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Znm Erntedankfeste 1900.
Nachdruck verboten.
Nun ist der Rose Dust verflogen. . . Bunt prangt des Waldes Blätterkleid. . . Die Schwalben sind gen Süd gezogen . . . Die Falter taumeln schlasbereit!
Und Astern sind und Georginen
Als letzter Blumengruß erschienen: Sei denn willkommen, Herbsteszeit!
Es hat in sauren Frühjahrstagen Der Landmann voller Fleiß geschasst: Nun fuhr er heim im Erntewagen, Was ihm beschert der Sonne Kraft. . . Voll von Getreide sind die Scheunen, Und hinter allen Gartzäunen Lockt reifer Aepfel süßer Saft! . . .
Wohl ist in dürren Juliwochen Manch 'zager Blick emporgeschwebt — Und wenn im Donner Gott gesprochen, Hat manches Herz in Angst gebebt! Doch, hat er gnädig nicht behütet Die Aecker all, drauf Ihr Euch müh'tet Und reich erfüllt, was Ihr erstrebt? . . .
Drum haltet Rast nach froher Mühe, Horcht auf der Glocken hellen Klang, Und rüstet Euch, in stiller Frühe Zu andachtsvollem Sonntagsgang!
Und denkt Ihr dort der fernen Fluren Mit and'rer Ernte blut'gen Spuren, Dann sagt dem Herrgott doppelt Dank!
Und fleht zn ihm, er wolle schirmen Die deutschen Auen fort und fort Wie vor des Wetters jähen Stürmen, So vor des Krieges Brand und Mord! . . • Getrost dann greift zu Pflug und Spaten Am Werkeltag! . . . Auf künft'gen Saaten Ruht schon ein göttlich Segenswort! . . .
A l w i n R ö m e r.
(Nachdruck verboten.) Unter dem Schwerte der Themis. Roman von Reinhold O r t m a n n.
(Fortsetzung.)
Es waren zitternde, eiskalte Finger, die sich zögernd und mit unverkennbarem Widerstreben in die freundlich ausgestreckte weiße Hand Sandorys legten.
„Lorinser — Sie sind es also wirklich!" kam es in heiseren Flüsterlauten aus der mühsam atmenden Brust des Bankiers. „Sie haben es gewagt, nach Deutschland zurückzukehren!"
„Weshalb sollte ich nicht? — Wegen der kleinen Geschichte von damals? Das ist vergessen und verjährt! Und überdies haben Sie selber soeben einen drastischen Beweis dafür geliefert, wie gering das Wagnis ist. Wenn mich nicht einmal ein so guter alter Freund trotz aufmerk- sarnster Betrachtung erkannte —"
Norrenberg winkte ihm zu schweigen. Von einer qualvollen Unruhe erfaßt, erhob er sich aus seinem Stuhl und ging zu der Thür, die in das Hauptköntor führte. Behutsam, daß man draußen das knirschende Geräusch nicht vernehme, drehte er den Schlüssel. Dann erst wandte er sich wieder gegen den Besucher. Sein Gesicht war jetzt ganz fahl und hatte ein erschreckend krankhaftes Aussehen gewonnen.
„Es ist eine Tollkühnheit, sage ich Ihnen", stieß er in großer Erregung, aber immer mit vorsichtig gedämpfter Stimme heraus, „ein unverantwortlicher Leichtsinn, dessen ich Sie niemals für fähig gehalten hätte."
„Ein wenig Leichtfertigkeit ist nun einmal das schöne Vorrecht der Jugend, zu der ich mich noch immer rechne. Aber da Sie bisher nicht Miene gemacht haben, mir zum Willkomm eine Zigarette anzubieten, so erlauben Sie vielleicht, daß ich mir eine von meinen eigenen anzünde. Bitte, bemühen Sie sich durchaus nicht! Da ist ja ein Feuerzeug — ich- bediene mich schon selbst."
Er blies ein paar dichte blaue Rauchwolken von sich und lehnte sich bequem in seinen Sessel zurück, während der andere gleich einem engen -eingesperrten Raubtier in dem engen Raume auf und nieder zu gehen begann.
„Eigentlich! sollte ichs Ihnen übel nehmen, daß Sie so wenig Freude über das Wiedersehen an den Tag legen, Verehrtester! Aber ich setze Ihre Kälte auf Rechnung der Ueberrumpelung, die mir ja über alles Erwarten gut gelungen ist. Später wird die alte Freundschaft schon zum Durchbruch kommen, daran hege ich keinen Zweifel. Und Ihr Benehmen soll mich nicht ab- halten, meiner Genugthuung über die günstigen Verhältnisse Ausdruck zu geben, in denen ich Sie hier finde.


