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Sic verging wie ein Schatten neben mir, fein Mensch würde in ihr die Lisa von früher wieder erkannt haben. Eines Morgens, als ich zum Fischen fahren wollte und schon die Kette losmachte jvom Boot, wer steht da vor mir"? Der Engländer. Ich erschrak, gls ich ihn sah:
Er bemerkte es und lächelte seltsam. Dies Lächeln schien zu sagen:
Er schüttelte den Kopf.
„Wir waren Nachbarskinder, schon als Knabe trug ich bte Lisa viel auf den Armen, machte ihr Spielsachen - als sie herangewachfen, erwies ich ihr kleine Liebesdienste, da mochte sie mich gern, so wie man einen Bruder lieb hat. Aber diese Liebe hält nicht vor fürs ganze Leben. Doch daran dachte ich nicht, ich war närrisch vor Freude, als sie mich nahm; und bot,alles auf, um sie glücklich zu machen Aber sie war es nicht. Andere bemerkten es und flüsterten schon darüber, ich hörte nicht, wie ihr Lachen immer seltener erklang, und sah es nicht, wie ihre Wangen immer mehr erblaßten und hohl wurden. Ich. verliebter Thor fühlte mich an ihrer Seite so glücklich und zufrieden, daß ich den Blick für fremdes Leid verlor!" Er schwieg wieder und ließ den Kopf hängen.
„Und der Grund? "fragte zögernd die junge Frau.
„Ja, der Grund, das ist's ja eben, den wußte ich nicht und erriet ihn auch nicht; denn daß der Grund der junge, blonde Engländer, der bei uns wohnte, und mit dem ich täglich in die See hinausfuhr, war, konnte ich doch nicht wissen.
Erst, als es zum -Abschied kam und sie sich gegenüber standen, die beiden großen, schlanken Gestalten, beide wachsbleich, und ihre Augen sich unbewußt liebkosten, schoß mir zum ersten Male der Gedanke durch den Kopf, „er stiehlt Dir Deines Weibes Herz, nnd mir war es, als müßte ich mit einem Schlage die kng verschlungenen Hände trennen. Er wandte sich §tint. Gehen und sagte, fast schon an der Thür: „Das Boot, Tönweest, in welchem wir immer fuhren, ist, jetzt ganz Euer 'Eigentum, ich habe die Hälfte dem Krischan abgekauft und schenke es Euch."
Und fort war er, lehe ich noch danken konnte. Es war mir lieb, vielleicht hätte ich kein Wort des Dankes gefunden, die Kehle war mir zugeschnürt, und das Herz schlug wie ein Hämmer in der Brust, Mit Lisa sprach ich kein Wort darüber. Sie ging ihren häuslichen Geschäften ruhig nach, wie sonst, sorgte für -mich in ihrer stillen Weise, wurde aber immer elender.
Er stürzte ins Wasser. Ich stand erschreckt einen Augenblick still, dann warf ich das Ruder hin und rief ihm zu, sich daran festzuhalten, ich wollte ihn so ins Boot zurückziehen.
Er griff nicht danach.
Schon sank er unter, nur eine Hand war noch zu sehen, da erfaßte mich Todesangst, ich vergaß, daß ich nicht schwimmen konnte und stürzte ihm nach.
Ich erfaßte ihn, ein sekundenlanger, fürchterlicher Kampf entspann sich. Ich klammerte mich krampfhaft an ihn und schrie: „Ich kann nicht schwimmen."
Da faßte er mich mit starker Hand ins Genick.
„Haltet mich! nicht", rief er mir zu und schwamm nun mit seiner schweren Last feem Boote nach, das vor uns hertrieb. Wie schwer es ihm wurde, mich zu halten, bewiesen seine keuchenden Atemzüge, er konnte mich dem Tode überliefern, ohne daß ihm jemand einen Vorwurf hätte machen können. Er brauchte nur die Hand zu öffnen und mich fallen zu lassen.
Er that es nicht. Mit größter Anstrengung erreichte er das Boot, er rief mir zu, mich daran zu klammern und zu versuchen, hineinzuklettern, ich konnte es nicht mehr thun. Da hob er mich! mit letzter Kraft und warf mich in das Book. ,
Er selbst sank unter.
ihnen nie zu viel wurde, die nie ihren Reiz verlor. Wie Ichon war es doch, so allein, von aller Welt geschieden n"r threr Liebe und ihrem jungen Glück erfüllt, auf offenem Meere zu treiben. 1
Der stille Geselle ihnen gegenüber störte sie nicht. So suhren sie täglich hinaus, und noch immer wußten sie nicht weshalb des Fischers Wesen diese Schwermut atmete.
eS ‘bie Lebhaftigkeit der jungen grau I ' „Weißt"Du es schon?"
Sarum Sb £“uf seinen Arm. I Aber nichts von Triumph lag darin, eher eine tiefe ., fett) ^hr immer fo traurig, Tönweest, es I Trauer.
.Aerz, Euch -immer so zu sehen, nicht I „Tönweest", begann er, „ich fahre mit Euch, ich habe aBir? ^gefühl ! Wer selbst I Euch etwas zu sagen." Ich brummte etwas in den Bart,
KtPih auc^ 'Ee Menschen glücklich sehen. I was er wohl für feie Einwilligung nahm; denn er stieg
iKBS rung- was quält Euch so?" I in das Boot, während es vom Lande abstieß. Wir
, r an' ""hi erstaunt; ähnliche Fragen mußten I schwiegen beide, bis wir weit im Meer trieben.
, Tn 0Ve,ri-hu gerichtet worden sein. Er zwang I Da legte er mir feie Hand auf den Arm und sagte:
Lächeln, das in diesem Gesicht trostlos wirkte. I „Tönweest, ich liebe Euer Weib."
"an/ J^te. er' "chir ist nicht zu helfen." I Ich fuhr in die Höhe und hob das Ruder wie zum
~ tue junge H-rau ließ sich nicht so leicht abschrecken. I Schlage.
, bat sie mit weicher, schmeichelnder Stimme, I Er zog mich auf den Sitz nieder.
„schon manches Weh, von der Seele geredet, hat von seiner I „Ich bin gekommen, es Euch zu sagen und Euch zu
Bitterkeit verloren. Habt Ihr kein Weib, Tönweest?" I bitten, sie frei zu geben, sonst tötet Ihr mich und sie!"
Lr zuckte zusammen und starrte düster vor sich hin. I , Ich saß da wie betäubt, ich wollte auffahren, aber ein „Nein', sagte er dumpf, ,'und nach einer Weile setzte er I Blick auf den so ruhig vor mir sitzenden Mann, der mich hrnzu: „Ich hatte eins!" I traurig, bittend ansay, hinderte es.
Da war der wunde Punkt, ein Weib hatte ihm das I „Weiß sie es ?" stammelte ich und sah ihn angstvoll an.
Lew zugefügt, von welchem sich seine Seele nicht befreien I „Ich habe nie zu ihr davon, gesprochen, aber sie weiß
konnte, an welchem er krankte und wahrscheinlich auch I e§ doch, genau wie ich es weiß, daß sie mich liebt. Das
zu Grunde gehen würde, schon deshalb zu Grunde gehen I fühlt man. Sagt, Tönweest, habt Ihr Euer Weib nie
wurde, weil er nichts dagegen that. Diese teilnahmlose I abgesehen, sieht so eine glückliche Frau aus? Ihr könnt Schwermut hemmte jede Thatkrast, Zerstörte jedes energische I i" hindern, mit mir glücklich zu sein, doch nie sie zwingen,
Emporraffen. Die junge Fran ließ nicht nach, er mußte I e§ mit Euch zu sein."
reden; und nach einem tiefen, befreienden Atemzuge be- I So sprach er und noch viel mehr, um mich zu über* gönn er: „Ich hatte ein Weib, Lisa hieß es, ein junges I Zeugen, mich weich zu machen, umsonst, ich wollte nichts . schönes, rosiges Weib, das sie alle mir mürrischem Kerl I hören, nie würde ich einwilligen, nie sie freigeben, lieber nicht gönnten; sie hätte sich besser und reicher verheiraten I würde ich sie und mich töten, sagte ich ihm.
können, aber sie nahm mich, ans — Gewohnheit" I Ith- Thor, ich- wollte Mir das Glück nicht nehmen
„Aus Gewohnheit?" was sagt Ihr da, sie wird Euch I (affen' aIS ob man das Glück, wenn es nicht von selbst doch lieb gehabt haben", warf die junge Frau dazwischen I bleibt, halten könnte. Immer -heftiger wurde Rede und da er verstummte. ' | Gegenrede. Er immer maßvoll, ich grob und roh, wie
....... das so in unserer Art liegt, bis er, dadurch wohl aufs höchste erregt, mir zurief:
„Ihr seid ein Erbärmlicher, feer Ihr ein Weib gegen feinen Willen festhalten wollt, trennt unsere Körper, unsere Seelen, unsere Herzen könnt Ihr nicht trennen, Lisa liebt mich, mich ganz allein, mir gehören zueinander."
Diese Worte brachten mich so in Wut, daß ich mich auf ihn warf und ihn an der Brust faßte. Er verteidigte sich kaum, ich rüttelte ihn derb und warf ihn dann auf seinen Sitz zurück.
So glaubte, so wollte ich. Wie es nun kam, warf ich ihn zu sehr nach der Seite, wodurch er das Gleichgewicht verlor, oder that er es absichtlich, das weiß Gott'allein.


