopf! Wenn das alles ist, so dürftest Du mit Deinem Aeußeren, Deinem Mammon mit Leichtig­keit Dutzende von Frauen finden."

Das vielleicht. AlsPartie" dürfte ich vielleicht Anspruch! auf das, Prädikaterste Güte" erheben. Aber das ist es eben. Gesetzt den Fall, ich ginge der erwähnten Vorzüge verlustig, ich verlöre Haar und Geld zugleich . . . glaubst Du wohl, daß gute Sitten und Verstandeswert allein genügen, um Eindruck auf ein junges Mädchenherz zu machen?"

Hm. . ." meinte der Poet bedenkliche

Siehst Du, da habe ich,Dich festgenagelt! . . . Und kannst Du mir unter all den Mädchen meiner Bekannt­schaft, die bei jedem meiner Worte anscheinend in Be­wunderung zerfließen, auch nur eine, eine einzige nennen, die mir. . . im Falle ich mittellos . . ."

Und kahl wäre . . ."

Mit derselben bestrickenden Liebenswürdigkeit be­gegnen würde?"

O ja, id), kenne eine."

Wer ist sie?" ,

Gerda Larisch, die Du schon oft bei Deiner Tante, Frau von Cron, getroffen hast."

Ach geh doch! Sie beachtet mich! ja kaum, ja, sie weicht mir sogar aus. Und wenn die Höflichkeit es un- umgänglich erfordert, daß. ich sie zum Tanz auffordere, findet sie stets einen Vorwand, meine Bitte abzulehnen."

Weil sie Dich! liebt."

Wie . . . Du glaubst? . . ."

Aber bester Junge, das sieht man doch! ... Ich bin vollkommen überzeugt davon. Für uns Poeten giebt es untrügliche Symptome."

Mer wenn es so wäre, warum dann diese äußere Mißachtung?"

Mißachtung? . . . Ich halte es für Zurückhaltung, für weibliche Würde. Fräulein Larisch ist arm, und Du bist Millionär."

Wer sie ist berückend schön. . ."

Allerdings, und wenn ich, ein armer Poet ohne Heller und Habe, in Deiner Stelle wäre. . ."

Aber wie erfahre ich, ob Deine Behauptung zutrifft?"

O, das dürfte nicht schwer halten. Auf der nächsten Wendgesellschaft bei Deiner Tante werde ich ihr im Vertrauen mitteilen, daß Du mittellos bist und eine Perrücke trägst. Dann bittest Du sie um den nächsten Walzer, und Du sollst sehen, sie nimmt Deine Aufforderung an. Und da sie Dir bisher, so lange sie Dich reiche und . . . behaart gewähnt, keinen Tanz gewährt, wäre dies der schlagendste Beweis fürs die Richtigkeit meiner Be­hauptung."

Gut, versuchen wir es, und sei's auch nur aus Wißbegier."

II.

Wirklich! nur aus Wißbegier?

Jedenfalls ward Felix an gedachtem Abend zum ersten Mal das Vergnügen zu teil, mit Fräulein Larisch zu tanzen, wobei er Gelegenheit fand, sie nicht nur als vorzügliche Tänzerin, sondern auch als überaus anziehen­des liebenswürdiges Wesen kennen und schätzen zu lernen. Und als er im Laufe des Abends zum Brennpunkte, zu der Frage gelangte, ob sie seine Frau werden wolle, harrte er voll Bangen ihrer Antwort.

Sie war sehr einfach.

Wie gut, daß Sie diese Frage nicht geäußert haben, bevor Sie Ihr Vermögen verloren. Nun kann ich! freu­digen Herzensja" sagen."

Der Kahlheit erwähnte sie nicht; denn der diploma­tische Ottokar hatte es schließlich doch! für ratsamer ge­halten, sich diese Lüge zu ersparen.

Sechs Wochen später fand die Vermählung des Paare- statt. Die jungen Gatten machten eine Hochzeitsreise nach Italien und ließen sich, zurückgekehrt, auf dem herrlichen Landgute Ellerns nieder.

Die ersten Gäste, die sie dorthin einluden, waren Ottokar Waldheim und Tilly Leer, eine Freundin Gerdas, die auf der Hochzeit derselben Ottokars Brautdame ge­wesen.

Es ist nicht schwer zu erraten, daß das junge Ehe­paar eine Verschwörung angezettelt hatte, um sich dem Poeten , dessen kluger Strategie sie ihr Glück ver­dankten, erkenntlich zu zeigen. Sie hofften, daß Tilly, die elternlos, freie Herrin ihrer Entschließungen und für edle Poesie außerordentlich, empfänglich war, sich schon aus Begeisterung für Ottokars schöne Verse entschließen würde , ihm ihre Hand zu reichen, in der sich, etliche hunderttausend Mark befanden.

Es waren herrliche Tage, die die Vier niitsammen verlebten.

Ottokar, der bereits auf der Hochzeit sehr entzückt von seiner Brautdame gewesen, geriet alsbald in jenen eigenartigen, nicht mißzudeutenden Zustand, der sich durch. Seufzen, schmachtende Mienen und Augenverdrehen kund zu thun pflegt.

Bei Gelegenheit machte er Felix zum Vertrauten seines Hangens und Bangens.

Du glaubst also wirklich, daß dieses göttliche Weib im stände wäre, mir ihr Herz zu schenken?" fragte er.

Ich bin überzeugt davon."

Wäre es möglich? Mich. . . mich sollte sie lieben? Mich armseligen Schlucker?"

Bei Menschen von hervorragender Veranlagung spielt Geld meist keine Rolle. Sieh Dir Gerda an! Hat sie mir ihre Liebe nicht dann erst bekannt, als sie mich mittellos wähnte?"

Das ist allerdings wahr."

Während dieser Unterhaltung ergingen sich die Freunde im Park. Der Abend dunkelte bereits. Der heraufziehende Mond begann seinen magischen Goldschein um Baum und Busch zu weben.

Schritte und Stimmen klangen durch die Abendstille.

.Halt!" sagte Ottokar.Dort kommt Deine Frau mit Tilly."

Vielleicht verhandeln sie dasselbe Thema wie wir", meinte Felix.Solch! stimmungsvoller Mondscheinabend ist zu Herzensergüssen wie geschaffen."

O wüßte idji, ob sie mich liebt", seufzte Ottokar träumerisch.

Das kannst Du möglicherweise gleich! in Erfahrung bringen. Schnell hier hinein!"

Damit zog Felix den Freund in ein dichtes Gebüsch, wo beide regungslos den Stimmen der Nahenden lauschten.

Langsam, Arm in Arm, näherten sich die beiden Damen einer in der Nähe des Gebüsches stehenden Bank.

Wollen wir uns hier ein wenig setzen?" fragte Gerda.

Gern."

Die beiden Lauscher frohlockten innerlich Besser hätte es sich garnicht fügen können. Kein noch so leises Wort konnte ihnen jetzt entgehen.

Und hast Du eine glückliche Wahl getroffen? Ent­spricht er in jeder Beziehung Deinen Wünschen?" tönte Tillys Stimme an ihr Ohr.

Ottokar stieß Felix an, was ungefähr besagen sollte: Paß auf? Die Rede ist von Dir, alter Freund!"

Mit vollstem Vertrauen erwartete der Gatte die Ant­wort seiner Frau, ein festes, kurzes, entschiedenes, natür­lichesJa!"

Nein!" klang es statt dessen zurück.Es wird Dir vielleicht unbegreiflich scheinen, Tilly, aber ich, bin seiner sehr bald überdrüssig geworden und mag ihn nicht mehr."

Glücklicherweise konnte Felix sich in diesem Moment auf Ottokar stützen; denn seine Knie schienen plötzlich zu. wanken.

Mein Gott! Mein Gott!" ächzte er leise.

Aber wie kommt denn das?" entgegnete Lilly ve-- troffen.'Du schienst doch anfangs so viel Gefallen an ihm zu finden?"

Nun ja . . . aber man kann sich, täuschen. Und dies ändert sich! auch! der Geschimack." .