Ausgabe 
6.12.1900
 
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wurde. Da geschieht es gar leicht, daß der Schnee die Decke durchbricht und Gerüst, Schnee und Reisig den Schützlinge^ argen Schaden zusügen.

In den Gemüse- und Obstkeltern ist zu lüften, alles Faulende zu entfernen,- auch in den Pflanzenüber­winterungsräumen muß man das gleiche thun. Ein gelbes Blatt soll nicht geduldet werden.

Im Dezember beginnen wir energischer die Treiberei unserer Treibpflanzen. Hyacinthen, Tulpen, Crocus wer­den warm gestellt. Maiblumen, die nur dann sich flott entwickeln, wenn sie von Anfang an einer Wärme von 16 bis 20 Grad ausgesetzt sind, kommens in die Nahe des Ofens.

An kalten Abenden find alle Gewächse von den Fenstern wegzurücken, damit ihre Blätter nicht über Nacht an die Fenster ansrieren. Es ist ferner daraus zu achten, daß alle Gewächse des Wohnzimmers öfters mit feuchtem Schwamm abgewaschen werden, damit das Ungeziefer fich nicht zu breit zu machen kann. Die blühend gekauften Pflanzen stelle man nicht zu warm, halte sie tüchtig feucht; sie kommen aus dem Tropenklima der Gewächshäuser und können nur bei starkem Gießen die trockenere Zimmer- lnft vertragen.

Obstfreund, Gemüsezüchter und Blumenfreund fangen an Pläne zu machen für das nächste Jahr. Der Obstfreund sucht die Sorten, die er anpflanzen will, vergißt dabei nicht den imErfurter Führer" als Zukunftsapfel für den Massenanbau hingeftellten Schönen von Boskoop, be­stimmt die Bäume, welche umveredelt werden sollen, skizziert den Bepflanzungsplan für das nächste Frühjahr. Der Gemüsezüchter^ sieht seine Sämereien durch, prüft sie auf ihre Keimfähigkeit, notiert sich das Fehlende für die spätere Bestellung und ist bedacht, etwaige neue Kulturen feinem Betriebe einzureihen. Der Blumenfreund überlegt, welche Pflanzen er vermehren will durch Steck­linge, durch Samen oder durch Teilung, und trifft dazu seine Vorbereitungen. So ist der letzte Monat des alten Jahres so recht dazu geeignet, noch einmal zu überdenken, was im alten Jahre geschasst wurde und was im neuen zu schaffen ist. I. C. Schmidt, Erfurt.

Gemeinnütziges.

Eine große Freude bereitet jedem Gartenfreund das Schneiden seines Weinstocks. Leider werden aber ost recht große Fehler gemacht, so daß wohl der Stock ge­schnitten ist, im nächsten Jahre aud) austreibt, aber nur wenig vder keine Trauben bringt. Es fehlt an der richtigen Anleitung. In der neuesten Nummer des praktischen Rat­gebers im Obst- und Gartenbau ist ein längerer Artikel veröffentlicht, in welchem an der Hand vorzüglicher Bilder der Schnitt des Weinstocks in einfachen, klar verständlichen Worten erklärt wird. Der Verfasser macht darauf auf­merksam, daß es durchaus nicht im Interesse der Trag­barkeit läge, recht viel Holz stehen zu lassen, sondern im Gegenteil durch energisches Zurückschneiden die Tragbar­keit gefördert werden könne, weil sich dann die Kräfte des Stockes auf wenige Reben beschränken; diese wenigen Reben aber können gut ausgebildet und ernährt werden, infolgedessen auch gute Früchte zeitigen. Bekanntlich trägt der Rebstock, im Gegensatz zum Obstbaum, nur an starkem Holze. Starken Rebstöcken kann man natürlich eine größere Zahl Tragreben zumuten, als schwachen Stöcken, bei welchen insbesondere auf eine kräftige Holzbildung hin- 'zuwirken ist. Die Nummer 47, in welcher sich dieser Artikel befindet, ist durch das Geschäftsamt des prak­tischen Ratgebers zu Frankfurt a. O. zu beziehen.

Literarisches.

Das Weihnachtsheft von Belhagen & Klasings Monatsheften giebt vielfach die Stimmung wieder, die die Festzeit, für die es bestimmt ist beherrscht. Drei kleine Erzählungen von Karl Erdmann Edler, Marianne Mewis und Kaethe Kajetan werden außer zahlreichen Ge­dichten ihr gerecht. Nicht minder ein prächtig illustrieter Artikel von Fritz von Ostini, der die einzigartige Krippensammlung schildert, die das Bayerische Nationalmuseum einer Schenkung des Herrn Max Schmederer in München verdankt. Wir lernen durch sie eine bisher fast ganz unbekannte, überaus reizvolle Kunstindustrie kennen, die im XVIII. Jahrhundert in Bayern und besonders in Italien blühte und auch vom Standpunkt der Kulturgeschichte aus überaus interessant ist.

Ebenso zeitgemäß wie interessant ist ein zweiter illustrierter Ar­tikel:Von der englischen Freiheit und ihren Hütern" von Eduard Schüler, der sich eingehend mit dem englischen Parlament und dem englischen Parlamentarismus beschäftigt und die Frage beantwortet, in wie weit wir Ursache haben, uns etwa nach der englischen Freiheit zu sehnen. Der Aufsatz ist prächtig frisch und munter geschrieben.

Der dritte illustrierte Artikel:Die Grande Chartreuse und ihre Bewohner" von Walter Gensel, giebt die Eindrücke wieder, die der Verfasser bei einem Besuch dieses berühmten Klosters empfing. Da die Berühmtheit desselben ans sehr verschiedenen Quellen stießt, nämlich aus seiner uralten Geschichte, seiner herrlichen Lage und seinem berühmten Likör, so konnte sich auch die Schilderung in Wort nnd Bild sehr mannig­faltig gestalten.

Der RomanPsyche" von Richard Voß, der in diesem Heft zu Ende geführt wird, bezeichnet einen Höhepunkt in dem Schäften des genialen Dichters. ______

Von dem begeisterten Empfange, der Ohm Krüger bei seiner Ankunft in Marseille zu teil wurde, berichten die lebensvollen Ausnahmen der letzten Nummer derWeiten Welt" (Berlin und Stuttgart, Unionverlag), deren Schnelligkeit in der Schilderung aktueller Ereignisse das höchste Lob verdient. In prächtigen Skizzen sind auch die Hauptredner bei der Chinadebatte im Deutschen Reichstage, deren Verlauf von der ganzen gebildeten Welt mit der höchsten Spannung verfolgt wurde, wiedergegeben. Von den zahlreichen gediegenen Aus­sätzen wird vor allem eine fesselnd geschriebene Abhandlnug über das künstlerische Schäften Gustav Eberleins interessieren, dessen Haupt­werke in schönen Tondrucken wiedergegeben werden. Die Beliebtheit der Weiten Welt" ist durch den gehaltvollen Inhalt vollauf begründet; die einzelne Nummer kostet nur 25 Psg.

Kinder-Leitung. Herausgegeben von Felix von Stenglin, Groß-Lichterfelde. Inhalt von Nr. 9: Was in der Welt vorgeht: Eine Verbindung zweier Meere; Eine Schiller-Feier; Soldaten aller Länder; Der Kaiser und das Kleingeld; Ein deutscher Schifsbrüchiger; Der Kranz der Mutter; Kleine Notizen. Aus dem Reiche der Natur: Wie schwer ist die Erde? Der Beobachter in Wald und Feld: Der Sperber.Was John Dollond der Taucher erzählte" von Bruno H. Bürgel. (Forts.)Jndianerleben im Thüringer Wald" von Felix von Stenglin. (Forts.) Erlebniffe. Zu beziehen durch alle Postanstalten, Buchhandlungen und die Expedition in Groß- Lichterfelde.

Jugendschristen:

Naiurstudien im Garten. Plaudereien am Sonntagnachmlttag. Ein Buch für die Jugend von Dr. Karl Kraepelin, Direktor des Naturhistorischen Museums in Hamburg. Mit Zeichnungen von O. Schwindrazheim. [VI u. 150 ©.] gr. 8. 1901. In Original-Leinwandband n. Mk. 3.60. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig.

Gleich denNaturstndien im Hause" desselben Verfassers wollen dieseNaturstudten im Garten" den Sinn für die Natur und ihre Wunder im Herzen der Jugend wachrufen nnd beleben. In der Form zwangloser Plaudereien eines Vaters mit seinen drei Söhnen, nnd anknüpfend an die verschiedensten, in jedem Garten sich darbietenden Naturobjekte, sucht der Verfasser die junge Welt zu eigenem Nachdenken anzuregen und ganz unvermerkt zu allgemeineren Gesichtspunkten über das gesetzmäßige Walten in der Natur hinznleiten. Küchengewächse, Zierpflanzen, Unkräuter wechseln in bunter Reihe ab mit den mannig­fachen tierischen Bewohnern des Gartens, von der brütenden Gras­mücke bis herab zu den schädlichen Blattläusen und den Regenwürmern. Der von O. Schwindrazheim ausgeführte Bilderschmuck des lebendig geschriebenen, auch jedem Erwachsenen reiche Belehrung bietenden Merk­chens erscheint recht ansprechend. Wir glauben daher das hübsch und vornehm ausgestattete Buch namentlich als FestgeschtNk warm empfehlen zu sollen.

Logogriph.

Nachdruck verboten.

Bin guter deutscher Unterthan Und rede doch in fremden Lauten. Gewandt führ' ich den Ruderkahn Im Stromgebiet, dem heimisch trauten. Dort führ' ich dich als lieben Gast Durch Dörfer, Wiesen, Waldgelände! Wenn dn mein Haupt genommen hast, Bereitest dn dir selbst das Ende.

Auflösung folgt in nächster Nummer.

Auflösung des Zahlenrätsels in vor. Nr.:

Albrecht Dürer; Leberecht, Lecher, Lebe, Elbe, Oelle, Lecht. Ihaler. Dattel, liebel, Lehe, Erbe, Rabe.

Briefkasten.

K r, G.

Mitleid trag' ich nicht nur mitächzend brechenden Wäldern";

Decke der Winter drum zu, was Du im Herbste verbrachst. Bdk

Redaktion: ®. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch, und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.