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baute! Ich habe ja noch nicht einen Augenblick aufgehört. Dich mit der ganzen Kraft meines Herzens zu lieben."
Wie heilig sie sich auch gelobt haben mochte, tapfer zu bleiben, nun brach ihre Widerstandskraft dennoch, zusammen. Sie drückte ihr Gesicht in die Decken seines Lagers und weinte so herzbrechend und bitterlich, als ob rhr Leben mit diesen Thränen dahinfließen müsse. Sanft legte sich die müde Hand des Kranken auf ihren blonden Scheitel, und eine lange Zeit verstrich, bevor er kaum vernehmlich fragte:
„Margarete — liebe Margarete, Du warst mir also dennoch ein wenig gut?"
Sie antwortete ihm nicht, aber sie richtete sich auf, und wahrend ihre heißen Thränen auf sein blasses Gesicht niederfielen, küßte sie ihn auf den Mund.
Als der Doktor Hermann Ruthardt bald nachher in das Krankenzimmer trat, sah er seine Tochter auf dem Rand des Bettes sitzen, beide Hände des jungen Arztes in den ihrigen haltend. Er war nicht überrascht; denn er hatte ja schon draußen von der Stadträtin erfahren, welchen Besuch sie trotz seines ausdrücklichen Verbotes zu ihrem Sohne eingelassen habe. Frau Sartorius mochte wohl gefürchtet haben, daß er ihr als Arzt wie als Vater heftige Vorwürfe machen werde; aber Doktor Ruthardt hatte nichts derartiges gethan. Schweigend war er hineingegangen, und als sich Margarete nun schluchzend an seine Brust warf, wehrte er sie nicht zornig von sich ab.
„Sei mir nicht böse, lieber Vater!" flehte sie leise. „Ich konnte nicht anders."
„Wenn Du nicht anders konntest, wird es wohl auch kein Unrecht gewesen sein", erwiderte er ruhig. „Nun aber geh' einstweilen hinaus, mein Kind! Wir wollen sehen, wie es um unfern jungen Freund da steht."
(Fortsetzung folgt.)
Auge und Licht.
Von Dr. med. John Burlar.
Nachdruck verboten.
Wenn sich auch schon seit den Urzeiten die Lebensbedingungen des Menschen in fortschreitender Entwicklung befinden, so gingen diese Veränderungen doch bisher dermaßen gemächlich vor sich, daß der Mensch vermöge seiner Anpassungsfähigkeit sich den Anforderungen neuer Ver- hältnifse gegenüber gewachsen zeigte.
Anders in unserer Zeit! Man kann es getrost behaupten, daß sie in einem Jahre unaufhaltsamere Ent- wicklung nimmt, als es früher in Jahrhunderten der Fall war. Wenn aber der Mensch und seine Organe den Siebenmeilenstiefeln der Neugestaltung der Lebensverhältnisse nicht folgen können, so bringt doch derselbe Fortschritt, der unsere Lebensbedingungen erschwert, auch die künstlichen Mittel hervor, die mannigfachen Schädigungen zu heilen.
Von den Organen, die besonders durch die neuen Anforderungen beeinträchtigt werden, ist nächst dem Gehirn und dem Nervensystem das Auge zu nennen. Vor hundert Jahren gab es in Deutschland kaum 5 Prozent des Schreibens und Lesens Kundige, heute giebt es kaum einhalb Prozent Analphabeten. Wäre überhaupt heute jemand den Anforderungen des Lebens gewachsen ohne die Kenntnis des Lesens? Andererseits aber bleiben die Schädigungen nicht aus.
Prof. Hermann Cohn in Breslau hat in zahlreichen Untersuchungen den Einfluß des Studierens auf das Auge zu bestimmen gefucht. Er hat dabei feststellen können, daß in Dorfschulen 1,4 Prozent Kurzsichtige waren, in Elementarschulen 6,7 Prozent, in Mittelschulen 10,3 Prozent; in Gymnasien aber 26,2 Prozent. Ebenso interessant ist die Feststellung, daß die Kurzsichtigkeit von Klasse zu Klasse steigt; so zwar, daß zum Beispiel in der höchsten Gymnasialklasse 50 Prozent aller Schüler kurzsichtig waren.
Bei der Gefährlichkeit dieser körperlichen Entartung wurde denn die Forderung ernsthafter Schutzmaßregeln immer dringlicher.
In erster Reihe — so hieß es — müssen die Schulen den Ansprüchen der Hygiene entsprechend gebaut werden; hatte doch die Beobachtung gelehrt, daß in den modernen
Schulpalästen die Zahl der Kurzsichtigen abnahm. Und es ist das kein Zufall. Neben neuen Tischen und Schulbänken (Subsellien) kam vorzugsweise die -Regelung der Lichtquellen in Veracht. Es ist gerade nach dieser Richtung in den Großstädten manches geschehen, wenn auch noch viele Wünsche der Aerzte unberücksichtigt geblieben sind.
Aber selbst wenn alle Forderungen der Schulhygiene erfüllt wären, so würde damit erst ein Teil erreicht sein. Denn ebenso wertvoll wie für die Schule sind die Gesetze der Gesundheitslehre für das Haus. Hier vielleicht noch wichtiger, da doch der bei weitem größere Teil des Tages im Hause zugebracht wird. Wenn man bedenkt, daß wir, zumal an den langen Winterabenden, auf künstliche Beleuchtung angewiesen sind, so wird man die immer wiederkehrenden Ermahnungen der Augendiätetiker, gutes Licht sich zu beschaffen, wohl verstehen. Es ist keine Frage, daß das Sonnenlicht allein allen Ansprüchen Genüge leistet. Einmal, weil es rein weiß ist, während jeder künstlichen Beleuchtung mehr oder weniger gelbe und rote Strahlen beigefügt sind. Sodann aber wird das Sonnenlicht durch die atmosphärische Reflexion so gleichmäßig verbreitet, daß die Zerstreuung zur Tageshelle führt, die auch im Schatten zu arbeiten gestattet.
Dem Sonnenlicht kommt in seinen physikalischen Eigenschaften am nächsten das elektrische Licht. Indessen werden wohl noch Jahrzehnte vergehen, bis es allgemein für die künstliche Beleuchtung verwendet ioerden wird. In einem Punkte freilich besitzt es aud) nicht die Eigenschaft 'idealer Beleuchtung: es blendet. Ebenso werden die übrigen Ansprüche, die an ein gutes Licht zu stellen sind, nicht vollauf erfüllt: es hitzt noch etwas. Die Bogen- lampenflamme zuckt noch ein wenig (bei dem Glühlicht indessen ist dieser Fehler beseitigt); freilich die Leuchtkraft, die zehn Meterkerzen für den Einzelnen betragen muß, vermag es sehr wohl zu bieten.
Die Beleuchtungsindustrie hat zwar ungeheure Fortschritte gemacht seit den Tagen Goethes, der da sagte:
„Wüßte nicht, was sie Besseres erfinden könnten, Als daß die Lichter ohne Putzen brennten." Allein, wenn sie es auch erreicht hat, daß die Oel- und Gaslampenflammen nicht mehr zucken, gerade die schwerste und gefährlichste Schädlichkeit haben sie nicht ausschalten können: das Hitzen. Durch eingehende Versuche ist nämlich festgestellt.worden, daß mit der Lichtstrahlung auch Wärmestrahlung verbunden ist. Während beim Sonnenlicht die Wärmestrahlen auf der weiten Reise bis zur Erde großenteils aufgesaugt werden, kommt beim künstlichen Licht viel freie Wärme aus nächster Nähe ins Auge. Die Gefahr kommt eben daher, daß diese Wärmestrahlen von den Augenhäuten und -Organen verzehrt werden. Andererseits blenden die Lampen, wogegen freilich Glocken und matte Cylinder einigen Schutz gewähren.
An Versuchen, die Schädlichkeiten unserer gebräuchlichsten Beleuchtungsmethoden zu beseitigen, hat es nicht gefehlt. Er sei nur an die Anregung erinnert, zwei Cylinder übereinander zu setzen, zwischen denen die erwärmte Luft in die Höhe steigt. Indessen hat sich doch gezeigt, daß hierbei anfänglich zwar die Temperatur um 2 Prozent fällt; daß sie aber wieder ansteigt, sobald auch der Außen- cytinder sich erwärmt hat — was bald geschieht.
Das idealste, praktischste und billigste Instrument, das die Schädigungen der Blendung und der strahlenden Wärme unmöglich" machen soll, ist der hygienische Lampenschirm „Augenschutz", den Herr Wolff (einer der Teilhaber der bekannten Optiker-Firma Josef Rodenstock, Berlin und München) erfunden hat. Wie alle wirklich bedeutenden Erfindungen ist die Vorrichtung von geradezu vorgeschichtlicher Einfachheit. Man kann sie am verständlichsten als einen doppelten Lampenschirm erklären, zwischen dessen beiden Teilen ein freier Raum ist, um der erhitzten Luft den Durchzug nach oben zu gestatten. Zu diesem Zwecke sind sowoch unten wie oben in der Verbindung des inneren mit dem äußeren Schirme Luftlöcher freigelassen.
Von augenärztlicher Seite ist dem Wolff'schen Schirm große Anerkennung gezollt worden; und ich selbst kann aus eigener Erfahrung bestätigen, daß sogar nach vierstündigem Brennen der Außendeckel des Schirmes kaum erwärmt war. Auch bei andauerndster Arbeit habe ich nie eintz


