Ausgabe 
7.1.1900
 
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sonntag den 7. Januar.

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fu wirst es nie zu Tücht'gem bringen Bei deines Grames Träumerei'n, Die Thränen lassen nichts gelingen; Wer schaffen will, muß fröhlich sein. Wohl Keime wecken mag der Regen, Der in die Scholle niederbricht, Doch golden Korn und Erntesegen Reift nur heran bei Sonnenlicht.

Th. Fontane.

Nachdruck verboten.

Heimatlos.

Roman von E. P. Roe.

(Fortsetzung.)

III.

Die Hochflut.

Bald senkten sich tiefere Schatten auf die Familie herab. Howell hatte sich endlich Klarheit verschafft über die Aussichten der Firma und erfahren, daß ein baldiger Bankerott fast unvermeidlich war. Er war so nieder­geschlagen und finster, als er sich zu Tisch setzte, daß seine Frau nicht den Mut hatte, ihm von ihren Plänen für das Glück ihrer Tochter oder von ihrem Einkauf von Spitzen und Bändern Mitteilung zu machen, aus welchen sie ein Netz zu weben gedachte, in dem Vinton gefangen werden sollte. Selbst ihr sanguinisches Wesen konnte sie nicht mehr schützen vor schwarzen Befürchtungen, und ein Druck lastete auf allen.

Fanny, ich muß Dich sprechen, sagte plötzlich Howell, und erbleichend folgte sie ihm in ein Nebenzimmer. Was mochte vorgefallen sein?"

Fanny, begann er traurig, unsere Firma ist in Not, und aus den Worten und dem Wesen meiner Teilnehmer schließe ich, daß sie schon alle Hoffnung aufgegeben haben."

Ach Martin, sieh es doch von der hellen Seite an!" Sei unbesorgt, sie werden die Sache schon durchbringen, und wenn nicht, so wirst Du bald eine bessere Stellung er­langen. Ein Mann von Deinen Fähigkeiten sollte an der Spitze einer Firma stehen."

Leider können Deine sanguinischen Hoffnungen nichts in der Sache ändern. Wenn die Firma falliert, so bin ich ohne Stelle, denn noch bessere Geschäftsleute als ich suchen vergeblich eine Stellung zu gewinnen. Der Gedanke, daß

wir in diesen guten Jahren nichts gespart haben, ist mir schrecklich. Soviel ist sicher, kein Pfennig darf auSgegeben werden, außer für das nötigste, bis bessere Aussichten sich eröffnen!"

Können wir nicht nach Saratoga gehen?" stotterte Frau Howell.

Davon kann keine Rede sein! Selbst wenn alles gut gegangen wäre, hätte ich dazu Geld entlehnen müffen. Wenn es kommt, wie ich befürchte, so sehe ich nicht, wie wir überhaupt irgendwo leben können, am wenigsten in einem Hotel von Saratoga. Kannst Du denn die Lage nicht be­greifen, Fanny? Wenn meine Einnahme plötzlich aufhört, wie viel haben wir dann für die nächste Zeit?"

Sie sank schluchzend in einen Lehnstuhl.Ach, wenn ich das früher gewußt hätte! Sieh hier!"

Das Bett war mit Toilettengegenständen und Nichtig­keiten aller Art übersät. Mit einem zornigen Blick darauf fragte er:

Nun, wieviel Geld ist Dir übrig geblieben nach dem Einkauf von diesem Kram?"

Ach, Martin, schluchzte sie, sprich nicht in diesem Ton mit mir! Ich wußte ja nichts davon, daß wir wirklich in Gefahr seien. Gestern schienst Du in so vortrefflicher Stimmung zu sein, und Vinton zeigte so viel Interesse für Mildred, daß mein Herz den ganzen Tag über feder­leicht war."

Howell verwünschte innerlich seine thörichte Gewohnheit.

Das Geld ist also fort, das Du heute Morgen hattest?" fragte er.

J°."

Wie viel hast Du ausgegeben?"

Frage mich nicht."

Er war so ärgerlich, am meisten auf sich selbst, und so niedergeschlagen, daß er nicht weiter sprechen konnte. Mit einer sprechenden Geberde wandte er sich um und verließ das Zimmer und das Haus. Stundenlang ging er wie in einem Wirbelsturm in den Straßen umher. Er war nicht imstande, kalt und mannhaft der Not entgegen zu treten, er hätte einen Kavallerieangriff führen, aber nicht im Feuer still stehen können. Die Versuchung war groß, aber er versprach sich unter einem schweren Eid, nicht wieder sein Mittel anzu­wenden, zuletzt aber konnte er nicht mehr der Versuchung widerstehen, um sich aus der Verzagtheit mit Hilfe des Reiz­mittels zu retten. Endlich kehrte er erschöpft nach Hause zurück.

Inzwischen saßen Mildred und ihre Mutter betrübt bei