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Aast zu verleihen welch« ihn in stand setzt, mit spielender Leichtigkeit Ei,enstücke von mehreren tausend Kilo Schwere zu heben, und bedient man sich auch in den bekannten Larnegiewerken bei Pittsburg in Pennsylvanien bereit« riesenhaften elektrischen Krahne zum Heben von Gußstücken bis zum Gewicht von 5000 Kilo.
Während man sich immer noch nicht dazu entschließen kann, im großen den Versuch zur Verwendung der elektrischen Kraft bei den Schnellzügen unserer Rollbahnen zu machen, erringt sich die Elektrizität ein immer größeres Anwendungsgebiet dort, wo es darauf ankommt, schwere Massen, wenn auch langsam zu bewegen. Eine derartige Neuheit ist der unlängst von den Firmen A. Borsig in Tegel bei Berlin und Helios in Köln a. Rh. konstruierte elektrische Pflug, welcher sich in vielen Stücken seinem um etliche 30 Jahre älteren Bruder, dem Dampfpflug, überlegen zeigt. Sein größter Vorzug ist natürlich der, daß man nicht, wie beim Dampfpflug, den Dampfkessel auf die weichen Felder mitzuschleppen braucht, sondern den Dynamo einfach durch ein Kabel speist, welches dem Bedürfnis entsprechend verlegt wird, und den elektrischen Strom von der auf großen Gütern immer vorhandenen stehenden Dampfmaichine geliefert erhält.
chcicht weniger interessant und wichtig ist die elektrische Lchleppschiffahrt, wie sie nun, nachdem die damit auf dem 'Finowkanal angestellten Versuche zu einem glänzenden Ab- fchluß gekommen sind, auf mehreren deutschen Kanälen einer nahen Verwirklichung cntgegengeht. Wo nicht Schleppdampfer mit oder ohne Kettenbetrieb in Verwendung waren, mußte man sich bisher der Tier- oder Menschenkraft zur Fortbewegung oder — wie der technische Ausdruck lautet — zum „Treideln" der schweren Kähne bedienen, und wer je einmal die schwer einherkeuchenden Tiere und Menschen bei dieser Treidelarbeit beobachtet hat, gegen die das Treten der römischen Sklaven oder der englischen Galeerensträflinge und Zuchthäusler in den berüchtigten Tretmühlen als eine vergleichsweise recht angenehme Beschäftigung erscheint, muß die Erfindung der elektrischen Schleppschiffahrt ebensosehr vom Standpunkte Der Humanität als von dem der kostbaren Tier- und Menschenkraft freudig begrüßen. Eine kleine, von Siemens in Charlottenburg erbaute, elektrische Lokomotive, welche längs des Kanales auf einem Geleise läuft, und oberirdische Stromzuführung besitzt, schleppt mit Leichtigkeit zwei Oderkähne mit je 400 Tonnen gleich 8000 Zentnern Ladung mit einer Geschwindigkeit von 4,5 Kilometer in der Stunde Dorwärts, was für die Beförderung von Massengütern vollständig genügt. Natürlich sind die Kosten der ersten Einrichtung höher, als bei jedem anderen Betriebe; dafür betragen aber die eigentlichen Transportkosten nur etwa die Hälfte derjenigen des Betriebes mit Schleppdampfern und nur ein Viertel derjenigen mit Pferden.
Neu und originell ist die Idee eines amerikanischen Brückenbaumeisters, sich der Elektrizität zur Zerstörung Der hölzernen Bogen-Konstruktion einer den Wabach- fluß übersetzenden 240 Meter langen Brücke unter Schonung der steinernen Pfeiler zu verwenden. Wenn der Chirurg einen Polypen oder einen gestielten Fleischlappen oder dergleichen Hinwegbrennen will, nimmt er einen Pla- tindraht und legt ihn um den wegzubrennenden Körperteil. Dann bringt er den Draht zum Glühen, indem er einen entsprechend starken elektrischen Strom durch den Draht sendet, und die Entfernung des lästigen Fleisch- oder Haut- stückes ist das Werk weniger Sekunden. In ähnlicher Weise wand der findige Amerikaner um die Haupttragbalken der zu entfernenden Brückenkonstruktion eiserne Drahtschlingen, an welche er zentnerschwere Gewichte hing, und durch die er, nachdem er sie sämtlich miteinander verbunden hatte, einen starken elektrischen Strom sandte, der die Draht- fchlingen bis zur Rotglut erhitzte. Im Zeitraum von etwa einer Stunde hatten sämtliche Drahtschlingen die Tragbalken! durchschnitten, diese fielen in den Fluß, und die auf ihnen aufgebauten Bogen brachen, ihrer Stütze beraubt, in sich zusammen.
Ein Nachteil des bisherigen Gasglühlichtes war es. Daß die Glühstrümpfe sehr geringe Widerstandsfähigkeit besaßen. Selten nur erreicht ein Auerscher Glühstrumpf die ihm in der Wiege prophezeihte und auf geduldiges Papier gedruckte Lebensdauer von 600 Stunden. Ein von dem
Engländer Hill erfundener Glühstrumpf droht nun ein ernstlicher Konkurrent des Auer'schen Kollegen zu werden, da er leicht eine Brenndauer von 1800 Stunden erreicht, ohne viel von seiner Leuchtkraft einzubüßen. Das Geheimnis seiner größeren Widerstandsfähigkeit beruht übrigens einfach darauf, daß das Netz desselben ein wirklich geknotetes ist, während das der Auerglühkörper nur ein auf einem Rundwirkstuhl hergestelltes Gewebe aus losen Schlingen ist.
Während in Berlin der Weiterbau der zum Teil schon fertig dastehenden elektrischen Hochbahn nicht vom Flecke rücken will, geht die Pariser Stadtbahn ihrer Vollendung entgegen. Namentlich die sogenannte Userbahn, welche zum größten Teil unterirdisch vom Marsfelde über die Esplanade und den neuen Orlcansbahnhof zur Place Saint- Michel führt, präsentiert sich schon jetzt ebenso als Muster der Eleganz, wie der praktischen Brauchbarkeit. Die ausgiebige Verwendung glasierter weißer Porzellankacheln verleiht den unterirdischen, mit wahrer Raumverschwendung angelegten Bahnhöfen eine Helligkeit, welche von dem Licht- mangel der verschmutzten und kohlegeschwärzteu Londoner- Untergrundbahnen aus das vorteichafteste absticht. Der Glanzpunkt der ganzen Anlage ist übrigens der den Tuile- rien gegenüber gelegene neue Orleansbahnhof, welcher Bahnsteige in mehreren Stockwerken enthält, und in seinem unterirdischen Stockwerk allein 15 Geleise aufnimmt.
Auf dem Gebiete der Metallurgie macht sich die steigende Nachfrage nach Aluminium sehr bemerkbar. Als das Zukunftsmetall, welches dank seiner Leichtigkeit die Ueberbrückung ungeheurer Spannungen ermöglichen, und dadurch das Eisen zum großen Teil verdrängen würde, hat es sich zwar nicht bewährt. Als Zusatz zum Eisen ist es aber bereits geradezu unentbehrlich. Wenn man 1 Prozent Aluminium 100 Prozent geschmolzenen Eisens zusetzt, wird jede Blasenbildung vermieden, und dadurch wieder wird mit größter Leichtigkeit der Guß von Stücken ermöglicht, die früher fast stets wiederholt gegossen werden mußten, bis die Herstellung eines tadellosen Stückes gelang.
Seitdem es dem Physiker Dewar gelungen ist, auch den Wasserstoff als letztes aller bekannten Gase in größerem Maße zu verflüssigen, ist kaum ein Jahr verflossen. Heute präsentiert uns derselbe Erfinder dieses leichteste der Gase auch in fester Form. Freilich war dazu eine Temperatur von 238 Grad Celsius unter Null erforderlich, bei welcher er den Wasserstoff als ein durchsichtiges Eis erhielt, welches wohl der leichteste aller bekannten festen Stoffe ist, da es reichlich zehnmal leichter ist, als das gewöhnliche Wassereis.
Aus Amerika verlautet jetzt etwas näheres über die Konstruktion der Dynamitkanone, welche zwar seitens der europäischen Heeresleitungen noch nicht adoptiert worden ist, vor Santiago de Kuba aber von oem mit ihr ausgerüsteten Dynamitkreuzer Vesuvius den Spaniern, wie nicht abzuleugnen ist, großen Schaden gemacht hat. Trotz ihrer ungeheueren Länge von etwa 20 Meter ist sic nur auf kürzere und mittlere Entfernungen brauchbar, und deshalb auch von den Amerikanern nur zur Nachtzeit gegen die spanischen Befestigungen auf Kuba verwendet worden. Die Normalgeschosse, welche etwa 300 Kilogramm Sprenggelatine enthalten, und mit komprimierter Luft abgeschossen werden, richten an Zielen in zweieinhalb bis drei Kilometer- Entfernung geradezu fürchterliche Verheerungen an, welche über das 'von den bisherigen Riesengeschützen geleistete weit hinausgehen. Indes werden letztere von ihren Nebenbuhlern noch lange nicht verdrängt werden, weil sie ihnen durch ihre große Schußweite doch wieder sehr überlegen sind. —
Unsere in gemäßigten Breiten liegenden Kulturländer von der nur in tropischen und subtropischen Zonen gedeihenden Baumwolle unabhängig zu machen, schwebt seit Jahrzehnten jedem Erfinder auf dem Gebiete der Weberei, vor. Nach vielen vergeblichen Versuchen hat man nun im verachteten Torf ein Material gefunden, welches nach einem von Dr. Geiger in Düsseldorf erfundenen Verfahren, bei dem der Torf mit Lauge behandelt, zerfasert und einer Gärung unterworfen, entfettet und gebleicht wird, eine vegetabilische Wolle ergiebt, welche sich leicht spinnen und färben läßt, dabei auch gegen Chemikalien widerstandsfähig ist, und eine so große Aufsaugungsfähigkeck besitzt, daß sie sich auch als Verbandstoff vorzüglich eignet.


