Ausgabe 
14.6.1900
 
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Es ist ein ehernes Geschlecht, das sich hier in schwerer Arbeit herausgebildet hat, und wenn der Kaiser am Fest­tage durch die geschmückten Straßen Eislebens fährt, dann werden auch, die Geister der Vergangenheit wieder lebendig werden, der Schatten des Hoyer von Mansfeld, der am II. Februar 1115 im Einzelkampf mit Wipprecht von Groitzsch am Welfelsholz fiel, und dessen Andenken durch Sage und Lied verherrlicht ist, und Peter Ernst II., des kühnen Parteigängers im 30 jährigen Kriege, der im Jahre 1626 jenen verwegenen Zug von Havelberg durch Schlesien uüd Ungarn nach. Siebenbürgen machte, wo er sich mit Bethlen Gabor, dem geschworenen Feinde des Kaisers, verbündete. Als dort fernes Verweilens nicht mehr länger war, zog er durch türkisches Gebiet nach- Bosnien, wo ihn in dem Dorfe Rakowicza bei Sarajewo der Tod ereilte, den er, auf zwei Diener gestützt, stehend im vollen Waffen­schmuck erwartete.

Und berghoch jene überragend erhebt sich! dann die Gestalt Martin Luthers, des größten Sohnes jenes Landes, der in Eisleben geboren ward und starb. Wohin wir uns auch wenden in der prächtig aufblühenden Stadt, überall treten uns die Erinnerungen an den großen Mann ent­gegen, der kühn und furchtlos vor dem spanischen Fremd­ling im Purpurmantel zu Worms seinen Glauben bekannte.

Die Gefahr, die dem Bergbau durch den Einbruch des sogenanntenSalzigen Sees" in die Schächte vor einigen Jahren drohte, ist durchs Auspumpung des Sees, dessen Becken jetzt gänzlich! trocken liegt, abgewendet worden. Ringsum blüht das Werk deutscher Hände, und der Wunsch, der den aus Mausfelder Silber geschlagenen Thalern aus­geprägt istSegen des Mansfelder Bergbaues", möge in Erfüllung gehen als Segen für das gesamte deutsche Volk.

Geineinniitziges.

Das Turnen der Kinder. Wenn das Kind ein­mal 56 Jahre alt ist, muß mit dem Turnen begonnen werden. Es ist notwendig, daß die Kinder frühzeitig ihren Gelenken die wünschenswerte Geschmeidigkeit geben, sie dar­an, gewöhnen, alle Bewegungen auszuführen, um ihren Gliedern die übermäßige Steifheit zu nehmen und ihrer Haltung jene Ungezwungenheit zu verleihen, die sich der Mensch, nur in der Jugend aneignet. Das Turnen ver­nichtet ferner noch die fehlerhaften Verbiegungen und Ver­krümmungen, die das Ergebnis von mangelnder Bewegung und Uebung sind. Es muß deshalb während des Turnens darauf gesehen werden, daß die schwachen oder wenig ent­wickelten Muskeln vornehmlich vor den anderen thätig sind und die geeigneten Bewegungen machen. Es ist dies ein ausgezeichnetes Mittel, den Muskelabzehrungen, der Ungleichheit des Schulterniveaus oder ihrer Taubenflügel­form abzuhelfen. Derartige leichte Mißgestaltungen trifft man nämlich bei den Kindern sehr häufig und sie rühren meistens von der Gewohnheit her, sich zu weit vorgebeugt über schräge Schul- und Schreibtische zu halten, gut geleitete Turnübungen beheben diesen leichten Uebelstaud rasch, der, wenn ihm nicht entgegengearbeitet wird, sich vergrößern und während des ganzen Lebens andauern kann.

Entfernung von Rost. Um Rost von kleinen eisernen Gegenständen, welche sich leicht erwärmen lassen, zu entfernen, nimmt man ein Stück Bienenwachs, bindet dasselbe in einen nicht zu dicken Lappen und verreibt es auf dem warmen Eisen, welches dadurch, einen feinen Wachsüberzug erhält. Darauf nehme man einen zweiten Lappen, tauche ihn in pulverisiertes Kochsalz und reibe damit Wachs und Eisen ab. Die Wirkung ist überraschend.

Zlür die Küche.

Kraftbrühe für Kranke. Man schneidet ein halbes Kilogramm Ochsenfleisch in kleine Würfel, gießt drei Obertassen kaltes Wasser darüber, läßt es eine Viertel­stunde stehen und kocht dann das Fleisch eine bis anderthalb Stunden bis die Brühe bis auf eine Tasse Flüssigkeit ein­gekocht ist, und gießt es dem Kranken heiß zu trinken. Mit gerösteten Semmelschnitten oder leichtem Gebäck bildet es ein leichtes und nahrhaftes Frühstück.

Specksauce. Schneide Speck in kleine Würfel, brate sie aus, bis sie gelb werden, rühre 12 Löffel Mehl gelb darin, gieb kochendes Wasser dazu und lasse die Sauce mit Salz, Essig und Pfeffer aufkochen. Klein geschnittene mit dem Speck gelb gebratene Zwiebeln verbessern den Geschmack.

Polenta, echte. Italienisches Gericht. Ein knappes halbes Liter Wasser mit einem kleinen Stüchchen Butter und Salz zum Kochen gebracht. Unter beständigem Rühren einhalb Wo Polentagries (Buchweizen) hinein­laufen lassen, immer rühren, 10 Minuten kochen, bis man merkt, daß die Masse sich vom Löffel und den Seiten der Kasserolle lösen will. Eine Pudding oder beliebige Form mit Wasser ausgespült, leer in warmem Wasser stehend bereit gehalten. Die Polenta hineingegossen, sogleich ge­stürzt, aufgetragen, nicht stehen lassen.

Vepnrischtes.

Pfirsichzucht bei Paris. Im praktischen Rat­geber im Obst- und Gartenbau fahren die Herren Büttner und Kleindienst fort, das, was sie aus ihrer Studienreise nach Paris gesehen haben, zum Nutzen des deutschen Gartenbaus in Wort und Bild zu schildern. In der neuesten Stummer finden wir die Pfirsichzucht in Montreuil und Pagnolet beschrieben, die mehrere hundert Hektare um­faßt und vor 40 Jahren unter Napoleon III. von Alexis Lepere begründet wurde. Die Montreuiler Pfirsichzucht ist Kleinbetrieb höchstens 12 Hektare befinden sich in einer Hand. Die Pfirsiche werden meist am Spalier gezogen an Steinmauern, die oft von den Besitzern selbst in ein­fachster Weise errichtet sind. Interessant ist, daß die Züchter heute vielfach, mit Pfirsichmüdigkeit des Bodens zu kämpfen haben und anfangen, die Pfirfiche durch Aepfel- und Birn- späliere zu ersetzen. Trotzdem beträgt die Ernte heute noch 7 Millionen Früchte, die in besonders schönen Exemplaren mit einem Frank und darüber bezahlt werden. Höchst an­schaulich wird die Schilderung durch die Bilder, die, von Kleindienst flott hingeworfen, ein lebendiges Bild der Pfirsichzucht in Montreuil geben. Wer sich des näheren dafür Interessiert, lasse sich die Nummer des praktischen Ratgebers kommen; sie wird auf Wunsch gern umsonst zugeschickt von dem Geschäftsamt in Frankfurt a. Oder.

Literarischer.

Die Rückkehr zur Natur. Es scheintdaß das schreckliche, hüftenlose Intermezzo in der Frauenmode vor­über ist, und daß eine Zeit kommt, wo auch die Frauen, die die Natur nicht als Stiefkinder behandelt hat, sich, ohne zu erröten, unter Menschen zeigen können. Die Tendenz der Mode neigt entschieden zur Breite, und so ist Hoffnung vorhanden, dlaß sie nach der Unnatur der letzten Zeit wieder zu erfreulichen Formen zurückkehren wird. Wie das geschieht, ohne daß der Uebergang auffällt, lehrt das neueste Heft derWiener Mode" (Nr. 18) mit seinen nahe an hundert Abbildungen, das durch alle Buchhandlungen und vom Verlage derWiener Mode", Wien, Wienstraße 19, für 45 Pfennig zu beziehen ist.

VersteckrStsel.

Nachdruck verboten.

Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden

Wörtern versteckt sind wie die Silbean" inWanderer."

Golfstrom Distel Taugenichts Handarbeiter Edelstein Schweinemarkt Botaniker Sagemühle Fernrohr Pracht- __________ bauten Worms Wurstladen.___

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer:

Eiderente Igel Kokt Ellipse Murawjew Ingolstadt; Eile mit W eile.

Ätbofti»«; «. B«rkh«xdk, »ruck und Verlag der Brüchl'schen Unirersititt-Buch. und Gteindruckerei (Pietsch Erben) in «ießea.