1900.
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[ten Freund für neuen wandeln Heißt für Früchte Blumen handeln.
Fr. v. Logan.
(Nachdruck verboten.)
Unter dem Schwerte der Themis.
Roman von Reinhold Ort mann.
(Fortsetzung.)
Der Kellner brachte ihnen eine Flasche Wein und schloß die Thür. Aber sie hatten noch nicht einmal ihre Gläser gefüllt, als sich diese Thür schon wieder öffnete, um die hagere Gestalt des Herrn Franz Eschenbach, aus der Schwelle erscheinen zu lassen. Es war höchst sonderbar, Ivie vollständig mit einemmale alle Schüchternheit und Unsicherheit aus der Haltung und dem Benehmen des angeblichen Privatgelehrten verschwunden war. Mit weltmännischer Höflichkeit begrüßte er zunächst den Dunkel- bärtigen, der sich bei seinem Eintritt artig erhoben hatte, mit einem Händedruck, und erwiderte dann die Verbeugung des anderen aus die gleiche Weise.
„Nun?" wandte er sich mit einem Ausdruck gespannter Erwartung in französischer Sprache an diesen letzteren. „Sie haben ihn also jetzt gesehen?"
„Ja! Ich konnte ihn gut beobachten; denn er war nur um ein Geringes van mir entfernt und kehrte mir sein Gesicht zu, während er einen Brief las. Aber — ich bitte um Verzeihung, mein Herr, wenn es Sie kränken sollte! — ich fürchte, wir haben unsere Reise umsonst gemacht." .
„Sie können also den angeblichen Baron Hainau in diesem Sandory nicht wieder erkennen?"
„Ich möchte noch nicht mit Bestimmtheit sagen, daß er es nicht ist, gewiß aber noch viel weniger, daß er es ist. Es ist wohl ungefähr seine Gestalt, wenn ich auch meine, daß der Baron etwas weniger stark und breitschulterig gewesen sei. Auch in dem Gesicht wollte mich manches an den Mörder des Fürsten erinnern. _ Aber dann schien mir dieser Mann doch wieder völlig fremd. Der Baron hatte sicherlich eine niedrigere Stirn; er trug einen ganz anderen Bart, und sein Haar war bloiw. Alles in allem bin ich geneigt zu glauben, daß es nichr derjenige ist, den wir suchen."
Der angebliche Eschenbach trank langsam, in kleinen Zügen, ein halbes Glas Wein. Er sah wohl nachdenklich, aber keineswegs gekränkt aus, wie jener andere es gefürchtet zu haben schien.
„Da Sie selbst zugeben, Ihrer Sache noch nicht ganz sicher zu sein, müssen wir Ihnen also zunächst Gelegenheit verschaffen, Ihre Beobachtung eine längere Zeit hindurch fortzusetzen, ohne daß dieser Sandory oder Hainau etwas davon ahnt. — Haben Sie übrigens vorhin auch seine Stimme gehört?"
„Nein! Die Thür der Pförtnerloge mußte ja geschlossen bleiben, damit er meiner nicht ansichtig würde."
„Aber Sie würden doch wohl ein sicheres Urteil über seine Identität gewinnen müssen, wenn Sie die Möglichkeit hätten, ihn sprechen zu hören. Sie waren doch als der Hofmeister des Fürsten vermutlich zuweilen bei den Unterhaltungen der beiden zugegen?"
„Gewiß, mein Herr, ich hörte sie, so lange der Baron Hainau auf dem Schlosse war, beinahe täglich miteinander plaudern."
„Dann müßte es sonderbar zugehen, wenn Ihr Gedächtnis Sie a^d): dann noch im Stich ließe, nachdem Sie Zeuge eines von diesem Sandory geführten längeren Gespräches geworden sind. Wenn meine Erwartungen sich erfüllen, soll das noch an dem heutigen Abend geschehen, und ich hoffe zuversichtlich, der nächste Morgen findet den sauberen Vogel endlich im sicheren Käfig."
Nun mischte sich auch der Schwarzbärtige, der sehr- aufmerksam zugehört hatte, in die Unterhaltung.
„Sie halten also noch immer an der Annahme fest, daß er der Mörder des Fürsten Suworin ist?"
„Ich würde ihn schon vor einer Reihe von Tagen auf meine eigene Verantwortung hin unter diesem Verdacht verhaftet haben, wenn ich nicht durch bestimmte Weisungen meines Ehefs, der unter allen Umständen einen etwaigen Mißgriff vermieden sehen möchte, daran verhindert worden wäre. Kaum jemals in meiner langjährigen Thätigkeit als Polizeibeamter bin ich meiner Sache so gewiß gewesen, wie in diesem Fall, und Sie werden begreifen, wie lebhaft es mich unter solchen Umständen verdroß, daß der Verbrecher so lange ganz ungehindert große Summen von dem gestohlenen Gelde gewissermaßen zum Fenster hinauswerfen konnte."
„Ich würde die deutsche Polizei für die beste des Kontinents erklären, wenn Ihre Vermutung sich als zutreffend erwiese. Wie in aller Welt ist man denn eigentlich bei Ihnen auf eine Spur gekommen, die wir längst für gänzlich verloren hielten?"
„Das Verdienst daran gebührt nicht mir, sondern einzig einem ziemlich untergeordneten Polizeibeamten in einer rheinischen Stadt. Als wir von Sankt Petersburg aus über das an dem Fürsten Suworin begangene Verbrechen nnd über die Person des mutmaßlichen Thäters unterrichtet wurden, gelangte eine entsprechende Mitteilung selbstverständlich an alle deutschen Behörden, und es


