tue. - m. wo.
Samstag dm 10. Nodemder»
WEWH-Mj
-%> DÄechMmzMal! jntuT® ejener^rfgo- ÄenMAüMrr)
f rüb der Morgen und falt.
Ueber den Wiesen schweifen
Feuchte Nebelstreifm;
lieber dem Wald auf den Bergen ringsum Liegen Wolken geballt, grau und stumm. Mühsam gegen die dunklen Schatten, Halb wagend, halb zagend, Sendet Sonne den matten, Belebenden Strahl. — Nieder in’8 Thal Rötlich bricht hier und dort unsicherer Licht. Kämpfen muß die herrlichste Glut, Die hehrste Feindin irdischer Fehle: Mut, Mut, Arme, ringende Meuschenseele!
Friedrich Adler.
(Nachdruck verboten.)
Unter dem Schwerte der Themis.
Roman von Reinhold Ortmann.
(Fortsetzung.)
Tora verzog den Mund zu einem gezwungenen Lachen.
„Dieser getreue Sklave, dessen ältere Rechte Sie so rücksichtsvoll respektieren wollen, hat es, wie Sie sehen, nicht einmal für seine Pflicht gehalten,, mich hierher zu führen. Die Vorbereitungen zu einem schwierigen Plai- doyer waren dem Herrn Staatsanwalt wichtiger, als die Rücksichten, welche er mir schuldig ist. Wir werden kaum vor elf Uhr das Vergnügen haben können, ihn hier zu begrüßen. Empfinden Sie da nicht schon einige Reue, sich so voreilig zu seiner Vertretung erboten zu haben?"
Ich bin dem unbekannten Verbrecher, der dem Herrn Staatsanwalt -so 'viel zu schaffen macht, vielmehr zu tiefstem Dank verpflichtet".
Einer der befrackten Herren vom Festkomitee, durch eine mächtige weißseidene Schleife am linken Oberarm kenntlich, kam mit hochrotem Gesicht auf die Plaudernden zu. Er gehörte zu Norrenbergs näheren Bekannten, und nach der ersten Begrüßung hob er die flehend zusammengelegten Hände zu Dora empor.
„Sie müssen uns aus einer fürchterlichen Verlegenheit retten, mein verehrtes Fräulein! Niemand ist dazu im stände, außer Ihnen. Fräulein v. Wedel, die den Verkauf im Champagnerzelt übernommen hatte, ist durch eine geschwollene Wange verhindert, das Fest zu besuchen.
Wenn Sie sich entschließen könnten, an ihre Stelle zu treten, so würden Sie unserer guten Sache einen unschätzbaren Dienst erweisen und eine Bergeslast von meinem bedrückten Herzen nehmen".
Er konnte die Gewährung seiner Bitte schon in Doras lächelnden Zügen lesen, aber sie fand es so angenehm, sich demütig bitten zu lassen, daß sie sich noch ein Weilchen sträubte.
„Ich habe dergleichen noch nie in meinem Leben gethan, und ich weiß wirklich nicht, ob ich- einer so schwierigen Aufgabe gewachsen bin. Vielleicht gelingt eS Ihnen bod); noch, unter den vielen jungen Mädchen eines zu finden, das geschickter dazu ist, als ich".
Während der vielgeplagte Festordner alle Schleusen seiner Beredsamkeit öffnete, um ihren scheinbaren Widerstand zu besiegen, zog Sandorh den Bankier ein wenig beiseite.
„Nun?" fragte er. „Wie steht es? Sie haben meinen gestrigen Brief erhalten und danach gehandelt?"
„Ja! Und ich habe mich seit gestern schon tausendmal dafür verwünscht, daß ich es gethan".
„Meine Vermutung ist also eingetroffen? Der junge Mensch hat die Probe nicht bestanden?"
„Sie müssen mit dem Teufel im Bunde sein, daß Sie es voraussehen konnten. Der Sohn eines solchen Vaters! Ich würde für seine Rechtschaffenheit noch- gestern meine Hand ins Feuer gelegt haben".
,Meines Menschen Ehrlichkeit ist unerschütterlich, lieber Freund, davon sollten Sie sich doch nachgerade überzeugt haben. Es kommt immer nur auf die Stärke der Versuchung an. Wie groß ist die Summe, um die es sich handelt?"
„Ich gab ihm zweitausend Mark für die Bezahlung einer Versicherungsprämie, von der er wissen mußte, daß sie erst in zehn Tagen fällig ist".
„Und Sie wissen bestimmt, daß er die Zahlung nicht geleistet hat?"
„Ja! Ich- habe mich heute mittag unter der Hand auf dem Bureau der Versicherungsanstalt erkundigt. Sie haben also, wie es scheint, Ihr Ziel erreicht. Aber was, in aller Welt, soll nun aus der unglückseligen Geschichte werden? Zu einem Skandal darf es unter keinen Umständen kommen".
„Davon ist ja auch gar nicht die Rede. Alles weitere ist lediglich meine Sache. Sie dürfen den jungen Mann nicht das geringste von Ihrer Entdeckung merken lassen. Innerhalb der zehntägigen Frist wird die Sache schon auf die eine oder die andere Art ins reine gebracht werden".
„Solche Versicherung kann mir selbstverständlich nicht genügen. Ich- wünsche Ihre wahren Absichten endlich-


