Ausgabe 
6.11.1900
 
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mehr in erster Linie steht und jetzt vielfache durch das weit praktischere Moschusfell vertreten wird.

Der Ankauf von Pelz kann nicht immer, sogar in den seltensten Fällen, von sachverständigen Personen vor­genommen werden und ist deshalb dem Verkäufer gegen­über vollständige Vertraueussache. Wie oft kommt es vor, daß im äußeren Ansehen ganz gleichartige Felle im Preise dennoch sehr von einander abweichen, was zu irrigen Ansichten Veranlassung geben kann. Das billigere Fell ist darum nicht etwa wohlfeiler als das andere, oder dieses zu teuer, der Grund liegt einfach darin, daß das eine in der Ausarbeitung verdorben und verbrannt, und darum von unverhältnismäßig geringerer Haltbarkeit ist als das gute Fell, obwohl das Auge des Laien gar keinen Unterschied an beiden entdeckt. Ebenso sei auch davor gewarnt, Imitation, d. h. gefärbtes Fell, für echtes zu kaufen und sich von vielversprechenden,, geringe Preise anzeigenden Täfelchen in manchem Schaufenster verlocken zu lassen. Man kann da, ohne ganz unverständig auf dem Pelzgebiete zu sein, Nerzmurmel für echtes Nerz und gefärbten Polarfuchs für Blaufuchs kaufeü. Die Streifen werden dem erstgenannten Felle einfach aufgefärbt, und nur mit Mühe kann echtes Nerzfell davon unterschieden werden. Damen, die Wert auf wahrhaft edles Fell legen, mögen diese Winke besonders beherzigen, und sich nie­mals von billigen Preisen irreführen lassen. Es giebt auch gelungene Nachahmungen von Sealskin, dem Rasee- Seal-Bisam am täuschendsten ähnelt; weniger schwer von echtem Felle zu unterscheiden sind die beiden anderen Konkurrenten von Sealskin: Sealbisam und Sealkanin; Skunks-Opossum und japanischer, wie Skunks gefärbter Fuchs werden oft für Skunks erstanden und Nutria für Biber gekauft. Ganz verschieden im Preise sind die unter­schiedlichen Qualitäten von Chinchilla; die langhaarigen dunkleren Felle erster Güte übersteigen die Hellen der Chinchilla-Bastarde oft um mehr als das Zehnfache, man muß also bei Ankauf von Chinchilla ganz besonders vor­sichtig sein, obwohl die Differenz im Werte in gar keinem Verhältnis zur größeren Haltbarkeit steht das teure Fell ist ebenso undankbar als das wohlfeile, nur nicht so kleidsam und schön.

Langhaarige Felle sind im heurigen Winter von der Mode bevorzugt; das ins Drap spielende Weiß des Dachs­felles mit seinen braun-weißen Spitzen, das Helle Drap des weißspitzigen Luchsfelles giebt herrliche Kontraste zu dunklen Straßenkleidern. Der moderne Muff ist groß, flach, ein wenig geschweift, vollständig weich! gehalten, so daß er seine Form durch keinerlei äußere Einwirkung einbüßen kann, und mit chic angebrachten Köpfchen und Schweifchen verziert; Persianermuffs werden mit Skunks und Fehschweifchen besetzt, Muffs aus langhaarigen Fellen können auch glatt sein. Große Pelzkragen werden Heuer auch aus drei Tieren zusammengestellt, so daß eines am Halse liegt, und zu beiden Seiten mit Köpfchen oder mit Kopf und Schweif abschließt und diese je ein herabhängen­des Fell halten, das an den Enden wieder Schweifbesatz trägt. Breitschwanz ist ein sehr schönes, aber gar nicht haltbares und sehr teures Fell, das aber dessenungeachtet bei den Damen sehr beliebt ist und zu ganzen Kleidern und Jacken verarbeitet wird. Für Ballentrees und Theaterkragen liebt man die Zusammenstellung von Fell und gaufrierten, duftigen Musselinevolants; Pelzkragen für die Straße sind sehr lang und flach! und mit Seiden­futter ausgemacht, so daß sie in Pattenform aufliegen; ihr Verschluß geschieht mit versteckt angebrachten Alu­minium- oder Silberketten sogar goldene Verbindungs­kettchen sind von der Mode nicht verboten!

Vom Monat November.

November 19 0 0.

Nachdruck verboten.

Die herbstlich sonnigen Tage sind zu Ende, und mit unerbittliche kalter Miene hält der November seinen Einzug und treibt die letzten Ausflügler und selbst die hart­näckigsten Sommerfrischler nach Haus. In der Stadt beginnt nun wieder das eigentlich!e gesellschaftliche Leben, es ist die Zeit der gastronomischen Genüsse und dement- sprechend gestaltet sich auch das Leben aus den Märkten

und in den Delikateßgeschäften. Die Auswahl an Nahr- ungs- und Genußmitteln wird immer größer; denn auch das Ausland trägt das Seine zur Vermehrung unserer Tafelfreuden bei und entsch!ädigt uns für manchen ein­heimischen Artikel, der nun knapper wird oder vollständig vom Markte verschwindet. Die Treibhäuser der französi­schen und englischen Gärtnereien künden schon jetzt den ersten frischen Treibspargel an, und senden uns frische grüne Schlangengurken. Aus der Provence werden wir reichlich mit Artischoken versorgt; in ausgezeichneten Stauden sehen wir Cardy, sowie sehr gut gediehenen Bleichsellerie, dessen weiche weiße Stengel eine delikate, den Appetit ungemein anregende Frühstücks- oder Dessert­speise sind. Von Gemüseraritäten ist als das Feinste Seekohl zu erwähnen. Die Tomaten haben sich selten in so reichem Maße gezeigt als in diesem Jahr. Die den Tomaten verwandte Eierfrucht oder Aubergine erscheint bei uns nur int Delikateßhandel. Man kocht sie, nachf- dem man sie halbiert, ausgekernt und mit heißem Wasser abgebrüht hat, mit fettem Rind- ober Hammelfleisch- und würzt sie mit Paprika. Ebensowenig bekannt sind die Stachis; diese feinen Rübchen sind seit einigen Jahren aus China bei uns eingeführt, stammen eigentlich aus Japan, genießen aber schon seit geraunter Zeit das Bürgerrecht in China. Die Zubereitung der Stachis ist sehr einfach,. Die Knollen werden aber nur in lau­warmem Wasser leicht abgebürstet und dann in Salz­wasser in 1218 Minuten gargekocht. Dann schwitzt man Mehl in Butter gelb, verkocht die Einbrenne mit Gernüse- wasfer zu dicklicher Sauce, fügt Muskatnuß und etwas Petersilie hinzu, kräftigt die Sauce mit 5 Gramm Liebig's Fleisch-Extrakt und zieht sie mit einigen Eigelben ab. Wer einen schwach säuerlichen Geschmack liebt, füge etwas Zitronensaft hinzu. Auf dem Gemüsemarkt erscheinen ganze Wagenladungen Weißkraut, das zum Einsauern in großen Mengen verbraucht wird. Die Weißkohlernte ist jedoch recht ungünstig ausgefallen, und manche nichts­ahnende Hausfrau wird über die Preise, die die länd­lichen Verkäufer stellen, überrascht sein. Rot- und Welsch­kohl sind in Folge reichlicher Zufuhr aus Holland etwas billiger geworden. Das gekanfteste Gemüse ist jetzt der Spinat, der selbst vom Grünkohl noch nicht verdrängt wird; Rosen- und Blumenkohl ist in vorzüglicher Ware vorhanden Kopf-Salat liefern die Gärtnereien in prächtigen Köpfen, ebenso breitblättrige wie krause Moos­endivien. Sellerie wird in guten Knollen angeboten, und wer Selleriesalat mit Grün liebt, findet Rapnnzen dazu. Von Wurzelgemüsen werden Schwarzwurzeln nur wenig angeboten, recht gesucht sind Karotten, Teltower Rübchen, Kohlrüben und rote Rüben ober Beeten. Zu der nament- lich in Rußland so sehr beliebten uttb schmackhaften roten Rübensuppe schält man einige Rüben, schneidet sie in Stücke, übergießt diese mit kaltem Wasser und stellt sie an einen warmen Ort zum säuern. Ans Knochen, Grün­zeug und Fleisch-Extrakt kocht man eine kräftige Brühe, gießt au diese den Saft der Rüben, dickt das Ganze mit etwas Kraftmehl an und giebt die Suppe mit Form­nudeln, Würstchen ober Fleischklößchen. Tie Suppe muß fein säuerlich schmecken, ev. wird mit eüvas Essig oder Citronensänre nachgeholfen. Viel begehrt ist jetzt der Kürbis, der auch wie alle Produkte des Gemüsegartens in diesem Jahr teuer ist. Von frischen Pilzen findet man nur noch Garten - Champignons. Aus den nordischen Ländern, wo die Steinpilze besser als bei uns geraten sind, treffen schon die ersten Sendungen in frisch ge­trockneter Ware ein.

Der Obstmarkt ist unverändert, obenan stehen aus­gezeichnete Birnen und Aepfel, letztere find besonders gut geraten und billig.

In den ersten Wochen des Novembers stehen Wild und Wildgeflügel etwas hinter dem Martinsvogel, der Gans, zurück. Auch! die Gans hat ihre Vorgeschichte. In Egypten, wo sie der Isis geweiht wurde, war der Gänse­braten nur für die Priester und Könige. Vom alten Griechenland, das die Gans der Persephone weihte, be­richtet Homer, König Menelaos habe in seinen Muße­stunden Gänse gemästet. Den Römern, die sie der Juno weihten, hat die Gans das Kapitol gerettet und wurde dafür für unverletzlich erklärt. Die ersten gallischen