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In der Totenstadt scheinen allerdings andere Bräuche zu herrschen. Hier werden in reinlichen, weih getünchten Nischen die Leichname reicher Chinesen in oftmals kost­baren Särgen einige Zeit aufgestellt, bis ein geeigneter Begräbnisptatz für sie ausfindig gemacht und hergerichtet ist. Der hintere Raum mit dem Leichnam wird durchs einen Vorhang abgeschlossen, und vor demselben werden Kuchen, Obst, eine Tasse Thee und andere Erfrischungen ausge­stellt für den Fall, daß der Entschlafene Appetit danach bekommen könnte. Ein ganzes. Schweinchen habe ich aller­dings hier nirgends bemerkt.

Die Verehrung für die Eltern und Vorfahren über­haupt, zumal nach ihrem Tode, ist ein ausgeprägter natio­naler Zug der Chinesen, wie es das ein und alles der confucianischen Religion bildet. Ein gutes Begräbnis, eine mit Kindesliebe wohl gepflegte Begräbnisstätte in der Hei­mat, wo auch die Familie, die Nachkommen ihr Heim be­halten, ist das Endziel aller Chinesen. Nur wenn dieses erreicht wird, findet der Geist der Verstorbenen Ruhe unkt Frieden. Sonst geht er ewig wie ein böser Geist um. Daher der Mangel an Wanderlust unter den Chinesen, daher bei denen, die ihre Heimat verlassen und in unseren Tagen selbst über das Meer gehen, die stete Sorge, daß sie doch ja vor dem Tode heimkehren, oder daß schlimmsten Falles wenigstens ihr Leichnam in der Heimat beerdigt werde. Selbst mein Führer, ein ziemlich aufgeklärter Mann, war noch nie weit von Kanton abwesend, so auch noch niemals in Hongkong gewesen.

Diese Verehrung für die Verstorbenen, die unleugbar vorhanden ist, könnte gewiß als etwas rühmenswertes in dem Charakter der Chinesen hervorgehoben werden, wüßten wir nicht, daß in den meisten Fällen wohl nur die Angst dazu treibt, die Angst, daß, wenn jene Pflicht nicht erfüllt wird, die Geister der Verstorbenen unstet und ruhelos als böse Geister einhergehen und gerade die eigenen Kinder besonders peinigen, die ihre Pflicht versäumt haben. Es gießt ja immerhin noch böse Geister genug! Diese ver­scheucht mau aber am besten durch! lautes Lärmen und Ab­brennen von Feuerwerk. Daher das immerwährende Knallen vonCrackers", wohin wir auch kommen mögen. Fast sollte man meinen, es geschähe eben nur unseretwegen. Gelten wir doch in den Augen vieler Chinesen immer noch für unheilbringendefremde Teufel".

Bei alledem und wie sehr der Chinese auch selbst den Tod fürchten mag, hat er doch auch! wieder keineswegs eine besondere Ehrfurcht vor dem Tode im allgemeinen. Das bewies mir auch, ein kurzer Besuch auf dem Hiurich- tungsplatz.

In der Mitte desselben befand sich eine große Blut­lache Menschenblut! Daneben lag ein Haufen blut­besudelter alter Kleidungsstücke. Einer der grimmen alten Henkersknechte hob sie empor: Und vor mir lagen zwei Köpfe Menschenköpfe!

Für manche verhältnismäßig geringfügige Verbrechen wird die einfache Enthauptung als eine hinreichende Strafe erachtet. Die dem Schwerte Verfallenen haben nicht selten zu Dutzenden niederzuknieen. Der Scharfrichter geht mit dem Schwerte in der Hand die Reihe entlang und säbelt die Häupter ab, als wären es Mohnköpfe. Handelt es sich aber um ein großes Vergehen, vielleicht Vatermord oder gar um einen Anschlag gegen die hohe Obrigkeit, dann wird das Kreuz zur Anwendung gebracht. Ich sah es, ein primitives, wackeliges Ding, das, mit einer Kruste getrockneten Blutes überzogen, gegen. die Mauer lehnte. Auf diesent wird dann das Opfer festgeschnallt, ein Glied nach dem andern langsam ihm abgehauen, und die Kunst des Scharfrichters zeigt sich nun darin, die Zergliederung des Körpers in möglichst ausgedehnter Weise vorzunehmen, dabei aber das Opfer möglichst lange am Leben zu erhalten.

Da naht eine Sänfte. Nur mit großer Schwierigkeit kann sie an der unserigen vorüber. Die Vorhänge sind herabgelassen, aber doch durchsichtig genug, um eine Dame erkennen zu lassen. Ihr Gesicht ist weiß übertüncht, wie das eines Zirkusclowns, aber die Wangen und die Lippen sind knallrot bemalt. Das Haar ist stark mit Kokosnußöl eingesalbt und in kunstvollen Verschlingungen fest auf­geklebt. Ich will nicht so ungalant fein, zu behaupten, daß

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alles das nicht dazn angethau sein mag, die von Natur den Damen dieses Landes allerdings etwas spärlich ver­liehenen Reize wesentlich zu erhöhen, aber es gehört wohl chinesischer Geschmack dazu, das würdigen zu können, llebrigens bekommt man Damenerster Klasse", die im wesentlichen an ihren ganz kleinen, künstlich! zusammen­geschrumpften Füßleiu erkenntlich! sind, auf den Straßen selten zu sehen. Sie leben nicht ganz so zurückgezogen wie muhammedauische Damen, aber sind doch anch nicht so schamlos", sich ganz ungeniert und wohl gar ohne Be­gleitung auf offener Straße zu zeigen.

So hatte ich als alleiniger Ausländer, allerdings in Begleitung von sieben Eingeborenen, vom frühen Morgen bis späten Nachmittag dies wunderbare Gewirr enger Gäßchen in offener Sänfte durchkreuzt, fast unausgesetzt von dichten Menschenknäueln umgeben. Wohl zwanzigmal war ich ausgestiegen, hatte die verschiedensten Bauten be­treten und mancherlei Einkäufe gemacht, aber ich könnte von keinerlei wirklichem Ungemach! berichten, das mir be­gegnet wäre. So blieb noch bis vor wenigen Wochen jeder Ausländer in der volkreichsten Stadt Chinas unbehelligt. Das wird sich heute ja alles wesentlich! verändert haben. Wohl wurde auch ich vielfach angestiert und mit Ausdrücken unverkennbaren Hasses und Abscheues bedacht. Kinder schnitten mir arge Grimmassen, aber was will das alles besagen! Aehnliche Erfahrungen würde auch ein chine­sischer Reisender in einer deutschen Stadt machen, wenn in dieser auch mehr Neugier und vielleicht rohe Scherze an Stelle von Haß und Verachtung treten würden. Neben den ohne Zweifel unfreundlichen Zurufen, die mein Ohr trafen, erkannte ich aber auch bald die öfter wiederkehren­den RufeChin Min" undPapa"! (Willkommen"! und Guter Kerl!") Es muß aber noch mehr darin liegen. Man streckte mir dabei auch immer die Hände entgegen, aber kaum in der Absicht, die meinen zu drücken. Indessen auch das Betteln war keineswegs so allgemein, wie etwa im Orient oder auch nur in Italien.

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Diarnairträtsel.

Nachdruck verboten.

In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a, c, e e e e, f, h, i i i, k k, l l l l, mm m, r, s s, w w derart einzutragen, daß die einzelnen Reihen, von oben an­gefangen, folgendes bedeuten:

i. Einen Buchstaben.

2. Musikalische Bezeichnung.

3. Einen Raubvogel.

4. Männlichen Vornamen.

5. Mathematische Figur.

6. Bergrücken im mittleren Deutschland.

7. Einen Buchstaben.

Die wagerechte und senkrechte Mittelreihe haben die gleiche Bedeutung- Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Rastlos vorwärts mußt du streben.

Untverfttits-Buch- und Stetndrnckerei (Pietsch @rbe«) in Meßen.