Nr. Hi.
ZZ8
«Tjm
®3gS Effi PM
i> li WW KSMWwh
fe.
j®iag)ebroebeS Schicksal muß Erfüllung ftnben, Es fei in Schmerzen ober sei in Freuben; Der Mensch muß burch sein Los hinburch sich toinben, Wenn er nicht mitt, ganz von bent Leben scheiben.
Wilh. v. Humbolbt.
(Nachdruck verboten.)
Geachtet.
Roman von Lothar Brenkendorf.
(Fortsetzung.)
Das junge Mädchen schien dieser immer wiederholten Bitten ein wenig müde zu werden. „Nun, liebe Tante, wir haben ja immerhin noch einige Tage Zeit, uns die Sache zu überlegen. Wie schrecklich sie auch sein mag, jedenfalls ift die Aussicht auf den Hungertod in Lasdehnen kein hinreichender Grund, ba§ wir uns schon jetzt allgemach an das Verhungern gewöhnen sollten. Und ich muß gestehen, daß der lange Spaziergang mir tüchtigen Appetit gemacht hat."
Eine Mahnung an ihre Hausfrauenpflichten blieb bei Frau von Menzelius niemals ohne Erfolg. Die Herrschaft in der Küche war .das einzige Regiment, das sie mit voller Selbständigkeit ausübte und in das sie keinen Eingriff duldete. Ganz erschrocken fuhr sie deshalb auf Elisabeths freundliche Erinnerung vom Sofa empor: „Du lieber Himmel — beinahe hätte ich über dieser Hiobspost wirklich die Mittagsmahlzeit vergessen."
Und viel schneller, als man es bei ihrer beträchtlichen Korpulenz für möglich- gehalten hätte, trippelte sie hinaus. Charlotte aber glitt, sobald sich die Thür geschlossen hatte, neben der schönen Freundin auf die Kniee nieder, schmiegte den Kopf an ihren Arm und sagte beklommen: „Wenn ich Dich recht verstehe, Elisabeth, so ist -es Dein fester Entschluß-, nach Litauen zu gehen."
„Ja, Kind! Die Mühsale, die mich dort erwarten könnten, schrecken mich nicht, und die Aussicht, diese unfruchtbare Muße mit angestrengter, nutzbringender Arbeit vertauschen zu dürfen, hat für mich sogar einen mächtig lockenden Reiz,"
„Es giebt also nichts, daß Dich hier in Küstrin festhält — nichts, das Dir das Scheiden schwer machen könnte?"
„O doch! Wenn ich Dich und Deine Mutter hier zurücklassen müßte —"
Aber Charlotte schüttelte lebhaft den Kopf. „Das
meinte ich nicht. Wir gehen natürlich mit Dir; die Mutter kann ja gar nicht mehr ohne Dich leben, und unter Deinem Schutze würde sie.schließlich selbst in einen Bärenzwinger hinabsteigen. Nein, ich dachte an etwas ganz anderes. Es giebt hier so viele Menschen, die Dich verehren und anbeten — Und unter ihnen ist gewiß auch mancher Kavalier, der glücklich sein würde, wenn Tu — wenn Du — nun, wenn Du Dich entschlössest, ihm Deine Hand zu reichen."
Voll Erstaunen ruhten Elisabeths Augen auf ihrem brennenden Gesicht. „Wie in aller Welt kommst Du auf solche Gedanken, thörichte, kleine Lotte? Ich wüßte wahrhaftig keinen unserer Bekannten, bei dem Deine Vermutung zutreffen konnte."
„O, wenn Du nur ein wenig nachdenken wolltest! Der Leutnant von Kapnist zum Beispiel —"
Sie hatte all ihren Mut zusammengenommen, aber sie konnte es darum doch nicht hindern, daß ihre Stimme zitterte, und daß ihr gar verräterische Thränen in die Augen stiegen.
Elisabeth beugte sich lächelnd hinab und küßte sie aus den Mund. „Schweig still, Du Närrchen! Und daß Du nicht wieder in Versuchung kommst- Dir über solche Dinge den Kopf zu zerbrechen, so laß Dir's gesagt sein: Auch- wenn ich! zum Heiraten nicht schon viel zu alt wäre, würde ich doch- diesem guten Jungen Kapnist so wenig als irgend einem andern meine Hand reichen. Die Zeit, da ich! vom Glück der Liebe träumte, ist unwiderbringlich- dahin; nichts ist mir von ihr geblieben als ein schmerzlich-süßes Erinnern. Aber diese Erinnerung! ist zugleich mein kostbarster Besitz, ein Heiligtum, das nimmermehr entweiht werden soll! — Sieh mich nicht so mitleidig fragend an, Kleine! Vielleicht werde ich! Dir später einmal erzählen, was mir einst geschah. Heute würdest Du mich! doch; nicht verstehen — und der Himmel möge mich davor bewahren. Deinen sonnigen Glauben an die Güte und Weisheit der unerforsch^- lich-en Weltregierung vor der Zeit zu erschüttern."
Wohl war eine Bergeslast von Charlottes Herzen gefallen, aber die Gewißheit, daß ihre vergötterte Freundin einen schweren, vielleicht unheilbaren Kummer in der Tiefe ihrer großen Seele verschließe, lähmte die Freude, die sie sicherlich- unter anderen Umständen über diese Erleichterung gefühlt haben würde. Selbst auf die Gefahr hin, sich abgewiesen zu sehen wie ein allzu neugieriges Kind, hätte sie doch vielleicht noch eine schüchterne Frage gewagt, wenn ihr Gespräch nicht durch eine unerwartete Störung unterbrochen worden wäre.
Die alte Sophie, die noch- immer die Verrichtungen einer Kammerjungfer bei dem Fräulein von Marschall erfüllte, obgleich sie infolge einer schweren Krankheit inzwischen halb erblindet war, kam ins Zimmer, um Elisa-


