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wieder Tänzer besorgen,
„feu scheinst ganz vergessen zu haben,- daß Du eine Frau und eine Tochter hast--"
„Nun, nun, was giebts? Ist Emmy nicht zum Kotillon engagiert".
„Das ist's ja eben. Rittmeister Schettau engagierte sie —"
„Siehst Du wohl.—"
„Ja, aber Emmy lehnte das Engagement ab, weil sie schon Herrn Schlegel die Zusage gegeben hatte. Ueberhaupt, während Du fort warst, hat sie flott getanzt, am meisten aber mit dem Provisor, der sie von vornherein zu mehreren Tänzen engagierte".
„Liebe Clotilde, wir wollen uns nicht weiter ärgern, die Hauptsache ist, daß das Kind sich amüsiert und", brummte er
Gesicht, „wo ist er denn?"
„Hier!" sagte Emmy, hervortretend und den Provisor am Aermel nachziehend, der nun kühn Emmys Hand faßte und sagte:
„Herr Baumann, wollen Sie mich durch diese Hand zum glücklichsten Menschen machen — — ?"
„Schon gut, Herr Schlegel, führen Sie Ihre Braut zu Tische". _____
für sich hin, „ich meine Ruhe habe".
„Aber noch eins, lieber Mann, der Provisor hat in der That soviel mit Emmy getanzt, daß es überall Aussehen erregt hat. Es wäre gerade eine günstige Zeit, beim Abendessen die Verlobung bekannt zu machen".
„Wie! W—a—a—as! Du weißt doch —"
„Nun gut, gut, es war nur ein Vorschlag, — aber ich hatte Herrn Schlegel versprochen, Dich noch einmal zu bitten, — der arme Junge wird natürlich beleidigt sein und nicht mehr mit Emmy tanzen wollen. Du, mußt ihr also nach dem Essen wieder Tänzer besorgen, — ich sage: wieder, obgleich —"
„Still, still!" stöhnte Herr Baumann mit verzweiseltem
Gemeinnütziges.
Gesundheitspflege.
Eiltgewachserre Nägel bilden eine Plage für Tausende Die Ursache ist in den meisten Fällen in unzweckmäßigem Schuhwerk zu suchen, welches durch den peripheren Druck Cirkulationsstörungen veranlaßt; diese bedingen eine ungleichmäßige Verteilung der Blutmassen; es treten Ernährungsstörungen im Zellgewebe und infolgedessen Form- und Wachstumveränderungen des Nagels ein. Derselbe wird, da seiner Entwickelung von den meisten Seiten Widerstand geleistet wird, gezwungen, in dir Masse des weichen Fleisches sich einzubohren. Das dumpfe Schmerzgefühl wird allerdings durch oftmaliges Beschneiden gemildert, keineswegs aber das Leiden beseitigt. Die Ecken und Zacken des scharf geschnittenen Nagels reizen das Nagelbrett und es entstehen Entzündung und Geschwürbildung. Nur selten wird es gelingen, durch strengste Sauberhaltung, Hochlagerung des Beines, 24gradige Fußbäder 3—5mal täglich wiederholt und durch Kompressen, eine Heilung herbeizuführen- meist wird eine Abtragung der betreffenden Nagelpartie notwendig sein. Aber die Verhütung des Leidens bei dazu disponierten Personen ist möglich. Dem anatomischen Bau des Fußes angemeffenes, nicht spitzes Schuhwerk, tägliches Fußbad und Reinigung des Nagels find unerläßliche Bedingungen. Der Nagel darf niemals kurz abgeschnitten werden, muß vielmehr bis an die natürliche Grenze, das ist bis an den Rand des Zehngliedes, wachsen, dessen Schutz er darstellt. Der Nagel wird sanft elliptisch mit einem Meffer, nicht mit der Schere abgeschnitten. Beim Auftreten darf durch den Druck die Haut des Zehengliedes vorn über den Zehenrand nicht hervorquellen. Zeigt der Nagel starke hornartige Erhöhungen, Wucherungen re., so find diese allwöchentlich mit einer entsprechenden Feile sanft abzutragen. Niemals reiße man Fußnägel mit den Fingern ab!
Ei» neues Mittel zur Blutstillung wurde von Paul Cornot kürzlich in der mediz. Gesellschaft der Krankenhäuser von Paris empfohlen. Dasselbe ist ein allerwärts bekannter Stoff, nämlich die Gelatine. Man löst in einer Kochsalzlösung so viel Gelatine auf, daß eine 5 bis 10 prozentige Lösung entsteht. Unmittelbar vor dem Gebrauch wird die bei gewöhnlicher Temperatur starre Masse über kochendem
Wafler verflüssigt. Bei Blutungen, deren Ursprungsort zugänglich ist, wird ein kleiner, mit Gelatine getränkter Wattepfropfen eingesührt, auch kann die Lösung eingespritzt oder auf einem Gazestreifen appliziert werden. Bei Nasenbluten nimmt man zuerst eine Reinigung der Nasenmuskeln mit warmem Waffer vor, spritzt die Gelatinelösung ein und bringt dann einen mit dieser getränkten Wattepfropfen in die Nasenöffnung. Es muß darauf geachtet werden, daß die Lösung nicht zu heiß angewandt wird. Bet der Einfachheit des Mittels wird sich dasselbe wohl bald cinführen.
Literarisches.
Die moderne Chemie. Eine Schilderung der chemischen Großindustrie. Von vr. Wilhelm Bersch. Mit 730 Abbildungen, darunter zahlreiche Vollbilder. In 30 zehntägigen Lieferungen (zusammen 60 Bogen) ä 60 Pfg. Bisher 20 Lieferungen ausgegeben. Auch schon komplett gebunden zu haben, in Prachtband, für nur 17 Mk. 50 Pfg. und geheftet in drei Abteilungen, jede für 5 Mk. (A. Hartleben's Verlag in Wien.) Die Chemie ist durchaus nicht das trockene Wissensgebiet, für das sie gewöhnlich gilt. Wohl ist das Studium dieser Wissenschaft nicht eben leicht, doch bietet andererseits ihre Anwendung in der Praxis so viel des Interessanten, daß die Beschäftigung mit diesem Gegenstände im höchsten Grade lohnend ist. Das Studium der auf chemischer Grundlage beruhenden Industrien wird aber auch anziehend, wenn wir die zahlreichen Stätten chemischen Wirkens, in denen so viele uns heute unentbehrliche Dinge erzeugt werden, an der Hand eines Führers betreten. Ein solcher Führer durch das große Gebiet der chemischen Industrien ist das vorliegende, den passenden Titel „Die moderne Chemie" führende Werk. Der Verfasser hat seine Aufgabe: in anziehender Form die chemischen Industrien zu schildern, vortrefflich gelöst; denn ohne bei dem Leser chemische Schulung vorauszusetzen, ja selbst ohl« von der vielen unverständlichen Zeichensprache des Chemikers Gebrauch zu machen, zeigt er alle Anwcndungsarten, die heute die Chemie in den Gewerben und Industrien findet, so daß der Leser einen Einblick in dieses große und heute so überaus wichtige Gebiet gewinnt. Die lcichtfaßliche Sprache des Verfassers wird durch ein reiches, gut ausgewähltes Jllustrationsmaterial wirksam unterstützt — das Werk führt somit den Leser in Wort und Bild durch alle chemischen Industrien und macht ihn mit ihrer Arbeitsweise und ihren Erzeugnissen vertraut. Aber nicht nur den Erwachsenen, auch der studierenden Jugend wird das schöne Werk manche angenehme Stunde bereiten, denn e§ ist so recht danach beschaffen^ Interesse für einen heute noch viel zu wenig gekannten und gewürdigten Zweig der Naturwissenschaften zu erwecken. Daher ist das Buch auch als Festgabe für alle Gelegenheiten trefflich geeignet, und sei allen empfohlen, die sich über den Zweck und das Ziel, über die Errungenschaften der „modernen Chemie" unterrichten wollen.
Humoristisches.
Verraten. Hausfrau: „Sie haben wohl einen sehr kleinen Fuß, Katline?" — Dienstmädchen: „Warum sagen Sie das, Madame?" — Hausfrau: „Weil ich in die Spitzen meiner Stiefeln so oft Papier gestopft finde."
Skatausgave.
Nachdruck verboten.
(Bei französischen Karten gilt Treff gleich Eichel, Pique gleich Grün, Coeur gleich Rot, Carreau gleich Schellen.)
Mittelhand spielt im Besitz folgender Karte:
Eichel (Treff)-Solo und verliert, obwohl noch ein Trumps im Skat liegt. Vorhand hat 34, Hinterhand 3 Augen weniger als der Spieler. Welche Karten besaßen die Gegner, und wie war der Gang des Spiels? — (Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Magischen Dreiecks in voriger Nummer: APFEL PAUL FUN E L L
Redaktion: @. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfitäts-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


