Ausgabe 
8.2.1900
 
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f rinnermig ist ein guter Wein:

Jung s-iust sic dir durch Mark und Bein,

Verklärend aber wie Gcisterlnst

Schwebt über der alten ihr edler Dust.

Ferd. Avenarius.

Nachdruck verboten.

Heimatlos.

Roman von E. P. Roe.

(Fortsetzung.)

XXIX.

Eine starke Versuchung.

Roberts Onkel, der alte Atword, saß in seiner bchaa- lichen Wohnung, lange vor der gewöhnlichen Stllnde des Geschäftsschlusses. Dann erhob er sich und ging unruhig auf und ab. Während sein Neffe Bücher studiert hatte, hatte er den Neffen studiert, und der ausdauernde Jüng­ling hatte in dem kinderlosen Mann etwas wie Sohnes- liebe erweckt.

Wenn der Junge nur mein wäre, ich wollte einen Mann aus ihm machen! murrte er. Ich will es auch thun denn er hat die richtige Atwordsche Art und mehr Geistes- gaben, als wir alle. Sein Vater ist schlau, aber engherzig er versteht nur, jeden Groschen aus dieser steinigen Farm herauszukratzen und aufzusparen. Ich bin auch nicht viel besser, aber dieser Bursche ist ein neuer Schößling in der Familie, und wenn er keinen Unsinn macht, kann er es weit bringen. Ein Advokat kann die höchsten Spitzen erklimmen, wenn er Verstand und eine geläufige Zunge hat.

Mit dem Selbstvertrauen aller erfolgreichen, aber eng­herzigen Leute glaubte er sich vollkommen befähigt, dem jungen Manne in jeder Beziehung zu raten, hielt dies aber auch für unumgänglich notwendig zuni Erfolg. Aber er hatte einen großen Widerwillen gegenarme Teufel" und dergleichen.

Was hat er mit diesem Volk zu schaffen? hatte er damals gebrummt, als Robert den kranken Mann vom Dampfschiff nach Hause gebracht hatte, aber es kam ihm nicht in den Sinn, daß das mehr als eine vorübergehende Bekanntschaft sei. Aber nachdem Roberts Vater von dem Verkehr seines Sohnes bei Howell gehört und seinem Bru­der darüber geschrieben hatte, war der Verdacht des Onkels erwacht und er hatte seiner Frau alles mitgeteilt. Sie war eine gutmütige Frau und entzückt über Roberts Auf­treten vor dem Polizeigericht, aber auch sie hatte etwas von dem Abscheu ihres Mannes gegenarmes Volk".

Ich muß mit Dir sprechen, sagte der Onkel nach kurzem Gruß zu Robert. Setze Dich dahin, wo ich Dich ansehen kann. Ich liebe nicht, viele Worte zu machen, setzte er freundlich hinzu, denn Roberts schuldlose und furchtlose Mrene entwaffnete ihn. Wenn der junge Mann eine An­deutung von dem erhält, was ich für ihn thun will, so wird er zur Vernunft kommen, dachte er.

Wo warst Du heute abend und heute morgen?

Robert erzählte kurz den ganzen Vorfall. Es ist zum erstenmal, daß ich zu spät ins Geschäft gekommen bin, Onkel.

Der Onkel hörte ihn ohne Unterbrechung an.

Es freut mich natürlich, daß Du das Mädchen frei bekommen hast, und es schadet auch nichts, wenn Du ein klein wenig in den Gerichtssaal hineinsiehst, da Du Advokat werden willst, aber nun halte Dich zurück von diesen Leuten. Du wirst wohl wissen, was Howell für ein Mann ist?

Ja, aber Du weißt nicht, was für eine Frau sie ist. _ Nun ja, sre ist seine Frau, und das Mädchen ist seine Tochter, und sie sind so arm wie die Kirchenmäuse.

Das ist keine Schande, bemerkte Robert.

Es sieht aus, als ob Du in das Mädchen verliebt fereft und im Begriff wärest, Narrheiten zu machen

Robert erbleichte.

Onkel, bin ich Dir jemals mit Mißachtung begegnet^ fragte er.

Gewiß nicht, Du hattest auch keinen Grund dazu.

Mit einigem Recht kann ich also fragen, warum Du mich mit solcher Mißachtung behandelst? '

Der alte Atword war etwas verdutzt durch diese Frage, die er aber mißverstand.

Nun ja, sagte er lachend, ich habe wohl unnötig Ge- chenster gesehen. Du bist zu vernünftig, um Dich mit solchen Leuten einzulassen. Siehst Du Robert, ich will offen gegen Dich sein, und dann werden wir einander verstehen. Du weißt, ich habe keine Kinder und im Geschäft einen hübschen Groschen erspart. Als Du kamst, dachte ich, Du wärest em unruhiger Bursche, der sich nur einmal die Stadt an,ehen wolle, und nahm Dich auf, um Dich vor Mißgeschick zu bewahren. Aber ich sehe, ich habe mich geirrt; Du hast den richtigen Stoff in Dir, und wenn Du in mein Alter kommst, wirst Du vielleicht eine hohe Stellung er­reicht haben. Dazu will ich Dir helfen. Aber höre mich an, mein Junge! Ein Mann, der in diesen Zeiten vorwärts kommen will, muß seinen eigenen Weg verfolgen und darf sich nicht mit einem solchen armen Volk verwickeln. Der­gleichen muß er wie die Pestilenz fürchten. Schließe Dich an die Glücklichen und an die Starken an, so werden sie Dir vorwärts helfen. Willst Du meinem Rat folgen, so werde ich Dir thatkräftig beistehen. Du sollst die Uni­versität besuchen, und es soll Dir nicht an Geld fehlen.