bcrijfb mit Versprechungen, und in ihrer aufgeregten Stimmung wies sie ihn nicht mehr mit jener strengen Entschlossenheit zurück, welche die unsichtbare Schutzmauer der Tugend ist. Die Ereignisse folgten rasch. Ehe Howell am anderen Morgen nut heftigen Kopfschmerzen sich erhoben hatte, kam der Portier des Hauses und sagte, sie müßten die Wohnung verlassen, die anderen Mieter hätten sich beklagt, und der Besitzer wolle die Miete für die wenigen Tage seit der letzten regelmäßigen Zahlung verlieren, wenn dies sogleich geschehe.
Zornig erwiderte Howell, das solle den Tag noch geschehen, und ohne ein Wort zu sagen, verließ er oas Haus. Im Laufe des Vormittags kam er mit einem Möbelwagen. Er hatte sich mit Morphium so gestärkt, daß er beim Packen und Ausladen der wenigen Hausgeräte, welche noch nicht verkauft worden waren, helfen konnte.
Mildred fand, daß sie durch diese Veränderung beinahe gewonnen hatte, denn ihr neuer Zufluchtsort lag in einem kleinen Hinterhause, das sie früher bewohnt hatten. Ein! langer Gang führte zur Wohnung von der Straße her und bot ihnen willkommene Verborgenheit, so daß sie kaum die Thatsache bemerkten, daß der Ort wenig rein war, und das Aeußere der Bewohner abschreckender war, als in dem eben verlassenen Hause. Auch hier verließ Frau Willow sie nicht und half ihnen, in dem traurigen Winkel etwas Wohnlichkeit zu schaffen. Aber kopfschüttelttd betrachtete sie die Einwohner, welche meist aus unwissenden, rohen irischen Familien bestanden. Noch vor Abend lautete das Allgemeine Urteil der Nachbarn: Dieses Volk hält sich zu fein für uns, aber mir wollen sie lehren.
XXXI.
D i e N a ch b a r n.
Am folgenden Abend kam Robert und erzählte, der Geistliche habe für ihn eine Stelle in der Schreibstube eines Advokaten gefunden. Mildred fand Gelegenheit, ihm ihre Befürchtungen um Bella mitzuteilen. Während der nächsten Tage beobachtete er das Mädchen und hatte sich bald davon überzeugt, welcher Art der junge Mensch war, der sie verfolgte. Jetzt suchte er noch einen Grund für seine brüderliche Einmischung, und am Samstagabend, als er Bella auf ihrem Nachhausewege folgte, sah er, wie ein junger Mann zu ihr trat und mit unzweifelhaftem Wohlwollen empfangen wurde. Bald sah er, daß die Sache schon weit gediehen war, denn die jungen Leute bogen in wenig belebte Straßen ein und unter dem Schutz der Dämmerung legte Bellas Begleiter seinen Arm um sie und küßte sie, Bellas Widerstreben war wenig entschieden, und als sie in dem Gang, welcher zu Bellas Wohnung führte, sich trennten, wurde der Kuß wiederholt und ohne Widerstreben angenommen.
Robert folgte dem jungen Manne nach.
Sie haben soeben Fräulein Bella Howell verlassen? sagte er.
Was geht das Sie an?
Sie werden gut thun, meine Fragen ehrlich zu beantworten. Welche Absichten haben Sie? Ich habe ein Recht, zu fragen.
Das ist nicht Ihre Sache.
Junger Mann, erwiderte Robert, ich habe Ihnen nur wenige Worte zu sagen. Wenn Ihre Absichten ehrlich sind, so werde ich mich nicht einmischen, obgleich Sie nicht von der Art sind, die mir gefällt. Sind Ihre Absichten aber nicht ehrlich und hören Sie mit ihren Verfolgungen nicht auf, so werde ich Ihnen alle Knochen im Leibe zerschlagen, das schwöre ich Ihnen!
Gehen Sie zum Teufel! murrte der Bursche.
»alt! Sehen Sie mich an! Sie haben Sie heute Abend zweimal geküßt, wollen Sie sie zu Ihrer Frau machen?
Der Bursche schwieg, aber sein mürrisches, halb erschrockenes Gesicht war eine deutliche Antwort.
Ich verstehe Sie jetzt, sagte Robert mit verhaltener Wut, indem er den Burschen an der Kehle faßte, und ich werde Sie sehr bald zur Hölle senden, wenn Sie das Mäd- nicht in Ruhe lassen.
Lassen Sie mich los! rief der Bursche, indem er sich von Roberts eisernem Griff loszureißen suchte. Wenn Sie meinen, daß das Mädchen für Sie da sei, so werde ich sie in Ruhe lassen.
Zwei Wende darauf erzählte Robert auf einem Spa-
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ziergange Bella: Ich habe mein Wort gehalten und Bissel für seine Niederträchtigkeit gegen Mildred einen Denkzettel gegeben. Ich traf ihn eines Abends, als er aus einem Wirtshaus kam, und feine niedliche Fratze ist für einige Zeit verdorben. Ich denke, er wird die Lektion bis zu seinem Ende nicht vergessen und noch lange die Spuren an sich tragen.
Bella lachte, und war sehr zerstreut, denn sie vermißte schon den zweiten Wend ihren Verehrer.
Bella, fuhr Robert in ernstem Tone fort, gestern abend war ich in Versuchung, einem andern Burschen eine eben solche Lektion zu geben, der Sie zweimal geküßt Ijat.
Sie ließ die Hand von seinem Arm sinken, aber er zog sic wieder zurück und hielt sie fest. Ich bin kein Bruder nur zum Schein, müssen Sie wissen. Obgleich mir der Mensch nicht gefiel, sagte ich ihm, daß ich mich 'nicht ein- mischen werde, wenn er ehrliche Absichten habe. Aber ich habe gesehen, daß er ein nichtswürdiger Schurke ist, und was ich ihm dann sagte, wird er wohl nicht so bald vergessen ! Ich möchte ihn umbringen wie eine Klapperschlange auf dem Lande!
Sie beurteilen ihn ganz falsch, rief Bella aufgebracht, und haben den einzigen Freund vertrieben, den ich in der Welt hatte. Das ist unerträglich! Ich bin kein Kind und weiß selbst, was ich zu thun habe.
Robert ließ den Sturm austoben, ohne etwas zu erwidern.
Ich habe keinen Vater und deshalb werde ich selbst thun, was ich für gut finde, fuhr sie fort.
Wer Ihre Blutter, Bella? fragte er ruhig.
In schnellem Stimmungswechsel rief Bella: Ach, ich wünschte, ich wäre tot!
Bella, fuhr Robert jetzt in fünftem Tone fort, Sie können diesen Menschen nicht lieben, es war nut’ Ihre bittere, unglückliche Stimmung, die Sie verleitete, ihn anzuhören. Sie sind noch nicht siebzehn Jahre alt, bedenken Sie, es werden noch bessere Zeiten kommen, Sie werden noch manchen guten, ehrlichen Mann kennen lernen.
Er sprach' ihr so vernünftig zu, und beruhigte sie mit so viel Herzlichkeit, daß sie endlich seinen Arm umfaßte.
Sie sind wirklich ein Bruder, im besten Sinne des Wortes, sagte sie mit Thränen in den Augen, und ich verstehe nicht, wie Sie mit einer solchen unbedachten Thörin, wie ich, Geduld haben können.
Fortsetzung folgt.
Entdeckungen und Erfindungen.
Technische Revue.
Von Rudolf Curtius.
Ein elektrischer Riesenkrahn. — Elektrische Pflüge. — Schlcppschissahrt durch Elektrizität. — Elektrische Brückenzerstörung. — Neue Gasglühlicht- körper. — Von der Pariser Stadtbahn. — Neues vom Aluminium.— „Fester" Wasserstoff. — Dynamitkanonen. — Wolle aus Tors. — Pflanzenepidemien. — Hcuschreckenvertilgung durch Bakterien. — Be kämpfung der Malaria.
Wer sich einen Begriff davon machen will, was alles tagtäglich auf der weiten Welt erfunden wird, braucht nicht erst die Anmeldejournale des deutschen Reichspatentamies und ähnlicher ausländischen Institute zu durchblättern, denn schon ein flüchtiger Blick in die technischen Fach-Zeitschriften, die auch ihrerseits ja schon eine gewisse Auslese unter den Erfindungen halten, genügt, um uns von dem fast beängstigenden Anschwellen der Zahl technischer Neuheiten zu überzeugen.
In erster Linie ist es natürlich wieder die Elektrizität, mit der wir uns zu beschäftigen haben. Eine ganz eigenartige Verwendung hat man vor kurzem von dieser in dem bekannten englischen Kriegsarsenal in Woolwich zum Heben schwerer Lasten, namentlich der bis zu 100t) Kilo schweren Geschosse der modernen Riesengeschütze gemacht. Ein solcher elektromagnetischer Riesenkrahn besteht aus einem U förmigen Stahlmagneten von 20 bis 40 Kilo Gewicht, welcher in einer Spule steckt, auf der ein isolierter Leitungsdraht in mehreren tausend Windungen ausgewickelt ist. Es genügt schon ein geringer Strom von drei Ampere von 30 Volt, den man durch die Drahtspule schickt, um dem Elektromagneten eine geradezu ungeheure Hebe-


