Ausgabe 
15.7.1900
 
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s8# ulbe, gedulde dich fein! lieber ein Stündlein

M Ist deine Kammer voll Sonne.

Heber den First, wo die Glocken hangen, Ist schon lange der Schein gegangen, Ging in Türmers Fenster ein.

Wer am nächsten dem Sturm der Glocken, Einsam wohnt er, oft erschrocken, Doch am frühsten tröstet ihn Sonnenschein. Wer in tiefen Gassen gebaut, Hütt' an Hüttlein lehnt sich traut, Glocken haben ihn nie erschüttert, Wetterstrahl ihn nie umzittert;

Aber spät sein Morgen graut. Höh' und Tiefe hat Lust und Leid, Sag' ihm ab, dem thörichten Neid: And'rer Gram birgt and're Wonne.

Dulde, gedulde dich fein!

Heber ein Stündlein

Ist deine Kammer voll Sonne! Paul Heyse.

(Nachdruck verboten.)

Die Irre von Sankt Rochus.

Kriminalroman von Gustav Höcker.

(Fortsetzung.)

In seinem mit ländlicher Einfachheit ausgestatteten Wohnzimmer saß am Spätnachmittage der Sägemuller einsam beim Vespermahle, wobei das Rauschen des Wasser­rades und das Kreischen der Säge die Tafelmusik bildeten. Je weniger Bequemlichkeit die gelb getünchhe Stube mit ihren wenigen rohen Möbeln darbot, desto mehr schien ihr Bewohner für kulinarische Genüsse eingenommen zu fern. Obwohl das Vespern nur ein bescheidenes Mittelglied zwi­schen Mittag- und Abendessen bildet, so wies der mit einem nicht sehr sauberen Tuche bedeckte Tisch doch außer Brot, Butter und Speck auch! noch Eier, Schinken und kalten Braten auf, und neben den beiden Flaschen Bier, von denen die eine bereits geleert war, prangte eine etwas kleinere, aber desto vornehmere Mitschwester, deren bunte Etikette den Namen eines seinen Likörs verriet. Das be­häbige Embonpvint, das fleischige Doppelkinn und das schwammige Gesicht, wodurch! sich das Wohlleben Mße^ lich am Menschen zu kennzeichnen pflegt, suchte man zedoch bei dem Mühlenbesitzer vergebliche dazu war er noch, zu

jung und vielleicht auch! erst zu kurze Zeit im Genuß des behaglichen Wohlstandes, der eine so üppige Halbabend­mahlzeit gestattet. Seine mittelgroße Figur zeigte ein Ebenmaß, welches angenehm ins Auge fiel; sein etwas bleiches, bartloses Gesicht konnte hübsche genannt werden und hätte für ihn eingenommen, wäre nicht ein gewisser Zug um den Mund gewesen, der guf Heimtücke oder Ver­bissenheit oder auf sonst eine gefährliche Charaktereigen­schaft schließen lieh, welche unter diesem glatten Gesicht lauerte.

Während er sich's eben noch, schmecken ließ, knarrten Schritte auf der aus dem Hofe heraufführenden morschen Holztreppe. Ein kurzes Pochen an der Thür ertönte, und fast zugleich! öffnete sich diese.

Auf der Schwelle erschien die Baronin. Es lag etwas geheimnisvolles in der Art ihres Eintretens. Sie zog sorg­fältig die Thür hinter sich wieder zu und sagte mit leiser Stimme:

Heute endlich habe ich ihn wieder zu Hau,e ange­troffen. Hätte ich den Gang nur um einen Tag verschoben, so wäre es zu spät gewesen."

Der Müller legte Messer und Gabel Beifette, eher mit einer Miene, als wäre ihm der Appetit vergangen, als aus Respekt vor seinem vornehmen Besuche; denn er blieb ruhig sitzen und überließ es auch der Dame, sich! selbst nach einer Sitzangelegenheir umzusehen.

Du hast ihn also getroffen", erwiderte er ebenso leise und (blickte sie gespannt an.

Dabei habe ich! mich! von neuem überzeugt", flüsterte sie, ,,daß man ihm in seiner Wohnung nicht beikommen kann. Wie ich Dir schon mitteilte, herrscht etn zu lebhafter Verkehr in dem verwünschten Hause; der Revolver, der auch! heute an seinemj alten Flecke lag, beweist, daß er stets auf seiner Hut ist. Mein Pülverchen, das Cyankali, bin ich! auch diesmal nicht los geworden, nicht ent arm­seliges Glas Wasser stand da, in das id), es hatte fchutten können.^ ^fzte schwer auf und blickte finster zu

Aber er geht in die Schlinge, Heinrich", fuhr die Baronin flüsternd fort,heute Nacht noch! Er ift uns ftCf)e Jäo, so!" sagte Heinrich erleichtert und hob den Kopf, wobei der Blick seines dunklen Auges sich erwartungsvoll

ich dem

rief die Dame mit gedämpfter stimme.Bei meinem ersten Besuche erfand ich das Märchen von dem mit einem Rubinschmuck durchgegangenen Ehegemahl, nur um einen Vorwand zu haben, mich in der Höhle des Fuchses umzu­sehen Als ich dann zu Dir eilte, um Dich vor der Gefahr, die uns von ihm droht, zu unterrichten, und wahrend der