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U er ist beglückt, dem ewig unveraltet Erinn'rung stets zur Hoffnung sich gestaltet.
& E. Schulze.
(Nachdruck verboten.)
Geächtet.
Roman von LotharBrenkendorf.
(Fortsetzung.)
Vierzehntes Kapitel.
„Mein Gott — es ist also Wahrheit! Sie hier, Fräulein von Marschall — (um diese Stunde!"
Sixtus hatte sich vom Rosse geschwungen und war mit raschen Schritten auf sie zugetreten. Ungestüm erfaßte er ihre dargebotenen Hände, um sie an seine Lippen zu drücken. Auf seinem Gesicht und in seinen Augen war ein Leuchten, das Elisabeth nach all der ausgestandenen Qual und Aufregung namenlos glücklich machte.
„Ja, ich bin es selbst, nicht nur mein Geist, wie Sie vielleicht zuerst geglaubt haben", sagte sie beinahe heiter, „und Sie dürfen mir nicht böse sein, wenn ich Sie um einen Teil Ihrer Nachtruhe brachte." *'
„Als ob es für mich überhaupt noch eine Nachtruhe gäbe! Aber wie durchnäßt Sie sind ! Sie waren also schon wahrend dieses entsetzlichen 'Unwetters unterwegs?"
„Ich wäre schwerlich zur rechten Zeit hierher gekommen, wenn ich es hätte abwarten wollen. Aber das bischen Feuchtigkeit wird 'mich (nicht umbringen. Es ist mir schon oft genug schlimmer mitgespielt worden. Und nun hören Sie vor ällem, weshalb ich hier bin. Sie müssen unverzüglich Mit ihren Leuten diese Gegend verlassen und sich über dste russische Grenze zurückziehen."
„Weshalb, Fräulein von Marschall? <Darum etwa, weil uns das Militär auf den Fersen ist?"
„Wie, Sie wissen also bereits, daß man mit der Absicht umgeht. Sie einzuschließen und aufzuheben?"
„Sagte ich.Ihnen nicht, daß wir seit Wochen darauf gefaßt sind ? Und ich müßte mich schlecht auf den kleinen Krieg verstehen, wenn ich! üjicht durch! meine Posten von dem Anmarsch unserer Feinde unterrichtet worden wäre."
„Und doch sind Sie noch immer hier? — Hier, wo Man Sie noch! im Laufe dieses Tages aufgespürt und angegriffen haben würde? Sie wollen es also auf einen Kampf ankommen lassen?"
„Das ist Meine Absicht. 'Und wir sehen ihm ohne sonderliche Besorgnis entgegen; denn diesmal wenigstens werden wir noch nicht die Unterliegenden sein."
„So wissen Sie nicht, daß die Soldaten schon fetzt in der Ueberzahl gegen, Sie sein würden. Gegen hundert Kürassiere vom Regiment Möllendorf liegen seit heute nachmittag auf Lasdehnen. Ein Verräter, der auf irgend welche Art Ihren Schlupfwinkel entdeckt hat, führt sie bei Tagesanbruch hierher. Ihre erschöpften Md abgematteten Leute müßten gegen diese frischen, starken Leute zweifellos unterliegen."
Etwas wie ein stolzes Lächeln huschte für einen Augenblick über Sixtus' ernstes Gesicht.
„Wir fürchten uns nicht vor diesen hundert Küras- sieren, Fräulein von Marschall, von denen vielleicht noch! kein einziger den Krieg gesehen hat. In einem Walde gleich! diesem nutzt ihnen ihre Ueberzahl so wenig als ihre ungeschlachte Kraft. Sie mögen immerhin kommen! Wir werden sie mit blutigen Köpfen heimschicken und werden uns dadurch wenigstens nach einer Seite hin Luft schaffen. Glauben Sie mir's auf mein Wort, daß es für uns ein einfaches Gebot der Selbsterhaltung ist, diesen leichtsinnig angebotenen Kampf anzunehmen."
„Ich weiß nicht, ob Sie damit recht haben; aber ich weiß, daß Sie nicht kämpfen dürfen, heute so wenig wie in den nächsten Tagen. Haben Sie mir denn nicht neulich versprochen, einem Zusammenstoß mit hem Militär ans-, zuweichen, so lange es noch eine Möglichkeit dazu gießt?"
„Freilich ! Aber diese Möglichkeit fehe ich eben jetzt nicht mehr. Wenn ich{warten will, bis alle Detachements heran sind, die man (gegen uns aufgeboten hat, so muß ich! meine Leute abschlachten lassen, wie Hasen in einem Kesseltreiben. Gerade weil ich {tat Gefühl meiner Verantwortung für die treuen Burschen noch ein paar Wochen gewinnen und jedem von ihnen einen ehrenvollen Tod verschaffen möchte, werde ich mir das erstaunliche Ungeschick meiner Widersacher nach Kräften zu nutze machen."
„Und wenn ich Ihnen nun sage, daß vielleicht schon nach wenig Tagen eine günstige Wendung in Ihrem Geschick eintreten kann — daß Sie aber durch einen offenen Widerstand alles zerstören würden — wollen Sie auch dann auf Ihrem trotzigen Entschlüsse beharren?"
„O, Fräulein Elisabeth, Sie haben sich also dennoch um Gnade für mich an den König gewendet?"
„Nein — wenigstens nicht so, wie Sie es vermuten. In der Eingabe, die ich an den König gerichtet habe, geschieht Ihrer und Ihrer Leute Mit keinem Worte Erwähnung, das schwöre ich Ihnen mit den heiligsten Eiden. Und ich bitte Sie, Mir jede weitere Mitteilung zu erlassen, so lange die Antwort aus der Kabinettskänzlei noch nicht eingetroffen ist. Zwingt mich doch! nur Ihr unbarmherziger Starrsinn, meinem Vorsatz untreu zu werden und Ihnen vor der Zeit eine Andeutung über mein Unternehmen zu machen."


