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geblichen Bemühungen und waren meist in zaghaftem Ton geschrieben. Nur zuweilen kam ein Brief von sanguinischen Hoffnungen, welche anfangs fröhliche Erwartungen erweckten, daun aber Erstaunen, daß nichts weiter daraus folgte. Auf Frau Howell wirkte seine Niedergeschlagenheit ansteckend, und sie fühlte sich schmerzlich berührt von Bellas Lebhaftigkeit ttxb dem Entzücken der Kinder über die Wunder des Landlebens.
Bella machte bald darauf Roberts Bekanntschaft, dem sie zahllose Fragen stellte und von welchem sie nicht wenig Gefälligkeiten beanspruchte. Sie fand ihn gutmütiger als fie erwartet hatte. Endlich führte er sie zu ihrem großen Entzücken in seinem Jagdwagen zur Post. Das lebhafte Mädchen amüsierte ihn, aber er fühlte sich unendlich älter, als sie. Viel mehr interessierte ihn die ältere Schwester, welche an Charakter und Lebenserfahrung ihm weit überlegen war- Bella verstand er, Mildred war ihm ein Rätsel, xnd dieses Rätsel hatte auch den Vorzug, ein sehr schönes zu sein.
Je mehr die Zeit verging, ohne bestimmte Nachrichten von dem Vater zu bringen, desto mehr wuchs ihre Ungeduld über das müßige Warten. Sie sah ein, daß es für alle bester gewesen wäre, in der Stadt zu bleiben als so getrennt zu sein. Ihre schwachen Mittel verminderten sich rasch, und sie glaubte, in der Stadt hätte sie vielleicht etwas thun können, um Geld zu verdienen? Was aber konnte fie auf dem Lande beginnen? Jeden Tag sah sie mehr die Notwendigkeit ein, eine Beschäftigung zu ergreifen, nicht mrr der Einnahme wegen, sondern auch als Gegengift gegen die Schwermut.
Inmitten ihrer trüben Gedanken hatte Mildred gewiste Veränderungen im Farmhause gesehen, aber kaum bemerkt, welche ihr Interesse und ihr Wohlgefallen erregt hätten, wenn sie ruhigen Sinnes gewesen wäre. Susanne hatte ihr Kostüm durch manche kleine Veränderung zu heben gesucht, selbst die arme Frau Atword, welche seit Jahren nur mühsame Arbeit gekannt hatte, strebte darnach, in ihrem Aeußeren mehr Sorgfalt zu zeigen. Mildred gestand sich, daß sie seit einem Monat diese Leute ganz übersehen hatte und daß sie m ihrer Sorge selbstsüchtig geworden war. Jetzt erwachte ihr Interesse. Die Farmersleute hatten bald erraten, daß sich die Familie in schwerer Sorge befand und verstanden sehr wohl, zwischen Stolz und kummervoller Sorge zu unterscheiden. Bald gewannen Mildred und ihre Mutter die Sympathie der Landleute. Anfangs hatte sich Robert noch wilder gekleidet, als zuvor, um sein Selbstbestimmungsrecht dadurch zu wahren, aber als Mildred nicht mit einem Blick dagegen protestierte, fand er es nötig, zu zeigen, daß er such gute Kleider habe, wenn er sie tragen wolle. Auch diese Thatsache nahm sie ohne das geringste Erstaunen hin, und so befand er sich schließlich in einer etwas verdutzten Verfassung. Er war nicht daran gewöhnt, mit Höflichkeit ignoriert zu werden, und jetzt erwachte in ihm mit steigender Kraft der Wunsch, sein Dasein zur Geltung zu bringen.
Sie ist sehr gut und höflich und würde keiner Fliege etwas zuleide thun, aber ihre Gleichgültigkeit ist wenig schmeichelhaft, dachte er bei sich selbst.
(Fortsetzung folgt.)
Zeh» Vorschriften der Zahnpflege?)
------- (Nachdruck verboten.)
1. Du sollst dein Kind frühzeitig an den Gebrauch seiner Zähne gewöhnen, indem du ihm neben den flüssigen und weichen auch feste und sogar harte Speisen darreichst.
2. Du sollst dein Kind, sobald es Zähne hat, daran gewöhnen, daß es dieselben morgens und abends mit frischem Wasser reinigt.
*) Aus dem sehr empfehlenswerten Buche: „Michaelis, Grundzüge meiner allgemeinen Hygiene," Preis Mk. 2,—, Verlag von Hugo Ber- Mühlcr, Berlin.
3. Du sollst deine Zähne mit nicht zu harter Bürste und frischem Wasser morgens und abends reinigen.
4. Du sollst deiner Kinder Zähne, sowie deine eigenen, jährlich mindestens einmal vom Zahnarzt untersuchen, erkrankte Stellen sofort ausfüllen (plombieren) lassen, sowie die gegebenen Vorschriften des Zahnarztes gewissenhaft befolgen.
5. Du sollst, wenn die Zähne deines Kindes eine schiefe und schlechte Stellung einnehmen, möglichst frühzeitig den Rat eines Zahnarztes in Anspruch nehmen.
6. Du sollst die Hilfe eines Zahnarztes sofort aufsucheu, wenn dir kalte Speisen oder Getränke ziehenden Schmerz in einem Zahne verursachen.
7. Du sollst dir niemals einen in regelrechter, nicht allzu gedrängter Reihe stehenden Zahn, selbst wenn er heftige Schmerzen verursacht oder schon etwas gelockert oder verlängert scheinen sollte, ausziehen lassen- du sollst vielmehr solche Zähne vom Zahnarzt behandeln und plombieren lassen.
8. Du sollst Zähne, welche infolge von Vernachlässigung oder infolge höheren Alters bereits stark gelockert und nicht mehr zu erhalten sind, baldigst ausziehen*) lassen, da sie nur Ansteckungsherde für die noch vorhandenen gesunden bilden, sowie deren Gebrauch behindern.
9. Du sollst dich zum Tragen künstlicher Zähne erst dann entschließen, wenn deine eigenen zum gehörigen Kauen der Speisen nicht mehr ausreichen oder wenn entstellende Zahnlücken vorhanden sind. Niemals soll die Eitelkeit dazu veranlassen, die Zähne abbrechen oder ausziehen und durch künstliche ersetzen zu lassen. Ein selbst mehrfach plombierter**), eigener Zahn ist meist noch viel besser wie ein künstlicher.
10. Sei standhaft bet Zahnoperationen und hüte dich vor den vielfach angepriesenen Betäubungsmitteln.***) Die Anwendung solcher ist nur da zu rechtfertigen, wo eine voraussichtlich wirklich schmerzhafte und längere Zeit in Anspruch nehmende Operation notwendig ist.
Ueber den Einfluß der Nahrung auf die Zähne äußert sich B. I. Lingrand im „Journal für Zahnheilkunde" (1898, Nr. 17) u. a. folgenderweise: „Wohl am allerschwersten sündigen wir gegen unsere Zähne durch den Genuß des modern gewordenen Weißbrotes, welches aller gröberen, besonders Zahns tmelz bildenden Bestandteile, wie der Fluorsalze, beraubt ist. Durch die sorgfältige Entfernung der Hülsen, der Kleie rc. entziehen wir uns und späteren Geschlechtern den in diesen enthaltenen, sonst in unserer Nahrung nur spärlich vertretenen Fluor, der zur Erzeugung eines widerstandsfähigen Schmelzes unerläßlich ist. — Durch den Genuß weicher pappiger Nahrung geht ferner den Zähnen die zu ihrer Entwickelung, Festigkeit und Dauerhaftigkeit nötige Arbeit während des Kauens verloren und infolge der verminderten Widerstandsfähigkeit der Zahngewebe selber gegen äußere schädliche Einflüsse neigen dwse mehr und mehr überflüssig werdenden Organe zum Zahnzerfall (Caries), welcher durch die natürliche, leicht in Läure- gährung übergehende Nahrung und durch mangelhafte Zahnpflege sehr rasch befördert wird."
Ein probates Zahnreinigungsmittel ist reiner Alkohol mit einigen Tropfen Löffelkcautipiritus in Wasser verdünnt. Mit dieser Lösung wird die Zahnbürste angefeuchtet. (Hegewald.)
*) Auch das ist nicht immer nötig. Wenn solche Zähne durch innere spezifische Mittel behandelt und beruhigt werden, sodaß sie nicht mehr schmerzen, können fie noch lange ohne Gefahr für die Nachbarschaft erhalten und ihr allmählicher schmerzloser Zerfall abgewartct werden.
**) Ein gut plombierter Zahn kann selbst 20 Jahre und noch länger, ja dauernd erhalten werden und seinen Dienst wie ein normaler Zahn verrichten.
***) Zu warnen ist auch vor der Anwendung von Kreosot (auf Watte) in hohlen Zähnen; der Schmerz wird zwar oft beseitigt, aber der betreffende Zahn ist auch verloren und meist auch noch die benachbarten Zähne.


