Ausgabe 
7.8.1900
 
Einzelbild herunterladen

439

halten hat, aber nicht auf das Unkraut in der Hecke achtete, wer die wenigen Unkrautpslanzen gering schätzte, die sich aus der Düngerstätte, am Komposthaufen oder in einem entlegenen Winkel des Gartens breit machten, der erntet jetzt den Lohn seiner Mißachtung. Sein ganzer Garten wird ihm überstreut mit Unkrautsamen, und im Herbst, im nächsten Frühling wundert er sich;! Noch läßt sich viel Unkraut jm Keime ersticken Achtung daher auf den Samen! Hacken und Gießen soll auch nicht vergessen werden. Kohl, Sellerie u. bergt braucht viel Wasser.

Aus die Kohlraupen aufgepaßt! Das Absuchenlassen ist das einzige Mittel. Eierhaufen kann man massenhaft zerstören, sie finden sich auf der Rückseite der Blätter.

Aussaaten von Bohnen (schwarze Neger), von Spinat, von Kopfsalat (braunem und gelbem Trotzkopf) sind zu machen, Radies, in 14 tägigen Pausen eine Aussaat, nicht zu vergessen. Non plus ultra sowie Erste Nummer sind zu empfehlen. Wer Bedarf an Endivien hat, säe auch davon noch. Mitte August will Wintersalat ausgesät werden; da seine Kultur unsicher, ist man vielfach davon abge­kommen . Man pflanzt Rosenkohl und Grünkohl.

Die Hecken der Gärten werden geschnitten; zum Schnitt von Koniferen, Tannen, Lebensbäumchen ist es die beste Zeit. Der Rasen muß fortdauernd kurz gehalten werden. Das Gießen nicht vergessen, unter Bäumen besonders viel Wasser geben! Die Bäume zehren außerordentlich und lassen dem Rasen nichts, außerdem kommt unter die Bäume kein Regen!

Im Obstgarten heißt es erst recht gießen, sonst bleibt nichts von der Ernte. Bäume sind zu stützen, Früchte, wo sie zu dicht stehen, auszudünnen. Das Einmachen des Obstes beginnt. In Jahren reicher Ernte muß die Haus­frau Vorsorgen. Beim Pflücken des Obstes Vorsicht! Be­schädigtes Obst macht sich, schlecht ein und ist auch für den Rohgenuß nicht einladend. Auch« an die Bäume soll man beim Pflücken denken, sie sollen unbeschädigt bleiben.

Für den Blumengarten sät man Stiefmütterchen, Ver­gißmeinnicht, Pyrethrum, Bellis aus. Die Stauden, welche abgestorben sind, werden geteilt und verpflanzt. Das Oku­lieren der.Rosen, das Stecklingmachen beginnt. Auch von den Gehölzen macht man noch Stecklinge. Fuchsien, Pelar­gonien, Petunien, Heliotrop, Ageratum und die vielen an­deren Pflanzen auf den Blumenbeeten laden ebenfalls zum Stecklingmachen ein. Davon giebt es Pflanzen, welche gut überwintern. Topfgewächse düngt man im August noch, dann hört das Düngen aus. Die stark durchwurzelten werden verpflanzt, nachher einige Zeit, etwa 8 bis 14 Tage schattig gestellt. Kräftiges Gießen aller Dopf-Ge- wächse bei dieser Hitze ist notwendig. Das Spritzen ist niemals zu vergessen. Erst dadurch kann man sich der Blattläuse, des Thrips re. erwehren und die Pflanzen ge­sund erhalten.

Der August ist der beste Monat zum Anlegen neuer Erdbeerbeete. Zwei neue Sorten sindMillionär" und Delicata". Vor einigen Jahren noch sehr teuer, sind jetzt die Pflanzen zum regulären Preise zu haben.

Im Garten machen sich die Schnecken recht breit. Da müssen wir unseren Feinden schon goldene Brücken bauen. Streuen wir zwischen die Kulturbeete im Garten oder auf dem Felde hier und da kleine Häufchen Weizenkleie. Die behagt ihnen noch besser als die Grünkost, und sie stürzen sich mit wahrer Gier darauf, und ein ganzer Stammtisch von ihnen versammelt sich rundherum. Ein Stammtisch in des Wortes eigentlichster Bedeutung wird es aber erst, wenn wir die Mühe nicht scheuen und Topfuntersetzer in die Erde eindrücken und diese mit Bier anfüllen. Dann geht's in Scharen dahin, wie zum Hofbräuhaus. Da kann man nachher die ganze bierselige Gesellschast in einen Sack stecken. ' I. C. S.

Reisebilder aus China.

Von Wilh. F. Brand.

Nachdruck verboten.

II.

Die größte Stadt Chinas.

Bei unserer Einfahrt in Kanton am nächsten Morgen bot sich mir ein überraschender Anblick dar. Zu beiden Seiten des Flusses lagen Tausende und Abertausende von

Junks und Sampans, echt chinesische, überdachte Boote ver­schiedener Größe, auf denen zahlose Familien ihren Wohn­sitz haben. Wohl 300000 Menschen leben hier von Gene­ration zu Generation immerfort auf dem Wasser. Teil­weise fest liegend, bilden viele dieser Boote regelrechte Straßen, zum Teil aber sind es Fischer -und Schifferfahr- zeuge aller möglichen Art. Und unser Dampfer hatte noch nicht angelegt, da stürmten schon Hunderte der letzteren in wirrem Durcheinander auf uns ein, um Passagiere zu landen oder weiter flußaufwärts zu befördern.

Es fiel mir dabei besonders auf, daß eine große An­zahl der Schiffer--Schifferinnen waren, und einzelne

derselbentrugen nach allgemeiner Landessitte auch- in diesem Augenblick ein Kindlein fest auf dem Rücken ge­bunden mit sich herum, indem sie in diesem wüsten Wirr­warr zugleich kühn das Ruder handhabten.

Mit Hilfe des Kapitäns ward bald ein junger Chinese ausfindig gemacht, der etwas Englisch spracht und Führer­dienste übernehmen wollte. Er beschaffte zwei Sänften, eine für sich und eine für mW, und so zogen wir alsbald in die Stadt ein.

Die fast überall mit Menschen gefüllten Straßen sind selten mehr als sechs bis acht Fuß breit. Natürlich« sind da keinerlei Wagen oder Karren zu verwerten, selbst die Jinrickschas nicht. Hatten doch auch unsere Sänften schon vielfache Schwierigkeiten, durch die oft so dichten Menschen­massen ihren Weg zu bahnen oder gar an einer uns be­gegnenden Sänfte vorüberzukommen. Vom Himmel war bei der Enge der Gassen um so weniger zu sehen, als die meisten Häuser oben noch einen Vorbau haben, und über­dies von oben bis unten- lange, beinahe einen Fuß breite Streifen von Papier und substanzielleren Massen herab- hängen, die als Firmenschilder dienen. Dadurch bekommen Sie ganzen Straßen ein eigentümlich bebändertes festlich aufgeputztes Ansehen. Wenn Herr Ching Chum einen Laden eröffnet, so benennt er denselben nicht etwa nach sich selbst, sondern bezeichnet seine Firma vielleicht als das Kaufhaus goldenen Profits" oder dasjenigeend­losen Glücks". Indessen, giebt es nicht in Paris ein Bon Marchee und in Berlin eine gewisse goldene Nummer und andere Firmenbezeichnungen der Art, die vermutlich- chine­sischen Mustern nachgebildet sind?!

Die Läden selbst sind wie die Bazare des Orients nach der Straßenseite hin ganz offen, recht primitiv und natürlich, recht schmutzig. Hier werden nicht nur Geschäfte gemacht, hier wird vielfach gegessen und getrunken, ge­wohnt und geschlafen. Und was wird hier nicht alles verkauft! Das Wunderlichste waren wohl die Fleischer­läden, in denen Hunde und Katzen, besonders aber gemästete Ratten zum Verkauf ausgestellt waren. Aber wie wenig wir danach von dem Geschmack der Chinesen halten mögen, in Bezug aus den Genuß von Fischen finS sie offenbar sehr anspruchsvoll. Fisch wird von Chinesen nur lebendig ge­kauft, lebendig noch int Beisein des Käufers mit einem Bindfaden urnbunden und so noch zappelnd an die Wag­schale gehängt.

Mehr als 800 Tempel hat die Stadt aufzuweisen, teilweise buddhistische, teilweise confucianische. Viele Chi­nesen bekennen sich um ganz sicher zu gehen auch wohl zu beiden Religionen, und einige nehmen aber nur wenn sichs besonders bezahlt macht auch, noch die christ­liche an. Der Tempel der 500 Genien hat eben ein halbes Tausend vergoldeter Statuen jovial aussehender älterer Herren in Lebensgröße aufzuweisen, die Jünger Buddhas. Es giebt auch einen Tempel der Langlebigkeit mit vier abschreckenden Bildnissen, Sie als Thorhüter dienen. Ein Tempel der fünf Widder zeigt uns die fünf Genien, die über Erde, Feuer, Metalle, Wasser und Holz herrschen und auf jenen fünf Hammeln vom Himmel nach Kanton her­abgestiegen sind und Getreide unS andere Segnungen dort­hin gebracht haben. Während ich, in einem anderen Tempel mich aufhielt, ward ein apetitlich aussehendes ganzes Schweinchen in gebratenem Zustande hereingebracht, nach einigem eigenartigen Zeremoniell abervoll und ganz" wieder nach, Hause geschleppt. Ich erfuhr nun, daß, da die Götter die Opfergaben Soch nicht anrühren, man sich damit begnügt, sie ihnen anjubieten. Sie sehen doch den guten Willen, und dem Opferbringer mnndets dann um so besser. Aber die armen Priester!