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as verkürzt mir die Zeit? Thätigkeit!
Was macht sie unerträglich lang? Müßiggang!
Göthe.
Nachdruck verboten.
Heimatlos.
Roman von R. P. Roe.
(Fortsetzung.)
IV.
In der Verbannung.
„Mutter, sagte der Farmer Atword am Frühstückstisch, jetzt wird die schöne Zeit bald vorüber sein, wo wir noch in Hemdsärmeln umhergingen, jetzt kommt das Stadtvolk mit Schleier und Federn und dergleichen."
„Ja, ja, bestätigte sein Sohn Robert, wir werden alle in unseren Sonntagsjacken umherlaufen."
Er wischte sich die Hände an einem Handtuch in einer Ecke der großen Küche, welche an gewöhnlichen Tagen auch als Speise- und Wohnzimmer diente. Seine grobe Arbeitskleidung konnte nicht verbergen, daß er eine hübsche Gestalt besaß. Seine Oberlippe wies einen Schatten der Zukunft auf, den er mit nicht geringem Stolz betrachtete. Seine freie Stirn und seine regelmäßigen Züge zeigten einen Ausdruck von Aufrichtigkeit, Gutmütigkeit und Selbstvertrauen. Jetzt aber lehnte er sich im voraus auf gegen den Zwang, den die Anwesenheit der Stadtmenschen seinem gewohnten, sorglosen Leben auflegen werde und nahm fich vor, zu beweisen, daß Landleute ebensogut ein Recht haben, nach ihrer gewohnten Weise zu leben, als Stadtmenschen. Ein gutmütig aussehender Feldarbeiter nahm Robert gegenüber Platz und schaufelte eifrig sein Frühstück mit seinem Me^ch^. >.
Suianne wird wohl bald auch Federn und Bänderchen haben müssen, wie die feinen Vögelchen, die diesen Abend bei uns angeflogen kommen werden, setzte der junge Mann das Gespräch fort.
„Ja, ja, murrte der alte Farmer, was verdient wird, werdet Ihr bald alles in Bändern auf dem Rücken umhertragen."
„Nun, bemerkte die Farmersfrau etwas scharf, es ist doch schicklicher, daß man etwas auf dem Rücken hat, und
ich denke, Susanne hat ebensogut ein Recht auf Bänder, als Robert auf den nagelneuen Jagdwagen, der zu nichts gut ist, als Mädchen spazieren zu fahren."
„Warum hast Du den Sitz so schmal machen lassen, Robert?" fragte Susanne. Nicht drei Personen können einsteigen.
„Ich bin zufrieden mit einem Mädchen zur Zeit, erwiderte Robert lachend."
„Ja, und jedes Mädchen nur einmal, bemerkte Susanne. Du hast wohl schon alle in Forestville spazieren gefahren?" „Ich bin noch nicht ganz durch damit, manche kluge Mutter denkt, der Sitz sei etwas schmal, und diejenigen, die ich am liebsten spazieren fahren möchte, wollen nicht mitkommen, aber es giebt noch genug andere."
Und eine ist so gut wie die andere, bemerkte Susanne boshaft, wenn sie nur Unsinn schwatzt und fich von Dir halten läßt, damit sie nicht herausfällt.
Ich brauche nicht weit zu gehen, um zu erfahren, daß die meisten Mädchen Unsinn sprechen, erwiderte Robert lachend.
Und die Schwestern können herausfallen, darum kümmern sich die Brüder nicht, fuhr Susanne fort.
Es kommt darauf an, wessen Schwestern es find, erwiderte Robert aufstehend, die meinige ist bis jetzt noch immer sorgfältig behütet worden.
„Ihr seid beide in Gefahr, auszufallen, bemerkte die Mutter in beschwichtigendem Tone. Robert ging an die Arbeit, und der Arbeitsmann folgte ihm bald nach.
„Vater, sagte die Frau, wer wird an den Landungsplatz fahren, um die Koffer zu holen?"
„Nun, ich denke, das werde ich besorgen müssen, murrte Atword. Robert will nicht, und Jotham hat keine Zeit."
„Es ist auch besser für Dich, an den Fluß zu fahren, als den ganzen Tag Korn zu schneiden. Der Omnibus wird um fünf Uhr vorüberkommen, und ich werde das Abendessen im Wohnzimmer für die Fremden bereit halten. Du kannst also in Hemdsärmeln speisen, wenn Dich das glücklich macht."
Der Alte spannte einen großen Farmerwagen ein und fuhr nach dem Landungsplatz am Hudson, der zwei Stunden entfernt war. Frau Atword und Susanne waren beschäftigt, Vorbereitungen zu treffen, Brot und Kuchen wurden gebacken und die Zimmer neu eingerichtet. Das größte war für Frau Howell bestimmt, das kleinere für Mildred und Bella, welches als einzigen Schmuck einen Blumentopf mit dunklen Rosen erhielt, und selbst Susanne erschien das Zimmer leer und kahl.
Es ist alles, was wir aufzuweisen haben, seufzte fie,


