Ausgabe 
13.11.1900
 
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zvlt, Deine Kokstterieen mit diese»» Gandory, eg sollte nur den Bruch herbeiführen, nach der» eS Dich verlangt. Mestehe mir das zu und fei versichert, daß ich Selbst­achtung genug besitze, zu thun, was meine Mannesehre gebietet":

Ich habe nichts zu gestehen und nichts zu leugnen", fiel sie ihm hart in die Rede.Wenn es Dir aber Deinen Entschluß erleichtert, an eine solche Be­rechnung in meiner Handlungsweise zu glauben, so thue es immerhin. Es giebt für mich keine Veranlassung, Dir zu widersprechen".

Die Thür des kleinen Zimmers wurde von draußen geöffnet, und Franz Norrenbergs gelbes, angstvolles Ge- sich lugte scheu herein.

Um Gotteswillen, Kinder, man kann Euch ja draußen hören", flüsterte er ihnen zu.Sei vernünftig, Dora und Sie, lieber Sohn-

Aber der Staatsanwalt, der ersichtlich aufs äußerste gereizt war, ließ ihn nicht zu Ende reden.Ich habe wohl keinen Anspruch mehr auf diesen ehrenvollen Namen, Herr Norrenberg", sagte er in dem hochfahrendsten Ton, über den er verfügte.Nach der Erklärung, die ich soeben aus dem Munde Ihrer Tochter vernommen, sehe ich für mich keinen Grund mehr, mich hier noch länger aufzuhalten. Sie werden mir gestatten. Ihnen meine weiteren Entschließungen auf brieflichem Wege mit­zuteilen. Guten Abend!"

Er stürzte hinaus, und als Franz Norrenberg Miene machte, ihm eilig zu folgen, offenbar in der Absicht, den Wütenden durch Bitten und Vorstellungen umzu­stimmen, hielt ihn ein energischer, fast befehlender Zuruf seiner Tochter zurück.

Willst Du uns vielleicht zum Gegenstand der all­gemeinen Aufmerksamkeit machen, Vater?" fragte sie scharf.Möchtest Du den Herrn Staatsanwalt am Ende fußfällig bitten, mich doch zu seiner Gattin zu machen?"

Der Bankier preßte die Hände zusammen. Mit einem hilflosen, verzweifelten Blick sah er zu seiner schönen Tochter aus.Dahin also ist es gekommen, Dora!" jammerte er.Du hast es wirklich so weit getrieben? Und was soll nun werden was soll nun werden?"

Mein Gott, es wird geschehen, was in solchen Fällen eben immer geschieht. Die Leute werden ein wenig klatschen und zuletzt die Geschichte von dieser zurückgegangenen Verlobung über irgend einer anderen Tagesneuigkeit vergessen. Dergleichen passiert am Ende doch nicht zum erstenmal".

Aber es darf nicht sein, Dora so begreife doch, daß es nicht sein darf! Du hättest dieser Unterredung ausweichen sollen; denn ihr wäret jetzt beide leiden­schaftlich aufgeregt, und wißt wohl kaum, was ihr ge­sprochen habt. Morgen wirst Du anders darüber denken, und auch Lengfeld wird die Sache dann hoffentlich weniger tragisch nehmen. Wenn Du ihm ein gutes Wort giebst"

Doras schneidendes Auflachen machte ihn ver­stummen.

Ich sollte ihn um Verzeihung bitten ich? Ach, wenn Du wüßtest, wie glücklich ich bin, daß dieses Joch! nicht mehr auf meinen Schultern lastet! Nein, wenn er sich jetzt winselnd zu meinen Füßen wände, ich würde dies zerrissene Band nicht wieder anknüpfen!"

Ihre Gestalt erschien noch stolzer und prächtiger in der triumphierenden Freude, von der sie ganz erfüllt war. Schweigend, mit gesenktem Haupte stand Franz Norrenberg ein paar Sekunden lang da, dann trat er in sichtlich schwer erkämpftem Entschlüsse dicht an sie heran und faßte ihre Hand.

Soll ich Dir sagen, Dora, warum Du es nicht thun würdest? Weil Du diesen anderen zu lieben glaubst, diesen Elenden, der gekommen ist, uns alle zu Grunde zu richten".

Sie starrte mit erstauntem Blick in ihres Vaters zuckendes Gesicht.Von wem sprichst Du?" fragte sie. Doch nicht von Deinem Freunde Sandory?"

Mein Freund er? Ick sage Dir, Dora, daß icf): keinen Menschen auf Erdeii so grimmig hasse, wie ihn. Wenn ich ihn mit einem Wunsche aus der Welt

schassen könnt», die Mist» wttiitwt eigenen LeLeMrMeS gäbe ich mit Freuden dafür hin".

Nie hatte sie den stillen Mann mit solcher Er­bitterung sprechen hören. Ihr weiblicher Schjarfsinn hatte sie längst erkennen lassen, daß er gegen Sandory eine mit geheimer Furcht gemischte Abneigung empfand; durch den Ausbruch eines so wilden Hasses wurde sie nun doch überrascht und erschreckt.

Und das alles, weil er mir vielleicht besser gefällt, als dieser Lengfeld, mit dem ich mich aus Dein Zu­reden verlobt hatte, als ich noch keinen wirklichen Mann gesehen? Wahrhaftig, Deine Zuneigung für den Herrn Staatsanwalt muß von einer ganz außerordentlichen Wärme gewesen sein".

Franz Norrenberg schüttelte den Kops.Das hat nichts mit Deinem Verlobten zu schaffen, Dora! Und Wenn in Deinem Herzen nur noch ein kleiner Rest von kindlicher Liebe für mich ist, so wirst Du mir versprechen, fortan diesem Menschen auszuweichen, von dem uns nichts anderes als Unglück kommen kann".

Das ist ein sonderbares Verlangen! Du selber hast Sandory in unser Haus gebracht. Hundertmal hat er sich mit Wärme Deinen Freund genannt, ohne daß Du je einen Widerspruch dagegen erhoben hättest. Er ist reich und gebildet. Die ganze Stadt schwärmt von seinem Geist, seiner Ritterlichkeit und seiner hochherzigen Denkungsart. Jedenfalls ist er ein Mann, der hier nicht seinesgleichen hat. Und ich sollte ihn jetzt mit einem» male unfreundlich behandeln, ohne daß ich auch nur ahnen könnte, warum?"

Ich verlange nicht, daß Du unfreundlich gegen ihn bist. Aber ich habe heute abend mit Schrecken ge­sehen, wie weit die Vertraulichkeit in eurem Verkehr bereits gediehen ist. Das muß ein Ende haben, Dora; denn wenn Du etwa geglaubt hast, daß er jemals werden . könnte, was Dir bis heute Lengfeld gewesen ist"

Das junge Mädchen wandte sich mit einer un- - mutigen Bewegung nach der Thür.Willst Du, daß ich Dir hier eine Beichte ablege, Vater? Dazu sind wir weder am rechten Ort, noch in der rechnen Stimmung. Und ich finde, daß mir schon mehr als zu viel von dem Vergnügen dieses Festes geraubt worden ist. Da ich mich innerhalb der. nächsten drei Stunden jedenfalls noch nicht verloben werde, ist es für das, was Tu mir etwa weiter sagen willst/ wohl auch morgen früh genug".

Dora, nur noch ein Wort!" bat er angstvoll; aber sie war bereits an ihurj vorüber auf die Schwelle ge­treten, und schon in der nächsten Minute hatte er sie im Gewühl des Saales verloren.

Als er sie endlich Wiedersah, befand sie sich an Rudolf Sandorys Seite, heiter und strahlend, wie wenn nichts geschehen wäre, den Frieden ihres Herzens zu stören.

(Fortsetzung folgt.)

Ein Kapitel für Hundefreunde.

Nachdruck verboten.

Es Wird viel darüber gestritten, welche Hunderasse« sich durch besonderes Verständnis auszeichuen, und es giebt Hundezüchter, welche behaupten, daß das Verständnis nicht nur von der Rasse an sich, sondern insbesondere von" der Reinheit der Rasse abhänge. Die Erfahrung bestätigt dies aber nicht. Die meisten Hundearten sind vielmehr gleich gelehrig, wenn man von einzelnen In­dividuen absieht, welche ein besonders hervorragendes Talent bekunden, und die eben als Ausnahmen nicht zum Beweise für das Verständnis der Rasse angeführt werden können. Louis Mellord, ein erfahrener englischer Hundezüchter, behauptet geradezu, daß Hunde von reiner Rasse nicht fcharfsinniger seien als Hunde von zweifel­hafter Abstammung; vielmehr fand er bei manchem wert­losen Mischling ein wirklich ausgeprägtes Verständnis.

Anders liegt der Fall, wenn man den Scharfsinn deS Hundes vom Standpunkt des Jägers in Betracht zieht. Als Jagdhund zeigt der Hund von guter Rasse entschieden seine Ueberlegenheit. Von einem Apportierhund mit un­klarem, verworrenem Stammbaum kann man nicht ver­langen, daß er dem Schluß mit derselben scharfen Beotz-