Ausgabe 
8.3.1900
 
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demselben Flur lag und von dem Wohnzimmer, dem nun­mehrigen Altenteil der beiden Frauen, nur durch den kleinen Korridor getrennt war.

Johanne stand wie geblendet in dem Hellen, freund­lich geschmückten Raum, der Paul und Nettchen zum Nest dienen sollte. Die Thür, von einer roten Portiere ver­hangen, führte in das Schlafzimmer, daran reihte sich die Küche. In dieser schien sich ein Topfjahrmarkt ausge­breitet zu haben. Johanne hatte noch nie soviel Tassen und Kannen und Krüge und Teller beisammen gesehen, und Näpfe, mit rotem Mohn besprenkelt, und Fleische breiter mit schalkhaften Sprüchen, und das Nudelbrett mit einer primitiven, aber in Johannes Augen sehr sinnigen Malerei, wo ein Mann einer Frau ein Kind reicht, das an einer feisten Bretzel kaut.

Ueberall hatte die Zärtlichkeit der beiden Frauen Licht und Freundlichkeit verstreut, und da war auch nicht ein einziger Gegenstand, der nicht in gemalter oder gereimter Poesie irgend eine Andeutung auf das Glück einer jungen Ehe ausgesprochen hätte.

Mein Gott!" flüsterte Johanne. Eine solche Küche hätte sie nie für möglich gehalten, und während sie halb­laut und langsam alle die Sprüche der Weisheit las, die dieses Museum enthielt, dachte sie an das Heim ihrer Tante, wo über der Thür zur Arbeitsstube die liebeverkündevden Worte standen:

Hände, die nicht hurtig Nach der Arbeit packen, Soll wie faule Zweige Man vom Rumpfe hacken.

Sehen Sie diese Kochmaschine an!" sagte die Groß­mutter, die den beiden Frauen nachgefolgt war, und nun liebkosend mit der Hand über die blanken Messingbeschläge des Herdes strich.Heben Sie die Töpfe, einzig und und allein wie leicht die sind!" Und mit ihren runzligen Händen hob und schob sie das blitzende, funkelnde Koch­geschirr.

(Fortsetzung folgt.)

Der Frühling naht!

Gartenbetrachtungen für den März.

Nachdruck verboten.

Schnee und Eis schmelzen hinweg. Wie eine riesige Flutwelle drängen die Arbeiten auf uns ein, die der Frühling in Garten und Feld mit sich bringt. Da heißt es nichts überstürzen, sondern wohlüberlegt han­deln, damit die Arbeiten in der gehörigen Reihenfolge fertiggestellt werden und wir nicht später zu unserem Schaden erkennen müssen, daß es weiser gewesen wäre, manches zu unterlassen, anderes zu fördern.

Wir graben unsere Gärten, düngen sie mit Stall- dung, Kompost, Kalk, auch Kloake, doch letztere nur in geringeren Mengen und mit Vorsicht. Gleiches gilt von den künstlichen Düngern. Wer nicht weiß, wie sie wirken, nicht weiß, welche Stoffe seinem Boden fehlen, thut im allgemeinen gut, ihre Verwendung so lange versuchsweise in geringen Mengen zu betreiben, bis er darüber Klar­heit gewonnen hat. Nasser Boden, der beim Umgraben am Spaten klebt, bleibt besser noch liegen, auch kaltem Boden ist dies gut, weil man doch noch keine Aussaaten darin machen kann und er bis dahin an Lockerheit wieder ungemein viel eingebüßt haben würde. Gegrabener Boden wird gleich klargerecht. Man säet Erbsen aller Art, Petersilie, Boretsch, Karotten, Schwarzwurzeln, Zucker­wurzeln, Kerbel, Puffbohnen, Pastinak, rote Rüben, Radies, Salat, Sommerrettig, Spinat. Es werden Steck­zwiebeln, Knoblauch, Schalotten gesteckt, die Zehen des Meerrettias gelegt. Man kann Kopfsalat, Wirsing, Kohl­rabi, Weißkraut zu Ende des Monats aus dem Mistbeet ins Freie pflanzen, die Anlage neuer Spargelbeete darf beginnen, und wer aus Liebhaberei Samenzucht treiben will, bringt die schönsten der überwinterten Möhren, Kohl- arken, Sellerie auf warmen, kräftigen Boden.

Die Frühbeete erfordern fleißige Bedienung. Sach­gemäßes Lüften muß die Pflanzen abhärten und gedrungen wachsen lassen, richtiges Gießen die Wächstumsfreudigkeit unterstützen, das Zudecken über Nacht, wenn Kälte droht,

Eine Schachfigur im Pariser Louvre.

Nachdruck verboten.

Seit einigen Jahren wendet man der Elfenbeinsamm­lung, welche sich im Louvre befindet, große Aufmerksam­keit zu und vergrößert dieselbe soviel als möglich durch neue Stücke, die sich durch ein besonders historisches und künst­lerisches Interesse auszeichnen. In letzter Zeit nun ist es ein Schachbauer aus massivem Elfenbein und von, wenigstens nach den heutigen Begriffen, ganz erstaunlichem Umfange, durch welche diese Sammlung bereichert worden

es erhalten. Man säet Tomaten, Gurken, Melonen zum Auspflanzen für später in Töpfe;. auch! Buschbohnen liefern, wenn man sie im Mai als Pflanzen aussetzen kann, sehr früh und vor allem wertvolle Erträge.

Im Obstgarten meldet sich der Star; Drosseln ver­schiedener Art, Bergfinken, Hänflinge durchstreifen ihn, Bachstelzen, Rotkehlchen kehren zurück. Sie helfen uns den letzten Rest des überwinterten Ungeziefers aufs Korn nehmen, und zeigen uns immerfort emsig zu fein. Roch können wir ohne große Mühe Goldaster, Ringelspinner und Schwammspinner ablesen lassen; in kurzer Zeit hat ein Heer von Räupchen sich über den ganzen Baum verteilt! Es gilt noch zu pflanzen, Obstbäume aller Art, Beeren­sträucher, Haselnüsse, Erdbeeren; es gilt noch zu veredeln, wo undankbare Sorten die Lust am Obstbau verderben wollen; es gilt auch im Obstgarten zu düngen, zu graben. Kalk, Thomasmehl sind wichtige Düngerarten für den Obst­garten. Der Baumschnitt soll durchgeführt werden, das Auslichten eine Hauptrolle einnehmen. Weinstöcke werden von der Bedeckung befreit, blühende Pfirsiche und Aprikosen durch Vorhängen von Matten gegen eventuelle Nachtfröste geschützt.

Der Blumengarten schmückt sich. Osterblumen, Pri­meln, Anemonen, Maßliebchen, Seidelbast schenken ihm ihre Blüten und sind zum Teil so anspruchslos, daß wir sie während der Blüte pflanzen können, wenn sie bislang noch fehlten. Durch das Pflanzen anderer Stauden und Ziersträucher wird für den späteren Flor gesorgt. Die Blumenbeete und Blumenrabatten verlangen kräftige Dün­gung mit Kompost oder verrottetem Mist; Aussaaten von Kornblumen, wohlriechenden Wicken, Lupinen, Reseda, Gartenmohn werden gemacht; die Einfassungen und Rasen­kanten nehmen unsere Aufmerksamkeit in Anspruch. Der Rasen wird ausgeharkt, mit Kompost überstreut, dem tüchtig Kainit beigemischt ist.

Die Rosen legen wir frei, schneiden sie und decken sie dann mit Tannenreisig wieder zu, damit die Nachtstöste und grelles Sonnenlicht ihnen nicht schaden. Die Pflanzung von Rosen ist sehr entpfehlenswert. Frisch gepflanzte werden niedergelegt und mit Tannenreisig oder Erde be­deckt, damit sie besser anwachsen. Alles Gepflanzte ist tüchtig anzugießen. Man vergesse nicht das Anbinden der Ranken an den Lauben und Veranden.

Im Zimmer atmen die Pflanzen auf. Sie bekommen wieder mehr Sonne, weniger Heizwärme, das macht sie gesunder. Das giebt aber auch uns Erfolge beim Steckling- machen, Verpflanzen, Zerteilen, kurz bei all den Arbeiten, welche wir vornehmen müssen, um unseren Pflanzenschatz zu vermehren und zu regenerieren. Stecklinge können wir machen von Fuchsien, Heliotrop, Myrte, Pelargonien, Coleus, Gummibaum, auch vom Philodendron und vom Drachenbaum. Sie werden freudig Wurzeln machen, wenn wir es verstehen, den Eigentümlichkeiten der einzelnen Pflanzen gerecht zu werden.

Man soll mit dem Zerstäuber in der Hand kultivieren. Das öftere Ueberstäuben mit lauwarmem Wasser hält das Ungeziefer ab, weil es die Pflanzen kräftigt. Auch Schatten ist bei grellem Sonnenlicht zu geben, insbesondere den jungen Aussaaten und jungen Stecklingen. Knollenbego­nien, Gloxinien sangen an zu treiben, wollen umgepflanzt sein; erstere lassen sich zerschneiden und auf diese Weise vermehren. So muß man überall darauf sehen, daß das Leben, welches der nahende Frühling in Bewegung setzt, unterstützt werde, aber auch darauf achten, daß nicht durch guten Willen in vorwitziger Eile der zarte Drieb argen Schädigungen ausgesetzt ist.

I. C. Gch m id t-Erfurt.