Ausgabe 
8.7.1900
 
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in dem Papier gesteckt, der Bankhalter hatte sie aber, nichts ahnend, zurückgegeben, und der Chinese sie verheim­licht. Es lag ein grober Betrug vor.

Der absonderliche Geruch des Negers ist für den Weißen recht unangenehm, da er zu sehr an die Menagerie erinnert. Der des Chinesen ist unerträglich!. Jeden Morgen, wenn in San Francisco der Wind über das Chinesenviertel in die Stadt weht, verbreitet sich ein widerlicher, süßlicher Duft. Die Stadtteile, in denen sich dort die Chinesen in Massen ansiedelten, gingen bald sozusagen verloren, der Wert des Grundeigentums sank schnell; die letzten Häuser, die inmitten der chinesischen Kolonie lagen, wurden schließ­lich um einen Spottpreis unter großem Schaden der Besitzer veräußert. Das, 'was wir ^Schmutz nennen, kennt her Chinese nicht. Die Frau eines amerikanischen Kaufmanns, die in einer kalifornischen Stadt lebte und eben aus dem ameri­kanischen Osten angelangt war, hatte einen Chinesen als Koch engagiert. Eine Weile ging alles gut, der Mongole that unverdrossen seine Pflicht; aber eines Tages gab es Fische. Man hatte zu diesem Zwecke einen neuen Fischkessel angeschafft. Als die Mahlzeit eben vorüber war, hörte die Hausfrau in der Küche etwas plätschern; sie eilte hinzu und fand, daß der Chinamanu sich eben mit großer Gemüts­ruhe die Füße in dem neuen Kessel und dem Fischwasser wusch Der Mann war ganz erstaunt, als man ihm seinen Lohn aushändigte und ihn prompt hinauswarf, ihm fehlte das Gefühl, daß er etwas Unrechtes begangen.

In einem Zimmer, in dem vier bis fünf Weiße schlafen, finden dreißig bis vierzig Chinesen Platz; und so ziehen sie auch! über den Ozean, wie die Heringe dicht zusammen­gepackt im Schiffsraum, unter Sticklustverhältnissen, bei denen die meisten weißen Menschen umkommen würden. Die Lungen des Chinesen brauchten, wie es scheint, weniger Sauerstoff, als die anderer Menschen; in ganz ähnlicher Weise sind alle seine Bedürfnisse bescheidener. Eine blaue Bluse, ein Paar der einfachsten Hosen, Fabrikschuhe und ein Hut, meistens ein Strohhut, das ist seine Kleidung; statt eines Strumpfes benutzt er etwas Papier, das er in den Schuh steckt. Bei kaltem Wetter umwickelt er sich- mit einer Decke, die nachts sein einziges Bett bildet. Er trinkt weder Bier noch Wein oder Branntwein; er ist, wenn er nichts anderes haben kann, mit in Wasser gekochtem Reis zufrieden und hält ein Stück Schweinefleisch oder gar Geflügel für den größten Leckerbissen der Welt. Milch ver­abscheut er, dagegen verspeist er Hunde, Ratten und aller­hand anderes Getier, vor dem uns ekelt, mit großem Wohlbehagen.

Die chinesischen Arbeiter, die in Amerika Wüsche rei­nigen, die in Bergwerken oder in Fabriken arbeiten, können daher unter den halben Lohnsätzen existieren und dabei noch sparen. Zigarren rauchen sie nichts Wäsche brauchen sie nicht, Schmuckgegenstände tragen sie nicht; sie haben nahezu keine Bedürfnisse des gewöhnlichen Luxus. Ein winziges Körnchen Opium, das sie in trockene Blätter packen, genügt für ihre Pfeife und versetzt sie in einen Rausch, der ihrer schwachen, aber zähen Gesundheit nicht dienlich ist, und ihre fahle, blutlose Gesichtsfarbe nicht verschönert. Dagegen sind sie leidenschaftliche Spieler; ihre Spielhöllen, Theater und Opiumwirtschaften sind weltbe­kannt, alle diese Erholungsstätten gewähren einen ein­tönigen, widerlichen und abstoßenden Anblick. Der ärmste weiße Arbeiter bemüht sich um ein Heim, er versucht, eine Familie zu begründen zehntausende von Chinesen leben im Ausland ohne eigne Hütte, ohne Frau und Kinder, nur ihre Gebeine werden in das Land ihrer Vater zuruck- geschafft. Der Chinese ist kein empfehlenswerter Bürger, er nimmt weder an dem politischen, noch an dem geistigen Leben irgendwie teil und hat weder für Recht noch fui Scham ein Verständnis.

Der bekannte Schriftsteller Bret Harte schildert in ironischer und humorvoller Weise die Eigentümlichkeiten des Chinesen. Er sagt:Da ich wöchentlich nur einmal mit Chinesen zusammenkam wegen der Wasche, die ich mir von ihnen besorgen ließ so habe ich ihren Charakter im sozialen Leben oder im abgeschlossenen häuslichen Kreise nicht viel studieren können. Aber doch habe ich genug von ihnen gesehen und an ihnen beobachtet, daß ich sie ab gewissenhaft anpreisen darf. Ein traurig blickender, höf­

licher junger Chinese brachte mir gewaschene Oberhemdkit/ an denen mehrere Knöpfe fehlten und mehrere nur an einem Faden hingen. Ohne an die Folgen zu denken, ward ich unbedachterweise sarkastisch und sagte ihm, der Symme­trie halber wäre es besser gewesen, wenn die Knöpfe sämt­lich entfernt worden wären, besser gar keine als solche Knöpfe. Er lächelte traurig ilnd ging seiner Wege. In der nächsten Woche brachte er mir die Hemden und machte ein verständnisinniges Gesicht dazu die Knöpfe waren sämtlich Mnzlich entfernt und peinlich! genau wie ausradiert worden! Dieser Chinamann hatte eine Art Freundschaft mit einem kleinen Mädchen im Hause geschlossen; eines Tages beschenkte sie ihn mit einem Sonntagsschulbuch. Dieses Buch- trug der Chinese stolz auf allen seinen Wegen mit sich, er legte es ostentativ aus seinen Wäschekorb, so daß jeder aus der Straße es sehen mußte, er schleppte es mit den gebügelten Oberhemden umher, und ich! glaube, er schlief des Nachts bei ihm; vielleicht dachte er, daß der Geist des Buches auf diese Weise allmählich sein Eigentum werde. Um sich: zu revanchieren, schnitzte er für das kleine Mädchen oft die schönsten Rosen aus Rüben und Kartoffeln mit wunderbarem Geschick. Diesen nachgeahmten Rosen fehlte nur der Geruch. Ach, ich! glaube, die wenigen Rosen, mit denen sein Lebenspsad bestreut wurde, waren stets geruchlose Nachahmungen, an denen nur die Dornen wirk- lich waren und nie fehlten."

Vom Monat Juli.

Juli 1900.

Nachdruck verboten.

Der Juli bietet uns an Früchten und frischen Gemüsen fast alles, was das Herz begehrt. In erster Linie kommt die köstliche Sommerfrucht, die Süßkirsche, in allen ihren Abarten in Betracht. Als bedeutendere Kompottfrucht ist die Blau- oder Heidelbeere da, die auch; roh eingezuckert wie die Walderdbeere mit süßer Milch eine beliebte kalte Schüssel bietet. Zum Einlegen giebt es Weichsel-und andere Sauerkirschen, Johannis-, Stachel- und Himbeeren, sowie grüne Nüsse. In den Delikateßläden sehen wir Pflaumen, französische Reineclauden, Birnen, Aepfel, italienische Pfir­siche, istrische Aprikosen und billige Eierpflaumen aus der Lombardei. Für gutes Dessert oder eine den Frohsinu belebende Bowle sind die italienischen Pfirsiche wenig empfehlenswert, man wähle dazu die guten, obwohl teureren Treibhaus-Pfirsiche.

Das feuchtwarme Wetter der letzten Wochen ist für alles Wachstum ein wahrer Segen geworden. Die Felder erlangen wohl bald die nötige Erntetrockenheit; Kartoffeln und alle Gemüsearten wachsen und gedeihen. Auf dem Gemüsemarkt ist aller Mangel verschwunden, der Juni hat sich in seinem besten Lichte gezeigt und hat ein reichliches Angebot aller Naturprodukte zur Folge. Erfreuliche Preise bringt für die Züchter außer dein ersten Weiß- oder Rotkohl, der in kleineren aber festen Köpfen den Platz behauptet, mir der Blumenkohl, alles andere ist auch für den bescheidensten Geldbeutel gewachsen. Schoten wollen beim Einkauf sehr beachtet sein, damit man nicht die kleinen Feldschoten mit mehligen Körnern statt der ihres größeren Zuckergehaltes wegen bevorzugten Gartenschote heimbringt. Zarte Schnitt­bohnen und in größeren Mengen sind die gelben Wachs­bohnen auf den Ständen, die in jeder Bereitungsform schmackhaft sind. Ferner sind da: Mohrrüben, fleischige Kohlrabi, Wirsing, Radieschen, Rettiche und Spinat. Zur Zubereitung als Spinat eignen sich nebenbei bemerkt zahl­lose andere Pflanzen, z. B. junge Brennessel, Sauer­ampfer, Melde, Löwenzahn und wir nehmen an, daß fol­gendes Spinatgemüse sicher seine Anhänger finden wird. Man nimmt dazu Radieschenblätter, die in kochendem Salz­wasser abgebrüht werden, alsdann fein gehackt und in ausgelassenem Speck und etwas darin geröstetem Mehl, Salz und geriebenem Ingwer aufgekocht werden. Damit das Gemüse nicht allzu steif wird, giebt mau ein wenig Radieschenblätterbrühe hinzu, welche man vorher mit fünf Gramm Liebigs Fleisch-Extrakt leicht aufkochen läßt. Dieses Gemüse gleicht im Aussehen vollkomvien dem echten Spinat, ist aber un Geschmack aromatischer und kräftiger. Frei- land- imd Gartengemüse verdienen jetzt die meiste Be­achtung; denn in ihrer gegenwärtig zarten und frischen