Ausgabe 
11.9.1900
 
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Modenbericht.

Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden.

Reichhaltiges Moden album und Schnittmusterbuch LbOPfg. daselbst erhältlich. Man hat der Mode immer vorgeworfen, sie sei launisch, herrisch, unlogisch, grausam, kurz, sie habe alle möglichen Untugenden. Betrachtet man sie indes näher, so wird man schwerlich vollgültige Beweise für alle diese Behauptungen aufbringen können, wenigstens die derzeitige Mode besitzt meiner Ansicht nach eher gegenteilige Eigenschaften als die vorgenannten. Sie ist so mannigfaltig in ihren Formen und Ausführungen, daß jeder etwas Passendes finden muß, so bald er nur den notwen­digen sicheren Geschmack besitzt sie ist also nichts weniger als launisch und herrisch. Ferner sind ihre neuen Formen so wohl durchdacht und harmonisch, daß schon ein gut Teil Geschmacklosigkeit dazu gehört, um geschmacklos gekleidet zu sein. Was nun die oft genannte Grausamkeit betrifft, so sind es wohl am meisten die eitlen Frauen selbst, welche grausam gegen sich sind; denn die jetzige Mode mit ihren schlichten, sich den Kör­performen genau anpassenden Formen hat lediglich den allgemeinen Begriff von weiblicher Schönheit, den man wohl am bezeichnendsten mit mitschlanker Fülle" umschreibt, wieder in den Vordergrund gestellt, dem allerdings nur ein Teil weiblicher Wesen entspricht Für die anderen hat die Mode jedoch eine Menge Mittel und Mittelchen in Bereitschaft, welche es gestatten, etwaige Mängel abzuschwächen, wenn nicht ganz zu verbergen, ohne durch be­engende Kleidung und Korsetts grausam gegen sich selbst zu sein.

Fassen wir zunächst den 1. Punkt unserer Besprechungdie Mannigfaltigkeit der Mode" näher ins Äuge. Für die Taillen sind sämt­liche seit Jahren bekannten Grundformen gleich modern, die Blusen, die Jäckchen, die glatten Taillen, sodaß jeder nach Geschmack wählen kann. Und wie groß sind die Variationen! Glatte Blusen, solche mit Einsätzen, mit Koller, mit breiten Kragen, mit Fältchen verziert, mit

breiten oder schmalen Gürteln, kurz alle erdenklichen Formen sind modern. Aehnlich die Jäckchen. Auch hier sind kurze, längere, offene geschlossene, mit Herrenfaqon, mit Schulterkragen, kurz alle Variationen gestattet. Die glatten Taillen, welche nun zwar weniger zu den ausgesprochenen Modeneuheiten gehören, sind trotzdem in verschiedenen Ausführungen beliebt, unter denen die Schneidertaille in der Art unseres Modells No. 180 den ersten Rang einnimmt. An dieser glatten Taille läßt sich die neue Manier, alle Sorten Kleider im Herrengeschmack mit aufgesteppten Streifen und Steppereien zu verzieren, besonders gut anwenden, wie es ja auch an unserer kleinen Skizze, einer glatten Taille mit Herrensalon und einem Aus­näher, ersichtlich ist.

Betrachten wir weiter die Mode­formen in Röcken, so finden wir gegen­wärtig ebenfalls eine ungemein große Auswahl; denn die Mode gestattet auch hier eigentlich alle in den letzten Jahren neu aufgetauchten Formen, wie: glatte Röcke, hinten mit Quetsch- oder Fächer­falten, Tunikaröcke, solche mit Volant­ansätzen verschiedener Art, eingereihte Röcke, hauptsächlich aber Faltenröcke. Diese letzteren verkörpern am besten den Grundgedanken der jetzigen Mode, näm­lich anschließende Enge des Rockes bis zum Knie und von da an gefällige Weite. Dabei möchten wir jedoch be­merken, daß diese Faltenröcke immer am besten in leichten Stoffen ausge­führt werden, während schwere Stoffe sich besser in glatten Rockformen auö- nehmen, es sei denn, daß man nur e§ z. B. unser Modell No. 185 darstellt.

Für leichte, zarte Stoffs jedoch kann es fast nichts hübscheres geben, als diese Fältchen, gleichgültig ob in Gruppen oder gleichmäßig angeordnet, ob tief oder flach, ob schon oben ausspringend oder ziemlich lang her­untergenäht. So gut wie unerläßlich für diese Faltenröcke ist es jedoch, daß sie ringsum den Boden berühren, weshalb sie weniger für die Straße geeignet sind; denn keiner vernünftigen Dame wird es einfallen, auf der Straße einen schleppenden Rock zu tragen. Für solche Zwecke gestattet uns die Mode vielmehr den 35 Gentimeter vom Boden ab­stehenden Rock, welcher am besten von dem Kostümjacket ergänzt wird.

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Modell No. 184.

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Um nun auch zu beweisen, wie logisch die derzeitige Mode ist (natürlich nur, wenn man sie nicht verstümmelt), möchte ich beispielsweise nur auf die modernen Schoppenärmel aufmerksam machen. Dieselben erschienen zuerst in Begleitung der modernen Bolerojäckchen. Diese kurzen glatten Jäckchen mit ihren vor» offenen, nur lose aufliegenden Vorderteilen bedingten eigentlich stets eine lose Bluse von abstechendem Stoff; was ist nun da folgerichtiger, als daß diese Bluse auch vor der Hand, unter dem Aermel sichtbar wurde? Diese Idee findet man be­sonders deutlich und geschmackvoll an,dem vorgenannten Modell No. 185 ' zum Ausdruck gebracht und werden unsere Leserinnen sicher die modernen Schoppenärmel mit ganz anderen Augen ansehen, wenn sie wissen, welche Idee ihnen zu Grunde liegt. Daß natürlich gerade durch derartige Modeformen unendlich viel Geschmacklosigkeiten veranlaßt werden, ist ja nicht zu verwundern, darf aber doch nicht der Mode selbst zur Last gelegt werden.

Schließlich wollen wir nicht verfehlen auf die kleinen Hilfsmittel und Behelfe ausmerksam zu machen, welche die Mode zum Korrigieren weniger schön gewachsener Gestalten bietet. Da ist zunächst die immer und immer wieder beliebte Blusenform, welche ffchlauke Figuren voller, und starke schlanker erscheinen läßt. Für Letztere muß dieselbe natürlich stets auf anliegendes, mit Fischbeinstäbchen gesteiftes Futter gearbeitet werden, und vor allem darf sie nicht zu eng sein. Durch einen Breiten, die Schultern etma§ überragenden Kragen und einen der Taille aufgesetzten Faltengürtel, ergänzt, läßt sie die Figur oben voller und unten schlanker erscheinen. Wählt man dann noch eine Form wie Modell 184 mit den über den Gürtel fallenden 'vorderen Sarnrnet- ftreifen, so kann man sicher fein, daß auch die ungünstigste Figur vorteilhaft umge­modelt wird, und zwar nicht etwa auf Kosten der Bequemlichkeit. Um in all

diesen Dingen sicher zu gehen, ist es unumgänglich notwendig, daß man Über die aktuelle Mode genau orientiert ist. Die vielen Modenzeitungen bringen nun zwar eine große Menge von Kleiderformen, welche indes auf Laien eher verwirrend wirken, so daß man dann erst recht nicht weiß, was man wählen soll. Klarer sieht man gewissermaßen, wenn man einen Extrakt sämtlicher Modeformen erhält, wie es das halbjährlich erscheinenende Modealbum der Internationalen Schnittmanufaktur bietet. Dasselbe enthält alle Modeformen, und sind für jede Abbildung die fertig ausgeschnittenen, neuen, sorgfältig ausprobierten Schnitte in verschiedenen Größen erhältlich. Da dieses Schnittmusterbuch jetzt eben neu für die Herbst- und Wintersaison erschienen ist, versäume niemand dasselbe zu bestellen, zumal der billige Preis von 50 Pfennigen bei ^ftellung von Schnitten im Betrag von 2 Mark rückvergütet wird.

Sich elgearrt Neiden mit wenig Mitteln wer das will, beziehe das reichhaltige Moden-Album und Schnittmusterbuch der Inter­nationalen Schnittmanufaktur, Dresden; Preis 50 Pfennig Es enthält wirklich reizende und für jeden Geldbeutel erreichbare Neuheiten. Die Schnitte aller darin enthaltenen Kostüme zum Bequemen Selbschneiderw sind eBendort um Billigen Preis erhältlich.

Arithmogriph.

Nachdruck verboten.

1 6 5 7 3 ein Nahrungsmittel.

2 4 5 2 Baum.

3 2 5 1 Kleidungsstück.

4 2 3 flinkes Tier.

5 6 8 2 4 ein Maß.

6 5 5 2 4 Nebenfluß der Donau.

7 2 5 5 2 Stadt in Hannover.

3 2 4 4 ein Titel.

8 2 5 5 2 4 Gebrauchsgegenstand. 123456738 geflügeltes Wort. Auflösung in nächster Nummer.

Modell No. 185

Auflösung der Schachaufgabe in voriger Nummer: Weiß. Schwarz.

1- 8 b 3 c 5 K e 5 n. d 4.

2. D h 6 f 4 f K d 4 c 3.

3. S o 5 a 4 matt.

A.

1 K e 5 d 6.

2. D h 6 n. f 6 t K d 6 c 7.

3. 8 c 5 a 6 matt.

B.

1. Beliebig anders.

2. D h 6 f 4 | K e 5 n. f 4.

3. 8 c 5 d 3 matt.

Redaktor»: $. Burkhardt. SrnU und B erlag der Brützl'schen

rrMdersttsr-»-«uch- und Sieinbnidmt (Pietsch Srtzeni in Meße».