Ausgabe 
10.7.1900
 
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ehrlich seines Gestankes wegen keiner Beliebtheit. Wir haben dafür ein mindestens ebenso gutes, wenn wir ein Schächtelchen mit Xeroformpulver, welches jede Apotheke verabfolgt, mitnehmen. Es ersetzt uns durchs seine Viel­seitigkeit eine Menge anderer Präparate, indem es nicht nur zum Einstäuben der Wunde, welches reichlich, aber nicht übermäßig zu erfolgen hat, dient; denn ein paar Stäubchen durch! eine Pinselschnellung auf die Hornhaut des Auges gebracht, sind bei Entzündungen und Geschwürbildungen auf derselben von guter Wirkung. Ebenso wirksam ist es mit dem dreißigfachen Quantum Vaselin, Vasogen oder, wenn gar nichts anderes vorhanden ist, auch reinem Rinds­talg oder Schweinefett verrieben, als Salbe. Haben wir uns auf weitem Marsche am Fuße oder anderswo wund gerieben, so leistet es uns als Streupulver wiederum die besten Dienste, und das Nesthäkchen, das, wie das häufig vorkommt, an den jeder Mutter bekannten Stellen wund ist, wird, wenn man es damit einstäubt, schneller seine heile Haut wieder haben, als wenn Bärlapp oder Kiuder- stupp usw. zur Verwendung kommt.

Natürliche brauchen wir zum Verschluß der wunden Stellen auch etwas Verbandmaterial; da heißt es also Gaze zum Bedecken der Wunden, dann ein Stückchen ent­fettete Verbandwatte und verschiedene Organsinebinden, vielleicht 6, 8 und 12 Zentimeter breit, mitnehmen.

Wer besonders vorsichtig ist, möge auch noch eine Flanell- und eine Gummibinde mitnehmen. Leicht kann es vorkommen, daß wir uns durch ungeschicktes Auftreten den Fuß verstauchen, oder durchs Festhalten beim Aus­gleiten oder Stürzen das Handgelenk verletzen. Der Zerr­ung der Gelenkbänder folgt in der Regel bald eine starke Schwellung und, nachdem man die heftigsten Entzündungs­erscheinungen durch Umschläge mit der oben genannten essigsauren Thonerde bekämpft hat, führt nichts' schneller zur Heiluug, als wenn wir das gezerrte Gelenk von der Finger- oder Zehenseite gegen den Körper zu in eine in festanliegenden Touren anzulegende Flanell- oder Gummi­binde einwickeln .Zum Verschluß geringfügiger Wunden nehmen wir nach! erfolgter Desinfizierung statt des schlecht klebenden englische Pflasters lieber Heftpflaster; das so­genannte amerikanische ist wegen seiner großen Klebkraft besonders zu empfehlen. Ein Gummifinger über den mit Heftpflaster armierten Finger gezogen, kann uns gute Dienste leisten, und ein Gummibeutel zum Anfüllen mit kleinen Eisstücken und Auflegen auf entzündete Stellen oder auf den Kopf bei Fieber vervollständigt die chirurgische Ausstattung, der wir passenderweise noch ein Touristen­pflaster zur Aufweichung von harter Haut und einige Hühneraugenringe beifügen.

Was brauchen wir nun für Medikamente zum innerlich Einnehmen? Die häufigsten Gesundheitsstörungen auf der Reise oder in der Sommerfrische, wo wir ungewohnt zu­bereitete und vielleicht auch! manchmal verdächtige Nahr­ungsmittel genießen, zeigen sich in beschleunigter oder ver­langsamter Verdauung. Es heißt also da, sich! für den ersteren Fall mit Choleratropfen zu versehen oder viel besser noch mit Opiumtinktur, die der Hausarzt gern ver­schreiben wird, und von welcher im Bedarfsfälle 20 bis 30 Tropfen auf Zucker oder in Thee, Kaffee oder in Wein zu nehmen sind. Im entgegengesetzten Falle brauchen wir eine Portion Bittersalz oder, wer pflanzliche Reinigungs­mittel vorzieht, Schweizerpillen, Sageada- oder Tama­rindentabletten, alles Dinge, die in der Apotheke ohne Rezept zu haben sind, und deren Gebrauch aus der ge­druckten Anweisung ersichtlich! ist.

Für Magenschmerzen und Hustenanfälle besorgt uns der Arzt ein Dutzend Codeinpulver zu je 2 Zentigramm, mit Zucker verrieben, die angenehmer wirken als Morphin.

Um den Zahnschmerzen, wenn sie von hohlen Zähnen herrühren, beizukommen, legen wir ein Fläschchen fünf­prozentiger Cocainlösung bei. Ein der Höhlung des Zahnes entsprechendes Stückchen Watte, damit getränkt und in den hohlen Zahn gebracht, beruhigt fast augenblickliche den Schmerz des blosliegenden Nervs. Damit die Wirkung länger anhält, bedecken wir das Wattekügelchen mit ein wenig in flüssiges Zahnharz getauchter Watte, die toir mit einem geeigneten Gegenstand, dem stumpfen Ende einer Häkelnadel oder dem blosen Finger hineindrücken.

Uebrigens können wir das Cocain auch; vortrefflich! bei schmerzhafter Augenentzündung brauchen, indem wir einen Tropfen davon in das mit dem Finger vom Augapfel ab­gezogene Lid bringen.

Die ab und zu von Kopfschmerzen geplagte Hausfrau wird einen kleinen Vorrat von Antipyrin oder von dem energischen und prompter wirkenden Migränin zu je einem oder einem halben Gramm gut verwenden können, und auch! wenn ein Familienmitglied von Fieber befallen wird, angemessen Gebrauch davon zu machen wissen.

Nun bleibt noch das Thema Erkältung und Rheuma­tismus zu beachten. Für letzteren ebenso wie für Nerven­schmerzen ist ein Fläschchen Pain-Expeller, welcher bis zur Rötung der Haut eingerieben werden muß, von nicht zu unterschätzendem Nutzen. Gegen Erkältung aber heißt das einfachste HausmittelSchwitzen", so unangenehm es auch im Bette sich gestaltet. Eine heiße Limonade mit 1 bis 3 eingrammigen Pulvern von Salicylnatron, das in jeder Apotheke abgegeben wird, verhilft am leichtesten dazu.

Handelt es sich! aber darum, dem drohenden Bronchial­katarrh und Schnupfen vorzubeugen, so giebt es nichts besseres als mehrmals täglich 10 bis 15 Tropfen Creosot- karbonat, auch- Creosotal genannt, in etwas heißem Getränk einzunehmen. Ein Bronchialkatarrh, den wir wegen der Häufigkeit seines Auftretens meistens geringschätzen, ist ein liebel, dem man mehr Beachtung schenken sollte, als gewöhnlich geschieht; je häufiger er wiederkommt, desto leichter wird er chronisch, und dann ist es schwer, ihn zu beseitigen. Außerdem erhöht er bei schwächlichen Personen die Disposition zur Tubekulose. Stellt sich'! daher bei solchen der bekannte Erkältungshusten ein, so sollte sofort mit dreimal täglich! 10 bis 15 Tropfen Creosotal begonnen und dies eventuell längere Zeit fortgesetzt werden. Ein einfacher Erkältungskatarrh und Husten läuft übrigens beim Gebrauch! dieses Mittels für den Patienten viel an­genehmer und schneller ab als sonst.

Alle vorstehend genannten Mittel, mit welchjen man gegen die gewöhnlichen Unfälle ziemlich gewappnet ist, nehmen bei ökonomischer Verpackung nicht viel mehr Raum ein, als in einer gewöhnlichen Zigarrenkiste enthalten ist. Daß man eine solche zur Aufbewahrung der Medikamente benutzen soll, wollen wir damit keineswegs gesagt haben; denn auch für die einfachste Hausapotheke gehört ein wohl verschließbares Kästchen, damit weder Kinder noch Dienst­boten oder Unberusene über den Inhalt geraten können. Außerdem hat jedes Medikament, sei es Flüssigkeit oder Pulver oder sonst etwas, seine genaue Aufschrift zu tragen; denn nur zu schnell ist ein Unglück durch ein falsches Medikament geschehen, und es haben Verwechselungen darin schon oft zu den betrübendsten Unfällen Veran­lassungen gegeben.

Richtig gebraucht, wird aber die Haus- und Reise­apotheke viel Nutzen stiften und oft über eine schwere Und ängstliche Stunde forthelfen.

Lauschrätsel.

Nachdruck verboten.

Adler

Bier

Die Anfangsbuchstaben nebenstehender

Haus Elias

Habe Land

Wörter sind mit anderen Buchstaben der-

Feder

Zobel

art zu vertauschen, daß man ebenso viele

Kind

Muster

neue Wörter erhält, deren Anfangsbuch-

Aller

Ohr

staben den Namen eines deutschen Lyriker«

Keller Sonne

Kessel

ergeben.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Magischen Dreiecks in voriger Nummer:

A u b e t

Uran

Bad

E n

R