- 268 —
„Das werden Sie nie!" rief der alte Herr mobil und zuversichtlich, nach einem kräftigen Zug Cocktail. „Nie werden Sie auch nur Gelegenheit haben, eine erneute Werbung anzubringen — es fei denn, daß Sie--"
„Zwischen Rotwein und Cocktail? Nein, niemals, Herr Konsul. Ich werde mir erlauben, morgen mittag zwischen Zwölf und Eins in. aller Form noch einmal vorzusragen. —_ Bitte ---" fügte er hinzu, indem er den lebhaft
gestikulierenden alten Herrn mit seinem Stuhl niederdrückte, „ohne natürlich die Schwelle Ihres Hauses zu betreten oder zu überschreiten."
„Also auf der Straße etwa?!"
„Aber ich bitte Sie, Herr Konsul! Außerdem weiß ich, daß Sie zwischen Zwölf und Eins stets zu Hause sind."
„Nun wohl, so werden Sie schreiben, und ich werde Ihren Brief nicht beantworten!"
„Ich werde nicht schreiben, sondern den Borzug haben, mich persönlich zu erkundigen, inwieweit Sie sich zu meiner Ansicht bekehrt haben."
Malle Storck verzog keine Miene, sondern schickte sich mit ruhiger Selbstverständlichkeit an, einen zweiten Cocktail zu brauen.
Der Konsul sah mit einem seiner weniger schlauen Gesichter von dem köstlich amüsierten Geheimrat auf dessen Adlatus. Nach wenigen Sekunden konsternierten Schweigens aber überkam ihn eine solche unbändige Heiterkeit, daß er buchstäblich Thränen lachte.
„Nein — das ist köstlich! Haben Sie es gehört, Herr Geheimrat? Leutnant Storck geht in die vierte Dimension! — Wissen Sie, junger Freund", rief er, indem er mit dem Taschentuch in der Linken sich die Augen betupfte und mit der Rechten sein Glas hinhielt für die neue Auflage des „wohlschmeckenden Getränks, „— wenn Sie das zu Wege bringen, dann glaube ich auch noch an ein anderes Wunder, daß Sie nämlich doch noch ein vernünftiger Mensch — Pardon, in meinem Sinne vernünftig —1 werden könnten! Darauf trinken wir, meine Herren! —
Als Malle Storck an drei oder vier Stunden später den hanseatischen Geschäftsträger Sr. Majestät des Königs von Dänemark, Herrn Konsul Jens Peter Erkensen, durch den großen prächtigen Vorgarten bis hart an die Schwelle seines Hauses begleitete, apostrophierte dieser seinen neuen jungen — Duzfreund mit unsicherer, sehr gerührter Stimme:
„Du bist ein lieber Kerl — und Du kannst mir einen Kuß geben, weißt Du — aber — heiraten werde ich Dich nicht — auf keinen Fall--und über meine Schwelle
kommst Du mir auch nicht--"
Am anderen Morgen war der Konsul höchst ungnädiger Stimmung — und das hielt so ziemlich bis zum Lunch an, den er mit seiner runden freundlichen Gattin allein einnahm, weil Fräulein Henny Erkensen wegen verweinter Augen sich nicht an den Tisch traute.
Es war ein herrlicher, sonniger Mittag. Die Maler hatten ihr Gerüst draußen verlassen, und man konnte die Fenster aufsperren. Das erfrischte den alten Herrn sichtlich, und er aß mit relativ gutem Appetit. Die kleinen Einzelheiten von „Odysseus Heimkehr", welche die kleine Frau Konsul mit Bezug auf gestern abend zum Besten gab, waren zum Teil zwar etwas genierlich für einen älteren Herrn, der nur noch in der Kirche und dann natürlich nicht den „Herrn v. Rodenstein" zu singen pflegte; aber es war doch vieles so überwältigend komisch dabei, daß er schließlich von der neckischen Heiterkeit seiner Gattin sich fortreißen ließ. —
Als der Geheime Admiralitätsrat von Groone sich melden ließ, um, wie verabredet, die Abnahmescheine zu unterzeichnen, war die Stimmung des alten Herrn eine so vorzügliche, daß er weder an den roten Augen seines gleichzeitig eintretenden Töchterchens noch auch daran Anstoß nahm, daß der joviale Geheimrat alsbald auf den Leutnant z. S. Emanuel Storck, auf seine Tüchtigkeit und voraussichtlich glänzende Carriere zu sprechen kam.
„Alles sehr schön und gut", erklärte der Konsul nicht unfreundlich!, indem er "dem Gaste Rotwein einschenkte, „aber der junge Herr ist ein Windbeutel und Flausen
macher — erklärte er nicht gestern, hier noch einmal seine Werbung Vorbringen zu wollen, ohne die Schwelle meines Hauses zu überschreiten — —"
Jens Peter Erkensen hatte noch nicht ausgesprochen, als sein Töchterchen mit einem Schrei aufsprang, um dann ihr Taschentuch mit beiden Händen gegen den Mund zu pressen.
In demselben Moment ertönte vom Fenster her ein munteres „Guten Morgen!"
Malle Storck, itn Dreimaster und Epaulettes und Schärpe, balanzierte auf dem schwankenden Malergerüst, wie auf einer Mars-Raae und grüßte freundlich hinein; dann stützte er sich mit beiden Händen auf das Fensterbrett und sagte:
„Herr Konsul — gnädigste Frau--ich bitte um
die Hand Ihrer Tochter!"
In seinem ersten Schreck hatte der Konsul eine Butterdose ergriffen, um sie nach dem unerhörten Eindringling zu werfen. Er mußte aber das Projektil wieder sortstellen — wenn er nicht sein Töchterchen treffen wollte.
Und „Nein!" durfte er schon gar nicht sagen; denn nach seinen strengen Grundsätzen mußte ein Mann, der von einer Tochter in Gegenwart der Eltern so furchtbar abgeküßt wurde, diese Tochter nolens volens auch heiraten. —
GeMeinnütziges»
Gleichmäßig grünen Rasen zu erzielen und zu erhalten ist besonders in Gärten ohne Wasserleitung schwer, und doch verlangt Auge und Schönheitsgefühk solchen Rasen während des ganzen Sommers. „Der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau" schreibt in feiner neuesten Nummer: Die wundervollen Rasenanlagen Hamburgs, die mit ihrem samtartigen Smaragdgrün bis in den spätesten Herbst hinein einen entzückenden Anblick gewähren, werden ebenso sorgsam wie Blumenbeete behandelt. In den Gärten der reichen Besitzer wird der Rasen jedes Jahr umgegraben und frisch mit Raygras besäet. Alle 10 Tage wird gemäht, gejätet, gewalzt und jeden Abend, mit Ausnahme der Regentage, mit Wasser besprengt. Das ist natürlich ein kostspieliges Vergnügen, das nicht jeder sich erlauben kann, aber es geht auch mit geringerem Kostenaufwand. Ich kenne Rasenplätze hier int Norden, die vor 15 Jahren angesäet, noch heute so schön grün und rein von Unkraut. sind, wie frisch angelegte. Es kommt nur darauf an, für solche Dauerrasen Dauergräser zu säen und den Graswuchs möglichst kurz und dicht zu halten. Dadurch verschwindet viel Unkraut von selbst. Besagter fünfzehnjähriger Rasen wird alle 12 Tage mit der Maschine geschnitten, gejätet und gewalzt. Es ist leicht ersichtlich, daß bei einem so häufig ausgeführten Jäten nur wenig Unkraut aufkommen kann und diese Arbeit daher jedesmal in kurzer Zeit sich ausführen läßt. Auch das Mähen und Walzen erfordert mit der Maschine keine besonderen Kräfte, und jeder Gartenbesitzer kann ohne allzugroße Mühe selbst oder mit Hilfe der ©einigen ohne fremde Kräfte die Arbeit besorgen. Hierzulande machen sich die jungen Mädchen oft ein Vergnügen daraus, die Mähmaschine zu handhaben.
Geographisches Berschiebrätsel.
(Nachdruck verboten.)
Nebenstehende geographische Namen sollen derart unter einander geschoben werden, daß eine Buchstabenreihe entsteht, welche von oben nach unten gelesen, den Namen eines Flusses in Afrika ergießt.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Anagramms in voriger Nummer Harfe — Hafer.
Oporto Brasilien England Aegypten Serajewo Helgoland Sofala Florida Nubien Sansibar Afghanistan
Reboltion: r. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erb eni in Kietzen.


