Ausgabe 
13.2.1900
 
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Rom verwendet. Die maronitischen Christen des Libanons Pflegen noch heute die Leiche ihres Patriarchen einbalsamiert, in bischöflichem Ornat und sitzend in einer Mauernische beizusetzen.

Indessen der geneigte Leser wird mir bekennen, daß. die künstlicheUnverweslichkeit" keine Kunst, kein Wunder sei, das der aparten Zauberkraft des Bremer Bleikellers entspräche. Was ich hier eigentlich in Frage stellen will, ist die natürliche oder Lesserunmittelbare" Unverweslichkeit entseelter Leiber. Hier spricht man gern von wunderbaren Beobachtungen. Es hat eine Zeit gegeben, in der man die Unverweslichkeit fast ausschließlich als ein Zeichen göttlichen Wunders ansah. Wenn man aber hierauf das Wort der Schrift anwandteGott ist groß in seinen Heiligen", so verkannte man die konträre Erscheinung, daß es oft die sterbliche Hülle historischer Spitzbuben war, welche man aus dem Schoße der Erde befreite. Es steht heute fest, daß es Kirch­höfe giebt, deren Erdreich konservierende Stoffe enthält. In Oberegypten hat der Sand und das trockene Klima die Wirkung der Mumifikation sehr befördert. Man hat Friedhöfe gefunden, in denen zahlreiche Körper der Verwesung entgingen. Interessant mag an dieser Stelle sein, daß, als man Napoleon I. nach einer Grabesruhe von über 20 Jahren aus der Gruft unter den Cy- pressen St. Helenas erhob, seine Leiche mit Ausnahme der Nasen­löcher einen ergreifend frischen Anblick bot, trotzdem die Mittel zur Einbalsamierung lange nicht so gut waren, als etliche es behaupteten. Auch der Bremer Äleikeller hat eine natürliche Kraft, die erhaltend auf animalische Körper wirkt, indem sie auf natürliche Weise mumifiziert.

Verblüffender freilich sind andere Fälle, die unleugbar nicht ohne Anstrengung wissenschaftlich zu erklären sind, wenn sie auch gewiß einen logischen Grund voraussetzen. Hier ist dem Wunder­glauben ein weites Feld geöffnet. Der erste betrifftLa Santa", die heilige Catarina in Bologna, deren bekleidete Leiche seit ca. 500 Jahren unverwest, völlig frei, aus einer Estrade thront, und bei aller tiefen Dunkelheit des Teints durchaus nicht das eingefallene Gesicht einer Muniie zeigt, vielmehr durch die merk­würdige Ausdrucksfähigkeit überrascht. Es war mir 1893 ver­gönnt, mit Baron von Jfflinger-Granegg die Leiche lange in Unmittelbarer Nähe und ungestört zu besichtigen. Von einer künstlichen Erhaltung ist nicht die Rede; auch ist die Kapelle in keiner Weise zur Mumifikation geeignet. Läppische Bemerkungen über Mönchsbetrug schenke man sich ruhig; die Ursache für das Wunder" muß eben noch entdeckt werden. Noch mehr überrascht hat mich in Rom der wohlerhaltene Leib eines Kapuziner-Seligen in der Kapuzinerkirche Della Consolatione, ich glaube des Cris- pinus: Das Antlitz friedlich, die Wangen bläßrot, das Barthaar frisch. Weniger wunderbar erschien mir die mumienhafte Ein­schrumpfung des Leibes Pius V. in St. Maria Maggiore zu Rom: vielleicht hat mich auch der Umstand ernüchtert, daß man mir bei der Besichtigung im Juni 1898 mein Portefeuille mit Paß und Banknoten aus der Rocktasche gestohlen hat. So 'was ist auch für einen gläubigen Christenmenschen sehr bitter.

Das merkwürdigste Beispiel der Unverweslichkeit einer Leiche hat aber eine der berühmtesten Märtyrinnen des christlichen Alter­tums, die Patronin des Kirchengesanges, St. Cäcilia, geboten. Schüttelt man in religiöser Skepsis das Haupt, als Archaeologe kann ich Glauben fordern, und jeder Kenner der christlichen Alter­tumsforschung weiß, was ich sagen will. In Trastevere zu Rom steht, zur Kirche gewandelt, das Haus dieser edlen Römerin, die unter Diocletian erst im heißen. Bade erstickt und, als dies er­folglos war, vom Henker enthauptet werden sollte. Der un­geschickte Kerl entlief nach dem dritten Streich, der eine tiefe .Halswunde geschlagen. In anmutiger Lage hauchte die Jungfrau am zweiten Tage auf dem Boden des Gemachs ihre Seele aus; so ward sie, kostbar eingehüllt, in einem Sarkophage in der Kata­kombe von S. Callisto neben der sogenanntenPapstkrypta" be- graben. Nach etwa 500 Jahren ward nach einem seltsamen Traum des Papstes die Leiche wieder entdeckt, und noch frisch befunden. Und wie frisch! Nach weiteren 800 Jahren vor nicht einmal 300 Jahren! stieß man wieder aus ihren 818 nach Trastevere überführten Sarg. Es ließ nämlich Sfondrati, her den Kardinalstitel von St. Cäcilia führte, bedeutende Acnde- rungen in der Kirche vornehmen, und im Verlause der Aus- -grabungen im Sanktuarium stieß man auf ein geräumiges Ge­wölbe unter dem Altar. Zwei marmorne Sarkophage fesselten das Auge des Kardinals. Zuverlässige Zeugen hatte man bereits .herzugezogen, und in ihrer Gegenwart wurde einer der Sarkophage geöffnet. Es fand sich, daß er einen Sarg von Cypressenholz ent­hielt. Der Kardinal selbst entfernte den Deckel desselben. Zuerst kam das kostbare Futter und die seidene Gaze zum Vorschein, mit der Paschalis beinahe acht Jahrhunderte früher den Leichnam hatte bedecken lassen. Die Farbe war verblichen, aber der Stoff noch ganz, und durch die durchsichtigen Falten konnte man das schimmernde Gold der Gewänder erblicken, mit welchen die Mär­tyrin selbst bekleidet war. Nach einer Pause von einigen Minuten entfernte der Kardinal vorsichtig die seidene Umhüllung, und die jungfräuliche Gestalt der hl. Cäcilia kam nun zum Vorschein, noch ganz in derselben Stellung, in welcher sie auf dem Fußboden Ihres Hauses den letzten Atemzug ausgehaucht hatte; weder Urban noch Paschalis hatten es gewagt, dieselbe zu ändern. Sie

lag da, gehüllt in ihre Gewänder von goldenem Gewebe, an denen die glorreichen Spuren ihres Blutes noch sichtbar waren, und zu ihren Füßen befanden sich noch die vom Papst Paschalis und seinem Biographen erwähnten linnenen Tücher. Auf der rechten Seite liegend, die Arme vor dem Körper hingesunken, sah sie einer in tiefen Schlaf Versunkenen gleich. Das Antlitz war nach dem Boden dxs Sarges zu gewendet; die Kniee waren leicht ge­krümmt und zusammengezogen. Der Körper hatte sich vollkom­men unverletzt erhalten, und wunderbarerweise durch mehr als dreizehn Jahrhunderte hindurch seine ganze Anmut und Züchtig­keit bewahrt, er zeigte ein äußerst treues Bild der Heiligen, wie sie aus dem Fußboden ihres Badezimmers ihre Seele aushauchte.

Papst Clemens VII., damals krank zu Frascati liegend, be­auftragte den Kardinal Baronius, eine sorgfältige Untersuchung der kostbaren Ueberreste vorzunehmen, und dieser sowohl wie Bosio haben über das, was sie sahen, Berichte hinterlassen. Ganz Rom eilte während der vier oder fünf Wochen in welchen die Jungfrau der Verehrung ausgesetzt war, herbei, umfeiner Neugierde Genüge zu leisten. Der Kardinal Sfondrati errichtete den schönen Hoch­altar, welcher jetzt über dem Grabe der Heiligen steht, und unter- demselben brachte er eine Statue von Stefano Maderna an, der, wie die Inschrift besagt, die Leiche oft gesehn hatte.

De Rissi war Zeuge einer Translation, als er mit Pater Marchi im Jahre 1853 der Uebertragung einer Leiche aus einem Grabe an der Via Appia nach der zwei Miglien entfernten Basilika des hl. Sebastian beiwohnte. Die Leiche blieb auf der Marmorplatte liegen, auf der sie gefunden worden, und man sah an keinem Gliede auch nur die leiseste Spur einer Veränderung oder Verschiebung der Gebein.

Das Erzählte ist wahr, wie immer man es sich erklären mag. Dr. M.

GeineinnützigeA.

Ein schlechtgewähltes und unpassendes Spielzeug für Kinder ist die Peitsche. Nicht einmal für Fuhrleute und Kutscher ist sie so notwendig als man glaubt; denn sie wird meist nur mißbraucht. Was soll aber ein Kind mit der Peitsche? Ein solches Spielzeug bringt nur Schaden mit sich für das Kind, es ist ein sehr übel gewähltes Spielzeug. Giebt es doch so viele andere, weit bessere und nützlichere Spielsachen! Durch das Spielen mit der Peitsche gewöhnt sich das! Kind an Särm,. jaft Herum­schlagen und Geschrei, ja an Mißhandlung anderer. Zuerst schlägt der Knabe sein Steckenpferd, dann den Stuhl, den Thürstock, den Tisch, den Ofen, bald aber alles, was ihm unterkommt und begegnet: unschuldige Tiere, seine Ka­meraden, Geschwister. Wie oft aber ist ein Peitschenhieb einem Auge gefährlich geworden. Statt gutherzig und. sanft zu werden, wird das Kind ausgelassen, ja roh. Wozu kann die Peitsche sonst verwendet werden, als zum Herum­hauen und Schlagen? Darum fort mit diesemSpielzeug" aus der Kinderstube!

Jeder Teil der Maispflanze ist thajsächlich nutzbar. Sogar das Mark der Stengel, das eine höchst merkwürdige Eigenschaft besitzt. Es bleibt nämlich elastisch auch bei der stärksten Zusammenpressung, und wird deshalb bei der Herstellung oder Ausbesserung von Panzerschiffen verwendet zur Vernichtung von Fugen und zur Verstopfung von Löchern, die durch Schüsse in die Schisfswand ge­schlagen werden. Auch die Farmer verwenden es zu ähn­lichen Zwecken im Haushalt. (Prakt. Wegw.)

Jür die Küche.

Polnischer Braten. Eine Kalbsschale wird ge­klopft und mit Sardellen- und Speckstreifchen reihenweise dicht gespickt, mit Salz und weißem Pfeffer bestreut und in ein frisches Schweinsnetz gehüllt. Darauf giebt man sie mit einigen Stückchen Butter, Zwiebel-, Gelbrüben- und Zitronenmarkscheiben in ein passendes Geschirr, gießt ein paar Eßlöffel Wasser darunter und läßt das Fleisch in seinem Safte weich dämpfen. Schließlich entfernt man das Netz, läßt die Oberseite schön goldgelbe Farbe an­nehmen und hebt die kleine Sauce mit einigen Tropfen Maggi. __________

Humoristisches.

Humor in der Schule. Lehrer (zur Mutter, die ihren Sohn zum ersten Mal zur Schule bringt):Ist denn der Kleine aufgeweckt?" Mutter:Nee, der is von allene uffjewachtl"

Aus der Schule. Lehrer:Warum steigt das Quecksilber in die Höhe, wenn man das Thermoter in heißes Waffer steckt?" Schüler:Weil cs ihm unten zu heiß wird!"