Ausgabe 
11.3.1900
 
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eine nach den, Aufenthalt im Freien genossene Tasse Bouillon aus Liebigs Fleisch-Extrakt ein weit besseres Vorbeugungsmittel, als alle übrigen Thees, sie wirkt, erwärmend und stärkend. Suppcnkräutcr werden alle Tage besser, mau sehe sich aber vor, denn unter den auf den Markt kommenden findet sich mancherlei, das nicht dazu gehört, z. B. Hahnensußblütter, Scharbockskraut, Waldkerbel und dergleichen. Aus dem Freien kommt für die Küche billiger, getriebener Schnittlauch, grüne Petersilie, die kleine Feld- und die gleich billige, aber viel zartere Garten- rapuuze, Bitterkresse, die unschuldige Konkurrentin der echten Erfurter Brunnenkresse, welch letztere in Delikatessenhandlungen stets frisch zu haben ist. Die Brunnenkresse mit ihrem salzig würzigen, den Appetit anregenden Geschmack gehört zu den ge­sündesten Gemüsen und hat den Vorzug, daß sie den ganzen Winter über frisch zu haben ist. Man genießt sie wie Schnitt­lauch auf Butterbrot, verwendet sie hauptsächlich zu Salat, aber auch als Blattwürze und als warmes Gemüse, welches nament­lich in England eine beliebte Beigabe zu jungen Hühnern ist. Wer den strengen Geschmack der Brunnenkresse nicht liebt, kann sie mit Spinat oder Rapunze zusammen kochen. Heimische Radies­chen und Kopfsalat sind gleichsalls am Platze, letzterer steht aber an Güte und Größe erheblich hinter dem festköpsigen Pariser Salat zurück. Endivien siebt es noch in allen Formen, nament­lich hat sich die weiße Spargelendivie als Gemüse wie als Salat rasch Liebhaber erworben. Mit frischen Treibgemüsen stehen wir noch ganz int Zeichen der Pariser Gemüse-Zufuhr, die uns grüne Bohnen, junge Schoten, große lange Gurken, zarte Treib- karotten, Artischocken in großen Köpfen und mächtige Kardy- stauden bringt. Auch sahen wir junge Kohlrabi, die allerdings noch eine kostspielige Delikatesse bilden, gleich dem, vorhandenen weißen und grünen Treibspargel, Tomaten, englischen Bleich­sellerie für den Nachtisch und zarte Rhabarberstengel für Kompott. Aus Algier und Malta kommen fortgesetzt Transporte neuer Kartoffeln, die infolge dessen im Preise zu sinken beginnen. Zwiebeln halten ihre Preise. Ueberwintertes Gemüse ist auf dem Markte noch in allen Sorten zu erlangen, aber die Ware ist naturgemäß mit allen Fehlern des Lagerns behaftet, giebt viel Abfall und entbehrt des frischen Geschmackes. Mit dem Augenblick, wo das kommende Frühjahr den Kohlarten den Gnadenstoß giebt, taucht unser einziges Frühlingsgemüse, der Spinat, reichlicher auf, bleibt aber noch teuer. Die Hauptsache ist, daß die Kartoffeln noch so gut sind, als ständen wir im Herbst, allerdings ist dieses unentbehrliche Nahrungsmittel etwas teurer als in früheren Jahren. Kein anderes.Gemüse läßt sich auf so mannigfaltige Weise zubereiten als die Kartoffel. Eine sehr schmackhafte Beigabe zu frischer Wurst oder Schwarzfleisch sind saure Kartoffeln. Man schält, wäscht und zerkleinert 1 Kilo Kartoffeln, setzt sie mit kaltem Wasser an, thut eine Zwiebel, 6 Pfefferkörner und eine Nelke, ein Viertel Gramm Lorbeer und 20 Gramm getrocknete Pilze daran und läßt sie weich kochen. Alsdann giebt man 15 Gramm Liebigs Fleisch-Extrakt und 60 Gramm ausgelassenen Rindstalg dazu, läßt das Ge­müse nochmals aufkochen, damit die Brühe seimig wird, und giebt vor dem Anrichten eine in feine Scheiben geschnittene saure

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Den Obstmarkt beherrschen die Früchte des Südens, Orangen, Citronen und Limonen. Im Delikateßverkehr sind weiße Cal- ville und Tyroler Edeläpfel zu haben. Von Treibfrüchten giebt es Erdbeeren und hiesige Ananas, die besten Sorten neben der billigen westindischen St. Michael und Marseiller Ananas. Die Eierpreise sinken im März, und den Geslügelmarkt beherrscht das Huhn. Die als Vorboten der hiesigen Geflügelzucht noch spärlich erscheinenden Backhühnchen werden teuer bezahlt. Der Geflügelhandel geht im März in den Delikateßläden flotter. Da sind Hamburger Enten und Gänse, Puten usw. Die Küche wendet in diesem Monat ihr Interesse mehr noch dem vier­füßigen Schlachtvieh zu. Junge Ziegen sind für den bürger­lichen Sonntagstisch sehr empfehlenswert, ebenso Lammflersch. Neben diesen aber bildet das augenblicklich ausgezeichnete Kalb­fleisch einen der beliebtesten Braten, den man in folgender Weise zur Feinschmeckerspeise gestalten kann. Man legt 5 Kilo Kalbs­keule vier Tage in eine Weinmarinade, in der sie täglich ge­wendet werden muß, dann spickt man sie und brät sie auf die gewöhnliche Art im Ofen gar und saftig. Das Hauptaugenmerk wird dann auf die Zubereitung der Sauce gerichtet, für die man vorher 4 Trüffeln, 10 weiße Champignons, 2 kleine geschälte Pfeffergurken und etwa 75 Gramm Fray-Bentos-Zunge würf- lich schneidet. Der Vratensaft wird nun mit brauner Mehl­schwitze, i Glas Rotwein, 15 Gramm Krebsbutter, 10 Gramm Liebigs Fleisch-Ertrakt und 1 Glas Schaumwein verkocht, durch­gestrichen, mit den zerschnittenen Zuthaten heiß gerührt und zum Teil über den zerschnittenen Braten gegeben, zum Teil neben gebackenen Kartoffeln besonders gereicht.

Für Wild ist die Auswahl knapp, da außer dem Wildschwein sämtliches Wild Schonzeit hat, ebenso das Wildgeflügel, das sich auf Fasanenhähne und die Zufuhr von russischem Geflügel be­

schränkt. Als Seltenheit der deutschen Jagd erscheint un März die Schnepfe, und gleichzeitig mit ihr pflegen die Kibttze etnzu- tresfen, sodaß auch Ende des Monats auf die so hoch geschätzten Kibitzeier zu rechnen ist.

Tas Hochwasser und der Eisgang haben nicht nur den Ftfch- saug im freien Strome beeinträchtigt, sondern auch in den Fisch- hältereien viel Schaden aiigerichtet. Für die Fastenzeit bietet der Markt reiches Angebot in Fischen. Alle Süßwassersische sind in diesem Monate gut, Flußhechte, Karpfen, Zander, Rhein- salm und Silberlachs sind vorzüglich. Der offene Markt hat starke Zufuhr von Weißfischen, Brassen, Barschen rc. Seefische sind in allen Sorten vorhanden, Steinbutt, Seezunge, Schellfisch und Kabliau. Hummern sind niedrig im Preise, und für Austern ist der März noch günstig. Die jetzt zum Angebot kommenden Froschkeulen sind ein willkommenes Fastengericht. Die Haupt­saison für Froschkeulen ist wohl im Herbst, weil die Frösche zu dieser Zeit weit fetter und schmackhafter sind, doch kommen auch im März und April Froschkeulen aus die Tasel.

Lrtteraxrsehes.

Katechismus derStenographie von Pros. Heinrich Krieg. Dritte, vermehrte Auflage. In Originalleinenband 3 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Der am 10. Fe­bruar verstorbene Verfasser dieses Buches, Oberregierungsrat und Vorstand des königlichen stenographischen Instituts zu Dres­den, war der verdienstvollste und hervorragendste Vertreter des Gabelsberger'schen Systems. _ In der von ihm selbst noch neu bearbeiteten dritten Auslage seines Katechismus, eines Leitfadens für Lehrer und Lernende der Stenographie im allgemeinen und des Systems von Gabelsberger im besonderen, hat er ein muster­gültiges Lehrbuch hinterlassen, das bei klarer, wissenschaftlicher Fassung eine erstaunliche Fülle kritisch gesichteten historischen Stosses im ersten Teile enthält, während der zweite Teil Gabelsbergers Lehrgebäude dem Verlangen nach einer An­leitung zur leichten, schnellen und dabei doch sicheren Aneignung der stenographischen Korrespondenzschrift in jeder Beziehung Rechnung trägt. Die stenographischen Vorlagen sind nach Kriegs Handschrift von dem rühmlichst bekannten Stenolithographen Adolf Schöttner in Dresden ausgeführt worden. Eine schmückende Beigabe ist die Abbildung des Gabelsberger-Denkmals in München.

Wie halte ich mit meinem Einkommen haus'? Diese für jede Hausfrau überaus wichtige Frage hat die weitverbreitete Zeitschrift ..Dies Blatt gehört der Hausfrau!" (Verlag von Friedrich Schirmer, Berlin SW.) zum Gegenstände eines Preisausschreibens für ihre Leserinnen gemacht. DaDies Blatt gehört der Hausfrau!" ein eminent praktisches Blatt ist und es als feine vornehmste Ausgabe betrachtet, den Hausfrauen mit Rat und That beizustehen, ihre Erfahr­ungen zu erweitern und ihre hauswirtschastlichen Kenntnisse zu bereichern, so ist dieses Preisausschreiben, das als ein ernstes, soziales Werk zur Förderung des Familienlebens aufgefaßt werden muß, ein natürliches Ergebnis seiner anerkennenswerten Tendenz. Für die Unterhaltung sorgt der RomanWeibliche Studenten" von Heinrich Lee in der Romanbibliothek vonDies Blatt gehört der Hausfrau" Der bekannte Verfasser schildert in liebevoller Weise die Bestrebungen der Frauen, ihr Wissen zu vervollständigen und ihr Arbeitsgebiet zu vergrößern. Von diesem Hintergründe hebt sich das ergreifende Schicksal der Heldin wirkungs­voll ab und hält das Interesse des Lesers bis zum fröhlich ausklingendcn Schlüße wach. Probenummern mit dem Preisausschreiben und dem Anfang des Romans versendet die Geschäftsstelle obiger Zeitschrift gratis und franko. ______________

Versteckrätsel.

Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in-folgenden Wörtern versteckt sind wie die Silbean" inWanderer."

Munterkeit Großvater Jerusalem Demetrius Bedacht- samkeit Finsternis Kadetten Versicherung D Leinwand Wachtmeister.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Kreuzrätsels in vorigerWuntmer. ASK p c l f h °

A p f e l sine Sehl e s i e n Kl a s s i k e r i i k nee

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Redaktitm: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Drühl'schen IIniverfitäts-Buch- »nd Steindrnckerei (Pietsch Erbens in Niesten