Ausgabe 
11.11.1900
 
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innern. Spin unb wieder sind ja dieblutigen Opfer" des Spätherbstes noch an der Tagesordnung, ohne jedoch als solche sofort erkannt zu werden. Man denke nur an das Einschlachten für den Winter, welches ehemals meistens im November geschah, der davon den NamenBlötmonath" bekam, wobei gerade nicht direkt an Blut zu denken ist, vielmehr an blötan, das heißtGott durch Opfer verehren". Das dortSchlachtefest" verrät in seiner zweiten Hälfte heute nochf. daß es ehemals dabei sehr hoch herging.

In erster Linie war aber wohl die Gans dem alt- heidmschen Vorgänger St. Martins geweiht; denn sie wird noch heute in den vordem germanischen Ländern Europas massenhaft zum 11. November abgethan, um mit ihrem feisten Leibe die Freuden des Festes noch ganz besonders zu erhöhen. Jung und alt, vornehm und gering be­teiligte sich an diesen feierlichen Martmsschmäusen.Schpn in den älteren Zeiten zeichnete sich St. Martmstag durch den Gebrauchs aus, daß die Leute zum Gedächtnis des heiligen Martin mit fröhlichem Gemüte die Mertensnacht zu begehen, die Mertens-Gans zu essen und mit den Nachbarn und dem Gesinde fröhlich zu sein Pflegten, gleich, wenn aller Ueberfluß mit St. Martin, der Armen Patron, vorhanden wäre" berichtet Pantaleon, un Sebastian Franck schreibt in seinemWeltbuch" folge-dermaßen: St. Martin isset ein jeder Hausvater mit sei, m Gesinde eine Gans, vermag ers, so kauft er ihnen Wein und Meth und loben St. Martin mit voll fein, essen, trinken rc." Der funkelndeSaft der Reben" spielte bei diesen spät- herbstlichen Gelagen auch eine wichtige Rolle. Martini stach man den neuen Wein an und trank Most aus großen Humpen und Pokalen, weil eben St. Martin auch Patron des Winzers war, welchier Zug wiederum auf den alt­deutschen Erntebeschützer Donar hinweist. Martiniwein sollte Stärke und Schönheit bringen, weshalb sich heute noch im Böhmerwalde Burschen und Mädchen am Vor­abend des 11. November in der Dorfschenke versammeln, um ihn gemeinschaftlich; zu trinken. Nach dem Volks­glauben bewirkte auch: St. Martin, daß an seinem Ge­denktage sämtlicher Most in echten Wem sich umwandle. In vielen Klöstern Süddeutschlands und der Rheinlande war es Sitte, daß zuMartini" eine bestimmte Menge Wem an' die Herren Patres unentgeltlich geliefert wurde, damit sie auch in rechter Weise ihre festliche Tafel ein- zurichiten iw der Lage waren und dabei ausrufen konnten:

Bruder Urban gibt uns vinum!

So flößen wirs ein, so trinken wirs ein; Die Gans, die will begossen sein, Sie will noch schwimmen und baden, ja baden! So wird uns wohlgeraten

Häec anseris memoria."

(d. h. der Minnetrunk der Gans.)

Martini" bildete ehemals gleichsam den Abschluß der Feldarbeiten, des bäuerlichen Erntejahres. Die Ver­pachtung der Aecker lief-meift von diesem Tage an, welcher zugleich als Termin zur Entrichtung des Pachtzinses diente. - Das Bezahlen des Pachtgeldes! schien aber Manchem Bauer, trotzdem die Ernte eingebracht war, schwer zu fallen, worauf noch das Sprichwort hindeutetMartin ist ein harter Mann", sowieMartin ist ein schlechter Be­zahlet:". Martin war aber auch noch einer anderen Be­ziehung ein harter Mann; denn mit dem 11. November zieht nach altem Volksglauben der Winter ins Land.

Es kommt nach alten Sitten ' St. Martin gern auf dem Schimmel geritten,"

b. h. mit Martini beginnt der Schneefall, und daß es dann auch! kalt fein muß, das versteht sich von selbst, darum

St. Martin Feuer im Kamin!"

Gut ist eine solche frühzeitige Winterwitterung gerade nicht; denn

Wenn die Gänse Martini auf dem Eise steh'n, So müssen sie Weihnachten im Kote gch'n."

Nun, wir wollen Heuer das Beste hoffen!

Litterarisches.

Bolksdüch« -er Gesundheitspflege. Herausgegeben von Prof. Dr. Hans Buchner. Auf wissenschaftlicher Grundlage gemeinverständlich dargestellt.

Bd. 3, Gesundheitspflege im täglichen Leben. Von Prof. Dr. nie.. @. Grawitz, dirigierender Arzt am städtischen Krankenhaus in Charlottenburg.

Bd. 15, Gesundheitspflege im Kindesalter. Von Dr. med. Josef Trumpp, Privatdozent für Kinderheilkunde an der Universität * München.

Bd. 16, Gesundheitspflege für Mütter und junge Frauen. Bon Dr. med. Oskar Schaeffer, Privatdozent an der Universität Heidelberg.

Die Sammlung ist auf vorläufig 20 Bände berechnet. Preis des ansprechend gebundenen Bandes Mk. 1.. Verlag: Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart 1900.

Es ist ein dankenswerter Anfklärungsdienst, den die Verlags­buchhandlung, getreu ihrem Wahlspruche:Bildung macht frei!" mit Drucklegung der Volksbücher der Gesundheitspflege übernimmt, und es ist ein ehrendes Zeugnis für ihren Scharfblick und ihre Umsicht, daß sie in der Wahl des Herausgebers so glücklich war. In der That konnte sie keinen berufneren Leiter für dies ihr volksfreundliches Unternehmen finden, als Prof. Dr. Hans Buchner in München, der mit seinen acht Vorträgen aus der Gesundheitslehre die Teubner'sche Sammlung Aus Natur und Geisteswelt" so glückverheißend und erfolgreich eröffnete. Seine Leitung bürgt für die Gediegenheit und Lebensfähigkeit auch des obgedachten Unternehmens, und wie trefflich er die Bearbeiter für die einzelnen Bände zu finden versteht, das beweist der Inhalt der drei ziierst herausgegebencn Bändchen, davon Bd. 3 ein mehr allgemeines, Bd. 15 und 16 Sondergebiete behandeln, denen das lebhafte Interesse des gesamten Volkes dauernd zugelenkt zu werden verdient.

Gesundheit ist das größte Gut, Wohl jedem, der sie nimmt in Hut! Bdt.

Bilderrätsel.

(Nachbildung verboten).

Auflösung in nächster Nummer.

Ä

Auflösung des Telegraphenrätsels in voriger Nummer: Jung gewohnt, alt gethan.

(Jubel, Neger, Gewand, Mohn, Stall, Tage, Thal, Nubier.)

Preisrätsel.*) Umftellrätsel.

Nachdruck verboten.

Jede Buchstabengruppe ist zu einem Wort zu ordnen; die einzelnen Wörter jeder Zeile sind so umzustellen, daß sie einen Sinnspruch ergeben.

Härenw sad umss wieg wege Keine tinch nedi tum murad Sad terla stelbs lilw revhenzer Sieden lamfmenlugt zehrens Nend mow stögel klasenvdaben Esi gleift fau retavdenla muz Sed na schlite quenell wegen Schi ned uz senegell rettöng.

*) Lösungen sind mit Aufschrift:PreiSrätsel-LösuNg" versehen innerhalb acht Tagen an die Redaktion derGteßentk Familieudlätler" einzusenden.

Redaktion: T. Bnrkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitStS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.