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Miß Mertens?"
.Fünfzehn Jahre/
liche Räume im oberen ---------- %-.r , . - . .
alle Kästen öffnen und unterzog den Inhalt emer auf- merlsamen Prüfung.
„Bei mir werden Sie nichts finden , rief das Frauleru
entlüftet.
„Vielleicht doch", bemerkte Osborne finster, indem er aus der Tiefe eines der Kommodenkästen ein
„Sie."
„Wie hoch ist sie bedacht?'
„Mit 5000 Pfund."
Jedenfalls doch, weil fie eine treue und aufmerkfame Dienerin war? Wie lange ist sie hier im Hause?"
Blut bedeckt war. „Miß Mertens, ich erkläre Sie für der- B ciftc t */z
Noch am selben Tage traf der Neffe des Ermordeten, Joe Silvan, aus Philadelphia ein. Der junge Mann zeigte sich untröstlich über den Tod seines geliebten Verwandten, er äußerte in flammenden Worten seine Entrüstung über die schreckliche That und den schwarzen Undank der Thaterrn. Wohl habe ihm Miß Mertens immer Sorgfalt und Freundschaft bewiesen, aber dieses Ereignis lösche alle Empfindungen, die er für sie gehegt, in seinem Herzen aus. Mit Thränen in den blauen Augen folgte er dem Sarge des Mannes, den er seinen zweiten Vater nannte.
Die Haushälterin leugnete trotz aller Bemühungen des Inspektors, ihr ein Geständnis zu entlocken, beharrlich das Verbrechen. Daß sie sich habe verheiraten wollen, entspreche der Wahrheit, aber unendlich fern habe ihr trotzdem auch nur der Gedanke gelegen, ihrem hochverehrten Herrn um des ihr zugedachten Erbteils willen den Tod zu wünschen — wie viel weniger würde sie im stände gewesen fein, sich thätlich an ihm zu vergreifen!
! Inspektor Osborne empfand Mitleid mit ihr^ nach Lage der Sache konnte er aber kaum an ihrer Schuld zweifeln Das offene Fenster hielt er für eine geschickte Spwgelfechterei, um den Verdacht abzulenken Das Messer hatte sie in der Eile nicht beseitigen können, ^hr Emwand, daß sie, eine Frau, die Physische Kraft zur Ausführung eines solchen Verbrechens nicht besitze, sei nicht stichhaltig.
I Miß Mertens fei eine kräftige Person, und nicht zum I ersten Mal hätten Frauen auf ähnliche Weise gemordet. | Die Untersuchung war bald geschlossen, und die Unglückliche I erwartete ihr Urteil von den in kurzem zusammentretenden
„Nun also —"
„Aber sie will heiraten —" _
Der Inspektor warf einen prüfenden Blick auf die Frau, die still weinend am Fenster stand. Sie mochte etwa 36 Jahre alt sein und konnte als eine r-t ^^^,Jch^kann so etwas nicht denken", murmelte Mr. Osborne. „Sie hat einen guten Blick. Führen Sie mich, wandte er sich plötzlich laut und befehlend an die Haushälterin, „in Ihr Zimmer." m M ~
Erstaunt vernahm Miß Mertens den Befehl des Be
seit mehreren Stunden aus dem Körper entflohen. Das i offene Fenster deutete den Weg an, dessen sich der Mörder I bedient, die von innen erschlossene Thür zeigte, daß er I zwar durch das Fenster eingestiegen sei, zum Verlassen I des Hauses aber den natürlichen Weg gewählt habe. I
Mr. Osborne sah zu dem noch offen stehenden Fenster 1 hinaus — es führte in einen engen Hof hinab. Eine Dach- | rinne zog sich direkt neben dem Fenster hin, an welcher I ein gewandter Turner mit Leichtigkeit emporzuklimmen vermochte. Das Zimmer des Toten lag im ersten Stockwerk. Der Hof stand mit ein paar anderen Höfen in Verbindung, I sodaß man sehr wohl von der Straße aus dorthin gelangen I fOtW,ganten Sie die Hausthür heute früh offen?" fragte I der Inspektor die Haushälterin. I
Miß Mertens verneinte. „Verschlossen, wie immer/ I „Wenn der Mörder aber durch dieselbe, wie die offene | Achlafstubenthür zu beweisen scheint, das Haus wieder ver- I lassen hat, so wußte er einen Nachschlüssel besessen haben?" i
Miß Mertens, mit noch vom Weinen geröteten Augen, zuckte die Achseln. j
„Besaß er diesen aber, wozu die mühevolle Kletterei?" Inspektor Osborne sah sich int Zimmer um. „Nichts in Unordnung, nichts entwendet — ein Raubmord liegt nicht vor. Vielleicht ein Racheakt? Kennen Sie eine Person, welche dem Toten feindlich gesinnt war?"
Die Haushälterin schüttelte den Kopf. !
„Wer hätte ihn hassen sollen, der so gut und nnld- thätig war?" , . , „
, Oder hatte sonst jemand an fernem Tode Interesse?
Weder Miß Mertens noch der Buchhalter gaben eine Antwort.
„Wer ist der Erbe des Ermordeten?"
„Sein Neffe, Mr. Joe Silvan."
„Wo ist er?"
7,In Philadelphia in einem Bankgeschäft."
„Wie stand er sich mit seinem Onkel?"
, Beide liebten einander sehr", erwiderte Miß Mertens schluchzend. „Joe ist ein braver junger Mann, der semen alten Onkel über alles achtete und verehrte."
„Hat man ihn benachrichtigt?"
Ter ^Buchhalter näherte sich jetzt dem Inspektor und flüsterte in vertraulichem Tone: „Der Tote hat noch einen Erben, Herr Inspektor — oder richtiger eine Erbin."
Wen?"
Buchhalter Miller deutete auf die Haushälterin.
sie eifrig. * ,
Eiuiae Anwesende widersprachen. Auch die bereits im Gebrauch befindlichen Apparate
'^"Weshalb?" fragte fie erbleichend. „Hegen Sie etwa I leisteten bezügliches.
Verdacht gegen mich?" „ I £ J J bestätigen", schloß sich der Gastgeber dem
„Nein, aber ich muß meme Pflicht thun Urieif ber Okani ber Dame an. „Mein unglücklicher Onkel
Die Haushälterin gehorchte. Sie bewohnte zwei freun^- I Urteil b g raphen, der erstaunlich gute und
licke Räume int oberen Stockwerk. Der Inspektor ließ sich | Reproduktionen lieferte. Wenn Sie erlauben, hole
ich ihn her, um Sie zu überzeugen." „
Jawohl, lassen Sie uns ihn sehen. .
Der Phonograph, ein großer und eleganter Apparab mein er 1 von vorzüglicher Konstruktion, ward herbeigebracht und scharfes auf den? Tische aufgestellt, wobei der Neffe mit bewegter, aus oer Luete eines uee *vuuuvun»«i>v.. — I —.! _ „-«Vxvt». j
Messer zum Vorschein brachte, dessen Klinge mit geronnenem 1 Stimme erklärte.
I Inzwischen hatte Joe Silvan die Erbschaft seines reichen Onkels angetreten. Der junge Mann übernahm das
I Geschäft, dessen Betrieb er hauptsächlich dem Buchhalter überließ. Er selbst führte das Leben emes Verschwende^
I gab Feste über Feste, machte Reifen, schwelgte tu den Ge-
I war am Abend^vor der Gerichtsverhandlung,wehche über das Schicksal der Mörderin entscheiden sollte. Völlig
1 gebrochen harrte die so schwer Beschuldigte m ihrem Ge- I fänqnis. Das Haus ihres unglücklichen Herrn aber strahlte I in festlicher Beleuchtung. Joe Silvan hatte em glanzendes I Gastmahl veranstaltet; Damen und Herren semer Bekanntschaft waren zahlreich! um ihn versammelt
I Man sprach von allem möglichen, auch von oer I morgigen Verhandlung. Das Publikum sei entrüstet über I den Starrsinn der Verbrecherin. Man wurde sie steinigen, I wenn fie nicht geschützt würde. So einen edlen, guten I Mann auf so schändliche Weise um den Rest fernes Leben, I zu betrügen, es sei himmelschreiend!
1 6 Joe Silvan hörte erschüttert zu — er sprach nicht, hprttt sHü.fitunQ unb Sdyntei^ tncicfyten if)tt ftuntni.
Mr. Osborne war ebenfalls geladen, er beantwortete alle Fragen nach dem Verhalten der Angeklagten kurz und ausweichend, denn sein Amt legte ihm Zuruckhaltung auf..
Aus Rücksicht auf den Gastgeber gab man bald dem Sie mochte etwa öd i Gespräch eine andere Wendung. Eine ber Damen hatte ’S I »ÄÄÄ über die Demonstration Ausdruck.
Nun erst vermag der Apparat die Erwartungen, die man'aus ihn setzen durfte, voll zu rechtfertigen", resümierte


