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Än der Anwendung des sezessionistischen Stiles auf dem Gebiete der Tapeten sind vor allem die Bestrebungen der Gebrüder Josef und Otto Eckmann maßgebend gewesen. Das Wort „Eckmann'sche Tapeten" weckt eine ganz bestimmte Vorstellung; Prof. Otto Eckmann gebührt das Verdienst, die große Wandlung des Geschmacks in sezessio- nistischem Sinne angeregt zu haben, ohne sich, in Extremen zu gefallen.
Die Pflanzen werden hier in einer Art stilisiert, daß nur die große Form gewahrt bleibt, alle kleinen Nebenformen ausgeschieden werden; die Stiele spielen eine große Rolle, sie ziehen sich in bewegten Linien über den Grund und erscheinen zu sonderbaren Bündeln zusammengerafft. Sehr häufig merkt man einen gewissen Einfluß japanischer Vorbilder, wie z. B. an einer Tapete, von deren graugrünem Grunde sich Knollengewächse mit rundlichen, auf hohen gebogenen Stengeln stehenden Blättern und mattgelbrote Blüten abheben. Die Blätter waren in einer etwas helleren Nuance der Grundfarbe nur als Flecke hingesetzt, die Blüten auch nur in einem Ton, oder in bestimmterer Zeichnung gehalten. Oder es wird eine riesengroße Doldenblüte zu Palmettenform stilisiert und versetzt nebeneinander angebracht. Auch hierbei erscheinen die Stiele, die den Grund überspinnen, fast wichtiger als die Blüten, die sehr einfach gezeichnet in einem Tone gehalten sind. Jedes Tapetenmuster ist in den verschiedensten Farbenstellungeü zu haben, die Doldenblüte z. B. auf stumpfrotem Grunde mit graublauen Blüten und hellgrünen Stielen; in bläulich und rosa auf mattblauem Grunde, in violett und rotbraun auf grünem Grunde, oder in blauer und grüner Bronze einem weißlich schillernden Moireegrunde aufgedruckt. Moirierter Grund und zwei Farben Bronze für das Muster findet sich überhaupt häufig unter den Eckmannschen Tapeten, und es sind damit prächtige Effekte erzielt worden, u. a. an einem, die ganze Breite der Rolle füllenden Muster, einer großen, weit offenen lilienartigen Blüte, die von bandartigen Stielen und Blättern eingerahmt wird, und in einfacherer Weise durch winzige, zu gewellten Stufen zusammengestellten Streublümchen in Bronze. Auch in Handbreite gestreifte Tapeten sind mit Glück durch ein Muster belebt, z. B. durch ein Motiv von je zwei regelmäßig aneinandergesetzten Erbsenschoten, von denen die eine auf dem hellen Streifen sich stumpf und dunkel, die andere auf dem dunklen Streifen hell und leuchtend abhebt — eine vorzügliche Licht- und Schattenwirkung mit den einfachsten Mitteln. Zu vielen der Tapeten, besonders den gestreiften, sind einfache Friese vorhanden, in welchen sich das Muster der Fläche wiederholt.
Leider wirken die meisten dieser Tapeten in der Rolle besser als an der Wand, wo sie trotz ihrer Einfachheit meist etwas Ruheloses, Nervöses an sich haben, das aus der allzu bewegten Linienführung entspringt. So war z. B. das an sich wunderschöne Muster einer riesengroßen stilisierten Distel auf violettem Grunde in einem durch Violet gebrochenem Grün ausgeführt, und von starkem terrakott- farbenen Kontur umgeben, an der Wand außerordentlich unruhig; man hätte es sich viel besser, in einer Leiste gefaßt, als Panneau denken können. Fast alle Eckmanm^- schen Tapeten sind in drei Farben in Handdruck hergestellt, was ihren Preis sehr verteuert.*)
Neben den wunderlich-genialen Mustern im Genre dieser Tapeten kommen auch noch andere auf den Markt, die den stärksten Gegensatz zu den oben beschriebenen bieten: die nur im Ton bedruckten Papiere, meist mit handbreiten, nur ganz wenig dunkleren Längsstreifen gemustert.
Dem Ton selbst wird natürlich die größte Sorgfalt zugewendet, es finden sich allerlei fein abgewogene Farben und Nuancen vor, — natürlich immer nur solche, die innerhalb der jetzt modernen Skala liegen.
Ein Kompromiß mit der sezessionistischen Richtung schließen diese im Ton gehaltenen Tapeten durch breite Friese, die zur Decke überleiten: Ornamente oder Blumen, im letzteren Falle meist kompakte, vollerschlossene Blüten
*) Wir müssen letztere Bemerkung unseres Mitarbeiters dahin berichtigen, daß es neuerdings auch maschinell hergestelltc Eckmann'sche Tapeten gibt, welche die normale Preisgrenze von anderen besseren Tapeten nicht überschreiten. Aus pekuniären Rücksichten braucht man also vor der Erwerbung dieser zum Teil prachtvollen und zweckentsprechenden Muster nicht zurückzuschrecken. .. D. R.
wie Päonien und Tulpen, zur Bordüre aneinandergefügt, und immer in den Farben der Tapete. Zuweilen werden auch landschaftliche Motive zu Hilfe genommen, so daß diese den Hintergrund bilden, während vorn große Blumen aufwachsen. Während, wie schon im Eingänge erwähnt, bei in sich lebhaft gemusterten Tapeten der Fries vom Hebet ist, weil er die Höhe verkürzt und die Wandfläche unruhig erscheinen läßt, ist er bei nur im Ton gehaltenen oder matt- gestreiften Wänden fast eine Notwendigkeit. Besonders gestreifte Tapeten mit ihrer Wirkung, ein Zimmer höher erscheinen zu lassen, als es ist, vertragen einen solchen Fries vorzüglich.
Wer sich im eigenen Hause sein Zünmer tapezieren lassen will und dabei auf die vorhandenen Möbel, Portieren, Bilder Rücksicht nehmen kann, ist ja gut daran, er kann, wenn die Einrichtung damit einigermaßen im Einklang steht und geuügend Räume zur Verfügung stehen, sich wohl einmal den Spaß machen, ein Zimmer „sezessio- nistisch" zu tapezieren. Schlimm ist es aber für diejenigen, die, besonders in der Großstadt, in einen von einem fortschrittlichen Hauswirt eingerichteten Mietspalast ziehen, in welchen alles auf den „neuen Stil" zugeschnitten ist, und die nicht willens sind, ihre ganze Einrichtung einzig den Tapeten zuliebe umzugestalten! Eine alte Einrichtung mit Plüschmöbeln und Vertikow und dahinter eine se- zessionistische Schwanentapete — den Menschen müßte man suchen, der sich innerhalb einer solchen Einrichtung behaglich fühlte! ___________
Vermischtes.
Treffer. Hausierer: „Ausgezeichnete Dosen, meine Herren! Wollen Se nix kaufen?" — Gast (anulkend): „Solches dumines Zeug machen wir selber." — Hausierer: „Thut mir leid, meine Herren, das ist Zuchthausarbeit!"
Schwierig. Erster Stotterer (wütend): „S—s—sie sind ein ins—famer Verleumder."—Zweiter Stotterer: „Wollen S—s—sie das g—gleich zurücknehmen!" Erster Stotterer: „N—n—nein, i—i—ich bin froh, daß i—ich's h—heraus habe."
Deshalb. Molly (während der Tanzpause): „Er sagte mir, die Welt sei ihm wie eine Wüste gewesen, ehe meine Bekanntschafst machte." — Polly: „Jetzt verstehe ich, weshalb er wie ein Kamee! tanzt."
Rösselsprung.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nümmer.
Handelsschule.
teil
füh
wie
ren
er
nun
ben
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dur
das
wol
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gut
che
rol
ne
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salS
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ne
weich'
roll'
Nachdruck verboten.
Auflösung des Preisrätsels in Nr. 43.
Maas — An am — Selma — Kamm — Elsa — Nelke — Besen — Amsel — Laban — Kamm: Maskenball
Es gingen insgesamt 13S richtige Lösungen ein, das Los fiel auf Nr. 79. Einsender: Th. Ranft, Gießen, Sonnenstraße 5.
Der Preis — „Krieg, Stenographie" — ist von dem Gewinner gegen Vorzeigung der Abonnementsquittung in der Geschäftsstelle der „Familienblätter" in Empfang zu nehmen.


