pimsite Ketz,nsuM, Latz «K niminer ein ErwaKM geben mAge cmS bieftm wundersamen, wonnevollen Traum.
(Fortsetzung folgt.)
Die Schillerbank.
Gin Krtnnexungsblatt aus des Dichters Leben. Kon Karl Neumann -Strela.
Zum 10. November.)
Nachdruck verboten.
Einer der schönsten Wege im Parke zu Weimar beginnt unweit der Naturbrücke und mündet ganz in der Nähe des römischen Hauses. Mächtige Bäume mit tief sich neigenden Zweigen haben ihn fast zu einer Laube gestaltet, blühende Büsche säumen ihn an der Flußseite ein, und wo sich, der dem Andenken des Fürsten von Dessau geweihte Felsblock erhebt, gewährt ein kleiner Abhang einen freien Ausblick über die Ilm und die Wiesen bis zu Goethes Gartenhaus an der Straße nach! Oberweimar.
Ein in den schwarzen Gehrock gehüllter, auffallend großer Mann mit langen Armen, den Stock in der Rechten und den breitkrämpigen Hut meist in der Linken, wie ein Zeitgenosse ihn beschrieb, ging gern auf diesem Wege hin und her. Sinnend das Haupt gesenkt, blieb er zuweilen stehen, als wollte er den Flug seiner Gedanken hemmen. Ein in den Zweigen aufgeschreckter Vogel oder ein ihn umflatternder Schmetterling mochte ihn zum zum Weiterschreiten bewegen, doch kam er an jenem Abhänge selten vorbei. Der dort von einem Baum beschattete Rasen lud ihn zum Ausruhen ein. Dann ließ er sich nieder, lehnte das Haupt an den Stamm und sah in die Ferne; denn damals, im Ausgang des vorigen Jahr-' hunderts, war der Blick durch! die inzwischen höher und dichter gewordenen Büsche und Bäume noch! nicht begrenzt.
So oft die Witterung und des Mannes schwankende Gesundheit es erlaubten, ging er „bis zum ersten Schneefall" tüglich! von seinem Hause an der Esplanade in den Park.
Es war Friedrichs schiller, der dort „im Flüstern der Blätter seiner Muse lauschte", die ihm „für Mit- und Nachwelt Begeisterndes und Unvergängliches in Herz und Seele senkte."
Niemand störte ihn auf diesem Wege. Wer ihn am Abhange ruhen sah, wich leise zur Seite, es mochte ein Bekannter oder einer der beiden Parkwärter sein. Der ältere von ihnen, Leberecht Hotelmann, sagte zu seinem Kollegen Christoph Bergschmidt, daß das Ausruhen auf dem Rasen bedenklich.wäre, und als der andere ihm zugestimmt, fuhr er fort:
„Sonne ist wenig, die Zweige da drüber lassen die Strahlen kaum durch. Nach einem Regen trocknet der Rasen sehr langsam, und der Hofrat, der so wie so nicht ganz fest in der Brust sein soll, könnte sich! da mal arg erkälten. Um jeden' Menschen ist's schade, wenn er sich Reißen oder sonst was holt, aber bei solch' einem Herrn würde es weit schlimmer sein. Ich sage Dir, Christoph, das ist ein berühmter Mann! Er schreibt fürs Theater, und als Wallensteins Lager, was er auch gemacht hat, gegeben ward, da ließ mein Neffe, der ganz oben int Theater die Leute einläßt, mich! auch mit ein. Ist das ein Stück! Der Wachtmeister und Trompeter, die Dragoner, Kürassiere und Ulanen müßtest Du reden hören, und als der Kapuziner eine gewaltige Strafpredigt hielt, da ward es mir abwechselnd bald kalt, bald heiß. So was schönes sah ich! mein Lebtag noch nicht, und als ich mit meinem Neffen aus dem Theater tarn, trat der Herr Hofrat auch eben heraus. Da hörte ich, denn, das Stück sei von ihm; er wäre der berühmte Schiller, der zur Aufführung von Jena gekommen sei."
„Ja", meinte Christoph, „da geb' ich Dir recht. Es wäre bodji jammerschade, wenn solch' ein Herr sM da erkälten würde."
Dann gingen sie weiter, schwiegen aber; denn jeder hatte seine eigenen Gedanken. Und als sie sich am nächsten Tage wieder im Parke trafen, ergab es sich, daß jeder von ihnen denselben Gedanken gehabt.
„Nach! Feierabend", sagte Leberecht; „denn eher ist keine Zeit dazu."
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Unweit des BorkenhäusKjens war ein Verschlag, irt dem sie ihr Handwerkszeug verwahrten. Auf dem Schloßturm schlug es sieben. Da berieten sie über das zu wählende Holz, holten Leitern, Sägen und suchten an den ältesten Bäumen die stärksten, dürrstetr und trockensten Aeste aus. Darüber wurde es völlig dunkel, und als sie die Aeste, sogenanntes Knüppelholz, im Verschlage hatten, ward Schicht gemacht. Am nächsten Abend trug der eine schmales, der andere breiteres Lattenholz herbei. Das Messen, Hobeln, Sägen und Hämmern geschah im Freien. Der um diese Zeit ganz menschenleere Park war ihnen zu ihrer heimlichen Arbeit besonders günstig, und am sechsten oder achten Abend sahen sie ihre fertig gewordene Leistung mit frohesten Blicken an.
„Jetzt unter den.Baum damit", sagte Leberecht, „bei dem hellen Mondschein ist die richtige Stelle leicht zu finden."
„Und ehe er morgen kommt", fügte Christoph hinzu, streuen wir Blumen auf den Rasen; das sieht dann noch feierlicher aus."
Damit trugen sie ihre Arbeit nach! dem Abhang und stellten sie dicht an den Stamm. Der durch die Zweige blickende Mond sah zu, wie vergnügt sie über die Ausführung des damals von ihnen gehegten Gedankens waren.
Am nächsten Morgen ward der Rasen mit Blumen bestreut. So sah es nach! Leberechts Meinung „erst wirklich apariig" aus. Dann kam Schiller gesenkten Hauptes daher. In Sinnen versunken, bemerkte er die Parkwärter nicht, die 'vor dem Rasen standen, und sah sie erst, als Leberecht mit der Mütze in der Hand nach! dem Baume zeigte und sagte:
„Herr Hosrat werden verzeihen, daß wir's uns heraus- nehmen thaten.' Da ist so oft Nässe, und wir konnten'S wirklich nicht länger mit ansehen, daß sich der Herr Hofrat platt auf den Rasen setzten. Deshalb haben wir unS die Freiheit genommen, das da so zu machen —"
„Weil es doch auch bequemer ist", warf Christoph ein, „und das Erkälten verhütet wird."
„Denn der Herr muß sich! schönen, er ist doch auch! so berühmt", fuhr Leberecht fort. „Wir geringen Leute verstehen sonst nichts davon, aber seit ich die Wallen- steiner im Theater gesehen hab', den Wachtmeister, Trompeter, Kapuziner, die Kürassiere und Ulanen, weiß ich doch auch Besch!eid."
Da sah Schiller von den Männern über den Rasen. Er sah die Blumen, und wo er dort bisher am Boden geruht hatte, stand eine Bank. Für ihn gemacht, wie die beiden sagten, für ihn dorthin gestellt! Mehr aber in diesem Momente zu sehen, wehrte ihm ein Schimmer in feinen Augen, ein gleichsam aus tiefstem Herzen kommender Schimmer, der ihm den klaren Blick verhüllte. Thränen der Freude und Dankbarkeit glänzten ihm an den Wimpern. Er sah wie durch einen Schleier, — die Männer, bereit Hände er ht den seinen fühlte, und die ihn dann rasch! verließen, und die Bank, auf die er sich niederließ, glücklich! in der Gewißheit, daß fein Wirken im Reiche des Schönen auch in die Herzen dev Volkes gedrungen sei ... .
Seitdem ward die Bank die Knüppelholzbawk genannt.
Oft kam er noch allein dorthin, dann aber, als seine ermattenden Kräfte „den nahen Verfall verrieten", in Begleitung von Heinrich! Boß. Mit ihm Pflegte er lange auf der Bank zu ruhen, und dort fvrach er über Plane und Entwürfe, die ihm den Sinn erfüllten, und denen er Gestaltung geben wollte, wenn ihm „ein Entfliehen aus der körperlichen Ermattung" gelingen würde.
Doch! ach, wie er einst selbst geschrieben : Was find Hoffnungen, was sind Entwürfe! Zwar konnte er Voß, als sie wieder einmal die Bank erreicht hatten, frohlockend berichten, er fühle sich jetzt kräftig genug, um aw „DemetrulS schaffen zu können. Doch war's nnr em letzter Sonnen- strahl vor Anbruch der Nacht; denn bald darauf, als Voß in fein Zimmer trat, rief er ihm zu. „~t liege ich tut eher
Die Bank blieb leer.. Die Parkwärter sahen täglich den Weg hinab, ob Schiller kommen würde. Er kam nie wieder.


