Ausgabe 
14.10.1900
 
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Man erzählte mir zu meinem innigen Vergnügen, Sie fei^KrfSÄ öeiter Plaudernden Besucher mit e^in-ß^[et^^u einent bescheidenen Wohlstände ge- brachch^d?s ist wahr ! Wer es hat mich, bei Gott, Arbeit $eTUl%lan sieht's Ihnen an, armer Frenud! Es ist hier zu Lande also noch immer so schwierig, ein Kapital von hunderttausend Mark in zwöls Jahren zu verzehnfachen? Schade! Anderswo versteht man ftch besser auf derartige Kunststückchen. Aber freilich, ein ehrlich erworbener Reich tUUl Der Bankw?s?hnitt ihm die Weiterrede ab, indem er dicht vor ihm stehen blieb uni) ihn hastig unterbrach . Sie werben sicherlich nicht hierher gekommen em damtt wir die Zeit mit allerlei unnutzem Geschwätz totschlagen.

nfniibe Ihre Anspielungen auf metrten vermeintlichen über die Größe desselben tn ernem starken ^rrtum zu befinden scheinen, so werde ich mich doch unter gewissen Voraussetzungen bereit finden lassen, Ihren Wünschen en -

^^Sand^yMiPste die Asche von seiner Zigarette und ' blickte lächelnd in das verstörte, farblose Gesicht.

Wie gut Sie doch noch immer sind, Norrenberg. Sie erklären sich Bereit, meine Wünsche zu erfüllen, noch äe ich sie auch nur angedeutet habe. Ganz so groß­mütig waren Sie auch damals, als Sie nur durch 3u- 7eden und durch Ihre freundschaftliche Fürsorge zu emem Glück verhalsen, nach welchem ich sonst wahrscheinlich Nie die band ausgestreckt hätte."

Dem Bankier schien die lächelnde M^ne des anderen HTtovtrnnfirfi: in werden: denn er wandte den Kops unv hantierte nervös mit einigen auf der Schreibtischplatte I liegenden . me|nte e$ in der Thai gut mit Ihnen. Aber" ich weiß nicht, welches Vergnügen es *n be» retten kann von diesen vergangenen Dingen zu sprechen. *

Dem Rechtschaffenen stehl es wohl an, sich ewpsanbener Gutthalen zu erinnern. Und Sie waren damals in s anfovfernder Weise um mein Fortkommen bemüht, tm eiaenttichsten Sinne des Wortes. Ich erkenne es mit ge- Srenber Dankbarkeit an, daß ich in der täppischen Unerfahrenheit meiner dreiundzwanzig Jahre gewiß sehr bald eine Beute meiner Verfolger geworden Ware, wenn nirft Ihre bewundernswürdige Umsicht mtr die Wege zm. I Flucht geebnet hätte. Bis auf den heutigen Tag wurdeich Sie als meinen großherzigen Wohlthater verehrt haben, I wenn nicht die indiskreten beutschen Zeitungen zufällig selbst bis in meinen, fernen Schlupfwinkel geflattert tunten/'

Norrenbergs bebende Finger wühlten noch immer m den knisternden Papieren.Ich verstehe Sie nicht. Aber am Ende iP.es wohl heute ganz gleichgilllg, was vor zwols 3af>r5eirf,e mi/Jhrer Erlaubnis, mein Bester - mir weniastens ist es so ganz gleichgiltig noch immer nicht, muft Jhneti sogar gestehen, daß ich damals em klem wenig böse auf Sie war, weil es mir scheinen wallte, als seien Sie ein bischen unehrlich gegen mich gewesen. Das Pakech welches Sie mir eingehändlgt hatten, enthielt etwas mehr als vierzigtausend Mark - eine nette Summe, nac^meiner iuaendlich naiven Auffassung beinahe em Vermögen! ^n den Zeitungen, die monatelang nicht müde wurden, sich mit meiner Person zu beschäftigen, mußte ich mit Erstaunen lesen daß die Geldvorräte unserer Bank durch mich um nahezu zweimalhunderttausend Mark verringert worden feien. Und ich war trotz meiner Jugend nicht mehr un­erfahren genug, um daran zu glauben, daß vierzig die Hälfte von zweihundert sei. "

Wohl eine Minute lang, nachdem Sandory geendet, stand Norrenberg wie in innerem Kampfe schweigend da. Dann kebrte er sich mit einer brüsken Bewegung gegen den « und werte, WW Mg sehend:Ich könnte es ja kurzer Hand ablehnen, mich über diese Dinge mit Ihnen zu unterhalten ',de"n man würde SW einfach als einen Verrückten behandeln, wenn

Sie sich's etwa einsallen ließen, mich anderen segenuver eines Eiuverständnisses mit Ihrer damaligen Handlungs­weise zu beschuldigen. Aber ich will ausrichtig gegen Sie mein Interesse noch! immer das ihrige ist. ^a, iw habe den größeren Anteil für mich behalten, aber ich war bam nicht nur berechtigt, sondern geradezu ge­zwungen Als ich Sie zu unserem gemeinsamen Sllerch aeaen die Bank beredete, saß imr das Messer vereus an de? Kehle. Um aus meinem Vuchhalterelenb heranszu- kommen, hatte ich aus eigene Faust an der Börse Peru liert und da ich völlig mittellos war, natürlich nicht mit fsÄÄWg Mften Sickerheitsvorrichtungen von vornherein aupet Gel war Ich wußte, daß es für einen Menschen, der

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5'S* Ä z/licklafsen'müssen, und ich liebte sie zu sehr um HMMW HMSM Sch-d°u, Ich habe mich darüber bereits geäußert. Es war sehr "gütig daß Sie gerade mir Ihr Vertrauen schenkten nütooM icB der jüngste Commis des Bankinstituts war. Aber ich vermisse noch immer bie verheißene Erklärung für bie etwas willkürliche Tellnng. _

I Sie hörten, daß ich allein sünszigtausenb Mark 1 ßrnu'rf1+e um bas schon vorhanbene Defizit zu decken. Unb dbaü ich das Wagnis nicht unternahm, um nachher derselbe arme Teufel zu sein wie zuvor, ist boch seldst- verstänblich Ich wollte enblich aus biesem Elenb heraus- kon men wollte eine Möglichkeit gewinnen, mich ans die eigenen Füße zu stellen. Ich wollte nicht langer arbeiten, uw die strotzenden Geldfäcke anderer noch mehr zu sullen, sondern meinem Kinbe eine glückliche Zukunft eme be­neidete Stellung in der Gesellschaft erringen. Und dann Batte ich nicht auch den weitaus schwierigsten und ge- : Ä?S ber Aufgabe übernommen? Ich führte , V ntschwidende Thal ganz allein aus, und während Sw sick aemächlich in Sicherheit bringen konnten , blieb ich lurütf allen Gefahren einer Entdeckung unb Bestrafung vreisgegeben. War bie monatelange Tobesangst, ru ber ich mich befand, nicht an und für sich, schon eine besondere Entschädigung wert?"

Ihr Wort in Ehren, lieber Norrenberg, aber das mit "der Todesangst ist doch wohl nicht ganz buchstäblich, m W.» Sie dem, SU slirchle», u°chd-m alles so geschickt arrangiert worden war, daß ich für den allein Schuldigen gelten mußte? Ich denke noch nut leb­haftem Vergnügen an die beiden letzten Wochen zurück, die dem entscheidenden Tage voraiifgingen und an bte köstliche Komödie, die wir während dieser Zeit nutetw ander aufführten. Alle Welt mußte uns für erbitterte Feinde halten. Einmal wäre es ja sogar bernahe zu Thal lichkeiten gekommen. Und das noch dazu in Gegenwa der beiden Direktoren, von denen ich wegen meines un­gebührlichen Benehmens gegen Sie sofort meine Kündigung ?um Quartalsersten erhielt. Ich wette, daß unsere Kol legen eher an einen Zusammenbruch des Hrmmels, als ai? ein geheimes Einverständnis zwischen uns beiden ge­glaubt hätten. Nur Ihre eigene Unvorsichtigkeit hatte einen Verdacht gegen Sie heraufbeschworen können. Und der Erfolg beweist ja deutlich genug, daß Sie sich ben bet Weitem besseren Teil ber Aufgabe erwählt hatten. «ie sind heute ein ehrlicher, unbescholtener Mann, von ^hren Mitbürgern geachtet, unb vielleicht auf dem besten Wg, mit Titeln irnb Orden ausgezeichnet zu werden. Wurden Sie es nicht für natürlich halten müssen, wenn ich I klein wenig Neid und Groll gegen Sie empfände?