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Mode und Sport.
Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden.
Modell Nr. 96.
das Sportskostüm er»
Modell Nr. 98
gegnet sind, welche unter Wetterfestigkeit und Dauerhaftigkeit einfaches Zusammenhalten des Stoffes zu verstehen schienen und sich in einem so verschlossenen, verknillten und verregneten Anzuge zeigten, daß man gleich von vornherein eine Abneigung gegen Rad- und Tonristensport empfand.
Leichter herzustellen ist ja ein einfacher Rock, bei welchem man durch Einlegen einer tiefen Falte in der Hinteren Mitte einen ähnlichen
sich nur zweckentsprechend, das ist die radikale Richtung, ober — sie macht der, Mode einige Konzessionen und das ist der gemäßigtere und empfehlenswertere Weg.
Zudem wird jetzt allerhand Sport so vielfach betrieben, daß man im Laufe der Zeit immer besser und gründlicher ausfindig gemacht hat, das Zweckmäßige mit dem Schönen nach Kräften zu vereinen.
Die am meisten Interesse beanspruchenden Sportanzüge sind ohne Zweifel die für's Radfahren und für Hochtouristik; denn die zahmeren Sportarten wie Lawntennis und Rudern bereiten hinsichtlich der Anpassung an die Mode weniger Schwierigkeiten, und der Reitsport ist eine Abart, so ganz für sich, und mit traditionellen Kostümen, welche bei dieser Besprechung gleich von vornherein außer Frage kommt.
Welches sind nun aber die Grundbedingungen, nach denen ein tadelloser, dabei moderner Sportanzug hergestellt sein muß? Vor allem muß er vollkommen zweckentsprechend sein, darf aber dabei die Gesetze der Schönheit nicht verletzen; Spitzen, Besätze, überhaupt Modetand sind dabei vollkommen ausgeschlossen. Er muß ferner wetterfest und dauerhaft fein, d. h. auch dauerhaft hinsichtlich des guten Ausfehens, so daß er auch nach längerem Gebrauch feine Ansehnlichkeit behält. Wir betonen dies ganz besonders, da uns öfters Damen be-
Und doch! wie nett und schneidig kann scheinen, wenn es vernünftig gewählt wird. Vor allem geben wir jedem den guten Rat, bei Ankauf des Stoffes nicht zu sparen; denn nichts ist teuerer, als ein billiger Stofs. Dieser scheinbare Widersinn bewahrheitet sich besonders beim Radfahranzuge; denn ein solcher aus leichtem, billigem Stoff sieht nicht nur nicht gut aus, denn er hat keinen Fall und fliegt beim Fahren, was ja besonders unangenehm ist, sondern er verliert auch den wenigen durch das apprettierte Futter hineingebrachten Halt in kürzester Zeit, so daß er dann noch eifriger flattert, als anfangs. Wie vornehm sieht dagegen ein Rock aus schwerem, dichtem Herrenstoff aus, von welchem melierter Covercoat der praktischen Farbe wegen am empfehlenswertesten ist. Natürlich ist dabei auch Bedingung, daß der Rock einesteils einen guten Schnitt aufweist und andernteils genau gearbeitet und gut gebügelt ist, wie es die Schneider thun. Ein derartiger Rock muß vorn über den Knieen die nötige Weite haben, und die darunter getragenen Beinkleider müssen aus möglichst glattem Stoff bestehen. Beides ist deshalb notwendig, damit der Rock sich beim Fahren nicht über den Knieen festhängt, sondern bei jeder Senkung des Beines sofort wieder glatt herabfällt. Besonders elegant beim Fahren sind die Röcke mit geteiltem Sattelstück, wie es unser Modell jRr. 96 veranschaulicht; denn
Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch äbOPsg. daselbst erhältlich.
Sport und Mode stehen sich in gewiffem Sinne feindlich gegenüber; denn was die Mode fordert, ist für den Sport, welcher Art er auch fei, gleichgültig, ja untauglich und umgekehrt, die für den Sport nötige Kleidung verträgt sich nicht mit den Gesetzen der Mode. Für die sportliebende und sportausübende Frau entsteht nun dadurch eine gewisse Schwierigkeit, aus welcher zwei Wege führen. Entweder sie kehrt sich überhaupt nicht an die Mode und kleidet
durch die Teilung des Rockes legt sich derselbe in schönem Fall zu beiden Seiten des Rades. Beim Absteigen fällt dann die Falte vollkommen zusammen, sodaß die Teilung ganz unsichtbar ist. Bei diesem Rock ist allerdings mehr als bei jedem anderen ein guter Schnitt und tadellose Bearbeitung Hauptbedingung.
Effekt erzielen kann, wie beim geteilten Rock, doch ist auch hierfür ein guter, von sachverständiger Hand ausgeführter Schnitt, wie solche von der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden, geliefert werden, unentbehrlich. Von Wichtigkeit bei einem Radfahrrock ist auch die Länge desselben; denn ein zu kurzer Rock sieht,
besonders bei großen und starken Damen leicht unschön aus, während ein zu langer Rock wiederum dadurch, daß er leichter in das Rad kommt, gefährlich werden kann. Besondere Aufmerksamkeit erfordert auch das Korsett; denn sowohl aus ästhetischen, als auch aus Praktischen Gründen kann es nicht ganz entbehrt werden. Es sei jedoch ganz weich und ganz locker, sodaß es der Figur nur gerade den nötigen Halt verleiht. Schnüren ist jedoch unmöglich, und Schnüren und Radfahren versucht jede Dame nur ein Mal, dann wird sie entweder das eine oder das andere lassen.
Weniger von Wichtigkeit sind die übrigen Bestandteile des Anzuges, wie Bluse, Jacke, Hut und Stiesel. Die Jacke sei immer zum Anzuge Passend; im übrigen kann sie wie gewöhnlich mit Schößchen oder wie Modell Nr. 98 kurz gehalten sein. Die Bluse wird wohl immer am besten die Hemdblusenform ausweisen und dabei je nach der Jahreszeit aus Flanell oder aus leichterem Stoff bestehen. Weiße Kragen sind hierzu das Eleganteste; bei Dauerfahrten ist jedoch ein Stoffumlegekragen praktischer. Hut und
Schuhe können ganz nach Belieben und Modell Nr. 132.
Geschmack gewählt werden; nur bei großen
Touren, wo man öfters in die Lage kommt, bei Steigungen und Gefällen auf holperigen Wegen schieben zu müssen, sind hohe Schnürstiefel mit festen Sohlen geboten.
Anders beim Bergsteigen. Hier sind tüchtige, nägelbeschlagene Bergschuhe nötiger, als alles andere. Im übrigen ist der Anzug für Bergtouren derselbe wie für das Radfahren, nur daß man hier was Ausstattug wie z. B. Kragen und Manschetten, Gürtel ec. anbetrifft, mehr die Zweckmäßigkeit vor die Eleganz stellt. Demnach würde sich ein derartiger Anzug aus kurzem, bis an die Knöchel reichendem Rock, Blufe, Jacke und einfachem Filzhütchen zusammensetzen. Darunter ist wie beim Radfahranzuge eine Pumphose aus wärmenden Stoff das > Beste. Daß so ein Anzug bei gutem Stoff, gutem Schnitt und sauberer Arbeit trotz Einfachheit und Zweckmäßigkeit auch nett aussehen kann, beweist unser Modell Nr. 132.
Literarisches.
Sich elegant kleiden mit wenig Mittel« — wer das will, bediene sich der so Praktischen Schnitte der Internationalen Schnitt- manusaktur, Dresden. Es sind leicht verwendbare, außerordentlich kleidsame Modelle, die daselbst in den nach fachwifsenschaftlichen Grundsätzen hergestellten Schnitten geboten werden. Sie machen das Selbstschneidern zur Spielerei. Die Auswahl geschieht nach dem reichhaltigen Modenalbum und Schnittmusterbuch, welches in großartiger Ausstattung zu jeder Saison zum Preise von 50 Pfg. erscheint. Dasselbe bietet eine, vollständige Uebersicht über die neue Mode.
Humoristisches.
Ein Pantomimist. Gattin: „Der freche Mensch wollte also seine Miete nicht bezahlen?" — Gatte (Hauswirt): „So wörtlich hat er das nicht gesagt, aber er hat es mir zu verstehen gegeben." — Gattin: „Wodurch denn?" — Gatte: „Er schmiß mich die Treppe hinunter."
Autoritätsglaube. „Was hat Gott am sechsten Tage erschaffen?" — (Alles schweigt.) — „Nun, was ist das vornehmste Geschöpf?" —■ Der kleine Fritz (aufspringend): „Den Herrn Bnrger- meester!"
Magisches Zahlen-Quadrat.
Nachdruck verboten.
In die Felder nebenstehenden Quadrates sollen die Ziffern
6 12 24 38
viermal derart eingetragen werden, daß die Suinine der Zahlen in jeder der senkrechten, wagerechten und Diagonalreihen stets
80 ergibt.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Kapselrätsels in voriger Nummer: Ehrlich währt am längsten.
Rebatties: L. Burkhardt. — «ruck nutz Strlag der Brützl'schen Urrtversttüts-Buch- und Sttinbrnderei (Pietsch erben) in Gießen.


