Ausgabe 
7.8.1900
 
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ent zu glauben ist? Redlicher Freund, das kann ich dir sagen: v* Glaube dem Leben, es lehrt besser als Redner und Buch.

Goethe.

(Nachdruck verboten.)

Geächtet.

Roman vonLotharBrenkendors.

(Fortsetzung.)

Es war seltsam anzuschauen, wie rasch unter dem Einfluß dieser eigenartigen Tröstung die Wolken des Kummers von des Leutnants Antlitz verschwanden. Er hob den schwermütig in die Hände gestützten Kopf wieder frei empor, und wie ein Aufblitzen freudiger Erkenntnis leuchtete es über seine Züge hin.

Bei Gott, Fräulein Charlotte, ich glaube, Sie haben so unrecht nicht! Ja, eine lustige kleine Fran, eine recht ausgelassene und übermütige, das wäre etwas nach mei­nem Herzen."

Auf einen so wunderbar schnellen Erfolg ihres mit­leidigen Zuspruchs schien Fräulein Charlotte denn doch nicht gerechnet zu haben. Und die Betroffenheit über den jähen Wechsel seiner Empfindungen spiegelte sich wohl auch deutlich genug in ihrem Gesicht, um Herrn von Kapnist trotz seines geringen physiognomischen Scharfblicks nicht ganz zu entgehen.

Sie müssen durum nicht glauben, daß ich wankel­mütig bin", fügte er in seiner beinahe kindlich treuherzigen Weise hinzu.Ich würde es nach wie vor für eine große Ehre und für ein ganz unverdientes Glück ansehen, wenn das Fräulein von Marschall sich gnädigst herbeiließe, meine Hand anzunehmen. Aber daß sie vielleicht ein wenig zu klug und zu feenhaft-königlich für mich! sein würde, das, ehrlich gestanden, habe ich mir selber auch schon gesagt. Und wenn mir nicht mein Herr Vater eben geschrieben hätte, ich solle mich nach einer konvenablen, Braut umthun"

Wie? Nur auf- Ihres Vaters Befehl wollen Sie sich Hals über Kops verheiraten, Herr Leutnant?"

Von Befehlen ist da nicht die Rede. Aber michdünkt, er hat so unrecht nicht- Jung gefreit, hat niemand gereut. Und weil ich doch demnächst zu den Kürassieren versetzt werden soll, wo, wie er schreibt, ein lediger Offizier leicht ins lockere Leben und ins Schuldenmachen hineingerateN kann"

Wie? Sie sollen fort von Küstrin? Und zu den Kürassieren?"

Mein Herr Vater will es so. Er ist in eigener Person bei Seiner Majestät darum vorstellig geworden,, und ich! habe schließlich keinen Grund, mich darüber zu beklagen. Ein paar Monate mögen indes leicht noch ins Land gehen, bevor ich die Ordre erhalte, und bis dahin"

Bis dahin meinten Sie hier alles ins reine zu bringen? Nun, Sie mögen ja immerhin Ihr Heil ver­suchen, Herr Leutnant! Ich werde die Erste sein, die Ihnen gratuliert, wenn Ihre Hoffnungen sich dennoch erfüllen."

Aber er sprang hastig auf und lugte beinahe ängstlich nach der Richtung, aus der Elisabeth! von Marschall kom­men mußte.

Um des Himmels willen nicht, Fräulein Charlotte! Wenn Sie wüßten, welche Angst ich vor dieser Verlobung gehabt habe! Nein, ich bin herzlich froh, daß das nun überstanden ist."

Erschrocken hatte sich das junge Mädchen ebenfalls erhoben.Wie? Sie wollten auf meine bloße Vermutung hin? Aber es wäre doch! denkbar, daß- Elisabeth trotz alledem anderen Sinnes geworden ist."

Nein, nein, Sie hatten vollkommen recht- Ein Wort aus ihrem Munde ist so gut als ein Schwur. Und, dann, wenn ich nun jetzt einen Korb erhielte, könnte ich doch niemals wieder hierher kommen. Das wäre sehr traurig für mich. Und würde es nicht auch. Ihnen ein klein wenig zu Herzen gehen, Fräulein Charlotte?"

O, ich- von mir ist hier doch nicht die Rede. Wer wenn Sie wirklich glauben, Herr von Kapnist und wenn Sie sich! nun doch einmal mit Ihrem Schicksal ab­gefunden haben"

So ist es besser, daß ich jetzt verschwinde und morgen wiederkomme, aber nicht auf Freiersfüßen, nicht wahr? Von dem, was heute zwischen uns geredet worden ist, braucht ja keiner was zu erfahren. Wir haben ver­traulich miteinander gesprochen wie zwei gute Kameraden. Und gute Kameraden, gelt, Fräulein Charlotte, wollen wir auch künftig bleiben".

Er streckte ihr seine Hand entgegen, und sie schlug ein, ohne sich! lange zu bedenken. Dieselbe neckisch^ Fröhlich­keit, mit der sie ihn vorhin empfangen, lachte jetzt wieder auf ihrem reizenden Gesichtchen.

Es ist ein gefährliches Versprechen, Herr Leutnant, das ich Ihnen da gebe; denn ich, könnte dadurch genötigt werden. Sie eines Tages ebenfalls zum Vertrauten meiner Herzensaffairen zu machen. Und ich fürchte, daß es Ihnen nicht so leicht fallen wird, mich! alsdann in meinem Unglück aufzurichten. Bereiten Sie sich nur beizeiten auf diese schwierige Aufgabe vor."

Er küßte ihr die Hand, und es war auchj nicht der