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nur aus Deinen Händen empfangen und wenn iäj unter Deinen Augen den Beweis hätte liefern können, daß ich Deiner Vergebung nicht länger unwürdig sei".
Eine geradezu sklavische Demut sprach aus seinen Worten, und mit neu aufsteigendem Widerwillen wandte das junge Mädchen sich von ihm ab. Aber sie hatte vorhin den Entschluß gefaßt, ihn vor dem Untergange zu bewahren, und es lag nicht in ihrer Natur, sich durch irgend einen äußeren Eindruck in ihren Entschließungen erschüttern zu lassen. Voll ruhigen Ernstes erwidert sie: „Wenn Deine guten Vorsätze aufrichtig gemeint sind, wohl, so will ich Dir Gelegenheit geben, sie in Thaten zu verwandeln. Du weißt, daß ich von meinem Vater auch die Domäne Lasdehnen in Litauen ererbt habe. Sie hat mir bis heute keine Einkünfte getragen; denn schon seit sechs Jahren haben die Schrecknisse des Krieges ihre Bewirtschaftung unmöglich gemacht. Ich fürchte, daß sie sich, in einem sehr üblen Zustande befindet, und ich hätte wohl kaum den Mut gehabt, an eine Uebersiedelung in diese verwüstete Provinz zu denken, wenn nicht das Machtwort des Königs mich dazu zwänge. Eine soeben ergangene Kabinettsordre befiehlt mir gleich allen anderen litau- rschen Domänenbesitzern, die Bewirtschaftung unverzüglich aufzunehmen, wenn Lasdehnen nicht als Staatseigentum emgezogen werden soll. Es wird harte und langwierige Arbeit sein, die dort auf mich wartet, und ich war eben im Begriff, mich nach! einem Gehilfen umzuthun. Willst Du mir dieser Gehilfe sein?"
, Es war nichts Verheißungsvolles in diesem Anerbieten, nichts, das ihm die Hoffnung erwecken konnte, er habe ihre Verzeihung bereits gewonnen. Nur zu deutlich mahnte ihn vielmehr der Ton ihrer Rede an das Vorhandensein der unübersteiglichen Schwanke, die sie an- schernend für alle Zukunft zwischen sich und ihm aufrichten wollte. Und doch zögerte er nicht einen Augenblick, mit Worten heißen Dankes seine freudige Bereitwilligkit zu erklären. Er versicherte, daß er arbeiten wolle wie ein Knecht, daß er Unerhörtes, Uebermenschliches leisten werde, wenn ihm nur als Lohn seiner Mühen die Hoffnung auf ihre Zufriedenheit winke.
Mit einer stolzen Handbewegung dämmte Elisabeth endlich den Strom seiner überschwenglichen Beredtsam- keit ein.
„Würdest Du bereit sein, schon in diesen Tagen die Reise anzutreten?"
„Ich habe keinen eigenen Willen mehr, Elisabeth, Du kannst nach Deinem Belieben über mich verfügen".
„Wohl, so werde ich Dich! morgen oder übermorgen mit den erforderlichen Anweisungen versehen. Wohin kann ich Dir, wenn es Zeit dazu sein wird, meine Botschaft senden?"
„Ich wohne im Gasthof „Zum goldenen Elefanten". Aber man darf dort freilich nicht nach Franz von der Röcknrtz, sondern nur nach dem Handelsmann Peter Wülfing fragen. Mag auch meine Schuld so gut wie vergessen sein, noch kann ich! doch nicht wagen, meinen rechtmäßigen Namen wieder aufzunehmen. Auch besitze ich, nur einen Paß, der auf Peter Wülfing lautet".
„Gut, das sind Dinge, die mich, nicht kümmern. Nur zwer Worte noch über meine nächsten Absichten. Wenn Lasdehnen wieder in einen ertragsfähigen Zustand versetzt werden soll, so bedarf es dazu jedenfalls größerer Geld- mrttel, als sie mir augenblicklich zur Verfügung stehen. Ich' werde mehrere Monate brauchen, um die nötigen Summen flüssig zu machen, und der König wird mir tote ich hoffe, gestatten, zu diesem Zweck noch bis zum kommenden Frühling hier in Küstrin zu bleiben. Inzwischen magst Du an Ort und Stelle für die notwendigsten Vorbereitungen sorgen. Ich werde Dir einige hundert Thaler mit auf den Weg geben, und Du wirst mehr erhalten, je nachdem Deine Berichte es nötig erscheinen lassen".
Er hatte offenbar darauf gehofft, die Reise in ihrer Begleitung zu machen, und die Enttäuschung spiegelte sich deutlich in seinen Zügen. Aber er wußte sie rasch zu ver- winden, und es war ein Klang tiefer Rührung in dem Dank, den er ihr für ein so großmütiges Vertrauen aussprach.
„So sind wir denn vorderhand zu Ende", unterbrach sie ihn kalt. „Du stehst jetzt als Gutsverwalter von Lasdehnen in meinen Diensten, und ist wünsche, daß von dem Vergangenen zwischen uns nie mehr die Rede sei. Die Zukunft mag mich lehren, ob ich! in dieser Stunde eine Gutthat oder eine Thorheit begangen".
Franz machte Miene, ihr die Hand zu küssen, boit^ die Art, wie sie sich von ihm abwandte, ließ ihn bald auf die Ausführung solcher Absicht verzichten. In derselben demütigen Haltung, die er während des ganzen Gesprächs bewahrt hatte, schlich! er hinaus, und gesenkten Hauptes schritt er dahin, so lange er noch mit der Möglichkeit rechnen mußte, von einem Bewohner des Hauses beobachtet zu werden.
Als 'ihn dann aber eine Biegung des Weges allen nachschauenden Blicken entzog, richtete er sich straff empor und ein böses, tückisches Lächeln spielte um seine Lippen.
„Ja, ich- will für Dich arbeiten, Du hochmütiges Weib", murmelte er, „und ich will Deinen Sklaven machen bis zu dem Tage, an dem ich Dein Herr sein werde. Dann aber ist es an mir, Vergeltung zu üben, und dann sollst Du mir diese Stunde tausendfach bezahlen".
(Fortsetzung folgt.)
Der Frauenluxus und das Gesetz.
Von -H. Oe hinke.
(Aus der „Wiener Mode".)
Nachdruck verboten.
Der Trieb zum Putz ist eines der wesentlichsten Attribute des Menschen, und Luxus und Mode sind zwei uner- brttlrche Tyrannen, deren Herrschaft und Macht riesengroß, und unantastbar ist und -ewig bleiben wird. Und dies mit Recht! Abgesehen davon, daß jedes schöne Bild auch eines prächtrgen Rahmens bedarf, beschäftigt und hebt der Luxus, den schöne Frauen treiben, die Industrie aller Länder Er rst daher von größter volkswirtschaftlicher Bedeutung. Tausende und abertausende fleißiger Hände regen sich um all den kostbaren Tand Hervorzuzaubern, der erforderlich rst, die Erscheinung der Frau zu einer vollendeten, dem Auge des Geliebten wohlgefälligen zu gestalten. Unzählige dieser fleißigen Arbeiter und Arbeiterinnen würden plötzlich dem Elend anheimgegben sein, sollte die glückliche ' Freiheit des Toilettenaufwandes, deren wir uns augenblicklich erfreuen, plötzlich ein Ende nehmen und Gesetze und Verordnungen erlassen werden, wie sie in srüheren Jahrhunderten — ob mit einem nennenswerten Erfolg, mag dahingestellt bleiben — zu verschiedensten Malen erschienen.
Der erste dieser Erlässe gegen den Toilettenluxus der Frauen, das sogenannte „Oppische Gesetz", das etwa 200 b- Ehr. von dem Volkstribunen Oppius erlafften wurde, wahrte ungefähr 20 Jahre, und es bedurfte einer förm- lrchen Frauenrevolution, um seine Aufhebung durchzusetzen. Während dieses Gesetzes ,war es den römischen Damen verboten, Purpurkleider zu tragen. Auch die Benützung von Wagen, Sänften re. war ihnen nur an hohen Feiertagen gestattet, und ihr Goldschmuck durfte nicht mehr wiegen als eine halbe Unze! Wie bitter die schönen Römerinnen gerade dieses letzte -Gebot empfanden, läßt sich ermessen, wenn man liest, daß sie z. B. gewohnt waren, nicht nur an jedem.Finger stets zwei Ringe zu tragen, sondern auch ihre Fußgehen mit kostbarem Schmuck zu überladen.
Im weiteren Vorschxitt der Zeit war es dann der geniale Staatsmann Sully, der unübertreffliche Berater- Heinrich IV. von Frankreich, der ganz energisch gegen allen Aufwand -der Frauen vorging. In Deutschland wurde vom Kurfürsteu Ernst zu Sachsen im Jahre 1482 eine Kleiderordnung erlassen, die augenblicklich jedenfalls wieder äußerst zeitgemäß wäre, aber wahrscheinlich ebenso viel nützen würde, wie damals.
In diesem Gesetz heißt es: „Keine Frau oder Jungfrau vom Ritterstande soll ein Kleid tragen, das über zwei Ellen auf der Erde nachgeht." Man sieht hieraus,' daß schon «vor 400 Jahren das Sein oder Nichtsein der Schleppe -eine Tagesfrage bildete!
In einer weiteren Verordnung gegen den Kleiderluxus


