Ausgabe 
11.3.1900
 
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Tübingen, dann Stuttgart, endlich Ulm, um bei der Zeit- jchriftWeltkunde", aus der dieAugsburger Allgemeine Zeitung" entstand, leitend mitzuwirken.

Nach des Vaters frühem Tode brachte die schrift­stellerisch hoch befähigte und emsig thätige Mutter ihren Knaben in die Anstalt von Fellenbergs nach Hofwyl in der Schweiz, die in Pestalozzis Geist geleitet wurde.

Anfangs studierte der junge Huber Medizin, aber- spanische und französische, auch italienische Sprache und Litteratur waren die Welt, in der er lebte.

Er machte eigentlich als Mediziner eine Reise nach Paris. Dort entwickelte sich zuerst seine Gabe, das soziale Leben im kleinen und einzelnen wie im großen und ganzen zu beobachten.Guckkastenbilder und sonst allerlei" nannte Huber kleine, knappe Schilderungen des Lebens im Pariser Arbeiterstande und sonst in Paris, die seine Mutter zuerst aus seinen Briefen in Cottas Zeitschriften veröffentlichte. Cotta erkannte diese feinen, meisterhaften Schilderungen sofort als einen Schuß ins Schwarze, hono­rierte gut und ermutigte zu weiteren Reisen und Schilder­ungen. Später Huber ganz die Leitung der Augsburger Allgemeinen Zeitung zu übertragen, war sein Plan, auf den aber Huber nicht einging, um seine Freiheit zu wahren.

In Spanien schwelgte Huber in Forschungen im Schatze uller Dichtungen, beobachtete das Volksleben, schwärmte mit den freiheitsdurstigen, aber wenig thatkräftigen Spaniern, reiste über Frankreich und Holland nach Eng­land, studierte die Lage der Arbeiterwelt in allen diesen Ländern und wurde vor allem durch das, was er in Eng­land an Organisation der industriellen Arbeit, Genossen­schaftswesen in verschiedenster Gestalt kennen lernte, vor­bereitet zu dem, was er geworden, nämlich ein sozialer Prophet oder Apostel im edelsten Sinne des Wortes, trotz­dem er sich immer als einen Prediger in der Wüste gefühlt hat, und nicht ganz mit Unrecht.

Bis Huber weiteren Kreisen als sozialer Berater und Pfadfinder bekannt wurde, dauerte es noch lange.

Irr Bremen fand er den Hafen, nicht nur in einer über­aus glücklichen Ehe, und in einem befriedigenden Beruf als Lehrer an einer höheren Handelsschule, vor allem in der klaren Entwickelung entschieden christlicher, nie wieder schwankender evangelischer Gesinnung. In Rostock, dar­nach längere glückliche Jahre in Marburg, wirkte Huber als Professor der neueren romanischen Litteratur.

Mehr und mehr bewegten ihn überwiegend die sozialen Zustände. Zunächst schrieb er bedeutende politische Artikel und Broschüren.König Friedrich. Wilhelm IV. von Preußen war als Kronprinz längst auf ihn aufmerksam geworden. Er war es, der 1843 -die Berufung Hubers an die Berliner Universität, aber zugleich mit dem Auftrag, eine politische, sonderlich den sozialen Aufgaben gewidmete Zeitschrift zu begründen, veranlaßte.

Mit Begeisterung folgte Huber dem Ruf. Seine so­zialen Ziele wurden durch neue Reisen nach England, Frankreich und Holland immer mehr vertieft. Er gründete die Zeitschrift:Janus", wirkte anregend auf Bestrebungen der öffentlichen Wohlthätigkeit und die Hebung der arbei­tenden Klassen. Aber Huber hatte gerade in Berlin mit manchen Hindernissen zu ringen. Vor allem wurde der Stil, in dem er schrieb, immer schwerfälliger. Das Doppel­amt zeigte Mißlichkeiten.

Beinahe freier entfaltete Huber seine Kräfte im aus­schließlichen Blick auf die sozialen Verhältnisse, seit er sein Amt 1852 in Berlin aufgab, und nach Wernigerode sich zurückzog. Hier schrieb er eine große Anzahl für die so­ziale Aufgabe bahnbrechender Schriften, vor allem auch über die Wohnungsnot. Er sah klar wie kein anderer die Schäden und die Wege der Abhilfe in Vereinigung frei­williger Kräfte. Er verstand die umfassenden Ziele der Inneren Mission, wie ein Wichern sie zündend aussprach.

Was auf sozialem Gebiet in Deutschland in der letzten 'Hälfte der vorigen Jahrhunderts gearbeitet ist, ruht auf Hubers Schultern. Aber er selbst erntete wenig Dank und Anerkennung, weil seine Schreibweise nur wenigen, die sich die Mühe gaben, seine Gedanken ganz zu verstehen, mundgerecht war. Was die Kaiserliche Botschaft im Jahre 1881 von sozialen großen Aufgaben entrollte, war eine Frucht, deren Samen Huber mehr als irgend einer sonst

gesät hatte. Jetzt darf man reden von einer Freudenernte, die auf seine Thränensaat gefolgt ist.

Während Huber bis an sein Ende 1869 auf sozialem Gebiet schriftstellerisch unermüdlich thätig war eine Zeit lang suchte ihn ein Schultze-Delitzsch, von Lassalles Huldigungen war schon die Rede, opferte er Zeit, Kraft und Geld, um in Wernigerode in sozialem Sinne wertvolle Schöpfungen ins Leben zu rufen. Auch hier blieb er an­fangs unverstanden. Aber das herrliche, 1863 von ihm und seiner Ehefrau erbaute St. Theobaldi-Vereinshaus, der ersten eins in der Reihe dieser Häuser, wirkte vorbild­lich und besteht zum Segen. Eine Herberge zur Heimat, eine Fülle anderer Bestrebungen der Inneren Mission haben hier ihren Mittelpunkt. Ein Handwerkerverein, Darlehens­und Vorschußvereine beweisen sich bis heute als eine soziale Wohlthat.

Hubers ebenbürtige, gleichgesinnte Gattin wirkte in seinem Sinne bis zu ihrem Ende 1891 in der Stille fort.

Einiges über die Spechtmeise.

Die Spechtmeise, die auch den Namen Kleiber führt, gehört zu den Standvögeln, denn sie verläßt unsere Gegend auch im Winter nicht, und» sie verschönert !durch ihr liebliches Gezwitscher und ihr munteres Thun und Treiben die öde, winterliche Natur. Das Gefieder derselben ist auf dem Rücken graublau; Brust und Bauch gelblichrostfarben; durch das Auge geht ein schwarzer Strich. Von den Kletter­vögeln ist sie die gewandteste, denn sie läuft ebensogut den höchsten Baum von unten hinauf, als mit dem Kopfe nach unten gerichtet, wieder herab, und sie gebraucht dabei, wie die Spechte Und die anderen Klettervögel den Schwanz nicht. Sie nimmt daher in dieser Beziehung mit Recht unter ihnen die erste Stelle ein. Die Spechtmeise ist ein sehr nützlicher Vogel; denn sie ist immer fleißig daran, die Spalten und Risse der Rinde von Bäumen nach verborgenen Insekten, Eierhäufchen der Schmetterlinge und dgl. zu durchsuchen. Man sieht diesen Vogel auch oft in Gärten, wo er sich sehr emsig bemüht, an den Obstbäumen die schädlichen Spanner und deren Bruten massenhaft zu vernichten. Die Specht- meise wird, wie schon oben bemerkt, auch Kleiber genannt; sie wirkt sehr nützlich für unsere Meisen, indem sie mit ihrem kräftigen Schnabel in die Bäume kleine Höhlen zum Nistbau derselben herstellt. Die Nahrung des Kleibers be­steht ferner noch aus aus Kerbtieren, Nadelbaumsamen, Beeren der Zaunrübe, Hanf, Eicheln und Bucheckern. Sein Nest baut der Kleiber in Baumlöcher, und wenn das Loch zu groß ist, so klebt er es mit Erdklümpchen, die er mit dem Schnabel herbeiträgt, so weit zu, daß nur noch eine Oeff- itiutg bleibt, wo er eben durchkann. Der Kleiber legt 69 Eier in sein Nest, die von dem Weibchen allein in etwa 14 Tagen ausgebrütet werden. In der Regel brütet der Kleiber jährlich nur einmal, und er nistet auch gern in aufgehängten Nistkästchen. Der Kleiber ist demnach ein recht nützlicher Vogel, und er verdient gewiß in hohem Maße den Schutz der Menschen. Ganz besonders bitte ich meine werten Herren Kollegen, ihren Schulkindern die Spechtmeise eindringlich zu schildern, damit sie sich durch­eigene Anschauung von deren Nützlichkeit überzeugen können.

Gießen, März 1900. H. Curschmann.

Vom Monat März.

März 1900.

Nachdruck verboten.

Rach dem strengen, ungewöhnlich schneereichcn Februar ist mit dem Marz auf dem Markte völlige Frühlingsstimmung ein­gezogen. Wenn auch in den Lüsten Winter und Frühling noch um die Herrschaft streiten, hart ist der Kampf zwischen Frost und Lenzeswärme, so gehört doch dem Frühling der Sieg. Schnee­glöckchen und Märzveilchen melden es, knospende Anemonen und Seidelbast verkünden den baldigen Friedensschluß.

Frisches Grün kommt in reicher Auswahl zum Markt, sogar die Theekräuter sind schon zur Stelle. Spitzwegerich, das alte, hochgeschätzte,lösende" Mittel iuirb in der allgemeinen Husten- und Schnupfenzeit von den Theegläubigen mit Freuden begrüßt, und frischgrünes Preißelbeerkraut findet gleichfalls lebhafte Nach­frage. Nach vielfacher Erfahrung ist gegen Schnupfen und Husten