Ausgabe 
11.8.1900
 
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;on der Gewalt, die alle Wesen bindet, Befreit der Mensch sich, der sich überwindet! Wer selbst sein Meister ist und sich beherrschen kann, Dem ist die weite Welt und alles unterthan!

Paul Flemming.

(Nachdruck verboten.)

Geächtet.

Roman von Lothar Brenkendorf.

(Fortsetzung.)

ftrcnu von der Röcknitz stand in gebeugter Haltung da wie wenn das reuevolle Bewußtsein seiner furchtbaren Verantwortlichkeit ihn saft zu Boden drücke. .

Und konntest Du tonnte Dem Vater gar nichts thun,' um des Königs Sinn zu seinen Gunsten zu andern. fragte er zaghaft nach langem Schweigen.

^ch?8 O, wenn iicEji dazu imstande gewesen wäre, ich hätte mich vor dem König niedergeworfen, ich hatte ferne Füße umklammert und ihn nicht eher frer gegeben, brs er seinen grausarnen Spruch gemildert. Aber ich lag sterben^ krank in meiner Kammer und wußte nichts von allem, was geschah. Ein hitziges Nervenfieber beraubte mich wochenlang aller Besinnung, und als ich wieder zu nur kam noch, todesmatt und unfähig mich zu rühren, gab man mir aus Schonung nur unwahre oder ausweichende StoMtoi auf meine Fingen. Siä ich den «cherhalt erfuhr und auch nur stark genug gewesen wäre, ern Gesuch niederzuschpeiben, war es längst zu spat geworden, Sixtus vou Plothow's Geschick zu ändern. Der König be- . sand sich ebenso wie mein Vater für Mich unerreichbar L iraendwo im Felde. Der Unglückliche aber, den ich um Deinetwillen zu Grunde gerichtet, war spurlos tier« beWIen, vielleicht auch untergegangem Selbst wenn ich imstande gewesen Ware, sein Schicksal zu wenden^d^Freudenbotschaft hätte ihn wohl mmmermehr erreicht^. tief auf und fuhr sich mit dem

Rücken der Hand über das freie ^"9^.

Und Du hast nie wieder von ihm gehört, Elisabeth t 'Nie wieder. Wie hätte das auch geschehen können! Bei all seiner Tapferkeit war er doch sicherlich nicht stark genug, diese Schmachi zu überleben".

Wieder blieb es geraume Zeit still Msichen chnen; dann wendete sich Franz von der Rockmtz langsam zum Gehen.

Nun begreife ich wohl, daß Du mir nicht vergeben kannst, Elisabeth", sagte er mit müder StimmeIch glaubte meine Schuld gesühnt; aber ich kann freilich kemen Toten auserwecken. Vielleicht daß der Leutnant von Plothow mir verzeiht, wenn td) ihn jetzt an einem anderen Orte begegne. Lebe wohl, Elisabeth, und alles Gluck der Erde werde Dir zu teil!"

Was soll das bedeuten, Franz?" fragte sie streng. Glaubst Du, mir wiederum eine Komödie vorspielen zu können wie vor sieben Jahren?"

Nicht doch! Darnach ist mir nicht mehr zu Sinn. Und Du siehst ja, daß ich nichts von Dir begehre, es sei denn ein gütiges Geleitwort auf meinen letzten Weg. Ser versichert, es ist der härteste nicht, den ich in diesen sieben Jahren gegangen bin".

Er hatte die Hand schon auf dem Thürdrücker, und es schien in der That, als würde Elisabeth ihn ungehindert gehen lassen. Es war unverkennbar das Ergebnis eines schweren Kampfes, den sie mit ihrem eigenen, von Groll und Verachtung erfülltem Herzen bestanden, als sie ihn endlich dennoch! zurückhielt.

Du würdest also Dein Leben freiwillig enden, Franz, wenn ich es geschehen ließe?"

Ich meine, daß es so am besten ist für mich! und für Dich. Was ein Mensch! zu ertragen vermag, das habe ich! ertragen. Nun aber ist meine Kraft zu Ende. Ich! kann dieses Hundeleben nicht noch! einmal beginnen, ich! kann nicht, und ich will nicht. Ein Dasein ohne Hoffnung ist schlimmer als der Tod. Und ich habe in dieser Stunde meine letzte Hoffnung begraben". .

Ich verstehe Dich! nicht. Was für eme Hoffnung wäre Dir durch mich genommen?"

Seine Lippen verzogen sich zu einem trüben Lächeln. Wie sehr mußt Du mich hassen, Elisabeth, daß Du es nicht selbst empfindest! Was mich in meinen Kämpfen und Aengsten und Entbehrungen so lange aufrecht erhalten, war ja einzig der Gedanke an diese Stunde des Wieder­sehens Er war der leuchtende Stern in der Nacht meiner Trübsal, der treue Gefährte, der mir auf all meinen müh­seligen Irrfahrten tröstend zur Seite blieb. Du hättest es leicht gehabt, mir noch! einmal zur Retterin zu werden, mich dem Leben wiederzugeben, und einen ehrlichen, brauchk- baren Menschen aus mir zu machen; denn von Dir doch! was hilft es, jetzt noch darüber zu reden.

Was war es denn, was Du von Mir erhofftest? Was'konnte ich für Dich thun?"

O, ich hätte nichts Unmögliches gefordert, Elisabeth! Der Posten eines Verwalters oder Aufsehers auf Deiner Besitzung in Schlesien, ja, wenn auch dies noch zu un­bescheiden war, die Arbeit eines gememen Tagelöhners. Alles, alles wäre mir willkommen gewesen, wenn ich es