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Und eines Tages holten sie schwarzen Flor aus der Stadt und hüllten die Bank damit ein. Denn der Dichter war heimgegangen. Seitdem ward die Bank die Schillerbank genannt. _____

Fleisch- und Wmsttvaren?)

In Städten mit Schlachthäusern oder wenigstens mit guter Fleischbeschau ist denen, die sich gewerbsmäßig mit der Lieferung ekelhaften Fleisches befassen, das Handwerk so ziemlich gelegt. Immerhin giebt es noch manches zu beanstanden und zu bessern. So wird z. B. bei der Trenn­ung von kranken und gesunden Teilen eines geschlachteten Tieres, das für die Freibank bestimmt ist, das kranke Mit demselben Messer ausgelöst, mit dem das gesunde ge­schnitten wird; ist ein tuberkulöser käsiger Herd vorhanden, so kommt sein Inhalt unter Umständen mit gutem Fleische in Berührung. Wie oft mag das namentlich bei der Wurst­bereitung geschehen! Nur ein Gott kann die Wurst essen, sagt Jean Paul, denn nur er allein weiß, was darin ist. Was sich alles ereignen kann, das beweisen die gericht­lichen Verhandlungen in Einzelfällen.

Reformbedürftig sind vielfach die Umstände, lute sie beim Transport der geschlachteten Tiere und in Verkaufs­stellen herrschen. Ein Münchner Arzt tadelt, daß die Ueberführung vom Schlachthofe nach den Geschäften in der denkbar unsaubersten Weise auf offenen Wagen stattfinde, von denen die Kadaver zur Hälfte heraushängen; daß sie dabei von Staub und spritzendem Straßenkot verunreinigt werden, daß die Wagen unrein und die Decken schmutzig, ja oft gewöhnliche Pferdedecken seien.

Die Schlächterburschen, die in manchen Gegenden, z. B. in Niederdeutschland, mit ausgesucht reiner Kleidung, in wohlgescheuerten Mulden mit blendend weißem Tuche bedeckt den Kunden die Ware zutr-agen, strotzten oft von Schmutz und trugen das Fleisch in blutbefleckter Mulde, bedeckt imit einem mehrfarbigen, meist, rötlichen, abge­brauchten Lappen; er sagt:Ich behaupte geradezu, daß eine energischere Pflege der Reinlichkeit auch in inoralstcher Beziehung ihren großen Segen bringen und die häufige Zahl von Verbrechen, die erfahrungsgemäß von Schlachter­oesellen begangen wird, wesentlich herabmindern würde."

Was da speziell von München 'gerügt wird, kann man übrigens ' auch in vielen anderen Städten wahrnehmen. Die Wurstläden, die allerdings teilweise recht sauber aus­sehen, weisen nicht selten, namentlich in kleineren Orten und aus dem Lande, genug des Tadelnswerten auf: Die Haken, an denen die größeren Fleischstücke hängen, sind entweder aus Holz oder aus bloßem Eisen, anstatt verzinkt oder vernickelt, vielsach mit Fett und altem Blute be­sudelt; mitunter wird das Fleisch statt aus eine steinerne Unterlage oder aus eine mit Oel gestrichene Platte auf Kalkanstrich gelegt, die Hackstöcke zum Zerkleinern des Fleisches, die Wurstmaschinen und die Wurstkessel sind nicht sauber genug, die Kessel werden ausnahmsweise auch zu anderen Zwecken, z. B. zum Waschen der Hauswäsche, benutzt, u. a. m. ,.c, . .

Ein wichtiges Ding für al e Geschäfte tn denen mit Fleischwaren gelw-welt wird, ist der Eisschrank Daß tu diesen Ausb ewahrungsraumen noch manches faul ist, wird ^icbt »«vekannt sein; ich "erinnere nur an die in einer «traßburger Wirtschaft vnrgekommene Fleischvergiftung, an der 17 Menschen erkrankten und eine Person starb; sämt­liche hatten von Fleisch gegessen, das in einem Eisschranke gestanden hatte, dessen Boden mit einer übelriechenden bräunlichen Schlammschicht bedeckt war. Unsaubere Haltung von Eisschränken ist von Beamten, denen die Nahrungsmittelkontcolle obliegt, schon mehrfach bean­standet worden.

*) Vgl.Das Bedürfnis größerer Sauberkeit im Kleinvertrieb von Nahrungsmitteln." Bon Prof. Dr. L. Heim (Braunschweig, Vieweq u. Sohn, 1900). ________

Vevinischtes.

Deine Teltower Rübchen schmecken besser als die meinigen", klagte eine junge Hausfrau der anderen, wie ist des nur Möglich? Ich beziehe sie aus derselben

Quelle, wie Du, wir haben gemeinsam kochen gelernt, und doch merke sch! den! Unterschied. Du wirft irgendetwas besonderes damit machen." Die Gefragte nickte vergnügt: In einer Frauen-Zeitschrist las ich, daß alle Gemüse, Hülsenfrüchte, Rüben u. s. ito. an Geschmack bedeutend gewinnen, wenn man vor dem Anrichten ein ganz klein wenig echtes Liebigs Fleisch-Extrakt hinzuthut und noch einmal damit durchkochen läßt. Ich habe es probiert, es timmt; das ist das ganze Geheimnis.

CHterarifctye».

Der deutsche Schreib,opf und dessen notweudigeBeseitigung.

Von W. Bleich, Gymnasialoberlehrer a. D. Berlin 1900. Preis 60 Pfg. Kommissions-Verlag von C. Regenhardt, Berlin W, Kurfürstenstr. 37.

Verfasser geißelt in drei ausführlichen Kapiteln (Der deutsche Schreib­zopf. Diedeutsche Schreibmode. Veränderungen der Sprache und der Schrift) Sie unserer Schreibweise zurzeit anhängenden Mängel, um dann in einem vierten Kapitel (Deutsche Rechtschreibung ohne unnützen Ballast) ein klar durchdachtes System einer verständigen, knappen Rechtschreibung ;u bieten, das von dem Grundsätze: Alleiniger Gebrauch der Rundschrift (an Stelle der jetzt gebräuchlichen Schrift, die für jeden Sprachlaut mindestens acht Buchstaben zur Auswahl stellt,) beherrscht wird. Die Schrift ist hochinteressant und beherzigenswert. Die Ein­führung des in dem Schlußkapitel erörterten Sparsystems deutscher Rechtschreibung wäre, abgesehen von anderen Vorzügen, für Zeitungen ein Mittel, der wütenden Papierverteuerung einigermaßen zu begegnen, do es Zeit- und. Raumersparnis im Gefolge haben würde. Aber wieviel Tropfen werden noch in's Meer rinnen, bis wir zu einer Linheitsschrift gelangen? Bdt.

Das Geschlechtsleben des Weibes. Eine physiologisch- soriale Studie mit ärztlichen Ratschlägen von Frau Dr. Anna Fischer- Dückelmann. V. Auflage. 1900. Preis brosch. M. 1,50, geb. M. 2,. Verlag von Hugo Bermühler Verlag, Berlin SW. 61.

Die neue Herausgabe dieses überaus interessanten Buches ist durch einige sehr wichtige Abänderungen und vor allem durch ein, das ge- sümte Interesse der Frauenwelt hervorrufendes, neues Kapitel ver­wehrt worden, es ist dies die Abhandlung, betitelt:Das unsittliche Deib". Bei Durchsicht dieses Kapitels und des Vorwortes erfahren rott, daß die neue Schrift der Aerztin manchen Angriff erdulden Mußte, und daß die Gegner ziemlich scharf gegen die, ihnen zur Last gelegten Vergehen zur Abwehr schritten. Allein Frau Dr. Fischer-Dückelmann führt eine selten spitze Feder, und die Stiche, die sie damit austeilt, dringen ihren Gegnern bis ins Mark. Mit einem noch nie dagewesenen Freimut- tritt sie in ihrem Buche den vielen Greueln entgegen, denen vir in so manchen Ehen begegnen; noch nie wurde dem Manne ein so reiner Spiegel vorgehalten, in welchem et seine Fehler, auch die der Öffentlichkeit so streng verborgenen, erblickt. Frau Dr. Fischer-Dückel­mann scheut sich dieses Mal nicht, auch jenen Ehemännern den Tief­stand ihrer Gesinnung zu beweisen, die in der Verkennung einer idealen Ehe ihren Frauen weder einen Einblick in jene Bücher erlauben, die den Frauen eine recht nützliche Aufklärung brächten, noch zugeben, daß sie von den naturwidrigen Ausschweifungen erfahren, die die Männer von dem weiblichen Geschlechte täglich fordern.

Trotz der geharnischten Sprache, die die Autorin führt, trotz aller gebotenen Aufklärung hält sich die Aerztin bei der Abwickelung ihres so heiklen Themas in den erlaubten Grenzen und geht in ihrem Werke überaus taktvoll und mit dem hier nötigen Zartgefühl vor. Das Buch bringt den Frauen nicht nur Aufklärung, es enthält auch sehr viele wissenswerte Vorschriften über die Ehe und manch guten ärztlichen Wink, dessen Beachtung für die Frau von außerordentlichem Werte ist.

Telegraphenrätsel.

Nachdruck verboten.

Die Punkte und Striche entsprechen den einzelnen Buchstaben der nachstehend in anderer Reihenfolge angeführten Wörter. Diese Wörter sollen so geordnet werden, daß die aus die Punkte fallenden Buchstaben im Zusammenhang ein bekanntes Sprichwort ergeben.

Gewand, Jabel. Mohn, Neger, Nubier, Stall, Tage, Thal. Auflösung folgt in nächster Nummer.

Auflösung des Sternrätsels in voriger Nummer: H

ZAR EIMER HAMBURG PLUTO ERZ G

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße»,