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Als man sich entschloßt das unter römischer Botmäßig­keit schnell aufblühende Land dauernd durch römische Be­satzungen zu schützen, stellte sich bald die Notwendigkeit heraus, die kleinen Standorte, in denen Wohl durchschnitt­lich kaum mehr als eine Kohorte Soldaten lag, durch eine solide Chaussee, in deren Bau die Römer ja Don jeher Meister waren, zu verbinden. In Abständen, welche je nach Beschaffenheit des Geländes zwischen einem halben und einem ganzen Kilometer wechseln, befanden sich hölzerne Aussichtstürme, von denen aus Wachposten Aus­guck hielten und bei drohender Gefahr und ungewöhnlichen Vorkommnissen nach den rückwärts liegenden Kastellen bei Tag Trompetensignale, bei Nacht Feuerzeichen gaben. Der ungeheure Waldreichtum, dessen sich Deutschland damals erfreute, führte von selber dazu, die Heerstraße auf ihrer Ostfront durch starkes Psahlwerk und Verhaue schützen und indem man davor noch einen Graben aus­warf, war ein Besestigungswerk vollendet, welches immer­hin keinen unbedeutenden Verteidigungswert hatte. An Flußübergängen und dort, wo der Limes tief eingerissene Thäler und Schluchten zu überschreiten hatte, wurden kleine Sperrforts angelegt, die mit den größeren Kastellen in Verbindung standen und in Entfernungen von etwa einem halben Tagemarsch (im Süden 10 bis 16 Kilometer, im Norden 8 bis 9 Kilometer) errichtet waren.

Allmählich stellte sich das Bedürfnis heraus, die vor­übergehenden Werke durch dauernde zu ersetzen. Der hölzerne Pfahlwerkzaun wurde durch eine standfeste, den Wall krönende Festungsmauer ersetzt; an Stelle der Holz­türme erhoben sich steinerne Bollwerke, in denen die mit Bogen und kleinen Wurfgeschützen bewehrten wenigen Mann der Wache sich auch gegen einen an Zahl stark über­legenen Feind halten konnten, bis Hilfe kam. Dabei stellte es sich oft als notwendig heraus, die frühere Linie als unpraktisch zu verlassen und eine andere geeignete zu wählen.

Um die Kastelle aber, wo stets militärischer Schutz zu finden war, blühten mit großer Schnelligkeit die Städte auf, welche zum Teil heute noch; bestehen und mit großen Mittelpunkten der Römerherrschaft wie Mainz (Moguntia- cum) und Augsburg (Aügusta Vindelicorum) durch ein eng­maschiges Straßennetz verbunden waren.

Für die älteste Geschichte des deutschen Volkes ist ie§ natürlich von großem Wert, über die einzelnen Jahre, in welchen die verschiedenen Teile des Grenzwalles entstanden, genaueren Aufschluß zu erhalten; denn diese Bauperioden standen augenscheinlich im engsten Zusammenhang mit den großen Umwälzungen im eigentlichen Germanien; über diesen liegt aber gerade in jener Zeit ein fast undurchdring­licher Schleier, und zu jenem Zeitpunkt, wo der Schleier sich hebt, finden wir die deutschen Stamme auf ganz anderen Wohnplätzen; ein neuer Akt in der deutschen Ge- schichte hat angefangen, aber über den Gang der Handlung im Vorangegangenen wissen wir so gut wie nichts. Die von den Ausgrabungen erhoffte reiche Ausbeute an Jn- schriften hat nicht den Erwartungen entsprochen; wir er­fahren wohl mancherlei über die Bauten aus späterer Zeit, wem dieses oder jenes Pvivathaus gehört hat, welcher Gottheit zu Ehren und aus welchem Anlaß ein Altar und dergleichen mehr errichtet wurde, dagegen fast gar nichts über die ursprüngliche Anlage, welche zumeist aus Holz bestehend, keine rechte Gelegenheit zur Anbring­ung von Inschriften bot. Einen Ersatz für diese bieten jedoch in weitem Umfange die sogenanntenKleinfunde", d. h. Münzen, Amuletts, Fibeln, Bronzefigürchen, Ziegel, Gefäßscherben mit Stempeln usw., die überall, wo auch nur vorübergehend eine Niederlassung entstand, in großer Zahl in den Boden gerieten, um nun als wertvolle Zeugen jener vergangenen Kulturperiode aufzutreten. Obwohl von einer wissenschaftlichen Durcharbeitung des aufgefundenen Materials bis jetzt noch keine Rede sein kann, vermögen wir uns doch jetzt schon ein Bild zu machen von der von den ein­zelnen Kaisern gegenüber den alten Deutschen befolgten Politik. Unter den ersten Flaviern der Beginn der Befestig­ungen an einzelnen Teilen, namentlich im heutigen Hessen, dem Stammlande der Chatten; dann unter Trajan, dem baulustigsten Kaiser des alten Roms die Anlage der P0 mächtigen Kastelle zwischen Rhein und Donau, dann unter Hadrian und Antonius Pius die Glanzzeit des Werkes und

überhaupt der ganzen römischen Kultur in Süddeutschland, und bald darapH der Niedergang der Römerherrschaft, eine Periode, in welcher trotz vielfacher Bemühungen ener­gischer Cäsaren der schützende Wall an vielen Stellen durch(- brochen wird, bis gegen Ende des 3. Jahrhunderts der Limes nur noch als Zeuge einstiger Macht dasteht, während die erste Völkerwelle, die Vorflut der gewaltigen Völker­wanderung von Osten hereinbricht.

Es war ein glücklicher Gedanke, die zahlreichen Funde, in welchen sich die eigentliche Mischung römischen, kelti­schen und germanischen Wesens offenbart, vor der Zer­streuung in alle Winde zu bewahren, wozu ja bei der weiten Ausdehnung des Grenzwalls und seiner Erstreckung über das Gebiet mehrerer Einzelstaaten die Möglichkeit recht nahe lag. Nur das Reich, das sie alle verbindet, konnte hier mit Fug und Recht einen Sammlungspunkt schaffen. Als solchen hat man nun die Saalburg bei Hom­burg bestimmt, wo sich schon ein Grundstock interessanter Ausgrabungen befindet. Diese Veste, welche genau im Stile der altrömischen Militärbauten wieder hergestellt wird, und nun auch in einem Reichslimesmuseum sämt­liche Ausgrabungen vereinen soll, wird ein getreues Bild der damals in Süddeutschland herrschenden Kultur bieten und in dieser Beziehung auf deutschem Boden einzigartig sein.

Und einzigartig in der ganzen Welt ist es wohl auch, wenn fast 2000 Jahre nach dem Auftreten der Deutschen in der Geschichte ein deutscher Kaiser, kein Cäsar des alten Roms, und Gott sei Dank auch keiner des heiligen römi­schen Reichs deutscher Nation, sondern ein wahrhafter Sproß aus dem süddeutschen Hohenzollernstamme dem Friedenswerke, zu dem er den Grundstein legt, die höhere Weihe verleiht.

Welch ein Wandel der Zeiten! Damals ein in un­zählige Stämme zerrissenes Volk, dessen Zweige und Zweig­lein in mörderischem Bruderkampfe ihre besten Kräfte auf­rieben, dem Fremden die Unterjochung erleichternd; heute eine Nation von fast 60 Millionen, fest geeint unter ziel­bewußter Führung, ein Volk, das mit kräftigem Arm weit über das Weltmeer hinübergreift, um sich im Wettbewerb der Völker sein Recht zu wahren.

Wenn der Blick der am Tage der Grundsteinlegung um den erhabenen Hüter der deutschen Einheit gescharten Festgäste über die gesegneten Gefilde am Rhein und Main schweifen wird, wo sich so manches traurige und freudige Ereignis der deutschen Geschichte zugetragen hat, dann werden sich ihre Gedanken mit denen derer, die nur im Geiste dabei sein können, in dem heißen Segenswunsche einen, daß nach abermals 2000 Jahren unsere Nachkommen auf eine ebenso lange Periode des glücklichen Fortschritts und Gedeihens möchten zurückblicken können.

Vom Monat Oktober.

Oktober 19 00.

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Buntes Laub als Scheidegruß des Sommers schwebt von den Zweigen herab auf Feld und Wiese. Der Herbst hat begonnen, und währt sein stiller Frieden noch bis in die zweite Hälste des Oktobers hinein, so dürften wir uns eines schönen Herbstes freuen. Das Grün des Waldes hat in diesem Jahr sehr zeitig seine Frische ein- gebüßk, und unsere Baumwelt prangt in den mannig­faltigsten Farben. Am Michaelistag beginnt die Ernte der Erdfrüchte, der Kartoffeln und Rüben. Aepfel und Birnen sind schon von den Bäumen herabgenommen und geborgen, nur inoch die Trauben leuchten aus vergilbtem Laube. Mit 'dem Traubenschnitt erfolgt das Ende der Frucht­ernte; dann rieseln die Blätter schnell zur Erde, und mit (jedem Tage tritt der Herbst mehr in seine Rechte. Die strotzende vegetabilische Sommerherrlichkeit hat nun ein Ende, und der für die Pflanzenkost schwärmende Lieb­haber ivird sich so gut als möglich für den Winter ein­richten. Je weiter der Herbst fortschreitet, und die Vege- tabilien an Mannigfaltigkeit und Güte verlieren, um so reichhaltiger gestaltet sich der Fleischmarkt. Besonders reich ist die Auswahl an Wildpret. Die Wildprethand- lungen bieten: Fasanen, Wachteln, Leipziger Lerchen, Wild-