Ausgabe 
6.11.1900
 
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Christen gaben ihr den heiligen Ferreol znin Schiutz- patron, im 5. Jahrhundert aber nahm der heilige Martin seine Stelle ein, nicht weil er ein bedeutenderer Heiliger ist, sondern weil sein Namenstag in die beste Gänsezeit fällt. Im November nämlich zählt die junge Gans etwa sechs Monate und ist in diesem Alter am allerbesten. Die zarte, nicht gemästete, aber Wohl genährte junge Gans liefert den Heften Braten, der mit einem Sträußchen Estragon oder Beifuß ein bürgerliches Gericht ist, das auch an der feinsten Tafel nicht verschmäht wird.

Mit dem Eintritt der Saison der Abend- und Mittags­tafeln spielt in jedem Haushalt, in dem gesellschaft­liche Pflichten zu erfüllen sind, das Geflügel eine große Rolle. Wir finden in den Delikateßläden französische und belgische junge Hühner, böhmische und steyrische Mast­hühner und Kapaunen, die großen fetten Enten von Rouen, das Entzücken des Feinschmeckers, der diese Entensorte an die Spitze jedes Wassergeflügels stellt.

Die großen Vorräte von Wild sorgen für genügende Abwechslung. Die nun beginnenden Treibjagden helfen dazu, daß Reh und Hirsch nicht teurer wird und die Preise für Hasen zurückgehen. Rebhühner halten fest an ihren Anfangspreisen. Für wählerischen Geschmack sind Fasanen und Wachteln da, deren eigentliche Heimat Capri ist, von wo aus sie >zu Tausenden verschickt werden.

Auffallend viel wilde Kaninchen werden zu Markte gebracht, die sich bisher nicht einbürgern wollten, jetzt aber von Jahr zu Jahr beliebter werden. Das Fleisch des Kaninchens ist weicher und zarter als das des Häsens. Mancher macht schon bei Nennung des Namens eine abwehrende Bewegung, jedoch ganz zu Unrecht; denn z. B. als Würz- oder Hackfleisch zubereitet ist es ganz vorzüglich.

An Fischen ist der November reich; in diesem Monat beginnt die Feinheit des Karpfens. In den Fischhand­lungen fängt sich die ganze Schar von Seefischen mr geltend zu machen. Anerkennenswert ist es, daß die großen Handlungen bestrebt sind, den Fisch mehr und mehr ein Volksnährungsmittel werden zu lassen. Für den Feinschmecker bringt der November ausgezeichneten Kaviar, gute Austern von der Holsteiner, englischen und holländischen Küste.

GenReimMÄtzige»

Ueber die Aufbewahrung unseres Geniü- ses im Winter. Wenn man sein geerntetes Gemüse für den Winterbedarf so aufbewahren will, daß es stets zu haben ist, und auch,.rein im Geschmack bleibt, dann ist es nötig, dazu besondere Vorkehrungen zu treffen. Man muß im Keller Gemüsebeete anlegen, in denen man das Gemüse in Erde einschlägt. Bedingung für das Gut­bleiben ist aber ein luftiger Keller. Da nun solche Keller nicht überall zu haben sind, so hat man mit Vorteil sogenannte Gemüsegruben im Freien eingerichtet. Es hält sich das Gemüse darin tadellos, wenn sie sachgemäß angelegt sind, lieber diese sachgemäße Anlage der Gruben, die für die einzelnen Gemüsearten verschieden sein müssen, sowie über die Anlage eines billigen Gemüse­kellers im Freien finden wir in Nr. 31 desErfurter Führers" eine längere Abhandlung durch Abbildungen erläutert. Wir machen umso lieber darauf aufmerskam, als unseren Abonnenten diese Nummer umsonst und postfrei zugesandt wird, wenn sie sich mittels Postkarte nach Erfurt wenden.

Schnitzel von Hasenrücken. Wenn man den Rücken eines Hasen enthäutet hat, so löst man das Fleisch mit einem scharfen Messer vom Knochen ab, schneidet es in zweifingerbreite Stücke und klopft dieselben gut aus. Dann macht man Butter in der Bratpfanne braun, brät die Schnitzel auf beiden Seiten und legt sie auf eine flache Schüssel. Inzwischen hat man folgende Sauce be­reitet : Man macht von 1 Löffel Butter und drer Viertel Löffel Mehl braunes Mehl, verdünnt dies mrt etwas Bouillon, fügt ein Glas Madeira oder Portwein, 1 Thee- löffel Zucker, die Säure einer halben Zitrone und acht Körner gestoßenen Pfeffer dazu. Die fertige Sauce gießt man. über die Schnitzel.

Litterarisches.

Launen der Mode. Als Laune muß es bezeichnet werden, wenn die Mode, die sonst, nur von einer einzigen Grundidee ausgehend, ihre Saisonmodelle bestinimt, in diesem Herbst mehreren Formen ihren Schutz angedeihen läßt, und sowohl die Empiresagon als auch die Bolero­form, sowie Prinzeßtoilctten neben Blusenkleidern gestattet. Es ist dem­nach jetzt ein Leichtes, sich individuell zu kleiden, und Anregungen hierzu bietet in großer Auswahl das soeben erschienene Heft 3 (XI V. Jahrgang) derWiener Mode". Preis des Heftes 45 Pfg. Probeabonnement für die Monate NovemberDezember Mk. 1.70. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten oder direkt vom Verlag der Wiener Mode", Wien, IV., Wienstraße 19.

Was muß man von -er deutschen Sozialdemokratie wissen?

Allgemeinverständlich beantwortet von E. Reyckardt. Berlin S.W. 1900. Hugo Steinitz Verlag. Preis Mk. 1..

Was in aller Welt hat denn die Sozialdemokratie mit den Familien­blättern zu schaffen?" wird vielleicht mancher fragen, und wir antworten: Mit Verlaub, mehr, als man schlechthin denkt." Ist doch die Familie ureigenste Pflanz- und Pflegstätte wahren Gemeinsinns; darum vor anderen berufen, an der friedlichen Lösung der sozialen Frage zu arbeiten. Weniger durch Sprengen lästiger Fesseln, als durch Weben eines die Allgemeinheit begreifenden starken Bandes wird eine vernünftige Sozial­demokratie zur Geltung gelangen. Einer wahrhaft brüderlichen Volks­herrschaft aber, die darin gipfelt, daß einer dem andern nach Kräften dient, dürfen wir nicht nur das Wort reden, sondern wir haben sogar die Pflicht, sie überall thatkrästig zu fördern. Das zu vermögen, bedingt Vertrautheit mit den Grundzügen der herrschenden Bewegung. Diese Kenntnis vermittelt uns in verständlicher und begreiflicher Weise die vorstehende Schrift in folgenden Abschnitten:

Das kommunistische Manifest, Marx und Engels. Bis zur Revo­lution von 1848. Die achtundvierziger Bewegung und ihre Aus­läufer. Lassales Anfänge. Lassales Arbeiterorganisation. Bis zum Gothaer Einigungskongreß. 18641875. Die Zeit des Sozialisten­gesetzes 18781890. Das Erfurter Programm. Die neuesten Wand­lungen. 18961900. Bdt.

Das hohe Lied vo« der «aalen Kunst. Von Paul Hilde­

brandt. A. Hildebrandt, Kunstverlag, Berlins. Preis ?

Ein mißglückter Versuch, die gefallene lex Heinze auf Kosten der zwingenden Nacktheit zu verunglimpfen. Wir sind nicht durchaus Ver­fechter der lex Heinze, noch weniger aber Freunde mangelhafter Verse. Pegasus-Reiten will vor anderem gelernt sein; Hohelieder-Singen erfordert Begabung, Verständnis und vollendete Formgewandtheit. Das lassen aber die Gedichte mehr oder minder vermissen; darum sind's einzeln keine Lieder und insgesamt kein hohes Lied; dagegen teilweise nackt und vollends keine Kunst. Bdt.

Skat«rrrfgave.

Nachdruck verboten.

(a b c d die vier Farben; X; L König; D Dame, Ober;

B Bube, Wenzel, Unter; V M H bie drei Spieler.)

Da die beiden Andern, die alsMaurer" bekannt sind, passen, bestimmt V, der Spieler in Vorhand, einen Fidelen, das ist Ramsch, auf folgende Karte:

a, dB; a8; bK, 9; clO, D, 9, 8, 7.

<2 <2

Q Q

<2 <2 <2

-2 <2

<2

<2 Q

<2 <2

<2

Q <2

<2 ö

Er rechnet bestimmt darauf, daß er bei dieser Karte den Ramsch nicht zu nehmen braucht; aber schon nach den ersten zwei Sticken, bei denen ihm die Gegner mit empörendem Hohn zwei Asse hineinwichsen, sieht er, daß er aus's Ganze gehen, d. h. alle Stiche nehmen muß. Natürlich muß er so spielen, daß die Gegner den Braten nicht vorzeitig riechen und ihm durch Nehmen eines Stiches die Geschichte verderben. Im Statt lag blO, b7. Jeder der Gegner hatte zwei Asse. Wie saßen die Karten? Wie ging das Spiel?

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Anagramms in voriger Nummer: Dame, Insel, Erich; Sang, Tenne, Estrich, Riese, Noten, Ebro; Dielen, Iran, Emma; Bast, Enkel, Gase, Elend, Halm, Reim, Tibet; Mais, Achse, Nase; Nagel, Ilse, Chaos, Helm, Traum; Maus, Augen, Nebel; Ferien, Rinde, Esel, Utah, Tajo; Selma, Inka, Christ, Hobel; Iller, Hasen, Rose, Ernst, Raum, Posen, Riege, Adel, Chrie, Harm, Ttsch.

Die Anfangsbuchstaben ergeben:

Die Sterne, die begehrt man nicht, Man freut sich ihrer Pracht.

Redaktion: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Meße«.