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öens liiti) der ÄLbe übertragen, insvefvndere gilt dies in Bezug auf die leiblichen Genüsse. Die alten Germanen haben zur fröhlichen Feier der Wintersonnenwende Fisch als Festspeise neben dem Juleber genossen, und daher stammt auch heute noch der Brauch! des Karpfenessens am Weihnachtsvorabend, mithin behauptet der Karpfen für die nächsten Wochen den Fischmarkt. In Norddeutsch land ist die Zubereitungsform in Bier besonders beliebt während in West- und Mitteldeutschland der blaugesottene Karpfen bevorzugt wird und den gewählteren Geschmack verrät; in dieser Zubereitung behält der Karpfen feinen fernen Ergengeschmack. Als leckerer Bissen gilt der Karpfengaumen. Dem Bier- oder polnischen Karpfen vorzuziehen ist der Böhmische. Hierzu wird der Karpfen in Stücke geschnitten und in Rotwein gelegt. Daraus bereitet man folgende, auf ungefähr 4 Pfund Karpfen berechnete Sauce. Man kocht Wurzelzeug mit Gewürz in kräftiger Brühe aus Liebigs Fleisch-Extrakt weich, kernt 10 bis 12 welsche Nüsse aus, kocht dieselben mit anderthalb Glas Rotwein eine halbe Stunde, löst 300 Gramm Pflaumenmuß in Rotwein auf, schüttet, wenn das Wurzelzeug weich ist, alles zusammen, giebt geriebenes Brot, Zucker und 80 Gramm srische Butter hinzu und läßt den Fisch! darin kochen. Auch in Altenburg wird statt Bier Wein zu den Saucen genommen. In England ist der Karpfen als Weihnachtsgericht eingesührt und wird dort mit frischem Gurkensalat gereicht. Außer dem Karpfen haben im Dezember schmackhaftes Fleisch: Forellen, Saiblinge, die ihres Wohlgeschmackes wegen von vielen Feinschmeckern den Forellen vorgezogen werden, Aale, Barben, Schleien, Maränen, die gebacken in Masuren am Christabend gespeist werden, Hecht, Lachs und Wels, von Seefischen giebt es Schellfisch, Kabeljau, Dorsch, Rot-Seezungen und Steinbutt. Austern sind in diesem Jahre ausnahmsweise vorzüglich. In nächster Zeit sollen amerikanische Austern in regelmäßigen Sendungen eingeführt werden, und damit dürfte dieses Schalentier, das in Nordamerika ein wirkliches Volksnahrungsmittel ist, auch! bei uns zu billigeren Preisen zu haben, sein. Der Kaviar steht auf der Höhe seiner Güte.
An Fleischabwechselung im Dezember ist kein Mangel; für die höheren Ansprüche in den Festtagen verlangt die Küche auch! etwas außergewöhnliches, und dafür ist bereits vorzügliches Geflügel vorhanden. Vorzugsweise in den Delikateßhandlungen finden wir: Hamburger Küken, Masthühner, fette Enten, Kapaunen, und in schönster Auswahl hat sich auch- die allgemein als Festbraten gerühmte Pute eingestellt. Reichste Auswahl bieten auch die Wildhandlungen, namentlich in Hase, Reh und Hirsch. Im Delikatesthandel sehen wir das erste russische Renn, dessen Zungen, die als Konserven von Schweden und Norwegen aus in den Handel gebracht werden, Feinschmecker schätzen. An Wildgeflügel giebt es Fasanen und Wildenten, Birkhähne aus Rußland, des Auerhahns nächster Vetter, das nach gehörigem Abhängen ein besseres Gericht liefert als das Auerwild, da es sich nur von Birkensprossen, Heidel- und Brombeeren nährt. Ein gut gerupftes und nur mit einem Tuch gut abgeriebenes, nicht gewaschenes Birkhuhn wird mit Speckfcheiben umbunden oder gespickt und in reichlicher Butter schön gelbbraun gebraten. Ein junges Huhn oder Henne ist in einer halben Stunde völlig saftig und durchgebraten. Hasel- und Schneehühner werden in Rußland zu tausenden erlegt und nach England und Deutschland versandt. Beide Wildvögel geben nach Art des Rebhuhnes zubereitet einen delikaten Braten. Zu erwähnen ist noch das Wildschwein, sodaß Anhänger alter Traditionen auch das Wildschwein den ehemaligen Juleber — nicht entbehren dürfen. Das beste von dem Wildschwein ist die gebratene Keule und der gefüllte Kopf, der kalt mit Remuladen- oder Cumber- laudsance gegessen wird.
Der Gemüsemarkt nimmt im Dezember von Woche zu Woche ein winterlicheres Aussehen an; Rosen und Blumenkohl sehen wir in schöner Ware, auch- noch! guten Spinat. Teltower Rüben und Karotten werden jetzt noch- den weißen und Kohlrüben vorgezogen, die erst später im Winter gesuchter sind. Grünkohl oder in anderer Färbung Braunkohl wird unter den Kälteeinflüssen von Tag zu
Tag Lesser, und ist sehr empfehlenswert zu Schweinefleisch, Bratwürstchen oder Gänsebraten. Der leicht gewaschene Braunkohl wird mit Wasser aufgesetzt und langsam zum Kochen gebracht unter öfterem Rühren und Schütteln des Topfes, damit sich der in dem Kohl sitzende' Sand herausspült. Nachdem der Kohl zwei Minuten gekocht hat, wird er nochmals in kaltem Wasser gespült, und fein gehackt. Alsdann zerläßt man 100 Gramm Schweinefett in einem irdenen Topf, und giebt den Kohl hinein, fügt Zwiebel, Pfeffer, Zucker und einen halben Liter Brühe aus 10 Gramm Liebigs Fleisch-Exrrakt hinzu, läßt den Kohl so eine Viertelstunde kochen, giebt 15 Gramm Mehl hinzu, und läßt den Kohl noch anderthalb Stunde schmoren.
Rapunze ist, solange der Schnee fehlt, noch häufig, von Endivien finden wir auf dem Markt nur die kraus- blätterige, während die dreiblätterige, wohlschmeckendere mehr in den Delikateßläden zu haben ist. Die Delikateßgeschäfte überbieten sich im Angebot frischer Gemüse und Früchte, sowie Gemüse- und Fruchtkonserven. Mau sieht in den Schaufenstern grünen französischen Spargel, die zierlichen Stachis, Cardy, französische Bohnen, englische Gurken, Schwarzwurzeln, Artischoken u. a. m. Einer besonderen Gunst der Hausfrauen erfreuen sich die Konserven, die zu allen Preislagen zu haben sind; sie bedürfen keiner Vorarbeit, sodaß oft im letzten Augenblick noch ein Zwischengericht Mr Vervollständigung, der'Mittagoder Abendtafel eingeschoben werden kann. Ein beliebtes Zwischengericht sind Schoten und Spargel mit einer Beilage von geräucherten Spickgansscheiben.
Ein großer Handelsartikel in diesem Monat ist der Mohn. Je nach der Gegend liebt man den blauen -oder weißen Mohn und wechselt auch die Art und Weise der Zubereitung. Schlesiens Sonderuachtisch zur Weihnachtszeit sind Mohnklöße mit blauem Mohn bereitet, während die Mark von weißem Mohn bereitete Mohnpielen hat.
Vom Obstmarkt verschwinden die billigen Birnen im Gegensatz zu den Aepfeln, die in diesem Jahr auffallend billig und gut sind. In den Delikateßläden sind die getrockneten Früchte des Südens zu haben: Traubenrosinen, Datteln Feigen, Schalmandeln, Paranüsse und alle anderen Nußarten. Von Naschfrüchten sehen wir Bananen und herrliche Granatäpfel, die in ihrer Heimat namentlich am Neujahrstage gegessen werden. Der Granatbaum gehört nun aber doch, so hoch er in Süd- Europa und dem Orient geschätzt wird, zu den Entthronten; die Orangen haben ihm den Rang bestritten. Weiter sehen wir Mispeln in noch nie dagewesener Größe, sowie Cakis, die chinesische Dattelpflaume, die aus naheliegenden Gründen nicht aus China, sondern aus Japan eingeführt wird.
Der Garten im Dezember.
Nachdruck verboten.
Friert es oder friert es nicht im kommenden Monat? — so habe ich dreimal fragend an meinen Knöpfen abgezählt, und da ich danach noch ebenso klug geblieben bin wie vorher, so werde ich meine Epistel auf beide Fälle einrichten müssen. Friert es nicht, dann sind wir schön heraus; denn dann läßt sich im Garten und auf dem Felde noch alles mögliche machen. Es kann rigolt werden, gegraben, gedüngt, wir können Löcher auswerfen für die Frühjahrspflanzung, wir können schneiden, auslichten, ausholzen, !vir können selbst noch Bäume pflanzen, aber es geschieht besser nicht; denn wer steht dafür, daß nach der Pflanzung nicht fofort scharfer Frost eintritt, und die armen Neugepflanzten erheblich leiden?
Gesetzt den Fall, wir bekommen Frost und Schnee, was dann? Auch da giebt es Arbeit. Schütze deine Nadelhölzer! Sie leiden unter der Last des SchKtzs, der ihre Aeste niederbiegt und ihre Form zerAitteb^Täs wenigste, was wir für unsere Nadelhölzer, thiin können, ist das Abklopfen des Schnees. Ein sorgsamer Hausvater bindet aber die Aeste am Stamme fest, damit sie von vornherein Halt gegen Schneedruck haben.
Schneedrück wird sich auch geltend machen bei denjenigen Gewächsen, welche mit einer Winterdecke versehen sind, die, statt in eine Spitze auszulaufen, flach gebaut


