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stiele werben von beit Stacheln befreit, in fingerlange Stücke geschnitten, in kochendem Wasser blanchiert, in kaltem Wasser abgekühlt nnd mit einem Tuche die äußere faserige Haut abgerieben. Alsdann werden sie nochmals gewaschen, in kräftiger Brühe, aus 10 Gramm Liebig's Fleisch-Extrakt, weich gekocht, die Brühe mit in Butter geschwitztem Mehl verdickt, mit Citronensaft geschürft, mit Salz und Cayennepfeffer gewürzt und einige Minuten darin aufgekocht. Dieses Gemüse dient als Beigabe zu gebackener Kalbsmilch, Hühnerkoteletts oder ähnlichen Fleischspeisen, ganz besonders wohlschmeckend aber ist es zu Fray Bentos Zungen.
Neben Treibsalat und Gurken sind Sellerieknollen, Esearole, große breitblättrige Endivien und starke Rapon- tikawurzeln ein ausgezeichneter Tafelsalat, letzterer ist leicht verdaulich, wohlschmeckend und die Tafel zierend. Man schabt und säubert die Wurzeln, wäscht sie mehrmals, kocht sie in schwachgesalzenem Wasser weich und schneidet sie in dünne schräge Scheiben. Hierauf mischt man drei Löffel Oel, 3—4 Löffel Essig, etwas Salz und 3 Gramm Liebig's Fleisch- Extrakt, welches man in kochendem Wasser aufgelöst hat, zu einer Sauee, giebt dieselbe über die Rapontikascheibeu und benützt Rapünzchen zur Garuierung. Trotz der auch im Süden herrschenden Kälte werden Trüffeln von Perigord noch immer geliefert. Auch sehen wir schon gute Treibchampignons.
Die Obstvorräte des Marktes nehmen sehr ab und beschränken sich fast nur auf minderwertige Aepfel, die wenig verlockend sind. Die edleren Obstsorten, die uns die Delikateßläden bieten, umfassen kostbare Tiroler und Italienische Tafeläpfel, Duchesse-Birnen, blaue englische Treib- Haus-Trauben, Weintrauben und Orangen, die von Woche zu Woche besser werden, sowie Datteln, Feigen, Mandeln und alle Sorten Nüsse.
Von heimischem Wild ist der Hase noch immer der wesentlichste Vertreter. Der Jagdschluß für Hasen im Januar verursacht eine allgemeine Steigerung für Wildbret, die sich namentlich für Hasen und Fasanen geltend macht. Kaninchen werden viel und in großer fetter Winterware angeboten, finden aber trotz ihrer Billigkeit nur wenig Beachtung. In Deutschland wird das Kaninchen für die feine Küche gern umgangen, in Holland, Frankreich und England hat die bürgerliche Küche es vollständig angenommen. Für das teurer werdende Rehwild bietet das Renntierfleisch guten Ersatz. Gutes Schwarzwild wird in den Delikateß- und Wildhandlungen angeboten, in junger Ware (Frischlingen) teurer, von alten Tieren billig. Das Fleisch des Wildschweines, namentlich der jungen Tiere ist sehr geschätzt, es ist sehr schmackhaft, leichter verdaulich als das des zahmen Schweines und vereinigt mit dem Geschmack des Fleisches zahmer Schweine den vortrefflichen Wildgeschmack. Außer dem Braten, zu welchem der Rücken die Keule oder das Blatt verwendet wird, giebt das Kochbuch noch Anweisungen zu vielerlei Zubereitungen, wie Ragout, Rouladen rc., und Wildschweinkopf bietet noch immer eine beliebte Erscheinung auf jeder Herrentafel. Sogar Wurst von Wildschwein soll von Liebhabern ganz besonders wohlschmeckend befunden worden sein. Brehm erzählt, an egyptischen Seen, wo die Wildschweine in gewaltigen Rudeln hausen, beschäftigen sich europäische Fleischer Monate lang mit der Jagd dieses, von den Mu- hamedanern mißachteten unreinen Tieres, bereiten aus dem Fleisch der erlegten Tiere Würste, welche sie mit gutem Gewinn verkaufen. Das wohlschmeckendste aber von allem ist ein gut zubereiteter Frischlingsbraten. Das Fleisch wird sauber enthäutet, fein gespickt, mit Salz bestreut in die Pfanne gelegt und mit der gebräunten heißen Butter übergossen, in den Bratofen gesetzt und unter fleißigem Begießen mit Brühe aus 10 Gramm Liebig's Fleisch-Extrakt gebraten. Alsdann bereitet man eine Sauee aus ein Viertel Liter Grundsauee, ein Viertel Liter Rotwein, je zwei Eßlöffel Johannisbeer- und Himbeersaft, Nelken, etwas Citronensaft, 1 Stengel Majoran und 30 Gramm gestoßener Schwarzbrotrinde, streicht dieselbe durch ein Sieb, benutzt die Sauee zum Zugießen und läßt den Braten in derselben ein bis eineinhalb Stunden garbraten. Er muß schön glasiert aussehen und die Sauee recht pikant schmecken.
Wildgeslügel ist in großer Auswahl zu haben.
Im Januar beginnt die große Saison für Mastgeflügel, es liefern die Geschäfte die Produkte in- und ausländischer Mastanstalten. Von Hausgeflügel werden Suppenhühner knapp, und Tauben fehlen empfindlich.
Für die großen Diners ist die Auswahl an Fischen sehr reich, besonders fein sind Lachs, Steinbutt und Forelle. Krebse sind in allen Arten vom Oderkrebs bis zum lebenden Hummer und dem riesigen Langusten vorhanden. Kaviar wird immer milder im Kern und Salz, aber nicht billiger, ebenso sind Austern sehr gut aber teuer.
Literarisches.
Einen ganz eigenartigen Charakter hat die illustrierte Berliner Wochenschrift „Der Bär" angenommen. Von dem Grundsätze ausgehend, daß das gesamte deutsche Reich mit der Reichshauptsiadt durch tausendfache Bande aus das innigste verknüpft ist, hat diese Zeitschrift ihr Arbeitsgebiet über ganz Deutschland ausgedehnt und bringt nunmehr Landschafts- und Srädiebilder von überall her; sie vermittelt dadurch die Kenntnis der deutschen Stämme und Gaue untereinander. In der ersten Nummer des neuen Jahrgangs finden wir beispielsweise vortrefflich ausgefllhrte Illustrationen aus Dresden und Hamburg. Die Artikel, denen sie als Schmuck dienen, sind flott und unterhaltend geschrieben. Ein anderer Artikel vergleicht das gesellschaftliche Leben in Berlin und Paris. Seit „Der Bär" im Verlag von Friedrich Schirmer, Berlin SW., Neuenburger Straße 14a, erscheint, hat er sich sehr zu seinem Vorteil verändert und modernisiert. Da zur Kenntnis des modernen Lebens und seiner sozialen Erscheinungen auch ein Einblick in die wirtschaftliche Bewegung gehört, wird dem „Bär" eine besondere Gratis-Beilage „Der Reichsaar" beigelcgt, der in unparteiischer und unabhängiger Weise die Vorgänge auf den Warenmärkten Deutschlands und des Auslandes schildert. Hervorragende Neuheiten auf technischem Gebiet werden eingehend besprochen, so daß der „Reichsaar" Industriellen und Kaufleuten unentbehrlich werden 'dürfte. Auch unseren Frauen bringt „Der Bär" eine Gabe im „Franenspiegel", der in vorzüglichen Holzschnitten die neuesten Moden für Damentoiletten und Kinderkleider vorführt. Praktische Artikel aus dem Gebiete der Gesundheitspflege, der Kindererziehung rc. und eine Fülle von Handarbeitsmustern und kunstgewerblichen Vorlagen werden den Inhalt des „Frauenspiegel" auf das glücklichste vervollständigen. Für Unterhaltung sorgt eine heitere Novelle von Robert Kohlrausch „Wotans Verlobung"; eine Erzählung von Ernst von Wildenbruch wird diesem litterarischen Werke folgen. Trotz der Vielseitigkeit des „Bär" und seiner Beilagen bleibt der Abonnementspreis der alte. (Vierteljährlich 2.50 Mark, Einzelheft 20 Pfg.) Wir können den „Bär" mit bestem Gewissen unfern Lesern als eine gediegene und vornehme Zeitschrist empfehlen.
Humoristisches.
Vorsichtig. Wirt (in der Sommerfrische zu einein Fremden): „Kommen Sie vors' Haus, Herr Müller, ein wunderbar schöner Regenbogen steht am Himmel." — Fremder: „Kostel's was?"
Zur Beherzigung.
Die Ansichtskarte — so bös wär' sie nicht, Beschrieb' sie nicht jeder mit einem Gedicht. Drum heißt cs an alle die Mahnung zu richten: Lerne schreiben, — ohne zu dichten!
Kapselrätsel.
(Nachdruck verboten.)
Aus dem ersten und dem letzten der folgenden Wörter sind je drei, aus jedem der übrigen Wörter zwei zusammenhängende Buchstaben zu entnehmen, sodaß sich daraus ein Sprichwort ergiebt.
Neunaugen — Nebelhorn — Waschkcssel — Heldentod — Spitzkegel — Radfahrer — Fensterbrett — Bauerngut. '
Auflösung folgt in nächster Nummer.
Auflösung der Skataufgabe in voriger Nummer: (Mit a, b, c, d werden die vier Farben bezeichnet; also a — Eichel, Treff; b — Grün, Pique; c = Rot, Coeur; d — Schellen, Carreau; A — Aß; II — Unter, Wenzel, Bube; D = Dame, Ober.) Vorhand hatte a D, a 8, b D, b D, b 9, b 8, b 7, d A, d 9, d 8, d 7, im Skat lagen a 7 und b K; Rest zur Hinterhand. Verlauf des Spieles:
1. V. dA. M. d v. H. bA — 25.
2. V. d 9. SW. dK. tp. a Z = — 14.
3. H. o Z. V. a D. M. v A — — 24.
Sa. — — 63 Augen.
Redaktion: E, Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


