Ausgabe 
12.5.1900
 
Einzelbild herunterladen

264

Dieser Apparat ist ein teures Andenken, meine Damen und Herren, Nicht nur hielt ihn mein Onkel wert, sondern der Phonograph befand sich auch in seinem Schlafzimmer, als die ruchlose That erfolgte.

Versteht einer der Herren mit dem Apparat umzu­gehen?" fügte er nach einer Weile hinzu.

Zwei oder drei der Anwesenden meldeten sich, einer von ihnen, Mr. Enders, trat vor den Phonographen hin und begann an der Kurbel zu drehen.

Es befindet sich noch eine Platte darin", sagte er, passen Sie auf, meine Herrschaften."

In der That während er drehte, ertönte eine den meisten Gästen bekannte Stimme, diejenige des Ermordeten. Erschreckt fuhren alle zurück das klang wie direkt aus dem Grabe kommend, so heiser und unnatürlich drangen die Laute hervor.

Man lauschte mit atemlosem Schweigen.

Noch einige Augenblicke", erscholl es aus der un* heimlichen Maschine,so habe ick) aufgehört zu atmen. Ich bin int Schlaf überfallen worden"

Joe Silvan ergriff totenblaß den die Kurbel hand­habenden Freund heftig am Arm.

Halten Sie ein ich ertrage nicht, das zu hören fort mit dem schrecklichen Jnstrnment ich"

Er versuchte sich des Apparats zu bemächtigen, aber Inspektor Osborne ergriff denselben mit beiden Händen.

Halt ich lege Beschlag darauf im Namen des Ge­setzes! Wir wollen alles hören, was der Tote zu sagen hat." Und rasch entschlossen packte er den Knopf der Kurbel, diese langsam in Bewegung setzend. Während der Neffe zitternd in s einem Stuhl zurückgelehnt saß und die Versammlung wortlos lauschte, sprach der Phonograph in der früheren Weise die Worte:

man hat mich wundenbedeckt und blutend für tot liegen lassen. Noch einmal erhebe ich mich, unsäglich leidend . . . ich habe nicht mehr die Kraft, zu rufen und zu gehen ... so. vertraue ich dieser Maschine den Namen des Mörders an ... es ist .. . mein . . . Neffe Joe Silvan"

Hier endete die Mitteilung, welche von allen Anwesen­den mit Entsetzen in den Mienen vernommen wurde.

Plötzlich sprang ein Mann wie rasend auf und wollte aus dem Zimmer stürzen es war Joe Silvan. Zu spät! Vom Schrecken gefesselt, hatte er zu lange gezögert. Schon stand Mr. Osborne an der Thür mit auf ihn gerichtetem Revolver:

Halt Sie sind verhaftet!"

Wie ein Wahnsinniger wehrte sich der Unselige, doch mit Hilfe einiger der Herren sah er sich bald überwunden und gefesselt. Noch am selben Abend legte er ein Ge­ständnis ab. In leichtsinnige Gesellschaft geraten, hatte er sich in Schulden gestürzt. Um sich Geld zu verschaffen, fälschte er Wechsel. Der Termin der Einlösung nahte, seinem streng rechtschaffenen Onkel durfte er sich nicht an- vertrauen; so reifte in ihm der Plan der entsetzlichen That. Nachdem er sorgfältig für ein Alibi gesorgt, reifte er heim­lich nach New-Port. In der Nacht drang er, mit der Oert­lich keit genau vertrant, auf die bezeichnete Weise in das Hans und Zimmer des Onkels ein, dessen langjährige Ge­wohnheit, bei offenem Fenster zu schlafen, er kannte. Im Schlafe überfiel und erstach er den alten Mann, dann floh er eilig die Stätte des Verbrechens. Diesmal verschmähte er den gefährlichen Weg durch das Fenster, er stieg eine Treppe höher nach dem Zimmer, das er während feiner Besuche bewohnte und wozu er den Schlüssel bei sich führte. Darin hing der Hausschlüssel, den er gewöhnlich benutzte. Nachdem er diesen an sich- genommen, wollte er eben leise wieder hinabschleichen, als ihn beim Anblick der zu den Wohnräumen der Haushälterin führenden Thür der teuf­lische Gedanke durchzuckte, den Verdacht von vornherein auf eine falsche Spur zu lenken. Er wußte, daß sie mit einem reichen Legate bedacht war. Vorsichtig probierte er an der Thür, sie war nur eingeklinkt, da die Dame im hinteren Zimmer schlief und nur dieses von innen zu ver­riegeln pflegte. Noch einmal wagte er sich auf den Schau­platz seiner That, holte das bei der Leiche, die er zu seinem Entsetzen jetzt neben dem Bett liegen sand, zurückgelassene

Messer und verbarg es auf dem Grunde eines Kommoden­kastens der Haushälterin. Sodann verließ er leise das Haus. Er spielte ein gewagtes Spiel, aber er gewann es für den Augenblick. Niemand erkannte ihn, noch mit dem Nachtschnellzuge kehrte er nach Philadelphia zurück. Seine Wirtin konnte ihn nicht verraten, da sie auf mehrere Tage verreist war, und int Geschäft vermißte ihn niemand, da er die Nacht vom Samstag zum Sonntag gewählt hatte.

Es versteht sich, daß die unschuldige Haushälterin sofort in Freiheit gesetzt wurde. Eine glückliche Ehe ließ die Arme bald die Leiden und die Schmach ihrer Haft vergessen. Joe Silvan entzog sich durch Selbstmord der gerechten Strafe.

GeineinirÄtziges.

Schabe st eak für Kranke. 150 Gramm mürbes Filet schabt man fein, vermischt es mit 1 Eigelb und etwas Salz und formt 2 runde Steaks davon, die man in 25 Gr. Butter rasch bräunlich und saftig brät. In dieser Zeit quirlt man 5 Gramm Fleisch-Pepton der Kompagnie Liebig, 1 Löffel Sahne, 10 Tropfen Citronensaft und 1 Eigelb sowie 1 Löffel Wasser im Wasserbade zu dicker Sauce, mit der man die aus der Bratbutter genommenen, auf heißer Schüssel angerichteten Schabesteaks übergießt.

Vermischtes.

Daß der jungen Neuvermählten das Koch­buch oft genug als wertvoller Helfer bei den nunmehr an sie herantretenden Obliegenheiten dienen muß, gießt bekanntlich den Witzblättern ständig Stoff zu Scherzen. Keine Dame sollte sich dadurch irre machen lassen in der Erfüllung der schönen Aufgabe, dem Gatten eine mit Lust und Liebe selbstbereitete Kost vorzusetzen. Theorie und Praxis vereint, zeitigen rasch gute Erfolge; und im übrigen leistet ja auch wie in allen modernen Kochbüchern mit Recht betont wird, Liebigs Fleisch-Extrakt seinen schätz­baren Beistand, das etwa zu flau geratene Suppen, Saucen u. s. w. rasch verbessert und überhaupt unzähligen Fleisch­speisen, sowie namentlich Gemüsen, Hülsenfrüchten u. s. w. zu Kraft und Wohlgeschmack verhilft. Es bewährt sich wirklich als freundlicher Genius der jungen Ehe.

Die soeben erschienene Nr. 2 desGartenfreund" bietet wieder soviel des Interessanten und Wissenswerten für den Garten- und Blumenliebhaber, daß wir diese so außerordentlich billige Zeitschrift nur bestens empfehlen können.

Arrattramm.

Nachdruck verboten.

Ein Spiel bin ich aus alter Zeit, Jetzt nirgends mehr modern.

Verwandelt man mein Herz zum Fuß,

Dien' ich als Futter gern. m.

Auflösung in nächster Nummer.

----- 4-

Auflösung der Skataufgabe in voriger Nummer: (Mit a, b, c, d werden die vier Farben bezeichnet; also a = Eichel, Treff; b = Grün, Pique; c Rot, Coeur; d ----- Schellen, Carreau;

A = 916; U = Unter, Wenzel, Bube; D ----- Dame, Ober.)

Vorhand erhielt o II, dH, c A, cZ, cK, cD, cd, c8, dK, d8, im Skat lagen: aZ und c7; Rest für Hinterhand. Verlauf des Spieles:

1. S. oA M. bv H. a7 ----- 13.

2. M. all H. a8 V. dH 4.

Da Vorhand jetzt jede der beiden Farben des Spielers stechen und alsdann seine lange v-Farbe nachziehen kann, so erhält der Spieler keinen Stich mehr, ist also im Schneider geblieben. Würde Mittel­hand das c A nicht gestochen haben, so hätte ihm dies bei der gegen­wärtigen Kartenverteilung nichts genützt; daß er hingegen sein Grand mit Schwarz gewonnen hätte, sobald Vorhand statt des zweiten Wenzels eine beliebige andere Karte von Hinterhand erhielt, zeigt jeder Versuch.

Redaktion: 6. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Univerßtäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.