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Daß die Pflanzen ebenso wie Mensch und Tier durch die Ansiedelung mikroskopischer, infektiös wirkender, organischer Schädlinge erkranken, war seit langem rnehr geahnt, als wirklich wissenschaftlich erkannt worden. Das Volk hatte zwar stets von krebskranken Bäumen gesprochen, und damit die Aehnlichkeit zwischen den Krankheiten unserer Nutzpflanzen und den Leiden der Tiere und Menschen bezeichnen wollen.
Eine eigentümliche am Rheine im verflossenen som- irter und Herbst auf den Kirschbäumen auftretende Krankheit hak' aber neuerlich den Beweis geliefert, daß es sich auch hierbei um die Wirkung giftiger Bakterien handelt. Trotzdem alle anderen Obstsorten daselbst völlig gesund waren, ging in wenigen Monaten in St. Goarshausen und Umgebung der vierte Teil aller Kirschbäume ein. Die mikroskopische Untersuchung ergab, daß ein häufig auf ab- Jestorbenen Kirschbaumästen gedeihender Pilz aus der lattung der Cytofporen sich in der Rinde und Bastschicht der lebenden Bäume angesiedelt, und eine Erkrankung der Gefäße der Bäume herbeigeführt hatte. Interessant ist es übrigens, daß dieselben Stoffe, welche sich den im Tier und Menschenkörper hausenden Bakterien als schädliche erweisen, auch die Pflanzen von ihren Feinden desinfizieren, und daß mancher schwer erkrankte Baum durch Behandlung mit Theer oder Karbol, mit Bordelaiser Brühe und ab- gekochtem Tabakabsud gerettet werden kann.
In das Gebiet der Bakteriologie schlägt auch die Vertilgung der Heuschrecken durch künstliche Epidemien. Es wird noch vielen erinnerlich sein, daß die Mäuseplage, welche vor etlichen Jahren Griechenland heimsuchte, dadurch behoben wurde, daß man ein äußerst giftiges Bakterium den Bazillus der Mäuseseptikämie künstlich züchtete und damit eine Anzahl eingefangener Mäuse impfte, die man sodann in Freiheit setzte. Der Erfolg entsprach der gehegten Erwartung: denn in der That übertrugen die infizierten Mäuse ihre Erkrankung, welche sich als schwere Blutvergiftung charakterisiert, auf die gesunden Mäuse, welche zu Millionen starben. In ganz gleicher Weise züchtet man jetzt in den bakteriologischen Institut zu Grahamstown in Südafrika einen Krankheitspilz, mit dessen in Glasröhren käuflichen Kolonien man einige hundert Heuschrecken infiziert, die, sobald sie wieder losgelassen werden, die Krankheitskeime überall hin verbreiten. Tritt dann noch ein Regenwetter ein, welches das Wachstum der Pilze äußerst begünstigt, so kommt es zu einem allgemeinen Sterben jener gefürchteten Springgeister, von welchen uns schon die Bücher Mosis als von einer der 7 großen Landplagen Aegyptens erzählen.
Seit einer längeren Reihe von Jahren wußte man, daß die Malariaerkrankungen durch winzige Lebewesen, die sogenannten Plasmodien hervorgerufen werden, welche sich int Blute der Fiebernden vorfinden. Rätselhaft war nur die Art d er Ansteckung. Denn einerseits kann jeder in eine Malariagegend kommende mit ziemlicher Sicherheit darauf rechnen, einen solchen Anfall zu bekommen; andererseits ist aber noch nie beobachtet worden, daß ein Malariakranker, der in eine fieberfreie Gegend kam, einen Gesunden infiziert hätte. Daß Insekten hierbei die Ueber- trägung vermittelten, wurde schon einige Zeit gemutmaßt und war durch die tropischen Reiseberichte Robert Kochs nahezu Gewißheit geworden. Die letzten Zweifel sind nun dunh die Entdeckung des Engländers Roß zerstreut worden, welcher überzeugend nachgewiesen hat, daß die Ansteckung durch die Stiche gewisser Moskitoarten erfolgte, die aus den an faulender organischer Materie überreichen tropischen Sümpfen die Plasmodien mitschleppen und dem Menjchen durch ihre Stiche einimpfen. Kann man sich nun in Sumpfgegenden — die Frage ist ja für Mitteleuropa aktuell wirksam gegen Mückenstiche schützen? wohl kaum! Denn man kann fich ni'cht ununterbrochen in eine Rauchwolke hüllen oder stets mit Nelkenöl bestreichen. Seitdem es aber Personen giebt, die sich an die Malariagcgenden akklimatisieren, ist die Hoffnung ein wirksames Antimalariaserum zu finden, nicht aussichtslos. Die Versuche hierzu sind bereits im Gange und werden voraussichtlich zu einem befriedigenden Ergebnis führen.
Vermischtes.
„Denkmäker berübmttr Seefahrer und stellt eine neuerschienene Serie sogenannter Liebig Bilder dar. wtrr den vielen Freunden und Sammlern dieser bunten Empfehluugskärtchen der Liebigs Fleisch-Extraktkompanie willkommen fein. Kolumbus, Fran, Drake, de Ruiter, Niels Juel, Nelson, Tegethoff. find die großen Männer, deren Andenken die abgebildeten D.ukmäler ehren. Daneben machen sich die Töpfchen mit Liebig's Fleisch-Extrakt und dem Pepton der Liebigkompanie bemerkbar, Stoffe, die heutzutage bet d« Verproviantierung größerer Seeschiffe kaum fehlen dürfen. Birgt doch das „Liebig-Töpfchen" das Material, aus dem fich sofort kräftige- Fleischbrühe Herfiellen läßt, und das Fleisch-Pepton ist ein vorzüglich«» Nahrungsmittel in vielen Krankheitsfällen.
Ameisenverstand. Eine überaus anziehende Beobachtung au» dem Ameisenleben wird dem „Prometheus" von einem feiner Leser, dem. Forstrat Frhrn. v. Ulmenstein zu Dubno bei Böhmisch- Skalrtz, mitgeteut. Der Genannte hatte in seinem Garten einen Pflaumenbaum der als „Reine Claude" bekannten Spielart, welcher regelmäßig von Ameisen besucht wurde, die dem Besitzer die Früchte streitig machten Um die Tiere abzuwehren, brachte er deshalb am Stamme einen Ring von Raupenleim an. Die Wirkung auf die Ameisen war höchst merkwürdig und unerwartet Die von unten hinaussteigenden Tiere ebenso rote die oberhalb befindlichen gerieten zunächst in große Aufregung und Hefen, am Rande des Leimringes, vorfichtig mit den Fühlern tastend, rings um den Stamm; dann aber kehrten sie, die Erfolglosigkeit ihrer Bemühungen einsehend, um; das Gleiche thaten die von unten nach- rückenden Scharen. Dann aber wurde Kriegsrat gehalten, und da» Ergebnis zeigte fich nach kaum einer Stunde. In unmittelbarer Nähe des Baumes nämlich führte ein sandbestreuter Weg vorüber, und von hier holten sich die Tiere Hilfe. Jede Arbeiterin nahm dort nämlich ein Sandkörnchen auf, und so beladen bestiegen die Scharen wieder den Baum und klebten hier eines der Körnchen nach dem andern an emer bestimmten Stelle in den Leimring, welcher eine Breite von 8 cm. hatte. Rack drei Stunden war die Ausdauer der Tiere von Erfolg gekrönt.- eine regelrecht gepflasterte, etwa 8 mm. breite Heerstraße quer über den Leint tvar fertig und wurde sofort dem Verkehr übergeben, der dann auch seinen ungestörten Fortgang nahm, da der Eigentümer des BaumeL einen solchen Beweis von Umsicht bei den Tierchen nicht unbelohnt lassen wollte und sie nunmehr in Frieden ließ.
Da» selige Zündloch. Ein niedliches Geschichtchen macht gegenwärtig in Berliner Offizierskreisen die Runde. An einem Sonntag Nachmittag wurde die Lortzing'sche Oper „Zar und Zimmermann" tm „Theater des Westens" ausgeführt, und zu dieser Vorstellung hatte ein Leutnant eines Berliner Artillerie-Regiments seinem Burschen ein Billet gekauft. Andern Tags fragte nun der Leutnant seinen dienstbaren Geist, was ihm in der Oper am allerbesten gefallen habe. Darauf fein Bursche: „Das eine Lied!" — „Ja, welches Lied?" — „Das Lied, wo es zum Ende immer heißt: „O selig, o selig, ein Zündloch zu sein!" (Ein Kind noch zu sein.)
£itterarifd?es.
Katechismus der Invalidenversicherung nach dem In- validenverficherungsgesetze vom 13. Juli 1899 von Dr. Alfred äß en gier. In Orginalleinenband 4 Mark. Verlag von I. I. Weberin Leipzig. An Stelle des Reichsgesetzes, betrefiend die Jnvaliditäts- nnd Altersversicherung vom 22. Juni 1889, ist mit Wirksamkeit vom 1. Januar 1900 ab das Jnvalidenverficherungsgesetz vom 13. Juli 1899- gctfeten. Auch das Verfahren und der Geschäftsgang des Reicbs- versicherungsamtes in Angelegenheiten der Invaliden- und Altersversicherung sowie das Verfahren und der Geschäftsgang vor den auf Grund der Novelle errichteten, dezw. bereits bestehenden Schiedsgerichten ist durch Kaiserliche Verordnungen vom 6. Dezember 1899 neu geregelt worden. Dadurch hatte fich eine vollständige Umarbeitung des Katechismus der Jnvalidiräts- und Altersversicherung erforderlich gemacht, der als dritter Teil von Dr. A. Wenglers Katechismus der deutschen Arbeiterversicherung erschienen war. Das in fast ganz neuer Gestalt vorliegende, von ent- gehendster Sachkenntnis diktierte Buch hat gegen früher auch an Umfang nicht unbeträchtlich gewonnen.
Charade.
Nachdruck verboten
Du findest das erste zumeist in dem Wald, Das zweite wird, paßt es schlecht, unbequem bald. Nahm' einer das Ganze zum Rennen und springen, Er würde wohl wenig Lorbeer'n erringen. m.
Auflösung iu nächster Nummer.
Auslösung des Silbenrätsels in voriger Nummer.
Sauerkraut — Ceder — Seinrieh — Lena — Jndiauerdors — Telephon — Tast«;
Schlittenfahrt.
Redaktion: t. Burkhardt. — Druck und Verlag der «rühl'schen UniversttStS-vuch- und Steindruckerei (Pietsch Erdenk in Giesien


