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Hatte die Schwäche ihn übermannt? oder hielt er sich für überflüssig auf der Welt, da ich lebte!
Noch einmal sah ich ihn auftauchen, bann verschlang ihn das Wellengrab.
Fischer, die unsere bedrängte Lage vom Ufer aus beobachtet hatten, eilten zur Hilfe herbei. Alle Nachsorsch,- ungen waren vergeblich. Nicht einmal seinen Leichnam gab das Meer zurück.
Ich erkrankte heftig, Lisa Pflegte mich aufopfernd, sie sag TchA und Nacht ber mir, ohne müde zu werden. Nie sprach ich mit ihr ein Wort von dem Verunglückten, aber sie wußte es, die andern hatten es ihr erzählt.
Ihr Gesicht war im Schmerz wie versteinert, ihre schlanke Gestalt war gebeugt, als trüge sie große Lasten. Ich konnte sie kaum ansehen, so schnitt ihr Anblick mir ins Herz.
Und je tapferer sie sich hielt, desto erbärmlicher kam ich mir vor. Ich wurde gesund und ging wieder meiner Arbeit nach.
Eines Morgens — hier stockte er etwas, um daun leise sortzufahren — stand iäy auf, und fand Lisa nicht beim Kaffeetisch wie gewöhnlich. Es lag ein ein Zettel auf dem Tisch, von ihrer Hand beschrieben. Er lautete:
„Lebewohl, ich gehe zu ihm, von dem Lebenden konntest Du mich fernhalten, von dem Toten nicht. Ver- gieb und vergiß. Lisa."
Von banger Ahnung erfüllt, eilte ich zum Strande. Mein Boot fehlte. Keiner der Fischer hatte es losmachen sehen. Lisa mußte am frühesten Morgen, vielleicht bei Nacht hinausgefahren fein. Mit dem Fernrohr sah man in weiter Ferne auf dem Meere einen dunklen Punkt, das konnte wohl das Boot sein! Schnell wurde ein anderes losgekettet, Krischan und noch zwei andere begleiteten mich. Wir kamen immer näher, schon konnten wir erkennen, daß es ein Boot war, aber auch, daß es trieb, von keiner menschlichen Hand geleitet.
Wo war Lisa? Der Angstschweiß brach mir aus, die Männer fühlten meine Not und gebrauchten das Ruder mit höchster Anstrengung. Wir erreichten das Boot, es war leer. Auf dem Boden lag Lisas Haube, die sie beim Todessprung wohl verloren hatte, sonst keine Spur von ihr, das Meer hatte sie ausgenommen.
Gebrochen kehrte ich nach Hause zurück. „Mörder" hallte es in mir und „Mörder" tönte es in mir aus allen Ecken.
»Ja, ich hatte sie gemordet, weil ich sie nicht frei gab, sie zwang, an meiner Seite zu bleiben.
Immer und immer mußte ich an des Engländers Worte denken, „unsere Seelen könnt Ihr nicht trennen, die gehören zueinander". Ja, ja, jetzt waren sie vereint; sie hatten ein gemeinsames Grab, und ich war allein geblieben. Mir geschah recht — ganz recht!"
Er hatte geendet und ließ den Kopf tief auf die Brust sinken. Die einfache, schlichte Weise, in welcher er das Unglück seines Lebens erzählte, berührte das junge Paar- schm erzlich.
®ie, fanden keine Trostesworte, auch fühlten sie, daß solche hier nicht am Platze waren.
„Das Boot", begann er noch einmal, „verkaufte ich dem Krischan, wie hätte ich wohl nochmals darin fahren können!"
Schweigend fuhren die drei Menschen dem Strande zu. Ehe sie landeten fragte Mölldner den Fischer:
„Würdet Ihr wohl gern wieder ein Boot habend" Er schüttelte den Kopf.
Die junge Frau reichte ihm die Hand, während in ihren Augen Thränen glänzten.
Tönweest sah es, und von diesem Mitgefühl gerührt, sagte er mit bewegter Stimme:
„Gott erhalte Ihnen Ihr Glück!" p- Sie neigte dankend den Kopf.
W. H Riehls Geschichte« und Novellen. Gesamt.Ausgabe.
Erscheint vollständig in 44 Lieferungen zu 50 Pf., alle 14 Tage eine Lieferung. Stuttgart. I. G Cotta'sche Buchhandluna Nachfolger G. m. b. H. U
Rrtrfütw: «. enrtteOt. — »ruck und »erlag der Brühl'scheu
Die Lieferungen 25—31 enthalten die Geschichten „Aus der Ecke", eine Samlung von Novellen, von der Riehl selbst im Eingang des Buches mit einer wahren Vaterfreude spricht.
Das mögen freilich herrliche Stunden gewesen sein, als Riehl, Geibel und Heyse in der Münchener „Ecke", die sie bewohnten, jeden anderen Sonntag zusammenkamen und einander ihre neuesten Arbeiten vorlasen. Alle drei jung und „glühend in vollster Schaffenslnst".
Fast ein halbes Jahrhundert ist jetzt darüber hingegangen, und von den dreien weilt unter den Lebenden heute nur noch einer; Paul Heyse.
Im Andenken an diese Tage hat Riehl den vorliegenden Band seiner Erzählungen — er bildet den fünften Teil der neuen Gesamtaus- gäbe und ist in den oben erwähnten Lieferungen enthalten — „Sieben Novellen ans der Ecke" getauft.
Sie gehören zum Frischesten und Anmutigsten, was er geschrieben. Aus dem „verschämten Novellisten", als der er begonnen, war er, da er sie schrieb, herausgewachsen und ein bewußter Künstler geworden. Riehl erzählt in jenem Eingang launig von drei Steckenpferden, davon er nicht kain: Musik machen, Novellen schreiben und große Fußmärsche ausführen. Von diesen ritt er, wie jedermann anerkennen wird, das mittlere mit besonderer Kunstfertigkeit.
Er hatte das Ziel, das ihm vorschwebte, erreicht: nur „innerlich erlebte" Novellen zu schreiben, und aus den Stoffen, von denen er, wie er sagt, zehnmal mehr im Kopf hatte, als zu bewältigen waren, konnte er auswählen, was ihm gerade am meisten zusagte. Das merkt man dem fünften Bande seiner Geschichten und Novellen recht wohl an.
Des Kindes bester Spielkamerad ist das im Verlage von John Henry Schwerin, Berlin, monatlich einmal mit vielen Illustrationen und mehreren illustrierten Beilagen erscheinende Gebrauchsblatt „Kiirdergarderobt". Erfreuende Moden-Genrcbilder, wie die hier von bester Künstlerhand gebotenen, findet man sonst selten, und ebensowenig einen so überaus reichen Modenteil, bei dessen Durchsicht das Herz jeder Mutter höher schlägt. Der jeder Nummer beiliegende Schnittmusterbogen und die zu jedem Modenbilde gelieferten Eptra- schnitte nach Körpermaß, gegen Erstattung der minimalen Selbstkosten, ermöglichen der auf Sparsamkeit bedachten Hausfrau und Mutter Selbstanfertigung sämtlicher Kindergarderobe! Und ebenso lehrt „Kindergarderobe" — Abonnement nur 60 Pfg. pro Quartal — die Selbst«»- fertigung des Kinderspielzeuges aus Resten und Abfällen des Haushalts. Diesen allein sind ständig zwei ganze Seiten in jeder Nummer gewidmet. Illustrierte Märchen, Aerztliche und Häusliche.Winke für Mütter etc. bieten zugleich Belehrung und Unterhaltung. „Kindergarderobe" ist zu beziehen von allen Buchhandlungen und Postanstalten. Gratisprobenummern durch erstere und den Verlag.
Schachaufgabe.
R. Braune.
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abcdef g__h
. Weiß.
Weiß setzt mit dem dritten Zuge matt. Auflösung folgt in nächster Nummer.
(Nachdruck verboten.)
a b e d e f g h
Auflösung des Kreuzrätsels in voriger Nummer: ASS n c p t h e
Antw e rpen Schellack Sperlinge Pan e c g n k e
Uai»rrsttiit<-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


